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Veröffentlicht am 29. August 2018 von lyrikzeitung
Hedwig Lachmann
Auswanderer
Sie nehmen ihre Kinder an der Hand
Und ziehen fort; es duldet sie kein Land.
Grenzwächter sind auf ihren Weg gestellt,
Wie wenn ein Hund am Tor die Wache hält.
Sind überm Meer noch ein paar Ackerbreit,
Worauf nicht Gras noch Futterkorn gedeiht?
Sanddünen, die kein Sämann noch bewarf,
Dass dort ein Bettelvolk verhungern darf?
Der Bauch der Schiffe nimmt sie endlich auf,
Zum Ballast hingeworfen, Hauf um Hauf.
Und setzt sie an den fernen Küsten aus
Wie Findlingskinder vor ein fremdes Haus.
Aus: Hedwig Lachmann: Gesammelte Gedichte. Potsdam 1919, S. 56f
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Hedwig Lachmann, l, L&Poe-Anthologie
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