Die polnische Dichterin Wisława Szymborska, Trägerin des Nobelpreises für Literatur (1996), wurde mit der ältesten und höchsten Auszeichnung Polens geehrt, dem Orden des Weißen Adlers. Bei der Zeremonie im Königsschloß Wawel in Krakau wurden auch 28 andere polnische Künstler mit verschiedenen staatlichen Auszeichnungen geehrt, darunter die Filmregisseurin Agnieszka Holland. / Alice Trudelle, Warsaw Business Journal
Wikipedia weiß, daß der Orden der siebtälteste „in der Anciennität der europäischen Orden und der Orden der Welt [ist], hinter dem Christusorden von 1319, dem britischen Hosenbandorden von 1350, dem spanischen Orden vom Goldenen Vlies von 1429, dem dänischen Elefanten-Orden (um 1430), dem dänischen Dannebrogorden von 1674 und dem Schottischen Orden von der Distel von 1687″.
„Anciennität“ ist ein schönes Wort. Paßt irgendwie zur langen Liste der Träger, zu denen reihenweise Kaiser wie Hirohito oder Haile Selassie, Könige, Generäle und Marschälle, Fürsten und Grafen, Ministerpräsidenten wie Benito Mussolini und Bundeskanzler wie Kohl und Schröder, aber auch Philosophen wie Leszek Kolakowski und Schriftsteller wie Stanisław Lem und Czesław Miłosz gehören.
Der Verein SchreibArt kümmert sich um die Aufarbeitung eines bisher kaum beachteten Kapitels deutscher Literatur: Er befasst sich mit den Zirkeln schreibender ArbeiterInnen in der DDR. Ein Amerikaner hilft nun bei der Erforschung der Lyrik und Prosa …
Heutzutage, wo sich der Arbeiter vor allem darum sorgt, arbeitender Arbeiter sein zu dürfen, scheint das Schreiben als Feierabendbetätigung gleichwohl so von gestern wie Straßenschlachten für Studenten. Erstaunlich verbreitet ist die literarische Betätigung neben dem Job jedoch ausgerechnet in der Beamtengruppe der Polizisten. Auf der Internetseite Polizei-Poeten.de veröffentlichen etliche von ihnen regelmäßig Texte, in denen sie sich mit ihrem seelisch belastenden Arbeitsalltag auseinandersetzen. / GUNNAR LEUE, taz 17.1.
Ein Leserkommentar verrät mehr:
von Petra N.:
Einige dieser Zirkel sind heute noch recht aktiv, z. B. der Friedrichshainer Autorenkreis, der einstige Zirkel der Drucker des Neuen Deutschland. Es sind auch Jüngere hinzugestoßen sowie ein paar „Wessis“ wie ich. Ich schätze die Zusammenkünfte, weil ich dort fachkundigen Rat erhalte.
[unter dem Link findet man Texte von HEL]
Loerke findet – darin ist ihm Lutz Seiler nahe – über das Hören ins Weltganze. Seine Gedichte greifen in die Horizontale und in die Vertikale, wobei er in den Bäumen und im Meer jene Riesen findet, die das Ich dazu einladen, sich in ihnen zu spiegeln. Zaghaft und tastend ist Loerkes Sprache. In den Gedichten sucht er Zwiesprache mit einem überzeitliche Du. In Loerkes schönsten Versen finden in einer Augenblickskonstellation Erzählender und Hörender zueinander.
Der 1941 in Berlin-Frohnau verstorbene Loerke kann in dieser sehr schönen Ausgabe in seinen Gedichten neu entdeckt werden. „Hören was ankommt und genießen“, empfiehlt Lutz Seiler als Möglichkeit, sich Loerkes Gedichten zu nähern. Wer diesen Ratschlag befolgt und sich „unverkrampft“ auf Loerkes Sprache einlässt, der wird erstaunliche Entdeckungen machen. / Michael Opitz, DLR
Oskar Loerke: Sämtliche Gedichte
Herausgegeben von Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel mit einem Essay von Lutz Seiler
Wallstein Verlag, Göttingen 2011
Zwei Bände, 1076 Seiten, 45 Euro
Er fährt kreuz und quer durch die Stadt, läuft herum, geht ins Kino, sieht am liebsten Detektivgeschichten und Western, diskutiert, schreibt, verbessert, verwirft, probiert dies und jenes, liest Marx und Engels und wartet auf den Durchbruch.
Noch ist er ein unbekanntes Genie, das man bloß für eine freche, provokante Skandalnudel hält. Von der ungeheuren Kraft, die in ihm steckt, wissen vorläufig nur wenige. Im Sommer 1927, wenn er sich in seiner Heimatstadt Augsburg aufhält, kreuzt er, überredet vom Vater, im Atelier des Hoffotografen Konrad Heßler auf. Von den Bildstudien, die hier entstehen, bleiben 32 Aufnahmen erhalten: Brecht in lässiger Pose, weißes Hemd, Krawatte und langer Ledermantel, zwischen den Lippen oder in der Hand die dicke Zigarre, mal sitzend, mal stehend, mal mit Buch, mal mit einem Notizbüchlein und Füllfederhalter. Der Füllfederhalter ist Staffage. Wenn etwas schnell festgehalten werden soll, genügt meist ein Bleistift. / Klaus Bellin, ND 18.1.
Bertolt Brecht: Notizbücher 24 und 25. 1927 – 1930. Hg. von Martin Kölbel und Peter Villwock. Suhrkamp Verlag, 539 Seiten, br., 24,90 Euro.
Mit seinen „Buchkreisen“ – in Streifen geschnittenen Textseiten, die er fächerartig auf Papier drapierte – machte Löhr in den achtziger Jahren auf sich aufmerksam und wurde schnell zu einem der wichtigsten Vertreter der „Visuellen Poesie“. In seinen Bildern, Objekten und Performances beschäftigte sich Löhr mit dem gedruckten Wort, das er zerstückelte, verformte und collagenhaft in einen neuen Kontext stellte. / FAZ 15.1. S. 34
Hier einige Buchkreise
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
After my mother died, one of the most difficult tasks for my sister and me was to take the clothes she’d made for herself to a thrift shop. In this poem, Frannie Lindsay, a Massachusetts poet, remembers a similar experience.
The Thrift Shop Dresses
I slid the white louvers shut so I could stand in your closet
a little while among the throng of flowered dresses
you hadn’t worn in years, and touch the creases
on each of their sleeves that smelled of forgiveness
and even though you would still be alive a few more days
I knew they were ready to let themselves be
packed into liquor store boxes simply
because you had asked that of them,
and dropped at the door of the Salvation Army
without having noticed me
wrapping my arms around so many at once
that one slipped a big padded shoulder off of its hanger
as if to return the embrace.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Frannie Lindsay, from her most recent book of poems, Mayweed, The Word Works, 2009, and reprinted by permission of Frannie Lindsay and the publisher. The poem first appeared in the Harvard Divinity Bulletin, Vol. 34, no. 1, Winter 2009. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Das soll schocken: Die Freiburger Gregor Kalchtaler und Markus Hafner inszenieren dreckigen Deutschrap als Dichterlesung. Junge Damen und Herren lesen Texte von Rappern wie Sido und Kool Savas im gediegenen Ambiente mit Leselampe und Rotwein. Zu sehen ist das Ganze seit Ende Dezember 2010 auf YouTube. …
Die Texte sind sexistisch, versaut und dreckig. So viele F-, S- und B-Wörter, dass man aufhört zu zählen. Vorgetragen werden sie aber nicht in einem stickigen Club von harten Gangstern, die Muskelpaketen mit Cappie und leicht bekleideten 90-60-90 Ladys die Punchlines servieren. Nein. Hier sitzen junge Menschen, elegant gekleidet im Lehnstuhl, daneben auf einem Tischchen eine dezente Leselampe und ein Glas Rotwein und lesen im Stile eines Dichters. / fudder.de
(zugleich ein Beitrag zur Ästhetik-Diskussion)
Es ist „die Lust, Gedichte einzupacken«, die van der Wal in gut fünf Jahrzehnten dazu inspirierte, ein abwechslungsreiches druckgrafisches Gesamtkunstwerk aus über 200 bibliophil gestalteten Büchern zu erschaffen. Vom Leporello über Endlosbücher bis hin zu Buchschachteln mit Fundstücken vom Strand reicht van der Wals gestalterische Phantasie. Am Samstag, 22. Januar, beginnt die neue Sonderausstellung „Bücherlust und Druckertrost. 50 Jahre Presse Eric van der Wal“ mit einem besonderen Eröffnungsprogramm im Museum für Westfälische Literatur in Oelde-Stromberg. Ab 14.30 Uhr präsentiert der westfälische Autor Hans Georg Bulla gemeinsam mit Eric van der Wal Beispiele aus der Arbeit des Büchermachers und erläutert die verschiedenen Geschichten hinter den Büchern.
Zuvor bietet sich ab 11.00 Uhr die Gelegenheit, dem Künstler in der offenen Druckwerkstatt beim Setzen und Drucken von Gedichten und Grafiken hautnah über die Schulter zu schauen. Der Eintritt ist frei.
Die Ausstellung „Bücherlust und Druckertrost. 50 Jahre Presse Eric van der Wal“ ist von Samstag, 22. Januar 2011 bis Sonntag, 1. Mai 2011 im Kulturgut Haus Nottbeck – Museum für Westfälische Literatur – zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter www.kulturgut-nottbeck.de
Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Ein Gedicht wird dramatisiert*, Musiker übernehmen auch kleine Rollen als Darsteller und ein Komponist schreibt Filmmusik für ein Schauspiel – dies sind die ungewöhnlichen Zutaten für eine weitere Uraufführung im Leverkusener Erholungshaus.
Am Samstag, 22. Januar 2011 ist dort um 20 Uhr „Die weiße Fürstin“ von Rainer Maria Rilke als Schauspiel mit Musik zu sehen. / leverkusen.com
*) Ja, aber war das nicht schon ein Drama?
Im Fall des Landwirtes Christian Wagner (1835 bis 1918) nimmt die Verbreitung seiner Texte durch Jazzmusiker über die im Jahresprogramm der Christian-Wagner-Gesellschaft verankerten Termine der Reihe Jazz und Lyrik in der Eltinger Lahrensmühle ihren Anfang. Nachdem der Stuttgarter Schlagzeuger und Landesjazzpreisträger Torsten Krill dort 2007 mit dem Cécile Verny Quartett eingeladen war, reifte in ihm nach der Beschäftigung mit Wagners beeindruckender Biografie und seinen Texten die Überlegung, „etwas G’scheites“ auf die Beine zu stellen. / Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung
Christoph Meckel
Höllen zählen
Er hat aufgehört, seine Höllen zu zählen
seit immer andere sich auftun, die vorhandenen
ihn durchbuchstabieren und flammen auf.
Keine Geduld zu forschen, und was in ihnen
oo verschwand, zu beschwören oder zu suchen.
Kein Rückruf. Er sucht nicht. Was verschwand
soll unauffindbar sein. Solang ein Schmerz ihn
dreht und wendet, ist nicht Zeit für
oooooooooooooooooooooo Forschung, Sprache.
aus: Christoph Meckel: Gottgewimmer. Gedichte. Hanser 2010, S. 27
Das wahre schöne Eine? Das sofort als solches ermessbare unermesslich reichhaltige Buch, zentrales Zirkulat unter periphereren Bänden? Das poetische Über-Du des letzten Jahres? Die Monstranz, die sowohl den Fatalisten befriedigt als auch den Schwirrformensemantiker? Die die Gier des Ironiker stillt, wie auch den an der Einheit von Klangschönheit und Gedankenwundersamkeiten sich stillenden Romantiker erleuchtet? Gibt es das?
Gibt es das irgendwie? Den Band, den man liest und sagt: ich brauch keinen andren nicht? Den Volker Braun Christensen Falb, den rinckschen Jeffrey McDaniel? Einen Paulus Böhmer in der Manier Jan Wagners?
Wohin trägt einen so eine papenfüßige Frage? / Leicht variiert aus einer Antwort Ron Winklers auf eine Frage von lyrikkritik.de
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