Kategorie: Deutsch

Mein liebster Leser

Alfred Margul-Sperber (geboren 23. September 1898 in Storozynetz, Österreich-Ungarn; gestorben 3. Januar 1967 in Bukarest) Mein liebster Leser! Vorspruch zu meinen Gedichten Ich schulde dir Aufklärung, warum ich diese Gedichte schrieb; Ich habe die Welt so lieb, die blaue Luft und das leuchtende Meer… Continue Reading „Mein liebster Leser“

Saget nicht

Am 7. Dezember 1940 gelingt es der Dichterin und Malerin Paula Ludwig, auf der Flucht vor den Nazis in Lissabon ein Schiff nach Brasilien zu bekommen. Saget nicht: die Glücke mußt du büßen saget nicht: dein Fuß erschreckt die Schwelle Wenn ich falle werde… Continue Reading „Saget nicht“

Nervöser Abend

Oscar Walter Cisek (* 6. Dezember 1897 in Bukarest; † 30. Mai 1966 ebenda) Nervöser Abend In den teergetränkten grauen Himmel greifen nackte Bäume – wenn ich doch nur nicht versäume, was ich Lichtes könnte schauen! Schatten kriechen durch die Gassen, nirgend sich der… Continue Reading „Nervöser Abend“

Das Hopsassa

Das Expressionismusjahr 2020 (100 Jahre Menschheitsdämmerung) geht in die letzte Runde. Heute noch einmal Gustav Sack, Heute vor 104 Jahren fraß ihn der Erste Weltkrieg (er hatte sich zunächst anders als viele der Mobilmachung verweigert, dann aber wegen bedrängender Mittellosigkeit sich selbst gestellt und… Continue Reading „Das Hopsassa“

1, 3, 7

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz) Aus „Sieben Gedichte“ (Spätherbst 1915) I Auf einmal faßt die Rosenpflückerin die volle Knospe seines Lebensgliedes, und an dem Schreck des Unterschiedes schwinden die… Continue Reading „1, 3, 7“

Was ich von dir nicht weiß und nicht erriet

„Sie sind verflucht, und leben werden wir“, schrieb die Dichterin Ite Liebenthal kurz vor ihrer Ermordung durch die Nazis. Und doch; kein Tag, an dem nicht stundenlang Hitler und seine Kumpane und Helfershelfer die Dokumentarkanäle füllen, während ihre Opfer nur in Nischen vorkommen. Ob… Continue Reading „Was ich von dir nicht weiß und nicht erriet“

Ite Liebenthal (1886 Berlin – 1941 Rumbula/Riga)

Ite Liebenthal (15. Januar 1886 Berlin – 30. November 1941 im Wald von Rumbula / Riga) Mein Vaterland, du bist vor mir gestorben, doch wirst du auferstehn und ich mit dir. Die dich vernichteten und mich verdorben, sie sind verflucht, und leben werden wir!… Continue Reading „Ite Liebenthal (1886 Berlin – 1941 Rumbula/Riga)“

„Wir schreien nach dem Kriege“

Alfred Walter Heymel gab die erlesene Zeitschrift „Die Insel“ heraus, er schrieb harmlose Chansons, Jugendstiliges, neckische Lieder vom Gott der Liebesraserei, Malaga und Malvasier und „Gierig junger Küsse Tausch, / Grausam junger Wollust Rausch.“ Doch machte ihn quasi der Tod zum Expressionisten. 1911 erschien… Continue Reading „„Wir schreien nach dem Kriege““

Flehruf

Georg Kaiser (* 25. November 1878 in Magdeburg; † 4. Juni 1945 in Ascona) Flehruf Nicht, mächt’ger Schöpfer, lasse so geschehn, Wenn du zerfallne Formen wandelnd richtest. Daß Mensch ich wieder. Dies mein Sterbeflehn, Bevor du jetzt mich odemlos vernichtest. Mach mich zum Baum,… Continue Reading „Flehruf“

Beiwort, Beilwort

Gedichte, das sind auch Geschenke — Geschenke an die Aufmerksamen. (Paul Celan, Brief an Hans Bender) Zum 100. Geburtstag Paul Celans ein Geschenk aus dem Band „Die Niemandsrose“. HUHEDIBLU Schwer-, Schwer-, Schwer- fälliges auf Wortwegen und -schneisen. Und – ja – die Bälge der… Continue Reading „Beiwort, Beilwort“

Die Kometen mit den Feuernasen

Georg Heym (* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow) UMBRA VITAE Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen Und sehen auf die großen Himmelszeichen, Wo die Kometen mit den Feuernasen Um die gezackten Türme drohend schleichen. Und alle… Continue Reading „Die Kometen mit den Feuernasen“

Judenwelsch

Das Celanjahr neigt sich, der 100. Geburtstag naht. Heute ein weiteres Gedicht. Judenwelsch, nachts Ich gab, ich gab – als Stein kommt es zurück. Es schwirrt. es trifft.   Im Eiterlicht, im Angesicht   der Mörder, Hände: Schlaft ihr nicht?   Sie treffen. Sie… Continue Reading „Judenwelsch“

In einer deutschen Stadt

Friedrich Wilhelm Wagner (* 16. August 1892 Hennweiler/ Hunsrück, † 22. Juni 1931 Lungensanatorium Schömberg) In einer deutschen Stadt Hier haben die Frauen müde Münder Und einen bescheidenen Blick. Sie meinen: Dienen ist viel gesünder Als ein großes Geschick. Und die Männer haben dicke… Continue Reading „In einer deutschen Stadt“

Schwitters

Hans Reimann (* 18. November 1889 in Leipzig; † 13. Juni 1969 in Schmalenbeck bei Hamburg) Schwitters Mit Vornamen heißt er Kurt, könnte aber auch Emil betitelt sein. Er leitet an künstlerischem Unbemitteltsein. Manchmal schwitterst er, manchmal nicht. In der Finsternis leuchtet sein merzliches… Continue Reading „Schwitters“

Dichter(in) und Liebe

Ricarda Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus) Zwei Liebesgedichte Liebesreime XXXIV Goldnes Liebchen, Sonne, Perle, Blume, Und ihr Augen, liebe Weihnachtslichter! Ja, wär‘ ich der Kaiser aller Dichter, Dichtet‘ ich euch bald zu Ehr und… Continue Reading „Dichter(in) und Liebe“