Kategorie: Kenia

1. Decolonizing

Ngugi wa Thiong’o, der im vergangenen Jahr auf der Buchmacher-Liste der Nobelpreiskandidaten ganz oben stand, zwischen Philip Roth und Bob Dylan, erzählt in seinem vor einem Vierteljahrhundert erschienenen Aufsatz ‘Decolonizing the Mind’ eine kleine Geschichte. In der Schule war es verboten, die eigene Sprache, Gikuyu, zu sprechen. Wer erwischt wurde, kriegte Stockschläge auf den nackten Hintern oder ein Schild um den Hals gehängt: ‘I am a donkey’. Die Sprache, schrieb Thiong’o, sei wichtig, um kolonisierte Völker ‘zu faszinieren und ihre Seelen gefangen zu halten’.

Der Aufsatz ist auf Englisch erschienen und hat Weltkarriere gemacht. Wie die Romane von Chinua Achebe, Thiong’os sieben Jahre älterem, nigerianischen Kollegen. Thiong’o, lange Zeit ein Bewunderer Achebes, ist auf Gikuyu umgestiegen, Achebe ist beim Englischen geblieben, dem Verdacht auf Unselbständigkeit zum Trotz. Diese Entscheidung hatte auch literarische Gründe. Achebe hat im Englischen einen Stil entwickelt, der es ihm erlaubt, die englische Kultur mit der afrikanischen zu infiltrieren. / Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung 23.3.

6. Sillerman First Book Prize for African Poets

Der 2012 neu gestiftete Sillerman First Book Prize for African Poets geht an den Kenianer Clifton Gachagua für sein Manuskript ”Madman at Kilifi”. Die Preissumme beträgt 1.000 US-Dollar. Das ausgezeichnete Buch wird bei der University of Nebraska Press und bei Amalion Press in Senegal erscheinen.

Clifton Gachagua lebt in Nairobi. Er veröffentlichte Gedichte in Zeitschriften. Soeben hat er einen Roman abgeschlossen, außerdem macht er Filme. Er hat einen Bachelor in Biomedizin. Er verbrachte viel Zeit auf ostafrikanischen Highways zwischen dem See und dem Meer auf der Suche nach Liebe und nach Jeffrey Eugenides’ Obscure Object. / African Poetry Book Fund

24. lyrikline Advent

lyrikline.org bietet zur Zeit 7596 Gedichte von 832 Dichtern aus 57 Sprachen und über 10.365 Übersetzungen  in 55 Sprachen!

Und wenn Sie wollen – im Advent jeden Tag ein neuer Dichter zu entdecken.

Bisher (originalsprachig und teilweise in verschiedenen Übersetzungen zu hören und lesen):

Geert Buelens (Niederländisch)
am 05. Dezember 2012

Margarida Ferra (Portugiesisch)
am 04. Dezember 2012

Ngwatilo Mawiyoo (Englisch)
am 03. Dezember 2012

Nouri Al-Jarrah (Arabisch)
am 02. Dezember 2012

Svetlana Cârstean (Rumänisch)
am 01. Dezember 2012

48. 13. poesiefestival berlin erfolgreich beendet

Mit einem großen Lyrikmarkt ging am Sa, 9.6.2012 das 13. poesiefestival berlin erfolgreich zu Ende.

Über 11.000 Besucher kamen zu den 52 Veranstaltungen, insgesamt waren mehr als 200 Beteiligte aus 51 Ländern zu Gast, darunter u.a. Michael Palmer (USA), Yan Jun (China), Abdelwahab Meddeb (Frankreich/Tunesien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Fátima Miranda (Spanien), Monika Rinck (Deutschland) sowie Max Prosa und die Band Erdmöbel.

Das 13. poesiefestival berlin hatte einen politischen Fokus. Autoren aus Syrien sprachen über ihre Sicht auf die Revolution im Land, Dichter aus Äthiopien, Kenia und Ägypten diskutierten über die Situation in den Ländern entlang des Nils und die Rolle, die die Poesie bei der Bewältigung der Probleme spielt. Mit renshi.eu feierte ein Kettengedicht seine Premiere, bei der Dichter aus allen EU-Ländern ihre Gedanken zur Krise Europas zu Wort brachten. Ausgang und Abschluss für das Kettengedicht schrieb der griechische Dichter Yannis Stiggas. Die Texte sind ab 13.9. auf der Webseite www.lyrikline.org zu hören und zu lesen.

Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg. Weitere Informationen unter www.literaturwerkstatt.org.

12. Klangkörper Nil

Mo 4.6. 20:00 Uhr

Akademie der Künste, Hanseatenweg, Studiofoyer, Eintritt € 8 / 5

Mit Al-Saddiq Al-Raddi Dichter, Herausgeber von Al-Sudani newspaper, Sudan Euphrase Kezilahabi Dichter, Philosoph, Tansania Ngwatilo Mawiyoo Dichterin, Schauspielerin, Musikerin, Kenia Fatima Naoot Dichterin, Übersetzerin, Ägypten, Hama Tuma Dichter, Äthiopien / Frankreich  Moderation Laura López Castro Musikerin, Berlin

»Klangkörper Nil« stellt den Farbreichtum der poetischen Landschaften am Nil vor – in Klang, Form und Format, von klassischer Lesung bis Spoken Word-Performance. Sechs Dichter stellen in den Sprachen Amharisch, Englisch, Arabisch und Swahili ihre eigene klangvolle Rebellion gegen Unterdrückung, Gewalt und Terror vor.
Al-Saddiq Al-Raddi stellt dem schonungslosen Alltag im Sudan, den beengten Horizonten und der grausamen Armut die reiche Spiritualität seiner mystischen und fantastischen Werke entgegen. Euphrase Kezilahabi erneuert in seinen Gedichten die Swahili-Sprache, bereichert sie mit neuen, flexibleren Ausdrucksformen und Themen, die sich nicht an den Traditionen orientieren, sondern an den alltäglichen Überlebenskampf anknüpfen. Drei äthiopische Regierungen verwiesen Hama Tuma des Landes. Mit Satire und geschärfter Feder führt er den Kampf gegen die Kriege in seinem Land von Frankreich aus fort. Die Performance-Dichterinnen Ngwatilo Mawiyoo und Fatima Naoot reißen das Publikum mit in die Tiefen einer Revolution, die gelebt wurde und wird. Die Spoken Word Dichterin Ngwatilo Mawiyoo, auch bezeichnet als »priest of the art of performed poetry«, thematisiert das Leben und den Alltag diverser kenianischer Communities in ihren Texten und stellt sie melodisch vor. Fatima Naoot verfolgt in ihren Gedichten Tag für Tag neugierig die Veränderungen in ihrem Land, führt den Leser dabei an der Hand und blickt mit offenen Augen und feinen Worten auf Themen wie religiösen Fundamentalismus, die Entwicklungen der Gesellschaft sowie die Poesie des Nil.

10. 13. poesiefestival berlin

Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).

Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.

Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

108. Weltempfänger

Literaturempfehlungen aus Asien, Afrika und Lateinamerika

12. «Weltempfänger»-Bestenliste

1. Ngugi wa Thiong’o: Herr der Krähen (Kenia/USA)
Aus dem Englischen von Thomas Brückner. A1 Verlag

2. Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder (China)
Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. S. Fischer Verlag Dreissig Männer in einer Zelle, Hitze bis 40 Grad, Hunger, Madennester in verwahrlosten Mündern – das ist der Alltag für einen politischen Häftling wie Liao Yiwu in Chinas Gefängnissen. Der Dichter beantwortet das unfassbare Grauen mit der Klarheit seines Berichts, mit Komik, vor allem aber mit der Poesie seiner Gedichte. Ein Lebenswerk und ein Buch, das man nicht vergisst. (Cornelia Zetzsche)

3. Chirikure Chirikure: Aussicht auf eigene Schatten (Simbabwe)
Dreisprachige Ausgabe. Aus dem Englischen von Sylvia Geist. Verlag Das Wunderhorn

Einer der wenigen Dichter, die in einer afrikanischen Sprache schreiben und trotzdem international wahrgenommen werden. Ein mehrsprachiger Band (Shona, Englisch und Deutsch) voller rhythmischer Gedichte, deren Thematik von Mythen bis hin zu Maschinengewehren reicht; eine Stimme, die eigen und anders ist. (Ilija Trojanow)

Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh, Karl-Markus Gauss, Kristina Pfoser, Arno Widmann, Thomas Wörtche und Cornelia Zetzsche.

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49. ‘Poetry Africa’ Festival in Durban

Vom 17.-20.Oktober findet in Durban das 15. internationale Poetry Africa-Festival statt. Veranstalter ist das Centre for Creative Arts der Universität KwaZulu-Natal.

Dichter aus 12 Ländern werden erwartet, darunter der aus Durban stammende Dashen Naicker, Myesha Jenkins aus Johannesburg,  Khadijatou (UK), Raul Zurita (Chile), Shailja Patel (Kenia), Patrice Treuthardt (Reunion), Jaap Blonk (Niederlande), Niyi Osundare (Nigeria), Joshua Bennett (USA) sowie die Südafrikaner David wa Maahlamela, Uzinzo, Sandile Dikeni, Phelelani Makhanya Mphutlane wa Bofelo, Gabeba Baderoon und Oswald Mtshali. Neben den Lesungen in Durban hibt es Touren nach Malawi, Simbabwe, Johannesburg und Kapstadt. Im Vorblick auf die im November in Durban tagende 17. UN-Konferenz zum Klimawandel wird die Eröffnungsveranstaltung Umweltfragen und planetaren Herausforderungen gewidmet sein. Danach lesen an jedem Abend 5 Dichter. Scharfe soziale und politische Stellungnahmen werden ebenso erwartet wir innovative und individuelle Herangehensweisen an Lyrik, Straßenperformanz, Rap und Hiphop. / The Witness

82. Engagement-Party

Zum internationalen Kulturfestival Hifa in Simbabwe kommen junge Lyriker der afrikanischen Literaturszene mit ihren Texten und nennen Missstände beim Namen – auch wenn sie dafür von den Regierungen gegängelt werden.

Das Motto des Festivals 2011 heißt: “The Engagement-Party”. Chirikure setzt auf Dichterkollegen, die sich einmischen. Engagieren. Deswegen unter anderem hat er Ngwatilo Mawiyoo aus Kenia eingeladen. Ihre Gedichte sind typisch; nicht nur für dieses Festival, vielleicht sogar für die afrikanische Literatur insgesamt.

Mir fällt auf: Keiner der Dichter und nicht ein einziges Gedicht kommen ohne den konkreten Bezug zu den politischen und gesellschaftlichen Missständen aus. Diese Literatur richtet sich direkt an die Menschen. In Europa würde man solchen Texten schnell einen Mangel an Kunstsinn oder ästhetischem Vermögen attestieren. Für Afrikaner gehören sie zur Überlebensstrategie. Alles andere wäre Luxus. Und so klingt das bei der botswanischen Lyrikerin T.J. Dema:

“Gedichte sind ein Scheißdreck, wenn sie nichts zu lehren haben.
Ja, ich behaupte: Gedichte sind so was von sinnlos,
wenn sie nicht das Publikum erreichen,
für das sie geschrieben worden sind.”

/ Indra Wussow, DLF

Harare International Festival of the Arts – Kulturfestival Hifa

 

131. Kenyan Narratives in Verse

Am Freitag, den 6. Mai 2011 um 19 Uhr lädt AfricAvenir zur einer Lesung des kenianischen Autors und Literaturwissenschaftlers Wanjohi Wa Makokha. …

Makokhas Gedichtband Nest of Stones: Kenyan Narratives in Verse, herausgegeben von dem African Books Collective, thematisiert unter anderem die 2007/08 in Kenia durch die Präsidentschaftswahlen ausgelösten Unruhen, die Kenia bis heute erschüttern. Die Oppositionspartei hatte nach der Wiedereinsetzung des vorher amtierenden Präsidenten Mwai Kibaki mit dem Vorwurf der Manipulation die Wahl angezweifelt. Gewalttätige Auseinandersetzungen folgten und forderten zahlreiche Tote.

Durch seine politische Poesie möchte Wa Makokha einer Welt der Menschlichkeit und der gegenseitigen Solidarität näher kommen. Poesie ist so für Makokha nicht „nur“ Kunst, sondern auch ein Beitrag, dem Traum einer besseren Welt ein bisschen näherzukommen. / ND