Kategorie: Deutsch

Treulos bin ich gewesen

Franziska zu Reventlow (* 18. Mai 1871 in Husum; † 26. Juli 1918 in Locarno, Schweiz – 100. Todestag) Treulos bin ich gewesen und hab dich einst doch geliebt, Kannst du mir vergeben, wenn ich dein Leben getrübt? Treu hatt‘ ich dir geschworen, Liebe… Continue Reading „Treulos bin ich gewesen“

Sonett

Felix Philipp Ingold Fortschritt (1) Als Betonkeiler schießt an jedem Ende ein „Wir sind!“ empor, mit tollem Pathos und in blödem Einerlei nimmt das vereinte „Wir!“, bevor „Ich bin!“ zum letztenmal das Sagen hat, feist überhand und ist schon da und hält die Luft… Continue Reading „Sonett“

Leonce-und-Lena-Preis 2019

Lyrikwettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise am 29. und 30. März 2019 in der Centralstation Darmstadt  Einsendeschluss für die Bewerbungen ist der 15.09.2018 „Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus.“ Dieses… Continue Reading „Leonce-und-Lena-Preis 2019“

Die Blume der Blumen

Die Blume der Blumen Philipp Otto Runge (* 23. Juli 1777 in Wolgast; † 2. Dezember 1810 in Hamburg) Es blüht eine schöne Blume in einem weiten Land; Die ist so selig geschaffen und Wenigen bekannt, Ihr Duft erfüllet die Thale, ihr Glanz erleuchtet… Continue Reading „Die Blume der Blumen“

Sprache, die tanzt

Angelika Janz Version zwei Meine Gedanken vernetzt, nicht geerdet, notverschlossen, ausgesteuert, gegeneinander getrieben von Werbepanzern. Diese Gedanken Noch einmal gegeneinander geschossen, noch kindheitsbeatmet, noch atemlos noch unkaputtbar, weil reißfestes Gedächtnis. Vernimm im Hörschatten unartikuliert Rufe nach einer Sprache, die tanzt. Stattdessen Schreisalven. Blickgesten in… Continue Reading „Sprache, die tanzt“

Mordzimmer

Rudolf Ditzen (Hans Fallada) Mordzimmer Wie seltne Blumen blüht an falben Wänden Verspritzten Blutes klebriges Gerinnsel, Am Tisch ein Abdruck noch von roten Händen In einer Ecke hockt gemordetes Gewinsel. In bunten Teppich angstgezähnt verbissen, Liegt stumm am Boden eines Weibes Leiche, Von blauem… Continue Reading „Mordzimmer“

Cordelia

Christine Busta (* 23. April 1915 in Wien; † 3. Dezember 1987 ebenda) Cordelia Ich weiß nicht, ob es gut war, daß ich schwieg: wen Ekel stumm macht, wer’s verschmäht hat, sich zu wehren, ist schuldig, wenn sie Schritt für Schritt das Recht verkehren;… Continue Reading „Cordelia“

Wo hast du all die Schönheit hergenommen

Ricarda Huch (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus) Wo hast du all die Schönheit hergenommen, Du Liebesangesicht, du Wohlgestalt! Um dich ist alle Welt zu kurz gekommen. Weil du die Jugend hast, wird alles alt, Weil… Continue Reading „Wo hast du all die Schönheit hergenommen“

Die grausamen Morgen

HERTHA KRÄFTNER (* 26. April 1928 in Wien; † 13. November 1951 ebenda) Die grausamen Morgen Die Morgen sind wie Schwertstreiche durch die schwarzen und grünen Pflanzen der Nacht. Wenn ihre vollen Schäfte rauschend niederbrechen, verrinnen die süßen Düfte und die bitteren Säfte, und… Continue Reading „Die grausamen Morgen“

Sprengkraft

„Die Baroness – eine Sprengkraft der frühen Avantgarde“ Yoko Ono „Kunst ist Religion, daher bin ich eine Priesterin.“ Elsa von Freytag-Loringhoven Elsa von Freytag-Loringhoven, geb. Elsa Hildegard Plötz (* 12. Juli 1874 in Swinemünde; † 15. Dezember 1927 in Paris) Hier ein Gedicht aus… Continue Reading „Sprengkraft“

Ent-Du’n

Richard Beer-Hofmann (* 11. Juli 1866 in Wien; † 26. September 1945 in New York) Aus: Richard Beer-Hofmann: Schlaflied für Mirjam: Lyrik, Prosa, Pantomime (Große Richard-Beer-Hofmann-Ausgabe, Bd. 1). Hrsg. Michael M. Schardt. Igel Verlag, 2011, S. 56

KINO WEST, KINO OST

Kurt Bartsch (* 10. Juli 1937 in Berlin; † 17. Januar 2010 ebenda) KINO WEST, KINO OST Links der Elbe fließt der Whisky, Rechts der Elbe fließt der Wodka, In der Mitte fließt die Elbe. Links der Elbe reiten Cowboys, Rechts der Elbe die… Continue Reading „KINO WEST, KINO OST“

Lazarett

Walter Hasenclever (* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence) Sterbender Unteroffizier im galizischen Lazarett. Kleine Schwester Irene, Bei den Cholerakranken; Lila Blumen sanken Auf Abendkähne. Särge wachsen. Sturm. Antreten. Trommel. Tod. Offizier an Grabes Turm Schnarrt… Continue Reading „Lazarett“

Mein Gesang

Clementina Arderiu (* 6. Juli 1889 in Barcelona; † 17. Februar 1976 ebenda) EL MEU CANT De no cantar jo m’entristia: per mi és el cant tal com el pa de cada dia. És un parany, una ferida. Cada cançó s’emporta un tany de… Continue Reading „Mein Gesang“

Tod und Apfel

Christine Lavant (* 4. Juli 1915) Bernsteingelb ist das Geblüt der Erde, Mohnsud tropft aus allen Freudenarten in der Zeit, dem immergrünen Garten, wächst der Apfel, den ich pflücken werde. Muß zuvor aus überglasten Stunden Weh- und Wermut in dein Herz verpflanzen, während Sterne… Continue Reading „Tod und Apfel“