Kategorie: Französisch

48. Schweizer Literaturpreise

Unter dem Motto «Es gibt keine Schweizer Literatur. Es gibt nur Schweizer Literaturen» hat Bundesrat Alain Berset am Donnerstag in Solothurn die ersten Schweizer Literaturpreise verliehen. Sie gingen an Erica Pedretti, Fabio Pusterla, Jean-Marc Lovay und das Übersetzungs-Festival Babel.

Die 1930 in Mähren geborene, auf Deutsch schreibende Erzählerin Pedretti, der 1957 geborene Tessiner Lyriker Pusterla und der 65-jährige Walliser Romancier Lovay erhalten für ihr Gesamtwerk je 40 000 Franken. Das Festival Babel in Bellinzona erhält gleich zwei Preise, den für Übersetzung und den für Vermittlung.

Wie der Vorläufer der Auszeichnung, der Schillerpreis, hat auch der Schweizer Literaturpreis zum Ziel, sprachgrenzenüberschreitend die Vielfalt zu fördern, wie Kulturminister Berset in seiner Festansprache betonte.

«Ohne Vielfalt würde die Schweiz nicht existieren. Die Vielfalt ist nicht Einheit. Sie erweitert die Horizonte», sagte er in seiner dreisprachigen Rede. (…)

Die Preisverleihung bildete den Auftakt zu den Solothurner Literaturtagen, die am Freitag beginnen. Sie enden am Sonntag wiederum mit einem Festakt: Franz Hohler darf dann den Solothurner Literaturpreis entgegennehmen. / NZZ 9.5.

Fabio Pusterla, geboren 1957 in Mendrisio, ist einer der ganz grossen Lyriker im italienischen Sprachraum. Er lebt in Norditalien und unterrichtet in Lugano am Gymnasium. Er veröffentlichte seit 1985 mehrere Gedichtbände, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Er ist zudem Essayist und ein hervorragender Übersetzer aus dem Französischen und dem Portugiesischen und generell ein grosser Akteur in der Kulturszene. Aus dem Französischen hat er ein Grossteil des Werks von Philippe Jaccottet übersetzt. / srf.ch 4.4.

7. Streichend schreiben

Mit 87 Jahren veröffentlichte der grosse französische Lyriker und Essayist Yves Bonnefoy einen schmalen Gedichtzyklus, der sich von all seinen vorhergegangenen unterschied. Es handelt sich um 28 Sonette des italienischen Typus – mit jeweils zwei Quartetten und zwei Terzetten –, doch ohne Reime. Trotzdem: Die Form ist streng, und gerade diese Strenge erwies sich als ungemein befruchtend. «Der Zwang», so Bonnefoy in seinem kurzen Vorwort, «wurde zum Bohrer, durchdrang Ebenen der Abwehr, schuf Zugang zu Erinnerungen, die verschlossen geblieben waren, ja unterdrückt.» Bonnefoy nennt sein Verfahren, das darin besteht, im Rahmen der vorrangigen Form auf die Klangwirklichkeit der Wörter zu bauen, «streichend schreiben» (französisch «raturer outre»). Ein Prozess der Reduktion und Dekonstruktion, der unverhofft zu neuen Sinnverknüpfungen und Einsichten führte. / Ilma Rakusa, NZZ 23.4.

Yves Bonnefoy: Streichend schreiben. Gedichte. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Stiftung Lyrik-Kabinett, München 2012. 79 S., Fr. 21.–.

109. Kunst, Spektakel, Revolution No. 4

»Die Verwirklichung der Poesie«

Call for Papers!

Gerade ist die dritte Ausgabe der Broschüre „Kunst, Spektakel, Revolution“ erschienen und schon beginnen wir mit der Redaktionsarbeit für die vierte Ausgabe. Die vierte Nummer unserer (beinahe) jährlichen Publikation wird die Revolutionsepoche zwischen 1789 und 1871 behandeln und dabei insbesondere in den Blick nehmen, welche Tendenzen sich in der Dichtung zu dieser Zeit Bahn brachen – dementsprechend steht das Thema der Ausgabe unter dem Titel „Die Verwirklichung der Poesie“. Das Heft wird sich, dokumentierend und ergänzend, am letztjährigen Themenblock der Reihe orientieren, in dem wir uns mit Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine, Comte de Lautréamont, Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire auseinandergesetzt haben.

Während sich Hölderlin und Heine vor dem Hintergrund der deutschen Misere, in je unterschiedlicher Weise, auf die Impulse bezogen, welche die französische Revolution der weltweiten Emanzipationsbewegung gab, befinden sich Lautréamont, Rimbaud und Baudelaire in Frankreich in einer Situation, in welcher der deutsch-preußische Frankreich-Feldzug eine emanzipatorische Bestrebung zu zerstören drohte. Diese fünf Dichter sind jedoch nicht eigentlich „politische“ Dichter, die bloß die Forderungen politischer „Parteien“ zu ihrem Inhalt gemacht hätten. Ihr Vermächtnis ist nicht die Formulierung eines positiven Programms – vielmehr drückt sich in ihrer Formsprache die Tendenz einer Negativität aus, die zur Aufhebung einer schlechten Gegenwart drängt. Gleichzeitig wird an ihnen das Besondere sowie die Beschränkung der Dichtkunst sichtbar – was diese vorwegnahm, drängt in einem historischen Ereignis zur Wirklichkeit, das nicht Kunstgeschichte ist: Die erste große proletarische Erhebung in der Pariser Commune von 1871, in der zahlreiche Momente der ganzen Moderne kulminierten und die unter Aufsicht der preußischen Militärs von der französischen Bürgerklasse blutig niedergeschlagen wurde. Sich dieses Ereignis von unserer Gegenwart her neu zu erschließen und kritisch-historisch anzueignen, bedeutet aber gerade im Blick auf die Poesie, sich der Gebrochenheit der Revolutionsgeschichte bewusst zu werden: Das Dunkle und Düstere bei Hölderlin, auf den sich später auch Paul Celan bezog, die Flucht Heines vor dem Antisemitismus aus Deutschland und die rasende Vernichtungswut bei Lautréamont weisen darauf hin, dass in dieser Poesie auch bereits Momente erkennbar sind, die mit dem Geschichtsbruch zu tun haben, der sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland vollzog und der auch die Geschichte der Revolution nicht unangetastet lässt.

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Soweit der inhaltliche Rahmen des letztjährigen Themenblocks. Für das Heft ist die Redaktion auf der Suche nach weiteren AutorInnen! Insbesondere in drei Themengebieten wollen wir noch Texte haben:

1.) Die französische Revolution von 1789
Wir suchen dringend eine/n AutorIn, der/die einen einführenden Text über die französische Revolution von 1789 (und die darauffolgenden Erhebungen) schreiben kann. Zum einen erachten wir es als immens wichtig, die französische Revolution wieder ins Gespräch zu bringen, da kaum Wissen über dieses, das Wesen der Moderne prägende, Ereignis zirkuliert, zum anderen geht es um ein Ereignis, welches die deutsche Philosophie und Dichtung entscheidend beeinflusst hat. Es soll darum gehen, eine Auseinandersetzung mit der Dichtung des 19. Jahrhunderts historisch-materialistisch zu rahmen, wobei folgende Fragen berührt werden sollen: Welche neuen Bedingungen schaffen die bürgerlichen Revolutionen? Von welchen gesellschaftlichen Gruppen werden diese Auseinandersetzungen getragen? Wie stehen sie in einem Zusammenhang mit der Konstituierung des modernen Proletariats und einer möglichen proletarischen Revolution? Welche Versprechungen und Hoffnungen sind damit verbunden, deren möglich-und-wirklich-Werden und das Ausbleiben ihrer Einlösung auch den Erfahrungshintergrund der modernen Dichtung bilden? Welche Rollen spielen die Agrar- und Hungerrevolten in der französischen Revolution, inwiefern agieren Bauern, Handwerker, Arbeiter und Arbeitslose unabhängig von der Bourgeoisie? Was bedeutet die französische Revolution für Frauen und den Frühfeminismus? Wie etablieren sich mit der französischen Revolution spezifische gesellschaftliche Bereiche, die wir heute als Öffentlichkeit und Kultur kennen? Usw. – hierbei sind gern auch unkonventionelle Textformate gefragt (cut-up’s etc.).

2.) Comte de Lautréamont
Wir suchen dringend eine/n AutorIn, der/die einen Text über Comte de Lautréamont beitragen könnte. Der Text soll die Auseinandersetzung mit Lautréamont fortführen, den wir bereits in unserem zweiten Heft begonnen haben (siehe: hier). Im oben beschriebenen Zusammenhang soll Lautréamont als Dichter des Negativen vorgestellt werden, der den katastrophischen Verlauf des 20. Jahrhunderts bereits antizipierte. Folgende Aspekte erscheinen uns dabei als beachtenswert: Raserei und Rausch der Gewalt in der Dichtung / das Verhältnis der Vernunft zu ihrer dunklen Seite, die sich gewaltvoll Bahn bricht / Repression in den Bildungsanstalten des 18. und 19. Jahrhunderts und Revolte der Jugend / das Verhältnis von Revolution und Gewalt / das Programm einer neuen Dichtung, nach dem nicht ein einziger, sondern alle dichten sollen / Sexualität und Gewalt bei Lautréamont.

3.) Autorinnen des 19. Jahrhunderts
In der Nachbereitung des vierten Themenblocks der Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel, Revolution“, ist uns aufgefallen, dass wir mit Hölderlin, Heine, Lautréamont, Rimbaud und Baudelaire ausschließlich Männer in der Dichtung behandelt haben. Ohne es bewusst intendiert zu haben, haben wir damit einen männlich geprägten Blick auf die Literaturgeschichte reproduziert – ein selektiver Blick, der sich sachlich nicht rechtfertigen lässt, denn es gibt in der von uns fokussierten Epoche zahlreiche Dichterinnen, deren Wirken auch für den Themenkomplex »Verwirklichung der Poesie« interessant und wichtig sein dürfte. Ohne es kaschieren zu wollen, hoffen wir, dieses Ungleichgewicht in der vierten Broschüre wenigstens ein Stück weit korrigieren zu können und fordern euch daher auf, uns Portraits von Autorinnen des 18. und 19. Jahrhunderts zuzuschicken (für unseren Themenkomplex bspw. relevant: Olympe de Gouges, Mary Darby Robinson, Karoline von Günderrode, Bettina von Armin, Rahel Varnhagen, uvm.). Auch sie sollen im Kontext der gescheiterten oder ausgebliebenen Revolution und der Widersprüche der Moderne behandelt werden. Dabei soll es nicht darum gehen, Literatinnen in erster Linie unter dem Aspekt ihrer Weiblichkeit zu lesen, sondern ihre Werke immanent ernst zu nehmen – auch wenn dabei das Geschlechterverhältnis ein wichtiger Aspekt ist, was sich für Frauen vor allem als ein Schreiben gegen Widerstände dargestellt hat, wie es Virginia Woolf in ihren literaturhistorischen Essays beschrieben hat.

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Alle oben genannten Aspekte und Fragestellungen sind nicht als strenge inhaltliche Vorgaben zu verstehen – wir sind offen für eure inhaltlichen Vorschläge, auch wenn sie in einer Verschiebung oder Korrektur unserer Fragestellung bestehen. Wir nehmen dabei auch Texte an, die unabhängig von den oben genannten Punkten, auf unterschiedliche Weise auf die bisherigen Ausgaben von „Kunst, Spektakel, Revolution“ reagieren. Wichtig ist uns dabei ein Zugang zur Geschichte, der im Benjamin’schen Sinne in einem „Gegen-den-Strich-bürsten“ besteht und von einem rächenden Motiv geleitet wird, das sich einer universellen Emanzipation der menschlichen Gattung verpflichtet sieht. Bezüglich Format und Umfang dienen die Texte der bisherigen drei Ausgaben zur Orientierung (siehe hier: http://spektakel.blogsport.de/broschur/).

Wenn ihr einen Text beisteuern wollt, bitte schickt uns bis zum 19. Mai 2013 ein Abstract an folgende Emailadresse: ksr-reihe[at]web.de (die Redaktion behält sich vor, Textvorschläge abzulehnen). Über einen Deadline-Termin kommunizieren wir dann.

102. Gestorben

Der Schriftsteller und Verleger Clément Marchand starb im Alter von 100 Jahren in Trois-Rivières (Kanada). In seinen Gedichten beschwor er die urbane Welt Quebecs. In seiner langen Karriere gewann er etliche Literaturpreise, darunter zweimal (1939 und 1942) den Athanase-David-Preis. Er war Mitglied der Académie des Lettres von Québec. 1979 begründete er einen Literaturpreis, der 2001 seinen Namen erhielt. / Actualitté

79. Léopold Sédar Senghor-Lyrikpreis

Der internationale Léopold Sédar Senghor-Preis für Lyrik in französischer Sprache (Grand Prix International de Poésie de Langue Française Léopold Sédar Senghor) wurde gestern in der senegalesischen Hauptstadt Dakar zum achtenmal verliehen. Er ging an den Dichter Frédéric Titinga Pacéré aus Burkina Faso, der die jungen Generationen Afrikas aufforderte, an ihre Kultur zu glauben.

Der Preis wurde 1998 durch die literarische Vereinigung “La Nouvelle Pléiade” begründet, schreibt die Agence de Presse Sénégalaise.

Nach einer anderen Quelle wurde der Preis 2006 zum ersten Mal verliehen. 2006 ging er an Jean Métellus (Haiti), 2008 an Fernand Ouellette (Kanada).

Anscheinend gibt es  einen oder eher mehrere weitere Preise gleichen oder ähnlichen Titels (vgl. L&Poe hier und  im WWW hier und hier).

42. Vielsprachig

[...] Die Texte, die jeweils im Original und in einer deutschen Übersetzung präsentiert werden, entstammen dem Chinesischen, ecuadorianischen Spanisch, Französischen, Griechischen, Italienischen, Hebräischen, Japanischen, Katalanischen, Serbischen, Slowakischen, Ungarischen sowie dem Wolof. An die Seite gestellt wird den Lesern jeweils ein Reiseführer in Form eines Kommentars, der die jeweilige Literaturregion und ihre Sprache vorstellt, Interpretationsangebote macht und weiterführende Lektüre empfiehlt.

Vorgestellt und kommentiert werden:
- Konstantínos Kaváfis: Zweite Odyssee
- Giuseppe Ungaretti: Nostalgia
- Milos Crnjanski: Strazilovo
- Miyazawa Kenji: Phantasie einer Reisestrecke
- Jules Supervielle: Marseille
- Xu Zhimo: Erneuter Abschied von Cambridge
- Gonzalo Escudero: Heft von New York in Flammen
- Carles Riba: Elegie VII
- Mikós Radnóti: Gewaltmarsch
- Lea Goldberg: Tel Aviv 1935
- Khadi Fall: Das Unbehagen, mich selbst als Schriftsteller zu bezeichnen
- Mila Haugová: Der geschlossene Garten (der Sprache)

Brigitte Rath u. Slávka Rude-Porubská  (Hg.): Vom Verreisen in Versen. Zwölf Gedichte aus zwölf Sprachen: Original – Übersetzung – Kommentar, vielsprachig. Leipzig : Leipziger Literaturverlag 2013

/ Leipziger Literaturverlag

28. Gestorben

Serge Dion, der Gründer des Salon du livre und der Autoren- und Autorenvereinigung im Outaouais in Quebec (AAAO, Association des auteurs et auteures de l’Outaouais), starb am vorigen Wochenende in Gatineau. Der Minister für Kultur und Kommunikation, Maka Kotto, würdigte den frühzeitig mit 59 Jahren Verstorbenen, der Gedichtbände, Radiochroniken und Szenarien verfaßt, Konferenzen über seine Vision von Poesie veranstaltet und sein Leben der Poesie Quebecs gewidmet habe. / Canoe.ca

72. Neuer Houellebecq, alter Houellebecq

15 Jahre nach seinem letzten Gedichtband kehrt der vielfach preisgekrönte, aber auch umstrittene französische Autor Michel Houellebecq zur Poesie zurück. Der Band “Configuration du dernier rivage” (zu deutsch etwa: Gestalt des letzten Ufers) soll laut Verlag am 17. April bei Flammarion erscheinen. Er umfasst fünf Kapitel mit kurzen, schwermütigen Gedichten mit und ohne Reim auf knapp 90 Seiten. (…)

Goncourt-Preisträger Houellebecq hat seine Karriere mit Gedichten begonnen, zum Romanschreiben ist er eher zufällig gekommen. “Sollte ich alt werden, schreibe ich vielleicht jede Menge Gedichte. Ein alter Dichter gefällt mir… Und Gedichte sind toll, weil man nicht unter Druck gesetzt wird.” / Die Presse