Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Marie von Ebner-Eschenbach (* 13. September 1830 auf Schloss Zdislawitz bei Kremsier in Mähren als Marie Dubský von Třebomyslice; † 12. März 1916 in Wien) Sankt Peter und der Blaustrumpf Ein Weiblein klopft an’s Himmelsthor, Sankt Peter öffnet, guckt hervor: – »Wer bist denn… Continue Reading „Blaustrumpf“
Helga M. Novak wie erschlagen wie erschlagen von der Hetze wundgestoßen arg zersplittert sind meine Schalen kein Bugstall mehr kein Faden und kein Reif getroffen bin ich flüchtig abgegangen und ohne Nachsuche gelaufen in die Irre das Unterholz hat meine Decke zerrissen wo ich… Continue Reading „„wo ich jetzt bin kommt keiner mehr vorbei““
Helga M. Novak (* 8. September 1935 in Berlin-Köpenick; † 24. Dezember 2013 in Rüdersdorf bei Berlin) Sommerzeit Sommerzeit die Hähne schrein zur selben Zeit Winterzeit die Sauen schrein zur selben Zeit ach es ist alles zuschanden die Freiheit die ich habe ist keine… Continue Reading „ach es ist alles zuschanden“
Catharina Regina von Greiffenberg (* 7. September 1633 auf Schloss Seisenegg in Viehdorf bei Amstetten, Niederösterreich; † 10. April 1694 in Nürnberg) Auf die Fruchtbringende Herbst-Zeit FReud‘-erfüller / Früchte-bringer / vielbeglückter Jahres-Koch / Grünung-Blüh und Zeitung-Ziel / Werkbeseeltes Lustverlangen! lange Hoffnung / ist in… Continue Reading „Herbst“
Martin Opitz Sonnet XXXIV. JHr / Himmel / lufft vnd wind / jhr hügel voll von schatten / Jhr Hainen / jhr Gepüsch‘ / vnnd du / du edler Wein / Jhr frischen Brunnen jhr so reich am Wasser seyn / Jhr Wüsten die… Continue Reading „Sonnet XXXIV“
Christian Wernicke (* im Januar 1661 in Elbing / Elbląg; † 5. September 1725 in Kopenhagen) An unsre teutschen Poeten Jhr Teutschen wenn die Lieb aus eurer Feder quill’t / Jhr eure Buhlschafft wolt mit eurem Vers bedienen / So kriegt man gleich zu… Continue Reading „Stimmen der Völker in ihren Liebesgedichten“
Ernst Meister Monolog der Menschen Wir sind die Welt gewöhnt. Wir haben die Welt lieb wie uns. Würde Welt plötzlich anders, wir weinten. Im Nichts hausen die Fragen. Im Nichts sind die Pupillen groß. Wenn Nichts wäre, o wir schliefen jetzt nicht, und der… Continue Reading „Monolog der Menschen“
Das Gedicht zum Sommerende und zur Sommerzeitdebatte. Es stammt vom bayrischen Heimatdichter Johannes R. Becher („Im Schatten der Berge bin ich geboren“). In den 50er Jahren lebte der bekanntlich in Pankow und verbrachte den Urlaub in Ahrenshoop. In Pankow geht die Sonne am 1.… Continue Reading „Es wird schon dunkel abends sieben“
Hedwig Lachmann Auswanderer Sie nehmen ihre Kinder an der Hand Und ziehen fort; es duldet sie kein Land. Grenzwächter sind auf ihren Weg gestellt, Wie wenn ein Hund am Tor die Wache hält. Sind überm Meer noch ein paar Ackerbreit, Worauf nicht Gras noch… Continue Reading „Auswanderer“
Johann Wolfgang Goethe Solang‘ man nüchtern ist, Gefällt das Schlechte; Wie man getrunken hat, Weiß man das Rechte; Nur ist das Übermaaß Auch gleich zu handen; Hafis! o lehre mich, Wie du’s verstanden! Denn meine Meinung ist Nicht übertrieben: Wenn man nicht trinken kann,… Continue Reading „Solang‘ man nüchtern ist“
Ernst Jandl calypso ich was not yet in brasilien nach brasilien wulld ich laik du go wer de wimen arr so ander so quait ander denn anderwo ich was not yet in brasilien nach brasilien wulld ich laik du go als ich anderschdehn mange… Continue Reading „calypso“
Ursula Krechel Kantilene, Abschiedsszene Im Gedenken an Oskar Pastior spricht in Zungensprachen spricht aus Mündelmündern kennt das Kindersingen‚ das Gelingen schnippelt eine Pastinakentasche näht den Wörtern Bändel, Laschen ob er durchschlüpft? alle Sprachen überraschen das Anatolische das Kryptokatholische, Alkoholische das Bukolische und das ganz… Continue Reading „Kantilene“
Johann Gottfried von Herder (1744-1803) (* 25. August 1744 in Mohrungen, Ostpreußen; † 18. Dezember 1803 in Weimar) Coalition „Politisch Lied, ein böses, böses Lied!“ So sagt das Sprichwort; und Du willst, o Freund, Daß dichtend unsre Nation sogar Politisire? Hör ein Märchen an,… Continue Reading „Politisch Lied anno 1792“
Elisabeth Alexander (* 21. August 1922 in Linz am Rhein; † 17. Januar 2009 in Heidelberg) Aus: Poesie als Auftrag: Festschrift für Alexander von Bormann. Hrsg. Dagmar Ottmann, Markus Symmank. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2001, S. 21
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