Kategorie: Europa

122. Sie sollten sich unterwerfen

Der hervorragend kommentierte Briefwechsel erinnert an die in Vergessenheit geratende Gewalt des Kommunismus. Bis ins kleinste Detail glaubte die Partei alles regeln zu müssen, alles regeln zu können. Pasternak durfte nicht veröffentlichen, wurde aber gleichzeitig gedrängt, die Leistungen der Ölarbeiter in Baku zu verherrlichen.… Continue Reading „122. Sie sollten sich unterwerfen“

120. Seite 383 im „Echtermeyer“

Kleinlaut ist bloß das erste Wort. „Neulich“, beginnt das Gedicht von Friedrich Rückert, „deutschten auf Deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend, sich überdeutschend am Deutsch, welcher der Deutscheste sei“. 1819 hat Rückert diese Zeilen geschrieben. Sie haben an Aktualität nicht eingebüßt. Folglich finden sie unbestritten… Continue Reading „120. Seite 383 im „Echtermeyer““

119. Lissabon

Diese Anthologie leistet, was man sich von jeder Sammlung literarischer Texte wünscht: Mit jeder gelesenen Seite wird deutlicher, wie bemerkenswert die portugiesische Literatur des 20. Jahrhunderts ist. Die von der Übersetzerin Gaby Wurster getroffene Auswahl der Texte zeugt von ebensolchem Augenmaß wie die Komposition… Continue Reading „119. Lissabon“

116. Babylonische Verschwörung

„Du schickst mir deine Gedichte, ich schicke dir meine“, beginnt das Gedicht „Die Verschwörung“ des amerikanischen Dichters Robert Creeley. Mit diesen Zeilen hat die Wahl-Eislinger Dichterin und Herausgeberin ihren neuen Lyrikband überschrieben. Seit 20 Jahren bestehen in Eislingen die zweisprachigen Lyriklesungen. Vorgestellt wird zeitgenössische… Continue Reading „116. Babylonische Verschwörung“

115. Rätselhaft schön

Ein Akkordeon-Stück der in Bremen lehrenden Koreanerin Younghi Pagh-Paan war von einem Gedicht von H.C. Artmann inspiriert, das so rätselhaft schön anmutet, wie der gesamte Abend in der Lutherkirche war. Denn in dem Gedicht stehen Zeilen wie „Mein Herz ist die stumme Frage eines… Continue Reading „115. Rätselhaft schön“

114. „st“

Respektlos behandeln sie edle wie banale Fundstücke (etwa aus dem Marbacher Literaturarchiv: «der Holocaust – das erfolgreichste Thema der Literatur des 20. Jahrhunderts»), verwandeln Mörike und klopfen an den Hölderlinturm. Bisweilen klingen die poetischen Gebilde wie eine verwandte Fremdsprache. Die Essenz dieser um die… Continue Reading „114. „st““

113. „Leider ja“

Kann ein Mann wie Gottfried Benn, der mit dem Faschismus sympathisierte, überhaupt ein guter Lyriker sein? Solveig Keller, Düsseldorf Reich-Ranicki: Leider ja. Ich wiederhole: L e i d e r  ja. /  Sonntagsfrage, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 3.7.

112. Bier-Ode

Der Oberstabsarzt saß gern im Pilsner Urquell: Eine ungedruckte „Bierode“ Gottfried Benns von 1935 zeigt den Dichter in Trinklaune, wenn auch nicht unbedingt in Höchstform. Für die Forschung ist das Dokument trotzdem von Interesse. Von Alexander Košenina, FAZ 25.9. (mit Text + Faksimile) –… Continue Reading „112. Bier-Ode“

111. Buchmesse Göteborg mit Afrika-Schwerpunkt

Die Augen der Stockholmer Kulturszene richten sich in diesen Tagen auf Göteborg. Das kommt nicht oft vor, mindestens aber einmal im Jahr – immer dann, wenn sich in Göteborg die schwedische Verlagsbranche zur Buchmesse versammelt. Bei der diesjährigen Messe … steht das Thema Afrika… Continue Reading „111. Buchmesse Göteborg mit Afrika-Schwerpunkt“

110. Sitzungen und Eros

Einer der Literatur-Zyklen umfasst die 22 Tuschzeichnungen Willi Sittes aus dem Jahre 1950 zu Wladimir Majakowskis Gedicht „Die auf Sitzungen Versessenen“ (1920). Sie ermöglichen dem Betrachter Einblicke in Sittes experimentelle künstlerische Phase Ende der 40er Jahre, als er versuchte, seinen akademischen Malstil aufzubrechen. … Der zwischen 1966 und 1968 entstandene,… Continue Reading „110. Sitzungen und Eros“

109. Drangsal und Verstrickung

In dem Interview fasst Herta Müller die tragische Dimension von Pastiors Verstrickung und die möglichen Gründe für sein lebenslanges Schweigen in einen einzigen Satz: «Er war zu skrupulös, um zu sagen, seine Schuld sei mässig, und er hatte wenig Grund zu sagen, sie sei… Continue Reading „109. Drangsal und Verstrickung“

107. Europäische Literaturtage

Am nächsten Wochenende ist es soweit und der Ort Spitz an der Donau verwandelt sich in ein Literaturdorf – zumindest vorübergehend. Denn dann werden dort die europäischen Literaturtage durchgeführt. Internationale Autoren wie Mathias Enard, Edo Popovic, Aleš Šteger, Bethan Roberts, Matthias Politycki, Klaus Merz,… Continue Reading „107. Europäische Literaturtage“

105. Ruhm

In der Berliner Zeitung ein Gespräch mit Peter Wawerzinek über den plötzlichen Ru(hm)mmel.

104. Jeghische Tscharenz

Jeghische Tscharenz (1897-1937) gilt den Armeniern in aller Welt als einer der bedeutendsten Dichter ihres Volkes. Seine Gedichte erscheinen jetzt im Arco Verlag in einer zweisprachigen Ausgabe: in der Originalsprache Ostarmenisch sowie in deutscher Übersetzung. Konrad Kuhn hat die Werke nachgedichtet und herausgegeben. Erstmals… Continue Reading „104. Jeghische Tscharenz“

103. Neuer Gedichtband von Hans Thill

Mit 55 Jahren legt er jetzt seinen erst vierten Lyrikband vor, den ersten seit sieben Jahren, als die „Kühlen Religionen“ erschienen und mit dem Peter-Huchel-Preis geehrt wurden. „Museum der Ungeduld“ nennt der Autor und Mitbegründer des Wunderhorn-Verlags die neue Sammlung. Die Ungeduld ist dabei… Continue Reading „103. Neuer Gedichtband von Hans Thill“