Kategorie: Deutsch

Aus den Walliser Gedichten

Rainer Maria Rilke  (* 4. Dezember 1875 in Prag; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz) LES QUATRAINS VALAISANS XXI Après une journée de vent, dans une paix infinie, le soir se réconcilie comme un docile amant. Tout devient calme, clarté … Mais à l’horizon s’étage, éclairé et doré, un beau bas-relief… Continue Reading „Aus den Walliser Gedichten“

Kaschubisches Weihnachtslied

Werner Bergengruen  (* 4. Septemberjul. / 16. September1892greg. in Riga, Gouvernement Livland, Russisches Reich; † 4. September 1964 in Baden-Baden) KASCHUBISCHES WEIHNACHTSLIED Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande, wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren! Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen, wärst auf Daunen weich gebettet worden. Nimmer wärst du in den Stall gekommen, dicht… Continue Reading „Kaschubisches Weihnachtslied“

Wörter

Das jüngste Poesiealbum erschien gerade mit der stolzen Nummer 366: Volker Sielaff Wörter Allen meinen Freunden verschweige ich dich. Ich spreche mit ihnen über den Krieg im Fernsehen und was man am besten heraushält aus einem Gedicht. Und wenn ich so spreche fragt mich… Continue Reading „Wörter“

Lieben

Ilse Aichinger  (* 1. November 1921 in Wien; † 11. November 2016 ebenda) LIEBEN, DEN ICH NICHT SEHE Lieben, den ich nicht sehe Fragen, den ich nicht höre Fürchten, worum ich flehe Fliehen, worauf ich schwöre Ruhen, vor dem ich fliehe Fliehen, in dem ich ruhe Welken, in dem ich blühe… Continue Reading „Lieben“

Goebbels seine Sorgen

Wem ist bewusst, dass in der berühmten Anthologie „Menschheitsdämmerung“ neben Benn, Stramm und Trakl auch Gedichte auf Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht stehen? Letzteres von Rudolf Leonhard. Er war Kriegsfreiwilliger, Pazifist, Expressionist, Kommunist, er lebte zuletzt in der DDR, wo er 1953 starb. In… Continue Reading „Goebbels seine Sorgen“

Verbot zu ankern

Margot Scharpenberg (* 18. Dezember 1924 in Köln; † 25. August 2020 in New York) Statt eines Traums Verbot zu ankern. Laß ihn weiterziehen, den schwarzen Kahn, gemähter Nächte voll. Die toten Sterne kennen keinen Hafen. Wer einmal zielte, bleibt als Schütze stehn, für… Continue Reading „Verbot zu ankern“

Dezember

Kurt Bartsch  (* 10. Juli 1937 in Berlin; † 17. Januar 2010 ebenda)  der dezember im schnee der vater die mutter mein das holzhaus der frieden hölzernes bein hinkt wie die vergleiche die bäume stehn im himmel unten das leben ist schön Aus: Saison… Continue Reading „Dezember“

Fortschrittswelt

Heinrich Heine  (* 13. Dezember 1797 in Düsseldorf; † 17. Februar 1856 in Paris) Mittelalterliche Rohheit Weicht dem Aufschwung schöner Künste: Instrument moderner Bildung Ist vorzüglich das Klavier. Auch die Eisenbahnen wirken Heilsam aufs Familienleben Sintemal sie uns erleichtern Die Entfernung von der Sippschaft. Wie… Continue Reading „Fortschrittswelt“

Schauergeschichte

Moritz von Strachwitz (Graf Moritz Karl Wilhelm Anton von Strachwitz, * 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) Aus: Venedig Ich bin so krank und sterben möcht‘ ich gerne Hier in Venedig, und begraben liegen In dieser Flut, dem Ruheplatz der Sterne! In jeder Nacht pfleg‘ ich mich drauf zu wiegen,… Continue Reading „Schauergeschichte“

Anno Domini 1933

Gertrud Kolmar  (* 10. Dezember 1894 in Berlin; † vermutlich Anfang März 1943 in Auschwitz)  Anno Domini 1933 Er hielt an einer Straßenecke. Bald wuchs um ihn die Menschenhecke. Sein Bart war schwarz, sein Haar war schlicht. Ein großes östliches Gesicht, Doch schwer und wie erschöpft von Leid. Ein härenes… Continue Reading „Anno Domini 1933“

Aus dem Lieder- und Lästerbuch

Fritz Graßhoff  (* 9. Dezember 1913 in Quedlinburg; † 9. Februar 1997 in Hudson, Kanada) Commeci-commeça Grand filou Commeci-commeça, Meisterdieb aus Pontois, schlau wie Ratte in der Wand, treu wie bares Geld in Hand, gibt dem armen Luder ab, Bruder Fedja Zapzerap. Armes Luder denkt: Da, da, dieser Pan Commeci-commeça, auch kein… Continue Reading „Aus dem Lieder- und Lästerbuch“

Selbsteinschätzung des Sängers

Rudolf Prietze sammelte um 1904 in Nordafrika Lieder der Haussa (Hausa) und ließ sie sich später in Tunis und Kairo von zugewanderten Hausa und Zöglingen der Azhar-Moschee Wort für Wort erklären. Es sind Erzeugnisse fahrender Dichter-Sänger, zábia (Plural) genannt ein stets weibliches Wort, obwohl… Continue Reading „Selbsteinschätzung des Sängers“

e sg ibt i mm erm ehrd a vo n

Aus: Ein Molotow-Cocktail auf fremder Bettkante. Lyrik der siebziger/achtziger Jahre von Dichtern aus der DDR. Hrsg. Peter Geist. Leipzig: Reclam, 1991, S. 226

Schon primär Volkskunst

Raja Lubinetzki (* 6. Dezember 1962 in Kropstädt) ICH MACH schon primär Volkskunst weil du so in mir steckst die klassiken verjessen sich drübber ich bin doch jar ne deudtsch und hoch sitz ich hier in diesem kolten berlin und muß immer träumen von… Continue Reading „Schon primär Volkskunst“

VOM „P“ ZUM „L“, ODER: WIE MAN DIE PANDEMIE PRODUKTIV BEWÄLTIGT

VOM „P“ ZUM „L“, ODER: WIE MAN DIE PANDEMIE PRODUKTIV BEWÄLTIGT (ERSTVERÖFFENTLICHUNG) Tom de Toys „L“OCKDOWN-TO-EARTH (in Gedenken an Peter Rech)* nach nur einem monat abstinenz von der routine nur vage erinnerung an die vertrautheit und selbstverständlichkeit der umgebung was früher normal und gewollt… Continue Reading „VOM „P“ ZUM „L“, ODER: WIE MAN DIE PANDEMIE PRODUKTIV BEWÄLTIGT“