Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Christiane Grosz (* 7. Januar 1944 in Berlin, † 10. November 2021) zu AGNUS DEI für Herrn Nicanor Parra in Verehrung Sie fragten das Lamm Gottes nach der Anzahl der Äpfel im irdischen Paradies zu recht. Ich hoffe, Sie erhielten Antwort und haben die Zahl überprüft. Sie baten… Continue Reading „Christiane Grosz †“
Ernst Toller (geboren am 1. Dezember 1893 in Samotschin, Provinz Posen; gestorben am 22. Mai 1939 in New York City) ALP Auf einer Stange morsch und faul Hockt das Völkergewissen, Um die Stange tanzen drei Kinderknochen, Aus dem Leib einer jungen Mutter gebrochen, Es blökt den Takt das Schaf bäh bäh. Aus: Poesiealbum… Continue Reading „Völkergewissen“
Otfried Krzyzanowski, um Soldat zu sein war er zu krank, für eine bürgerliche Existenz nicht tauglich oder nicht bereit, er lebte seine radikale Bohèmeexistenz in Wiener Kaffeehäusern, las Nietzsche, erbettelte ein karges Überleben. Über den Krieg schreiben kann vielleicht nur, wer nicht mit drin… Continue Reading „Der Soldat vielleicht“
Heute vor 80 Jahren, am 27. November 1941 werden mit dem „7. Osttransport“ vom Bahnhof Berlin-Grunewald mehr als tausend Juden nach Riga deportiert, darunter auch die Dichterin Ite Liebenthal. Sie werden drei Tage später im Wald von Rumbula bei Riga ermordet. Ite Liebenthal (eigentlich Ida Liebenthal;… Continue Reading „Bald wird mein junges Herz“
Richard Dove Lockdown III Nicht mehr erotisch Rainer Maria Rilke: Eros (1924) Masken! Masken! Daß man Eros blende. Wer erträgt sein strahlendes Gesicht, wenn er wie die Sommersonnenwende frühlingliches Vorspiel unterbricht. Wie es unversehens im Geplauder anders wird und ernsthaft… Etwas schrie… Und er… Continue Reading „Lockdown III“
Richard Dehmel (* 18. November 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz, Provinz Brandenburg; † 8. Februar 1920 in Blankenese) Radlers Seligkeit Wer niemals fühlte per Pedal, dem ist die Welt ein Jammertal! Ich radle, radle, radle. Wie herrlich lang war die Chaussee! Gleich kommt… Continue Reading „Ick radle!“
Joachim Ringelnatz (* 7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher; † 17. November 1934 in Berlin) Schneiderhüpfel vor dem Ochsen am Spieß Ein Maß Bier und zwei Maß Bier Und hundert Maß Bier und tausend Maß Bier. So leben wir, so leben wir An der Isar. Und Kalbshaxn und Kalbshaxn. Wie sind keine… Continue Reading „So leben wir, so leben wir“
Gestern vor 85 Jahren wurde Wolf Biermann in Hamburg geboren. Heute vor 45 Jahren fasste das Politbüro der SED in Ostberlin den Beschluss, den unbequemen Liedermacher und unerschrockenen Regimekritiker aus der DDR „auszubürgern“ bzw., wie es in der Pressemeldung der ostdeutschen Nachrichtenagentur ADN hieß,… Continue Reading „Der Aufsteigende“
Meret Oppenheim ( * 6. Oktober 1913 in Charlottenburg, heute Berlin; † 15. November 1985 in Basel) Ich muß die schwarzen Worte der Schwäne aufschreiben. Die goldene Karosse am Ende der Allee teilt sich, fällt um und schmilzt auf der regenfeuchten Straße. Eine Wolke… Continue Reading „Meret Oppenheim erinnern“
Iulia Hasdeu (Haşdeu, * 14. November 1869 in Bukarest; † 29. September 1888 ebenda) war eine rumänische Dichterin, „Wunderkind“ und „Frühvollendete“. Sie schrieb Rumänisch und Französisch – im deutschen Sprachraum blieb sie offenbar unbekannt. Alexandra Bernhardt (Wien) war so freundlich, mich auf sie aufmerksam… Continue Reading „O Herr!“
Heute vor 70 Jahren nahm sich die österreichische Schriftstellerin Hertha Kräftner mit nur 23 Jahren das Leben. 50 Jahre später wurde in ihrer Heimatstadt eine Gasse nach ihr benannt. Hertha Kräftner (* 26. April 1928 in Wien; † 13. November 1951 ebenda) BETRUNKENE NACHT Der Gin schmeckt gleich um elf und… Continue Reading „Hertha Kräftner (1928-1951)“
Marie T. Martin Brief im April Bekommst du noch Briefe von Toten? Ich schreibe dir ins Jahr nach deinem Tod, was siehst du ohne Augen? Hier wachsen Blauschote und Glimmerkraut, später wird sich enthüllen, welche Sätze wichtig gewesen wären. Schreibst du noch Briefe, ich… Continue Reading „Marie T. Martin †“
Àxel Sanjosé Mahlers Fünfte am Martinstag Aus der Dämmerung ein Krankenwagen, eine Fanfare. Die Lichter flackern, die Stimmen werden dünn, die Mäntel lassen den Wind durch. Wir gehen nicht nach Haus. Schlecht beleuchtet, diese Wege, und viel zu holprig für ein Kondukt. Aus: Àxel… Continue Reading „… am Martinstag“
Auf die Gefahr, allmählich den Unmut der verehrten Leserschaft auf mich zu ziehen, hier noch einmal der alte Anakreon. Ich finde nämlich, er ist interessanter als das meiste, was man Anakreontik nennt. So Zeug von Frauen und Wein („Wein, Weib, Gesang“) in gereimten deutschen… Continue Reading „Amor als Holzfäller“
Nämlich von Anakreon. Alexandra Bernhardt hat mir geschrieben und vorgeschlagen, es könnte eine Fehlübersetzung sein. Es gibt nämlich ein Fragment, das so ähnlich beginnt wie das gestrige. Folgende Belegstellen hat sie herausgesucht (im folgenden zitiere ich ihre Mail). ἐγὼ δὲ μισέω πάντας ὅσοι χθονίους… Continue Reading „Noch ein Hassgedicht oder dasselbe noch einmal?“
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