Kategorie: Asien

Kopf ab

Die Radios
fangen gleichzeitig
ein riesiges Geschwätz an Die elektrischen
Wellen
umschlingen die Wassertropfen
dass das Klopfen am Küchenfenster
aus dem Takt gerät

Omar Chayyam

Erst hat er gegen meinen Willen mich gemacht.
Das hat dem Leben außer meinem Staunen nichts gebracht.
Nur ungern scheide ich und frage mich: Wozu
hat er mir Ankunft, Dasein, Abschied zugedacht?

In diesen Nächten

In diesen Nächten,
wo die Blume das Blatt
und das Blatt den Wind
und der Wind die Wolke
und die Wolke das Wasser
und das Wasser den Stein
fürchtet

mein tod kennt mich nicht mehr

68 Wörter, 1 Minute Lesedauer. SAID kleines inventar 10- mein tod kennt mich nicht mehr wenn er kommt nass und erregt ihm voraus eine hundertschaft hornissen die vertreiben die schaulustigen derweil er mich sucht wie vereinbart auf offener straße um mitternacht zur stunde der… Continue Reading „mein tod kennt mich nicht mehr“

Ungefärbte Betrachtung

113 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Pei Xu SichtweisenMit einer Sonnenbrille kommt er der Welt entgegenwährendich einen Sonnenhut trage um alles ungefärbt zu betrachten Aus: Himmelsauge. Gedichte. Nachw. von Wulf Noll. Düsseldorf 2008. – © 2008 Edition Virgines, Lingen. Auch in: Frauen | Lyrik. Gedichte… Continue Reading „Ungefärbte Betrachtung“

Heimliche Liebe

230 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Heute vor 825 Jahren starb die japanische Dichterin Shikishi Naishinnō, eine der „36 unsterblichen Dichterinnen“ des alten Japan. Shikishi Naishinnō (1153?—1201) Über das Thema der heimlichen Liebewasurete wauchinagekaruruyūbe kanaware nomi shirite suguru tsukihi o Vergäße ich sie, müßt ich… Continue Reading „Heimliche Liebe“

5 Haikus von Abbas Kiarostami

Wie
Soll ich ruhig schlafen
Wenn die Zeit
Selbst im Schlaf
Keinen Augenblick anhält?

Aus dem Krieg

125 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Cong Rong 《抗日战争》 ANTI-JAPANISCHER KRIEGOma flüchtet,lässt Song-Porzellan und Jade zurück, hat meinen Onkel in ihrer Hand.Die Flüchtlinge drängen sich oben am Berg, halten den Atem an.Jemand steckt den Kopf raus und fragt:Was ist, wenn das Kind weint?Die ganze Gruppe… Continue Reading „Aus dem Krieg“

Einst stranzelte ein Knirch

Einst stranzelte ein Knirch
verkropfelt und gelipsert:
Er hatte bulgewirch
ein Haslapf eingeschnipsert.

Gedicht eines alten Mannes

Jung: Tiger fällt, Bogen spannt.
Jung: Pferd weit läuft, Wind folgt.
Alt: Tür nah steht, Schritt zögert.
Alt: Arm schwer hängt, Hand sucht.

Ich suche allerlanden eine Stadt

Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest,
Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt,
Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßt,
Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.

Mein Vater hat mich sehr geliebt

Sie fahren mit den Rädern und lachen in den Wind. Einer lässt die Lenkstange los, greift in den Himmel. Das ist ihre Jugend. Die Schüsse erschallen ein paar Tage später. Ich sitze im Kaffeehaus im Eck, seh auf dem Handy Filme von damals. Ich seh diese achtzehn-, neunzehnjährigen Kinder zum Tor des Himmlischen Friedens radeln. Ein leichter Wind fährt in ihre Hemden, ein leichter Wind zerzaust ihre Haare. (Gewidmet den jungen Leuten von 1989)

Nutzlos hast du unser rotes Blut vergossen… General!

General!
Wir sind des Kaisers Leiter und Sprossen!
Wir sind wie Wasser im Fluß verflossen …
Nutzlos hast du unser rotes Blut vergossen…
General!

Bei Neumond

Bei Neumond
kam ich auf’s Dach
mit dem Spiegel und Kräutern und einem Achat.
Eine kalte Sichel passierte den Himmel
sperrte den Flug der Taube.

Es herrscht Frieden

Es herrscht Frieden.
Der Frühling hat begonnen.
Die Sonne scheint.
Ich bin rausgegangen, die Menschen sind gelassen,
Auch ich bin gelassen.