Kategorie: Libanon
57. Superman ist Araber
Die libanesische Dichterin und Journalistin Joumana Haddad kritisiert das patriarchalische System und den Einfluß der Religion in der arabischen Welt in ihrem Essay “Superman ist Araber: Über Gott, die Ehe, Machos und andere unheilvolle Erfindungen”.
Mit der gleichen Verve wie in “Ich habe Scheherazade getötet” prangert sie in diesem Buch das patriarchalische System an, das in der arabischen Welt existiert und das in den drei monotheistischen Religionen verwurzelt ist. Durch Diskriminierung der Frauen innerhalb der Familie und in der Gesellschaft haben diese Religionen den Machismus nicht nur gefördert, sondern auch institutionalisiert und geheiligt. Machismus, der unter der Maske von Stärke, Selbstbewußtsein, individuellem oder Clanstolz eher ein tiefes Gefühl der Unsicherheit und irrationaler Ängste verbirgt. In dieser Zeit der großen politischen Umwälzungen in der Region beharrt die Autorin in einer Mischung von Bekenntnissen, Gedanken, Humor und Poesie auf der Idee, daß der in den letzten zwei Jahren geführte Kampf für die Freiheit und Würde scheitern wird ohne die progressive Bejahung einer “neuen arabischen Männlichkeit”, das heißt ohne die Errichtung einer radikal anderen Beziehung zwischen Mann und Frau – und Jedes und Jeder zum eigenen Körper. / Charles Monti, Corse Net Infos 15.5.
61. Arabische Apokalypse
Etel Adnan, die in der documenta-Halle mit ihren farbintensiven Bildern vertreten ist, verschmilzt in ihren Texten die Massaker und die Gewaltspirale im arabischen Raum mit fast kontemplativer Naturerfahrung und Traumgebilden. Eine „steinhafte Hitze“ entsteht und wir wollen ausatmen, auf den Stühlen zappeln, die Ärmel hochkrempeln, uns abkühlen und müssen doch weiter staunen. Die „Arabische Apokalypse“ ist kein bloßer Stoff, sie ist gegenwärtig. / Daniela Riess, Hessische/ Niedersächsische Allgemeine
26. Islam Erwache
Der “Islamische Revolutionsführer” Ayatollah Seyyed Ali Khamenei betonte die wichtige Rolle der Literatur im “Islamischen Erwachen”.
Er sprach am Montag in Teheran bei einem Treffen mit iranischen und ausländischen Literaten beim “Internationalen Kongreß für die Literatur des Islam ischen Erwachens”.
Er forderte die literarischen Figuren der islamischen Länder auf, Gedichte zu schreiben, die die “Erhebung des Islamischen Erwachens” beförderten.
An dem Treffen nahmen Gäste aus Tunesien, Ägypten, Libanon, Bahrain und mehreren anderen Ländern teil und lasen Gedichte zu Ehren des Propheten Mohammed, des “Islamischen Erwachens” und des 33. Jahrestages der Islamischen Revolution. / Tehran Times
34. Goncourt vergeben
Die im Libanon geborene und in Paris lebende Dichterin Vénus Khoury-Ghata erhielt am 6.12. den Prix Goncourt für Lyrik – Adrien Bertrand für ihr Gesamtwerk. Außer rund 20 Romanen veröffentlichte sie auch neun Gedichtbände. Sie erhielt bereits zahlreiche andere Auszeichnungen, darunter den Grand prix de poésie der Académie française (2009) und den Grand prix Guillevic de poésie de Saint-Malo (2010).
Seit 1903 vergibt die Akademie jährlich den Prix Goncourt an einen Romanautor. 1985 wurde ein spezieller Preis für Lyrik zu Ehren des Schriftstellers Adrien Bertrand (Goncourt 1914) hinzugefügt. (Warum nach Bertrand, der natürlich für einen Roman ausgezeichnet wurde, und nicht nach einem der großen Lyriker, ist Außenstehenden nicht leicht einsichtig. Vielleicht, weil die wichtigsten Namen bereits vergeben waren?)
Klickt man bei Wikipedias Prix Goncourt-Eintrag auf den Namen Bertrands, erhält man die Mitteilung, dieser Eintrag existiere nicht. was aber nur für die deutsche Version gilt. Es gibt sehr wohl einen (knappen) französischen und auch einen englischen, die erreicht man aber nur durch einen Trick (z.B. bei Goncourt auf Französisch klicken und dann dort anklicken oder suchen).
Übrigens haben ja auch die vielen Millionen deutschen Mallorcabesucher bisher nicht ausgereicht, um dem “Inseldichter” einen deutschen Eintrag zu sichern. Der hat einfach zu viele Minuspunkte: Dichter, katalanisch schreibend und auch noch aus Afrika. D’Efak gibt es auf Spanisch und Katalanisch.
93. Poetische Begegung der Kulturen in Bonn
Renommierte Dichter zu Gast im “deutsch-arabischen lyrik-salon”
Vor mehr als 6 Jahren gründete der aus Syrien stammende deutschsprachige Dichter, Übersetzer, Herausgeber und Publizist Fouad El-Auwad den „deutsch-arabischen lyrik-salon“. Zur illustren Gästeschar seiner bisherigen Festivals zählten u.a. Reiner Kunze, Raoul Schrott, Evelyn Schlag und Fuad Rifka. Nunmehr findet der „lyrik-salon“ zum vierten Mal statt. Zu Gast sind diesmal bei der poetischen Begegnung der Kulturen neben Fouad El-Auwad auf deutschsprachiger Seite Ulrike Draesner, Eva Förster, Ludwig Steinherr, Suleman Taufiq und Christoph Leisten. Auf arabischsprachiger Seite werden Naim Talhouk (Libanon) , Maram Massri (Syrien), Hanane Aad (Libanon), Aisha Bassry (Marokko), Rim Najmi ( Marokko) und Sarjoun Karam (Libanon) zu hören sein. Zum „4. lyrik-salon“ erscheint unter dem Titel „dOrt“ eine von Fuad El-Auwad herausgegebene deutsch-arabische Lyrik-Anthologie beim Shaker Verlag. Die zweisprachige Lesung aller Gedichte wird musikalisch begleitet durch den Oud-Virtuosen Raed Khoshaba. Sie findet statt am Samstag, dem 26. November 2011, 19 Uhr, im Festsaal der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn (Am Hof 1, 1. Obergeschoss). Der Eintritt beträgt 10,- Euro (ermäßigt 6,- Euro). – Weitere Informationen: www.lyrik-salon.de
138. Internationales Literaturfestival in Novi Sad
Међународни новосадски књижевни фестивал
Gestern begann das Internationale Literaturfestival im serbischen Novi Sad, das seit 2006 immer im August/September veranstaltet wird. Texte der Teilnehmer werden in der Zeitschrift Zlatna greda veröffentlicht. Während des Festivals wird ein Autor für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Außerdem erhält ein junger serbischer Lyriker den Branko-Preis (Brankova nagrada). Preisträger des Festivals waren bisher u.a. Christoph Meckel, Jean Pierre Faye und Ben Okri.
Unter den Teilnehmern sind Schriftsteller aus Serbien, Polen, Frankreich, Großbritannien, Rußland, Rumänien, Bulgarien, der Slowakei, Belgien, Schweden und Ungarn, aus Deutschland nehmen teil: Michael Krüger, Gerhard Falkner, Kathrin Schmidt, Ulf Stolterfoht, Uljana Wolf und Volker Sielaff.
Heute treten u.a. auf:
- 18 Uhr: Uljana Wolf, Ulf Stolterfoht, Gerhard Falkner, Volker Sielaff, Kathrin Schmidt und Michael Krüger, Moderation: Iris Radisch. Theater der Jugend
- 21 Uhr: Lesung auf dem Trg Mladenaca mit u.a. Nohad Salameh (Frankreich / Libanon), Radu Vancu (Rumänien), Volker Sielaff und Uljana Wolf.
125. Goethepreis für Adonis
Dem syrisch-libanesischen Dichter Adonis ist in Frankfurt/Main der Goethe-Preis verliehen worden. Die Jury ehrte ihn dafür, “die Errungenschaften der europäischen Moderne in den arabischen Kulturkreis getragen” zu haben.
…
Adonis ist bekennender Laizist und überzeugt, dass nur die Säkularisierung der Gesellschaft die arabische Kultur und Politik weiterentwickeln kann. Dem Wochenblatt “Die Zeit” sagte er 2002: “Immer wenn die Religion nichts vorschreibt, ist die arabische Kultur großartig. Alles, was in der arabischen Kultur frei davon ist, ist außergewöhnlich.” Seine Poesie in seinen Büchern, Artikeln und Vorträgen versteht er als zivilisatorisches Kulturprojekt, das in der Lage ist, die arabische Geschichte neu zu schreiben und zu definieren.
Inzwischen pendelt Adonis zwischen Paris und Beirut. Ost und West, glaubt Adonis, begegnen sich vor allem durch Kunst und Poesie. Das ist ganz im Sinne Goethes, der bereits zu seiner Zeit erkannte: “Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.” Aber Adonis erkennt, dass “Ost oder West zwei Begriffe sind, die mehr ideologisch als geographisch auseinander gehen”.
/ Lina Hoffmann, Deutsche Welle
110. Ängstliche Wahl
Festzuhalten bleibt aber, dass die Friedenspreisjury es nicht einmal in diesem Jahr geschafft hat, einen Autor auszuzeichnen, der nicht in den großen Sprachen der jüdisch-christlichen Tradition schreibt. Dabei gibt es mittlerweile etliche Arabisch schreibende Autoren, die ebenso gut oder schlecht auf dem deutschen Buchmarkt vertreten sind wie Sansal und literarisch locker in derselben Liga spielen: der Ägypter Alaa al-Aswani, die Palästinenserin Sahar Khalifa, der Libanese Elias Khoury, der Libyer Ibrahim al-Koni, der Syrer Adonis.
Aber einen von diesen Autoren zu wählen, war der Jury offenbar zu riskant: Wen holt man sich da eigentlich in die Paulskirche, wenn man Adonis, Al-Koni, Khalifa, Khoury, Al-Aswany auszeichnet? Wurde Adonis und Al-Koni nicht gerade noch vorgeworfen, sie stützten irgendwie die repressiven Regime in ihrer Heimat, ja, sie seien mit denen sogar verbandelt? Wie die beiden sich wirklich zur Revolution positionierten, hat dann leider niemanden mehr interessiert, nachdem ein aus der Hüfte geschossener Denunziationsjournalismus den Verdacht erst einmal ausgesprochen hatte. Sahar Khalifa? Zu brisant, da eine vehemente Israelkritikerin. Dass Khalifa auch eine fulminante Kritikerin des Islamismus und palästinensisch-arabischen Machismo ist, interessiert dann schon gar nicht mehr. Für Elias Khoury und Alaa al-Aswani gilt dasselbe. So sehr sie die Zustände in ihrer Heimat kritisieren: Wenn sie erst einmal anfangen, auszuteilen, dann kriegt auch der Westen, dann kriegen auch wir unser Fett ab.
Was uns Boualem Sansal am 16. Oktober in der Paulskirche sagen wird, wissen wir noch nicht. Aber in seinem bisherigen Werk deutet wenig darauf hin, dass er uns unangenehme Fragen stellen wird. / Stefan Weidner, Süddeutsche 14.6.
78. Neue Arabische Welt
Colloquium: Neue Arabische Welt
Sa 18.6. 18:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Black Box
Eintritt €5/3
Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen Moderation Arian Fariborz Politologe, Islamwissenschaftler und Journalist, Köln
Revolution, politischer Umsturz, Protest: Die Arabische Welt ist in Bewegung. In der Diskussion wird nach dem künstlerischen Umgang mit den derzeitigen Umbruchprozessen und gewaltvollen Auseinandersetzungen gefragt. Wie manifestieren sich Wünsche und Sehnsüchte in dichterischen Formen? Inwieweit bahnt sich die Wut ihren Weg in die Texte? Wie sieht die Situation in den unterschiedlichen Ländern und regionalen Wirklichkeiten aus? Welche Rolle spielen die Dichter in den Protesten, sind sie Beobachter, Katalysatoren oder gar Tongeber?
Neue Arabische Welt
Sa 18.6. 20:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Plenarsaal
Eintritt €10/7
Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen Moderation Pyranja Rapperin, Journalistin, Berlin
Die jungen Poeten und Performer aus der Arabischen Welt stellen ihre Werke und ihre Sicht auf das Alltagsleben vor. Jenseits von gängigen Orientalismen wird ein Wortkaleidoskop dargeboten, das von klassischer Poesie über poetry performance bis hin zu Rap reicht. Die Vielstimmigkeit der jungen Künstler spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Ägypten, Bahrain, Libyen, Tunesien und dem Libanon wider und ermöglicht einen facettenreichen Einblick in eine heterogene Region aus erster Hand.
74. Meine Anthologie: Wer bist du?
Fuad Rifka
Wer bist du?
– Wer bist du?
“Ich weiß nicht.”
–Wie verbringst du
ooo die Jahreszeiten des Lebens?
“Im Herbst
auf der Erde unter dem Laub.
Im Winter
auf der Erde unter dem Schnee.
Im Frühjahr
auf der Erde unter dem Gras.
Im Sommer
auf der Erde unter den Bächen.”
– Seltsam!
Immer unter Schleiern!
Fuad Rifka: Gedichte eines Indianers. Arabisch und deutsch. Übertragen von Ursula und Simon Yussuf Assaf. Eisingen: Heiderhoff 1994, S. 11
