du kannst dich vergessen – alles, was du bist, läuft inzwischen 4.0 von selbst
Hansjürgen Bulkowski
salto.bz schreibt über den Lyrikpreis Meran:
Marion Oberhofer: Das deutschsprachige Gedicht steht im Mittelpunkt der literarischen Veranstaltung Lyrikpreis Meran. Die Ausschreibung richtet sich an den ganzen deutschsprachigen Raum. Wie ist das Prozedere bei der Auswahl der Finalist_innen?
Christine Vescoli: Wir haben 2015 insgesamt an die zwei- bis dreihundert Einsendungen bekommen. Jene, die die Bedingungen erfüllten werden an die Vorjury weitergeleitet. Die Vorjury (Ralph Klever, Theresia Prammer und Monika Rinck) haben die 9 Finalist_innen mit 43 anderen Dichter_innen in eine engere Auswahl genommen und von der Jury sind diese dann anonym für das Finale ausgewählt worden. Die Auswahl ist absolut anonym.
In Südtirol ist der Meraner Lyrikpreis mittlerweile eine Institution. Welcher Stellenwert wird ihm im deutschsprachigen Raum außerhalb des Landes beigemessen?
C.V.: Der Lyrikpreis Meran hat eine ziemlich herausragende Bedeutung gewonnen, sicherlich auch weil er mit einem Preisgeld von 8.000 € für den ersten Platz sehr gut dotiert ist. Wenn jemand den Lyrikpreis Meran im Curriculum vorweisen kann – so bestätigen es uns die Sieger, wie auch letztes Jahr Thomas Kunst – nehmen die Einladungen oder Anfragen deutlich zu.
Lyrik gilt oft als elitär. Als Kunstform genießt sie wenig mediale Aufmerksamkeit und auch die Leserschaft ist im Vergleich zu anderen Literaturgattungen begrenzt.
C.V.: Lyrik ist ein kleines Segment in der literarischen Produktion. Als elitär würde ich sie nicht bezeichnen. (…) Generell räumen die Feuilletons aber der Literatur immer weniger Platz ein und der Lyrik eben noch weniger. Das ist sicherlich auch eine Marktfrage. Kunst hat heutzutage einen Kapitalwert, die Lyrik aber nicht.
Das hat durchaus auch etwas widerständiges…
C.V.: Die Lyrik ist am freiesten. Sie ist vielleicht die anarchischste unter den Künsten und behauptet das auch sehr trotzig.
Lyrik bietet auch die Möglichkeit das Fremde, die Andersartigkeit der Sprache zu entdecken.
(…) [Am 7.5.] Um 18.00 Uhr werden im Pavillon de Fleurs/Kurhaus die Sieger prämiert.
Inzwischen pfeifen die Spatzen von den SozNetz-Dächern eine Siegerliste; warten wir die offizielle Mitteilung ab. Lyrikzeitung & Poetry News
Dass literarische Texte nicht nur aus Wörtern und ihrer Bedeutung bestehen, sondern auch eine akustische Struktur haben, belegte er schon in „artikulationen“, seinem ersten wichtigen Buch über die Verbindung von Schrift, Bild und Stimme aus dem Jahr 1959.
Dieser Dreiklang bestimmt sein gesamtes Schaffen und fasziniert Mon bis heute: Nicht nur der Klang, auch die Schrift verändere ein Gedicht, sagt er im Gespräch: „Legen Sie nur einmal zwei Goethe-Gedichte aus verschiedenen Büchern nebeneinander. Ob es in der schlichten Futura oder der gewölbten Bodoni gedruckt ist, führt zu einem völlig anderen Text.“ Auch der gerade von Michael Lentz bei S.Fischer herausgegebene Band mit Texten und Essays Franz Mons aus der Zeit von 1956 bis in die Gegenwart ist in skripturale, visuelle und akustische Phasen dreigeteilt. Von einem „Jahrhundertwerk“, das weit über den programmatischen Horizont konkreter Poesie hinausreiche, sprach der Schriftsteller Michael Lentz schon anlässlich des 2013 von ihm herausgegebenen Mon-Lesebuchs „Zuflucht bei Fliegen“. / Sandra Kegel, FAZ
Radikal ist sein Denken komplexer Sachverhalte, für die er Formulierungen von prägnanter Schönheit findet: „Das Unwahrscheinliche ist das Wahrscheinliche“, „das Uneindeutige ist das Konkrete“, „das Konkrete ist das, an das nicht gedacht wird“. In solchen pointierten Paradoxien ist Mons Poetologie in nuce enthalten. / Michael Lentz, Süddeutsche Zeitung
Franz Mon bei lyrikline
Johann Gottlieb Fichte
„Petrarka’s 63stes Sonett nach Laura’s Tode“
Sie tritt mir vor’s Gemüth (vielmehr ist drinne,
Daß Lethe nicht vermag sie wegzuheben)
Wie von den Strahlen ihres Sterns umgeben,
Im Lenz des Lebens sie trat vor die Sinne;
Des ersten Blickes ich ein Bild gewinne,
So sittig, treu, gesammelt, gottergeben,
Daß ich „sie ist’s“ mir sage, „ist am Leben“
Und Frag‘ an sie und hold Gespräch beginne.
Bald giebt sie Antwort, schweigt auch wohl; dann, siehe,
Wie halb erwacht im Traum, den Irrthum webte,
Sag‘ ich meinem Gemüth: du bist im Fehle,
Tausend, dreihundert, acht und vierzig, frühe
Ein Uhr, den sechsten des April, entschwebte
Dem süßen Leibe ja die sel’ge Seele.
Zwar ist Johann Gottlieb Fichte für seine rhetorische Brillanz in seinen Reden und Vorlesungen bekannt, aber keineswegs für eine besondere Affinität zur Literatur. Allerdings hatte er während seiner Zeit in Jena nicht nur mit Goethe und Schiller Umgang, – über den Romantikerkreis um die Brüder Schlegel machte er sich mit der romantisch-romanischen Urform des Sonetts vertraut. In dieser im Jahr 1808 in Ferdinand von Schenkendorfs Sammlung „Studien“ gedruckten Übersetzung hält sich Fichte denn auch weitgehend an die von August Wilhelm Schlegel vorgegebenen Regeln: Die Quartette kommen, was im Deutschen eine große Schwierigkeit ist, mit nur zwei Reimen aus, und die Terzette folgen der Maßgabe ebenso wie die ausschließlich klingenden Kadenzen der fünfhebigen Jamben, die nur im Schlussvers des ersten Terzetts ins Holpern kommen. / Mathias Meyer in der Frankfurter Anthologie
Der in Frankfurt am Main lebende Dichter, Künstler und Essayist Franz Mon feiert am 6. Mai seinen 90. Geburtstag. Wir gratulieren!
schreibt hundertvierzehn.de und stellt zur Feier des Tags Mons Kommentar zu seinem Text „Perkussion“ online.

Dieter Gräf über die Lyrikszene (heute bei Facebook)
Das ist irgendwie wahr und irgendwie Käse. Das Image der Lyrik hat sich positiv verändert, insbesondere wenn man „jung“ addiert. Man denkt nun an eine fluffige Szene, gut besuchte Festivals, an eine sympathische Variante des prekären Lifestyle. Vormals verband man das eher mit Schulunterricht, Schwere, Unverständlichem, Einzelgängertum, einem absterbenden Ast über dem Boden möglicher Peinlichkeiten. Ob ein Imagewandel den „Stellenwert der Lyrik innerhalb der Literatur“ stark beeinflusst? Da habe ich Zweifel und auch, ob die Stimmen außerhalb der Community stärker wahrnehmbar wurden. Jandl konnte immerhin große Säle füllen, auch Erich Fried. Enzensberger, Rühmkorf, Sarah Kirsch, Domin, Gernhardt, Brinkmann, Volker Braun, Mayröcker, was immer man im Einzelnen von ihnen halten mag, beschäftigten Leser über Jahrzehnte, das gilt auch für Thomas Kling. Dass es mehr Verlage gäbe, die Lyrik „produzieren“, bestreite ich. Das Eis ist sehr dünn, will man einigermaßen dauerhaft und auch außerhalb einer Community wahrgenommen werden. Ich finde es verblüffend, wie lose das Verhältnis von Image und Realien ist.
Zu dieser Meldung:
Der Stellenwert der Lyrik innerhalb der Literatur ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Lyrik geniesst mehr Aufmerksamkeit, es gibt mehr Verlage, die Lyrik produzieren, und sie ist an Literaturfestivals präsenter – auch an den Solothurner Literaturtagen.SRF.CH
Jan Kuhlbrodt über Kritik (heute bei Postpoetry)
Der Witz ist, dass eine mehrheitlich konservative Produzentenschar auf eine mehrheitlich konservative Leserschaft trifft. Die Kritik soll dann zwischen beiden vermitteln. Das übersteigt ihr Vermögen, weil das Unverständnis auf beiden Seiten strukturell ist. Konservativismus auf Seiten der Leserschaft heißt, dass man nach Strukturen und Effekten sucht, die sich in der Überlieferung bereits ereignet haben. Oder in der Vorstellung dessen, was man mit Überlieferung bezeichnet. Sie vergisst dabei, dass Schreiben wie (Dante, Benn, Goethe … die Ikonen sind beliebig austauschbar) zu nix führt, ausser einer sofort sichtbaren Albernheit. Sie vergisst dabei aber auch, dass sich die Wirkmacht des Ikonischen nicht unmittelbar im Moment ihrer Produktion eingestellt hat, sondern im Rezeptionsprozess über die Zeit, zuweilen über Jahrhunderte mit Phasen des Vergessens, Wiederentdeckens und erneuten Vergessens, erst entwickelte oder entfaltete. Vom Kritiker zu verlangen, er solle diese künftige Wirkung unmittelbar erkennen, ist doch zu viel verlangt. Er kann aber Potenziale aufspüren. Zeiteinschlüsse. Er kann mutmaßen.
Eine zweisprachige vietnamesisch-deutsche Version der „Truyên Kiêu“ (Geschichte der Kiêu), Hauptwerk des großen Dichters Nguyen Du (1765-1820), wurde am 1. Mai in Berlin vorgestellt.
Die von Truong Hong Quang herausgegebene Ausgabe mit der Übersetzung von Irene und Franz Faber wurde finanziert vom Verband vietnamesischer Unternehmer in Deutschland.
Das vor 200 Jahren geschriebene Buch sei zum Symbol der vietnamesischen Sprache und Literatur geworden, unterstrich Dr. Truong Hong Quang.
Die deutsche Version war bereits 1964 und 1980 publiziert worden. Um es übersetzen zu können, habe das Übersetzerehepaar sieben Jahre dem Lernen der vietnamesischen Sprache, der Recherche und der Erforschung von Sinn und Geist dieses Versromans gewidmet.
Das „Truyên Kiêu“ oder „Kim Vân Kiêu“ ist ein Roman in 3254 Versen in der traditionellen Versform Lục-bát (6- bis 8-Füßer). Es erzählt vom Leben, den Prüfungen und Mißgeschicken von Thuy Kiêu, einer schönen und begabten jungen Frau, die ihre Liebe und ihr Leben opferte, um ihre Familie zu retten. Es gilt als das wichtigste Werk der vietnamesischen Literatur.
Der Dichter Nguyên Du, auch bekannt unter den Namen Tô Nhu und Thanh Hiên, wurde 2003 von der UNESCO als einer von 108 bedeutenden Persönlichkeiten der Weltkultur anerkannt. / vietnamplus.vn
In L&Poe
Aus einem Essay von Felix Philipp Ingold, Volltext 3/2015
Längst vorbei sind die asketischen Zeiten auktorialer Selbstentmächtigung und Anonymisierung, da das Hauptinteresse den Texten galt und die Bücher auch äußerlich – durch sparsame typografische Umschlaggestaltung – primär in ihrer Qualität als Schriftwerke präsentiert wurden. Vorbei die autoritäts- und traditionsfeindliche Auffassung von Literatur als Experiment, als ludistische Kombinatorik oder auch – auf der Gegenseite – als reine Faktografie („Arbeiterliteratur“, „Industriereportage“, Sozialrapport“ u. ä. m.), eine Auffassung, die für den Autor bloß noch die Rolle eines Berichterstatters oder dann eben eines Arrangeurs, gern auch eines „Bastlers“, eines „Handwerkers“ vorsah.
Programmatisch elitäres und programmatisch populäres Literaturverständnis treffen sich in der gemeinsamen Abwertung traditioneller Autorschaft und der Ablösung des Urhebers durch den Macher (als textbezogener Formalist) oder den engagierten Zeitzeugen (als weltbezogener Dokumentalist) – in beiden Fällen unterwirft sich der Autor freiwillig der Eigengesetzlichkeit seines Materials und seiner Technik, verzichtet auf werkherrschaftliche Autorität und damit auch auf die Ambition, persönliche Erfahrungen und Überzeugungen zum Gegenstand schöner Literatur zu machen.
Erstaunlich bleibt die Tatsache, dass Autoren, die auf solche Weise ihr „Verschwinden“ betreiben, nicht anonym oder unter Pseudonym publizieren, sondern durchwegs den eigenen Namen verwenden, um damit eben doch ihren Anspruch auf Originalität und Unverwechselbarkeit zu behaupten. Das trifft – um nur zwei gegensätzliche Einzelfälle zu nennen – auf den Wortakrobaten Oskar Pastior und den Betriebsreporter Günter Wallraff gleichermaßen zu: Beide können und wollen aufgrund ihrer jeweiligen Schreibverfahren nicht als individuelle „Schöpfer“ ihrer Werke gelten.
War das Bild des Autors als Privatperson in den 1960er-, 1970er-Jahren kaum noch von Interesse, so hat es heute integralen Anteil am Werk. Vordergründig wird dies dadurch signalisiert, dass Schriftsteller – und mehr noch Schriftstellerinnen – ihr Image in der Werbung immer häufiger und immer spektakulärer zur Geltung bringen: Offenkundig stehen sie lieber vor dem Werk als hinter ihm, und selbstverständlich wissen sie, dass ein „Star“, ein „Überflieger“, ein „Fräuleinwunder“ besser zu vermarkten ist als ein Textangebot, dessen Qualitäten sich naturgemäß nicht visualisieren, sondern einzig über kritische Lektüre erschließen lassen. Das Feuilleton bestätigt diesen Sachverhalt durch die großzügige Bebilderung von Rezensionen, die dem Konterfei des Autors oft ebenso viel, wenn nicht mehr Platz einräumen als dem Besprechungstext.
Bloß gelesen zu werden, genügt nicht mehr, scheint heute auch gar nicht wirklich relevant zu sein für die Fundierung einer literarischen Existenz, derweil es unabdingbar darauf ankommt, gesehen, gehört und solcherart „erlebt“ zu werden. „Hautnah“, „zum Anfassen“, „im Gespräch“ bieten sich die meisten Autoren noch so gern an – durch ihre Realpräsenz machen sie Literatur tatsächlich zum „Erlebnis“ und ermöglichen damit, in der konkreten Wortbedeutung, einen Akt des „Begreifens“.
Statt Romanen, Erzählungen, Gedichten liest man, metonymisch, die Literaten selbst – den neuen Kehlmann, die neue Lewitscharoff, den Büchnerpreisträger Goetz: Das Image des Literaten steht im Vordergrund, das Werk bildet lediglich den Kontext dazu und hält die Zitate bereit, die das Image bestätigen.
Die Wiederkehr des Autors als Person bringt – von Ausnahmen stets abgesehen – einen neuen Realismus zur Geltung, der in erster Linie der Aufrichtigkeit verpflichtet ist und seine Rechtfertigung im subjektiven „Erleben“ des Schreibenden findet. Aus eigener Erfahrung, eigenem Leid, eigenem „Schicksal“ (oder auch bloß aus eigener Beobachtung fremder „Schicksale“) wird der Stoff für literarische Gestaltung heute gemeinhin gewonnen.
Mara Genschel: Referenzfläche #5. 2016
Sie waren in Sachen Hausacher »Leselenz« in Slowenien und haben von dort gute Neuigkeiten mitgebracht?
José F. A. Oliver: Ja, der Hausacher »Leselenz« ist eine Kooperation mit 14 europäischen Literaturfestivals eingegangen. Die Fäden laufen in Ljubljana zusammen. Das EU-Projekt heißt »Versopolis«, auf Deutsch in etwa »Stadt oder gar Land der Verse«. Durch diese Kooperation wird der »Leselenz« noch internationaler und bekommt zum ersten Mal auch Gelder von der EU. Die Finanzen werden in der slowenischen Hauptstadt verwaltet. Ich war dort, um über organisatorische Details zu sprechen. Wir laden nun jedes Jahr bis zu fünf Dichterinnen und Dichter aus dem europäischen Ausland ein. 2016 kommen diese aus Schweden, Frankreich, Polen. Das ist eine feine Sache. Ihre Lesungen sind dann in Hausach jeweils zweisprachig. / Baden online
Leseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde in den nächsten 154 Tagen* mir jeden Tag eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und von Fall zu Fall zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts).
Sonette 8-14 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
*) Oder ein paar mehr; weil es Tage geben wird, wo die Zeit fehlt.
8
MVsick to heare, why hear'st thou musick sadly, Sweets with sweets warre not, ioy delights in ioy: Why lou'st thou that which thou receaust not gladly, Or else receau'st with pleasure thine annoy? If the true concord of well tuned sounds, By vnions married do offend thine eare, They do but sweetly chide thee, who confounds In singlenesse the parts that thou should'st beare: Marke how one string sweet husband to an other, Strikes each in each by mutuall ordering; Resembling sier, and child, and happy mother, Who all in one, one pleasing note do sing: Whose speechlesse song being many, seeming one, Sings this to thee thou single wilt proue none.
Einige Anmerkungen zum Text:
1 MVsick to heare a) when there is music to hear b) you, who are music to listen to
2 warre to war kämpfen
3 lou’st lovest receaust receivest (hörst, empfängst)
4 annoy Ärger (ennui)
5 true concord perfekte Harmonie tunèd (zweisilbig)
6 vnions married verheiratete Einheiten, also diese Harmonien (Musik /Ehe)
7 sweetly chide sanft tadeln confounds zunichtemacht
8 in singlenesse a) vernichtest durch dein Singlesein b) indem du deine Stimme dem Wohlklang entziehst parts entsprechend dem Doppelsinn a) musikalische Stimmen b) Rollen als Ehemann und Vater
9 nach string (Saite) ist ein Komma zu denken
10 mutuall ordering die Saiten der Laute werden auf einen Ton gestimmt, um harmonisch zu klingen
11 sier sire (Vater) – so wie Vater Kind und Mutter denselben Ton „singen“
14 thou … none in Anführungsstrichen zu denken als musikalische Mahnung an dich
Deutsche Fassung von Dorothea Tieck:
Musik, wie hörst du sie mit trüben Blicken?
Kämpft Süß mit Süß? Freut sich nicht Lust der Lust?
Wie liebst du das, was doch nicht kann beglücken?
Und drückst den Schmerz mit Freud‘ an deine Brust?
Kann wohlgestimmter Saiten Harmonie,
Vermählt im Dreiklang, nicht dein Ohr ergötzen?
Nein, denn den Einzeln steh’nden schelten sie,
Der so den Ton des Ganzen darf verletzen.
Merk‘, wie die Saiten zart vermählet sind,
Durch Wechselwirkung in einander klingen,
Wie Vater, Mutter und das holde Kind,
Die, eins in Lieb‘, ein süßes Lied nur singen.
Wortloser Sang von Vielen scheint nur Einer,
Und spricht zu dir: Du Einzelner wirst Keiner.
Dienstag, den 24. Mai 2016 / 19:00 – 21:30 Uhr / The Arts Arena, Columbia Global Centers, 4 rue de Chevreuse, 75006 Paris
Anlässlich der Einweihung des Celan Denkmals durch den Bürgermeister von Paris spricht der Bildhauer Alexander Polzin mit Margery Arent Safir in der Arts Arena über seine Arbeit als Künstler und seine Beschäftigung mit Paul Celan. Im Gespräch wird es um die Rolle von Kunst in der öffentlichen Wahrnehmung, ihren Einfluss auf das Leben in der Stadt und die aktuelle Haltung ihrer Bewohner gehen.
EINWEIHUNG DES DENKMALS FÜR PAUL CELAN VON ALEXANDER POLZIN
Dienstag, den 31. Mai 2016 / 15:00 Uhr / Jardin Anne Frank, 14 Impasse Berthaud, 75003 Paris / Im Anschluss: Institut d’études avancées de Paris, 17 quai d’Anjou, 75004 Paris
Die Stadt Paris, die Deutsche Botschaft und das Goethe Institut Paris laden gemeinsam zur Einweihung des Denkmals für den Dichter der „Todesfuge“ in den Jardin Anne Frank. Im Anschluss werden im Institut d’Études Avancées de Paris (Hôtel de Lauzun) Vorträge von Christoph König und Krzysztof Pomian zu der Polzinschen Hommage an Paul Celan zu hören sein.
The 100th anniversary of Ishi’s death brings to mind the publication several years ago of a small book, Songs from a Yahi Bow – really a mini-anthology of writings on Ishi – assembled by Scott Ezell & including poems by Ezell, Yusef Komunyakaa, & Mike O’Connor, along with Thomas Merton’s 1968 essay “Ishi: A Meditation.” Ishi (the Yahi word means “man” or “human”) is well known through the writings of Theodora & Alfred L. Kroeber as the last known survivor of a small Indian community that suffered displacement & genocide during the final European conquest of America. That memory of course is a warning of dangers & holocausts to come, and much of Ezell’s work is concerned with a range of non-state cultures & a chronicling thereby of globally diverse crises & survivals.
Scott Ezell is a Pacific Rim poet & multi-genre artist with a background of independent study with the indigenous peoples of Taiwan, China, & Southeast Asia. He has published three volumes of poetry & over a dozen albums of original music, & has exhibited paintings in the US & internationally, as well as being involved in installation & performance art projects. His recent memoir, A Far Corner: Life and Art with the Open Circle Tribe (University of Nebraska Press), explores indigenous Taiwan through immersion in a nonconformist community of aboriginal musicians & artists. Since 2010 he has been working on a multi-volume poetry project, Zomia, about marginal landscapes & communities in the China-Burma-Laos border region. / Jerome Rothenberg, poemsandpoetics
Dass noch die Produktion von Landschaftsgedichten im 21. Jahrhundert von allerlei Aporien umstellt ist, davon zeugen nicht zuletzt jene Gedichte im Band, in denen die Lyrikerin auf den Spuren Bashos wandelt. Zwar stehen noch immer dunkelgrün die Kiefern im Park des verlorenen Mondscheins in Matsushima. Doch Plastikverpackungen, elektronisches Vogelgezwitscher und ein – Zitat – „Vergänglichkeitstrainer“ haben inzwischen die Herrschaft übernommen.
„Dunkel bemooste Wolken wandern
über nur flüchtig vorhandene Berge
und treiben weiter
in etwas hinein,
was gut und gerne das Nichts
sein könnte,
wäre es nicht bereits
etwas, Verhangenheit, Teil eines Parkplatzes,
vollkommen leer, bis auf ungezählte,
mit weißer Markierungsfarbe umrissene
Buchten.“
/ Claudia Kramatschek, DLF
Marion Poschmann: „Mondbetrachtung in mondloser Nacht“, Suhrkamp Verlag, 118 Seiten, Preis: 19,95 Euro
Marion Poschmann: „Geliehene Landschaften“, Suhrkamp Verlag, 218 Seiten, Preis: 18,00 Euro
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