Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Bereits seit über 25 Jahren ist Wilfried G. Beschorner in den Weiten des lyrischen Kosmos unterwegs, immer auf der Suche nach neuen, bislang noch unentdeckten literarischen Formen. Denn neben den Gedichten und Balladen der alten Meister muss es da noch viel mehr geben.… Continue Reading „105. Steduenn“
Geleit Worte, schön flügelnd, wir nennen sie wie Namen der Mädchen, die wir kennen: Da tauchen sie aus den Gewässern, aus den Bäumen treten sie hervor, sie stoßen herab aus den Himmeln zu denen, die sie verstehn. Aus: Kito Lorenc, Gedichte. Ausgewählt und mit… Continue Reading „103. Geleit“
Ruth Klüger wurde 1931 in Wien geboren. Ein wenig scheint die Sprachfärbung noch durch. Sie wurde als Jugendliche in die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz verschleppt – und hat überlebt. Grausige Orte mit schönen Namen: „Birkenau und Buchenwald, darauf lassen sich Reime machen und Volkslieder singen. Man sieht bei diesen Namen Wälder im… Continue Reading „98. Orte mit schönen Namen“
Wie sollte Holocaust-Lyrik auch komisch sein können? Aber sie kann großartig, aufwühlend und in ihrer Traurigkeit beklemmend schön sein, wenn die Sprachbilder von Paul Celan stammen und von dem Schauspieler Ben Becker und dem Klarinettenvirtuosen Giora Feidmann in die Gegenwart geholt werden. Der Veranstaltungssaal… Continue Reading „96. Energieströme“
schreib dich hin, druck dich aus – der weiße Raum zwischen den schwarzen Flammen, das bist du Hansjürgen Bulkowski
Mein erstes Antiquariat, wo ich vor Jahrzehnten paar Bücher verkaufte (denn ich war jung und brauchte das Geld), aber dann mit Sicherheit Jahr um Jahr viel mehr kaufte, ist jetzt zu. „Ladenlokal zu vermieten“ steht dran. Voriges Jahr war es noch auf, aber mit… Continue Reading „94. In Halle“
Wer war Franz Ritter von Kobell? Ein ‚Altmeister der bairischen und pfälzischen Mundartdichtung‘. Das steht auf seinem Grab im alten Münchner Südfriedhof. Kobell besaß die Fähigkeit, sich in verschiedenen Dialekten ausdrücken zu können. 1839 entstand als erstes literarisches Werk das Bändchen ‚Tryphylin‘, benannt nach… Continue Reading „92. Meister und Altbayer e.h.“
Der 1929 in Iran geborene Dichter Cyrus Atabay kam in den Fünfzigerjahren zum Studium nach München. Seine ersten Jahre in der Stadt haben den ‚persischen Prinzen‘, wie ihn der Mäzen Pablo Jacobi gerne nannte, und auch seine Texte stärker als alle andere Lebensstationen geprägt.… Continue Reading „91. Deutscher Dichter, aus- und wieder eingebürgert“
‚Das Zimmer stank‘, wird Fred Uhlmann über seine erste Begegnung mit Schwitters schreiben. ‚Ein muffiger, säuerlicher, unbeschreiblicher Gestank, der von drei Dada-Plastiken ausging, die er aus Porridge (Haferbrei) gefertigt hatte, da an Gips nicht heranzukommen war. Der Porridge hatte Schimmel entwickelt, und die Skulpturen… Continue Reading „89. Avantgarde im Exil“
… fragt Burkhard Müller und sagt: Immer das neueste Medium wird verdächtigt, die Gemeinschaft zu sprengen Ein Medium ist bei Kräften, solang es als Schund gilt. Dass heute allgemeine Einigkeit über den Bildungswert des Buchs besteht, bezeugt dessen mediale Schwäche; und dazu gehört es… Continue Reading „88. Wer ist hier asozial?“
Seine Gedichte kommen leise und fragil daher: „Ich gestehe meine Vorliebe für das Unscheinbare, Unspektakuläre, vermeintlich Unvertraute und Periphere.“ Das gilt auch für dieses Gedicht. Wer kennt nicht den Moment des Aufwachens, das erste Öffnen der Augen, in denen noch der Schlaf klebt und… Continue Reading „86. Fenster zum Garten“
In Mainz funktioniert der Bahnhof nicht mehr. Aus diesem Anlass habe ich, in der Tradition von Günter Grass, ein politisches Gedicht verfasst: Ein Bahnhof, wo nichts fährt, der ist sein Geld nicht wert. Ein Bahnhof ohne Züge ist eine schlimme Lüge. / Harald Martenstein, Tagesspiegel
Bei der Erziehung ihrer Fahrgäste greifen die Münchner Verkehrsbetriebe gerne zum Gedicht. Es sind in Jamben und Trochäen verfasste Verse, wie sie auch ein Mörike nicht schöner hätte schmieden können: ‚Aus dem Walkman tönt es grell, / Den Nachbarn juckt“s im Trommelfell‘ oder ‚Ob… Continue Reading „84. Münchner Reime“
Die Gedichte des jüdischen Lyrikers Paul Celan (1920-1970) sind schwere Kost wieso quälen sie sich nur so? Wer keinen Saumagen verträgt, kann ja was Leichteres essen, bloß mal metaphorisch. Natürlich paßt das nicht auf Celan; schon weil er Jude ist… sind schwere Kost: Seine… Continue Reading „83. Schwere Kost“
“Vermutlich im März notiert” ist das kürzeste Gedicht betitelt, das vielleicht am besten die Spontanität und Offenheit (und Schönheit!) von Elke Erbs Lyrik auf den Punkt bringt: Wenn der Hirsch aus dem Wald tritt – denk nicht, das ist nichts. Oh, weißt du, das… Continue Reading „81. Das ist das Leben“
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