Kategorie: Deutschland

Sich einrichten in der Zeit

Dann wird es still. In der Sprache
Brennt noch Licht. Und ich höre dich atmen

In meinem Gedicht über das Unsichtbare
Und das Sichtbare darin.

Wie sie sich giften, daß ich gut zu Fuß bin

Der wird hier Kanzler, der am krümmsten humpelt,
Und der dem Volk den Sand siebt, machts im Streckbett
Seltsam umwoben vom Singsang der Wechsler

Zu bleibt das Tor

Mein Volk hängt am Strange
mein Dorf ist verbrannt
ich komme am Klange
des Worts vor dein Land

Gespräch mit Bertram Reinecke

Der Blog Leipzig lauscht sprach mit dem Verleger und Lyriker Bertram Reinecke. Auszug: L.L.: Von der Leipziger Buchmesse sind Lesungen nicht wegzudenken. Bemerken Sie unterschiedliche Reaktionen, wenn Leute ein Buch öffentlich vorgestellt bekommen im Gegensatz zum selbstständigen Lesen? Reinecke: Wichtig scheint mir das gemeinsame… Continue Reading „Gespräch mit Bertram Reinecke“

Nacht=Klage

Jch weiß nicht / wie mir geschehn /
Ey / wo sind doch meine Lieben ?
Wo ist der und der geblieben ?
Läst sich hier denn niemand sehn ?
Auff den Gassen ist Geschrey :
Cloris sizt schon auff dem Wagen /
Galathee lest mir sagen /
daß sie schon von hinnen sey. ¶

Ungefärbte Betrachtung

113 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Pei Xu SichtweisenMit einer Sonnenbrille kommt er der Welt entgegenwährendich einen Sonnenhut trage um alles ungefärbt zu betrachten Aus: Himmelsauge. Gedichte. Nachw. von Wulf Noll. Düsseldorf 2008. – © 2008 Edition Virgines, Lingen. Auch in: Frauen | Lyrik. Gedichte… Continue Reading „Ungefärbte Betrachtung“

Fern von Madagaskar

Wir lagen vor Madagaskar
und hatten die Pest an Bord.
Das sangen einst deutsche Kinder
und glaubten jedes Wort.
Doch plötzlich wurden sie größer
und marschierten in einen Krieg,
so fern von Madagaskar
und dem versprochenen Sieg.

,,Der ist verrückt.“

Ja, lache nur, Weib, du hast ganz recht:
Ich rauch überhaupt keine Pfeif;
Doch weil ich so überglücklich war,
So mußt ich sie kaufen: begreif!

Am Ende

eine schwer zu durchschauende Angelegenheit
die man irgendwie
zu Ende bringt
die auch eine Gefühlskonfusion erzeuge

das & das

das an-die-brust-schlagen
das zertrümmern der herzen
das entblößen der leiber
das auskugeln der glieder
das zerfetzen der augen
das aufreißen der münder

Elisabeth Borchers 1926-2013

Und Chagall
malte drei Teller
voll Erdbeeren
und die Welt wurde nicht satt

Merks, verstockter Atheist!

67 Wörter, 1 Minute Lesezeit. Heute ein Gruselszenarium in 8 Zeilen. Bertold Hinrich Brockes (* 22. September 1680 in Hamburg; † 16. Januar 1747 ebenda)  Hüben sich die Augen-LiederDurch die Muskeln selbst nicht auf, Sondern sünken immer wieder, (Ach man achte doch darauf!) Wie erbärmlich würd‘ es lassen, Wenn man… Continue Reading „Merks, verstockter Atheist!“

Erzählungen von der Geschichte

Immer scheint Winter zu sein. Mit meinen heißen
Tränen. Noch immer kein Boden zu sehen.
Und Kafkas Axt? Konnte ich die vergessen,
da ich zu Fuß unterwegs bin auf dem gefrorenen Meer.

Im Wald

Das Weiß der Wiese schimmert grau.
Im Dämmer stehn die Pferde still.
Ich geh vorbei, stets nur vorbei,
Nach mir verschließt ein Zweig den Weg.
Der Tag versinkt, die Nacht kommt auf.
Stets weit entfernt der Abendstern.

Grobe Theaterkritik

284 Wörter, 2 Minuten Lesezeit. Am 24. Januar feierte Deutschland den 250. Geburtstag E. T. A. Hoffmanns (mit Gedenkartikeln vermutlich). Der vielseitige Autor und Komponist schrieb eigentlich keine Gedichte, obwohl es ein paar in Erzählungen eingestreute gibt. Lyrikzeitung holt trotzdem das Gedenken nach mit… Continue Reading „Grobe Theaterkritik“