Auf einer Anhöhe über der Hauptstadt Erewan thront majestätisch das Matenadaran, ein tempelartiges Archiv mit integriertem Forschungszentrum und Museum, das rund 16 000 armenische Manuskripte beherbergt und mit einem reichen Zusatzbestand an persischen, arabischen und hebräischen Dokumenten eine der weltweit grössten Sammlungen mittelalterlicher Handschriften bildet.
Die Vorläufer dieser 1957 eröffneten Einrichtung gehen bis ins 5. Jahrhundert zurück, denn die ersten Bücherspeicher entstanden zusammen mit der armenischen Schrift. Seit 405 n. Chr. verfügt das kleine südkaukasische Land über ein eigenes Alphabet. Ursprünglich für die Niederschrift der Bibel geschaffen, stieg das Armenische bald in die Riege der rege benutzten Schriftsprachen auf und diente nicht mehr nur der Übermittlung heiliger Geschichten, sondern der Verbreitung des gesamten damaligen Wissens. Zahlreiche Übersetzungen aus dem Persischen, Griechischen oder Syrischen spiegeln im Museum folglich die mittelalterlichen Vermittlungswege und Kenntnisstände unterschiedlichster Disziplinen und Kulturen. «Einige unserer Übersetzungen sind von unschätzbarem Wert, weil die Ursprungstexte verloren und die armenischen Manuskripte die einzigen Zeugen ihrer Existenz sind», erläutert Vahan Ter-Ghevondyan, der uns ausgewählte Perlen des Matenadaran vorführt. (…) Immer wieder ist Armenien im Verlauf der Jahrhunderte verwüstet und geteilt worden, und allein während des Genozids von 1915 sind laut Schätzungen an die 30 000 Manuskripte verloren gegangen. /28.4.
Nach dem Ende der Sowjetunion ist die „Lesekultur“ zusammengebrochen. Kein Wunder: bei einem durchschnittlichen Einkommen von 300 Dollar haben die Preise der Bücher westeuropäisches Niveau.
Fluch des Berühmtseins: irgendwann werden auch die peinlichsten Jugendwerke ausgegraben. So geschieht es jetzt Patrick White, dem einzigen australischen Nobelpreisträger (1912-1990). Die australische Nationalbibliothek erwarb ein Exemplar seines ersten Büchleins, „Thirteen poems“, das die stolze Mama des 15-, 16jährigen drucken ließ. Kein Meilenstein der Literatur, aber ein wertvolles Sammelstück. / The Canberra Times
Der Tisch musste für andere Blätter geräumt, die Dissertation verschoben werden. Dann hieß es in der Familie: „Er trägt den Expressionismus wieder in den Keller“.
(…) Eine Strömung mit ihren literarischen Ablegern, das heißt in diesem Fall mit Qualität beanspruchenden Siebenbürger, Bukowiner, Bukarester und Banater Texten. Sie werden vom Herausgeber zum ersten Mal mit dieser gereiften Informiertheit, Textverlässlichkeit, Objektivität im ergänzenden Nebeneinander und Miteinander einer Strömungsgemeinschaft als das Ergebnis eines Kulturtransfers vorgestellt. (…)
Alphabetisch reicht die Skala der 18 Lyrik-Autoren von der positiv kaum bekannten Helene Burmaz-Buchholzer bis zum begabten und selbstbewussten Heinrich Zillich. Der älteste in der Runde ist Adolf Meschendörfer mit dem Prosagedicht „Wallfahrt nach Polen“, von dem Markel feststellt, „dass es der erste expressionistische Text rumäniendeutscher Literatur überhaupt“ sei. International bekannt geworden ist Meschendörfer in der Zeit des Nachexpressionismus durch eine vergleichende Untersuchung der Farbwerte in der Lyrik des Expressionisten Georg Trakl. An der Spitze der rund hundert für diese Anthologie ausgewählten Gedichte stehen jene von Alfred Margul-Sperber und Oscar Walter Cisek. Der jüngste Lyriker der Anthologie ist der Bukowiner, in New York verstorbene Dagobert Runes. / Horst Schuller, Siebenbürgische Zeitung
In Dornbüschen hat Zeit sich schwer verfangen. Expressionismus in den deutschsprachigen Literaturen Rumäniens. Herausgegeben von Michael Markel. Veröffentlichungen des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München im Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2015, Band 130, 280 Seiten, 34,95 Euro, ISBN 978-3-7917-2653-3
Die Forscher Manfred Cuntz vom Levent Gurdemir Department of Physics, University of Texas at Arlington und Martin George vom National Astronomical Research Institute of Thailand haben mit Hilfe der Astronomiesoftware Starry Night und weiterer Software einen Beitrag zur Datierung des berühmten „Pleiaden“-Fragments der Dichterin Sappho geleistet. Sie untersuchten ausgehend vom wahrscheinlichen Jahr ihres Todes, 570 v.u.Z., und unter der Annahme, daß sie in Mytilene lebte, den Zeitpunkt im Jahreslauf, an dem die Pleiaden vor Mitternacht untergehen, wie das Gedicht sagt. Im Jahre 570 v.u.Z. war das frühestens am 25. Januar und spätestens am 6. April der Fall. Das bestätigt die Vermutung früherer Forschung, daß das Gedicht im späten Winter oder zeitigen Frühjahr entstand. (Die Daten für die vorangegangenen 20 Jahre verschieben sich nur geringfügig).
Bericht bei arstechnica.com
Der Aufsatz im Journal of Astronomical History and Heritage, 19(1), 18–24 (2016)
„Mitternachtsgedicht“ (Fragment 168B Voigt, Wharton 52, Cox 48, Diehl (1936) 94 im Original und mehreren englischen und deutschen Fassungen:
ἐδυκε μὲν ἀ σελάννα
καὶ πληΐαδες μέσαι δε
νύκτες, πα ὰ δ‘ ἔ χετ‘ ὤ α,
ἔγω δὲ μόνα κατεύδω
deduke men a selanna,
kai Pleiades, meso de
nuktis, para d’erkat‘ ora,
ego de mona ketaudo
The Moon hath left the sky;
Lost is the Pleiads‘ light;
It is midnight
And time slips by;
But on my couch alone I lie.
(Symonds, 1873–1876)
The moon has set,
and the Pleiades;
it is midnight,
the time is going by,
and I sleep alone.
(Wharton, 1887: 68).
The silver moon is set;
The Pleiades are gone;
Half the long night is spent, and yet
I lie alone.
(Merivale, 1838: 226).
Moon has set
and Pleiades: middle
night, the hour goes by,
alone I lie.
(Anne Carson, 2002)
Untergegangen sind der Mond
Und die Plejaden. Es ist Mitternacht,
Die Stunden vergehen.
Ich aber schlafe allein.
(von Schirnding, 2013)
Es versank die Mondgöttin,
und auch die Pleiaden; es ist Mitte
der Nacht; es vergeht die Zeit,
und ich schlafe allein.
(Bagordo, 2009)
Paul Celan im Briefwechsel mit René Char
Beitrag von Felix Philipp Ingold für die Neue Zürcher Zeitung vom 14.5.
Schon lang war sie angekündigt, mehrfach wurde ihr Erscheinen aufgeschoben, jetzt liegt sie endlich vor – die Buchausgabe von Paul Celans Korrespondenz mit René Char. Der mehr als 300 Druckseiten umfassende, durch Kommentare, diverse Bilddokumente und eine detaillierte Chronologie angereicherte Band ergänzt die Reihe früherer Briefeditionen (Rudolf Hirsch, Ingeborg Bachmann, Franz Wurm, Klaus und Nani Demus u.a.m.), mit denen er sich thematisch naturgemäss an manchen Stellen überschneidet. Zwar stehen in dieser nun erstmals einsehbaren Korrespondenz – sie erstreckt sich über die Jahre 1954 bis 1968 – Celans vielfältige Bemühungen als Übersetzer und Vermittler René Chars im Vordergrund, doch kommen auch die langwierigen Querelen um die Plagiatsvorwürfe in der sogenannten „Goll-Affäre“ zur Sprache, die für Celan zur existentiellen Bedrohung wurde, bei Char jedoch nur beiläufiges Interesse fand.
Unter Celans zahlreichen Korrespondenten war René Char – neben Ingeborg Bachmann – der einzige, der seinen hohen künstlerischen Ansprüchen voll und ganz entsprechen konnte. Zwischen den beiden erwuchs eine Dichterfreundschaft, die von wechselseitigem Respekt getragen war und doch niemals zu einer adäquaten vertrauensvollen Beziehung werden konnte, weil dafür der gemeinsame und gleichrangige Sprachbezug fehlte: Char verstand vom Deutschen (wie von allen andern Sprachen) nicht ein einziges Wort, er war vollkommen und ausschliesslich in seine französische Muttersprache eingelassen, die er wie eine Festung hochhielt und die er auch wie ein Festungskommandant beherrschte. Celan hingegen, der Vielsprachige, liess sich von der Sprache (in der er stets alle Sprachen am Werk sah) beherrschen, folgte beim Schreiben gewissermassen ihrem Diktat, verstand sich als ihr Diener und Vollstrecker.
Von daher erklärt sich wohl die latente Spannung, von der die Korrespondenz durchweg – wenn auch sehr diskret – gekennzeichnet bleibt. Celan hat gegenüber Char einen doppelten Vorrang: Deutsch und Französisch sind ihm gleichermassen vertraut, er kommuniziert mit dem Briefpartner in dessen eigener Sprache, derweil er selbst eine Fremdsprache verwendet, um den Briefdialog überhaupt zu ermöglichen. Anderseits ist das Deutsche – Vater- und Dichtersprache für Celan, unverständliche Fremdsprache für Char – das Medium der Übersetzungsarbeit, die der Begünstigte, also Char, auf keine Weise zu würdigen vermag, so wie er auch Celan selbst, in dessen Qualität als Lyriker, nicht gerecht werden kann. Wenn er ihn gleichwohl als den grössten deutschen Gegenwartsdichter belobigt, tut er dies lediglich anhand der ihm vorliegenden französischen Übersetzungen – ein Faktum, das den hochsensiblen Paul Celan insgeheim kränkt.
Naturgemäss wird diese Ungleichheit zwischen den beiden dadurch verstärkt, dass René Char nicht Gegenrecht halten kann, weder durch literaturkritische noch gar durch übersetzerische Vermittlung Celans in Frankreich. Seine diesbezügliche Unterlegenheit kaschiert und kompensiert er in seinen zumeist sehr knapp gefassten Briefen mit einer angestrengt kollegialen und doch fühlbar paternalistischen Haltung, die er nicht zuletzt durch seinen stets gleichbleibenden erhabenen Stil zum Ausdruck bringt, und dies selbst dann, wenn es Celan um ganz vordergründige Dinge, um „geschäftliche“ oder „literaturbetriebliche“ Interessen geht.
Chars mangelndes Sensorium für die zahlreichen Celanschen Empfindlichkeiten führten immer wieder zu krisenhaften Verstimmungen und zu langfristigen Unterbrechungen des Briefverkehrs. Doch nie wurden die Anlässe zu diesen Krisen zwischen den beiden Korrespondenten expliziert. Nur durch Vermittlung Dritter, Unbeteiligter lässt sich darüber Klarheit gewinnen. Als hauptsächliche Krisenpunkte sind René Chars vorbehaltslose Bewunderung für den NS-Sympathisanten Martin Heidegger und sein schonender Umgang mit Claire Goll auszumachen, die einen verleumderischen Plagiatsvorwurf gegen Celan lanciert hatte. Aus verlässlichen Quellen weiss man heute, dass Paul Celan diese von seinem „Freund“ gehegten Sympathien als „schockierende“ Provokation empfand und dass sein Missbehagen so weit ging, dass er ihn (in einem Brief an Ingeborg Bachmann) als Menschen wie als Dichter gleichermassen der „Falschheit“ bezichtigte.
(…) Die von Bertrand Badiou mit aufwendiger textkritischer Akribie erstellte Briefausgabe ist – abgesehen von der Präsentation der Erstdrucke – dank der umfänglichen Anmerkungen eine Fundgrube zu genauerem Verständnis der deutsch-französischen Literaturbeziehungen in den 1950er/1960er Jahren, aber auch zur Komplettierung der Werkbiographien René Chars und Paul Celans durch mancherlei bislang übersehene Fakten. Zu bedauern ist allerdings, dass der Herausgeber die originalen Brieftexte orthographisch bereinigt und grammatikalisch korrigiert hat, ein Übergriff, der bei Zeitdokumenten zumindest als fragwürdig gelten muss.
Paul Celan / René Char, „Correspondance, 1954-1968“, suivie de la Correspondance de René Char avec Gisèle Celan-Lestrange, 1969-1977. Édition établie, présentée et annotée par Bertrand Badiou. Éditions Gallimard, Paris 2015; 317 S., EUR 28.
While Julia Ward Howe was writing her saber-rattling “Battle Hymn of the Republic,” and Whitman his “Drum-Taps,” [Emily] Dickinson was quietly demolishing myths of heroic pomposity:
Finding is the first Act
The second, loss,
Third, Expedition for the “Golden Fleece”Fourth, no Discovery—
Fifth, no Crew—
Finally, no Golden Fleece—
Jason, sham, too—
Dickinson’s language, oblique and sharply objective, can be seen as one response to the degraded verbiage of the Civil War era, and the Gilded Age pieties that followed. This is one explanation for her special appeal to such poets and translators of her work as Paul Celan (discussed in an essay in The Emily Dickinson Handbook by Kerstin Behnke) and Eugenio Montale. In these poets we find a kindred prosody of obliquity and harsh specificity in the face of the degradation of the Italian language under Mussolini and the German language under the Nazis. That the leading German-language poet of the post-Nazi era and the leading Italian poet of this century looked to Emily Dickinson should invite us to read her in this way, as a voice raised against the pompous posturing of both sides. She once mentioned to Higginson her adamant resolution to “never try to lift the words which I cannot hold.” She never did. / Christopher Benfey, New York Review of Books
Die Schriftstellerin Gertrud Leutenegger besichtigt den schmelzenden Rhonegletscher und erzählt, wie Arthur Rimbaud im Winter 1878 über den Gotthard ging.
(…) Was bewog Arthur Rimbaud im November 1878, das Reiseziel Ägypten vor Augen, von den Ardennen her über die Vogesen die Schweiz erreichend, den verschneiten Gotthard überqueren zu wollen? In den Hafen von Genua, wo das Schiff nach Alexandria wartet, führen bequemere Wege. Rimbaud hat sich nun einmal den gefahrvollen Gotthardweg, der im 19. Jahrhundert auch im Winter offen war, in den Kopf gesetzt, als vorauszusehende Heldentat, wie er in einem Brief an die Familie das Unternehmen wohl eher ironisch bezeichnet. Dieser Bericht, ebenso sprunghaft wie streckenweise bemerkenswert detailliert, als registriere er die Bergwelt mit dem Auge eines Geografen, sticht unter den sonst knapp gehaltenen Nachrichten durch seine Ausführlichkeit hervor. Wie jung ist Rimbaud noch! Aber er ist schon alt. Alles, was seinen strahlenden Ruhm begründen wird, liegt hinter ihm. Er ist vierundzwanzig und hat die Poesie revolutioniert, ästhetische Strategien etabliert, mit kaltem Vorsatz die Selbstzerstörung betrieben. (…) / NZZ 30.4.
eine Rose ohne Dornen – heute kann sie uns begeistern
Hansjürgen Bulkowski
Leseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts).
Sonette 8-14 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
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FOr shame deny that thou bear'st loue to any Who for thy selfe art so vnprouident Graunt if thou wilt, thou art belou'd of many, But that thou none lou'st is most euident: For thou art so possest with murdrous hate, That gainst thy selfe thou stickst not to conspire, Seeking that beautious roofe to ruinate Which to repaire should be thy chiefe desire: O change thy thought, that I may change my minde, Shall hate be fairer log'd then gentle loue? Be as thy presence is gracious and kind, Or to thy selfe at least kind harted proue, Make thee an other selfe for loue of me, That beauty still may liue in thine or thee.
Einige Anmerkungen zum Text:
2 vnprouident ohne Vorsorge
6 stickst zögerst
Deutsche Fassung von Gottlob Regis
O Schmach! vernein‘ es irgend wen zu lieben,
Du, der Du auf Dich selbst so unbedacht!
Gieb zu, Du sey’st das Ziel von Vieler Trieben,
Doch daß Du niemand liebst, ist ausgemacht.
Denn Dich beherrscht ein mörderischer Haß,
Daß Du nicht zauderst selbst Dich zu bedräuen,
Das edle Haus zerrütten möchtest, das
Vor allen Dir geziemte zu erneuen.
O ändre Deinen Sinn, und meine Meinung!
Birgt Haß in holder Liebe Wohnung sich?
Sey mild wie Deine liebliche Erscheinung:
Sey mindestens barmherzig gegen Dich.
Erschaffe neu, aus Liebe Dich zu mir,
Daß Schönheit leb‘ im Deinen oder Dir.
Shakspeare-Almanach, 1864
(Der Hauptmangel dieser Übersetzung: daß das Ich in Vers 9 – o change my mind that I may – wegfällt. Das erste, verräterische Ich in diesen Sonetten.)
Mit zweiundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband «Indigo» (1988), dem mehrere weitere folgen sollten. Meist schrieb er seine lyrischen Texte auf Deutsch, doch die Muttersprache Slowenisch, Idiom der Kindheit und der Gefühle, blieb stets präsent. Die genuine Zweisprachigkeit war es denn auch, die ihn zum Übersetzer prädestinierte. Mit Verve gab er den hochexpressiven Prosastil des Kärntner Slowenen Florjan Lipuš und die «Erdsprache» von Dane Zajc wieder, verlieh der vielfältigen lyrischen Sprachwelt von Tomaž Šalamun und den poetischen Sprechweisen von Maruša Krese und Maja Vidmar eine deutsche Stimme und erschloss einen der interessantesten slowenischen Gegenwartsdichter, Uroš Zupan, der deutschen Leserschaft. / NZZ
Aus einem seiner Gedichte
Könnte man Berührungen behalten, / ausserhalb des Gedächtnisses / oder in Erinnerung, // sie aufnehmen und mit sich führen, / als hätte der Körper sie sich einverleibt, // und könnte man sich mittels so Angeeignetem / erlösen zu dauernder / Berührbarkeit, // verschwände dann dieser unablässig / wie ein Köder zuckende / unfassbare Rest?
Der Prix Robert Ganzo, der höchstdatierte Lyrikpreis in Frankreich*, geht in diesem Jahr an die luxemburgische Lyrikerin Anise Koltz. Der Preis ehrt „einen bedeutenden Dichter in französischer Sprache, Abenteurer des Wortes und des Lebens, Fährmann der Gefühle und Herausforderungen, Vermesser des Großen wie des Unbekannten“. Die Jury nennt Anise Koltz „eine der wichtigsten Stimmen in französischer Sprache“. Der Preis wurde 2007 erstmals vergeben und ging bisher an René Depestre, Abdellatif Laâbi 2008, Franck Venaille 2009, Bernard Noël 2010, Jean-Pierre Verheggen 2011, Marie-Claire Bancquart 2012, Serge Pey 2013, Dominique Sampiero 2014 und Valérie Rouzeau 2015.
/ RTL
*) Wenn das stimmt, sind die Franzosen noch knickriger zu ihren Dichtern als die Deutschen, aber auf Augenhöhe mit Baden. Die Preissumme beträgt 10.000 Euro.
Ein Stück Letzeburgisch im Original: „Beim Präis handelt et sech ëm dee beschtdotéierte Poesie-Präis a Frankräich. Hie soll ë.a. auszeechnen, wann een en ‚aventurier du verbe et de la vie‘ ass.“
Die Vorjury der ersten Vorrunde (Markus Hallinger, Ulrich Schäfer-Newiger und Johanna Schumm) hat folgende Autorinnen und Autoren zur Vorrundenlesung eingeladen:
Die Lesung findet am Montag, den 23. Mai, in den Räumen des Münchner Literaturbüros, Milchstraße 4, in München-Haidhausen statt. Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3.
Die Jury des Abends – Florian Kessler, Àxel Sanjosé und Anja Utler – wird zwei Autor/inn/en für das Finale im Herbst nominieren.
Die Veranstaltung am 23.5. wird vom Bezirksausschuss 5 Au-Haidhausen der Landeshauptstadt München gefördert.
Der Lyrikpreis München 2016 erhält eine Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.
inter_poems ist eine Berliner Veranstaltungsreihe zu internationaler Lyrik und zur Kunst des Übersetzens. Zwischen Mai und Oktober 2016 wird an 6 Abenden im Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage je eine in Deutschland bislang kaum bekannte Stimme der internationalen Lyrik im Original sowie in deutscher Übersetzung zu hören sein. Dabei sollen die internationalen Autor_innen gemeinsam mit ihren Übersetzer_innen im Zentrum stehen. Jede Veranstaltung wird auch ein Gespräch über Schwierigkeiten und Faszination des literarischen Sprach- und Kulturtransfers sein.
inter_poems folgt zwei selbstgewählten Grundregeln: Dichter übersetzen Dichter. Poetische Wahlverwandtschaft statt Auftragsarbeit. Die Übersetzer_innen sind selbst namhafte Lyriker_innen; ihr eigenes Werk soll an den Abenden ebenfalls in den Blick rücken und neben die Texte der von ihnen übersetzten Autor_innen treten. Es geht also um Interferenzen. Zwischen Ausgangs- und Zielsprache. Zwischen zwei Poetiken. Zwischen Schreiben und Übersetzen.
Es setzen über: Joanna Mueller (Polen) mit Dagmara Kraus; Adi Keissar (Israel) mit Max Czollek; Aymen Hacen (Tunesien) mit Hans Thill; Erín Moure (Kanada) mit Uljana Wolf; Müesser Yeniay (Türkei) mit Achim Wagner; Reynaldo Jiménez (Peru) mit Léonce W. Lupette.
Zu jeder Veranstaltung erscheinen ein Originaltext und seine deutsche Erstpublikation als „poème-objet“ in limitierter Auflage. Sie werden eigens für den Abend angefertigt und nur an diesem verteilt. Die Drucke, gestaltet und hergestellt von Andrea Engel, stehen zwischen Wort- und visueller Kunst, fungieren aber zugleich als Handouts für die Besucher der Lesung: Gedichte sind Gebrauchsgegenstände.
Veranstaltungsort: Lettrétage Berlin-Kreuzberg, Mehringdamm 61
Moderation: Daniel Graf
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