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Veröffentlicht am 15. April 2023 von lyrikzeitung
Gyula Illyés (* 2. November 1902 in Felső-Rácegrespuszta, Österreich-Ungarn; † 15. April 1983, heute vor 50 Jahren, in Budapest)
Frühes Dunkel
Vor den ruhelosen Wolken des Herbsthimmels tänzelt der Mond. Bevor er sich davonmacht, bevor er weggerissen wird, möchte er sich noch einmal im kühlen Wasser des Wiesenbrunnens spiegeln! Er ist ausdauernd, er hält stand wie die Frauen, aber es will ihm nicht mehr lange gelingen. Metallisch schlagen die Maisblätter aneinander. Nach einem irren Lauf hockt sich der letzte Hase auf die Hinterläufe, lauscht, und mit der nahenden Katastrophe erstarrt er zur Statue.
Deutsch von Bernd Jentzsch. Aus: Gyula Illyés, Mein Fisch und mein Netz. Berlin: Volk und Welt 1973 (Weiße Lyrikreihe), S. 67
Kategorie: Ungarisch, UngarnSchlagworte: Bernd Jentzsch, Gyula Illyés
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