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Veröffentlicht am 12. Dezember 2025 von lyrikzeitung
186 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Im Persischen gibt es ein Wort für die drei mondlosen Nächte um Neumond. Um die geht es im heutigen Gedicht des persischen Dichters Achmad Schamlu, der heute vor 100 Jahren geboren wurde. Auch ein Astronomiegedicht, was sonst noch, Naturgedicht, und mindestens die Namensnennung Gohar Morad, eines Dichters und politischen Aktivisten, der unter dem Schahregime ebenso wie unter den Mullahs verfolgt wurde, bringt eine politische Dimension hinein. Sind die Nachtwächter mit ihren gegen die Vögel wütenden Schwertern mehr als ein surreales Bild?
Achmad Schamlu
(englisch Ahmad Shamlou, persisch احمد شاملو Ahmad Schāmlu, * 12. Dezember 1925 in Teheran; † 24. Juli 2000 in Karadsch)
Mohagh*
Für Gohar Morad
Bei Neumond
kam ich auf's Dach
mit dem Spiegel und Kräutern und einem Achat.
Eine kalte Sichel passierte den Himmel
sperrte den Flug der Taube.
Getuschel unter den Pinien
und der Nachtwächter wütende Schwerter
kamen auf die Vögel nieder.
Der Mond
ging nicht auf.
*) Mohagh: Bezeichnung für die drei Nächte der Mondwechselphase, während derer der Mond bedeckt erscheint.
Aus dem Persischen von Farhad Showghi, aus: Zwischen den Zeilen. Eine Zeitschrift für Gedichte und ihre Poetik, herausgegeben von Urs Engeler, #12, Oktober 1998, Seite 187

Kategorie: Iran, PersischSchlagworte: Achmad Schamlu, Ahmad Schamlu, Ahmad Shamlou, Astronomiegedicht, Farhad Showghi, Gedicht des Tages, Gohar Morad, iranische Poesie, Lyrikzeitung, Mohagh, Mondphasen, Neumond Gedicht, persische Literatur, persische Lyrik
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