Kategorie: Angola
1. In afrikanischer Poesie
Trotz verbesserter Verkehrsverhältnisse ist auch heute noch – oft wenig abseits der Wege – ein Leben in afrikanischer Poesie möglich…
Hermann Friedrich Schatteburg: Sprachschatz des “Ubundu”. Freising-München: Dr. F.P. Datterer & Cie., [undat., Einleitung dat.: 1931], S. 4.
54. Prix Camoes für portugiesischen Dichter
Der Prix Camoes, wichtigster Literaturpreis der portugiesischen Sprache, geht dieses Jahr an den Portugiesen Manuel Antonio Pina. Der Autor wurde 1943 in Sabugal geboren und hat zahlreiche Gedichtbände und auch Kinderbücher veröffentlicht. Der Preis, der mit 100.000 Euro dotiert ist, wurde 1989 von Portugal und Brasilien gestiftet und würdigt die lusophonen Autoren, die sich um die portugiesische Sprache verdient gemacht haben. Bisher haben ihn u.a. die Brasilianer Jorge Amado (1994) und Ferreira Gullar (2010), die Portugiesen Antonio Lobo Antunes (2007) und José Saramago (1995) und der Angolaner Pepetela (1997) erhalten. / rtl (Belg.)
125. “Tradition”
Vor allem aber ist Agualusa diese Reise Anlass, ein betörendes Porträt des multikulturellen Afrika zu zeichnen. Natürlich kennt der Kontinent die Gewalt zur Genüge, Agualusa hat es im «Lachen des Geckos» hinreichend angedeutet. Aber Afrika kennt neben Gewalt auch offene, dynamische, aus den unterschiedlichsten Quellen sich speisende Kulturen, weit weg von jenen umhegten, mit Kulturerbe-der-Menschheit-Mitteln auf Eis gelegten Reservaten, wo selbsternannte Traditionswächter aus dem Norden die indigenen Schöpfungen vor dem Kontakt mit dem korrumpierten Kapitalismus schützen wollen. Die Traditionen, sagen diese Sittenwächter, müssten geschützt werden. «Wirklich?», entgegnet einer der Protagonisten. «Welche Tradition denn? Die Portugiesen brachten den Karneval nach Angola und ihre Sprache, Jesus Christus, Stockfisch, Palmöl, Mais, die Gitarre, das Akkordeon, Fussball und Rollhockey. Ausserdem brachten die Portugiesen uns Syphilis, Tuberkulose, Strandflöhe und den Teufel noch dazu. Sie haben den Sklavenhandel eingeführt und mit ihm eine Reihe von anderen ehrenwerten Traditionen. Tradition. Schon das Wort lässt mich schaudern.» / Kersten Knipp, NZZ 25.8.
José Eduardo Agualusa: Die Frauen meines Vaters. Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. Verlag A 1, München 2010. 381 S., Fr. 38.50. – Ders.: Das Lachen des Geckos. Roman. Verlag A 1, München 2008. 381 S., Fr. 29.90.
14. 4+1
Das angolanische Kulturministerium will vier Bücher des Dichters António Agostinho Neto wiederveröffentlichen. Neto war der erste Präsident des unabhängigen Angola. Es handelt sich um “Renúncia Impossível” und “Sobre a Libertação Nacional”, Redensammlungen des Autors, sowie “Náusea” und “Ainda o meu sonho”, Sammlungen seiner Schriften zur Nationalkultur. [Aha, auch deren Kulturbegriff konzentriert sich auf die Essenz, die im Sekundären liegt?]. Vier Bücher, sagt die Mitteilung der angolanischen Presseagentur. Außerdem, heißt es weiter, erscheine eine Neuauflage seines Gedichts “Sagrada Esperança” (Heilige Hoffnung). Das wär das fünfte, das aber nicht zählt?
Am 15. und 16.9. wird ein internationales Kolloquium über den Autor stattfinden.
078. Lusophone Lyrik
Das Büchlein versammelt 22 jüngere portugiesischsprachige Lyrikerinnen und Lyriker aus drei Kontinenten: Afrika mit den Ländern Angola, Guinea-Bissau, Moçambique und São Tomé e Príncipe, Lateinamerika mit Brasilien sowie Europa mit der spanischen Region Galicien und Portugal. Der Herausgeber und Übersetzer Michael Kegler stellt überwiegend neuere und hierzulande unbekannte Namen vor, die in den fünfziger bis siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren sind. Darunter befinden sich die Poetin und Literaturwissenschafterin Ana Paula Taveres oder Ondjaki aus Angola, von dem ein Roman in deutscher Übersetzung vorliegt, Ivo Machado, José Antonio Gonçalves, der 2005 mit 50 Jahren schon starb, und Ana Luísa Amaral aus Portugal sowie Conceição Lima aus São Tomé e Príncipe. Von keinem einzigen dieser Autoren liegt bis heute ein eigener Lyrikband in deutscher Übersetzung vor. Das weist in der hiesigen Rezeption auf eine Lücke hin, die es allmählich zu schliessen gilt. Ein schöner Anfang ist nun gelungen, bei dem sich viele Neuentdeckungen machen lassen. / NZZ
Hotel Ver Mar. Gedichte aus Angola, Brasilien, Galicien, Guinea-Bissau, Mosambik, Portugal und São Tomé e Príncipe. Hrsg. und aus dem Portugiesischen übersetzt von Michael Kegler. TFM-Verlag, Frankfurt a. M. 2009. 103 S., Fr. 21.–.
Lusophonie in L&Poe:
2002 Apr # Der Tagesspiegel interviewt
2008 Mai #97. Die vererbte Sehnsucht – Saudade in Afrika
2008 Jul #61. 9. poesiefestival berlin erfolgreich beendet
2009 Jun #15. Preis für Armenio Vieira