Schlagwort: Tobias Lehmkuhl

Maulelaunenmanual

Heutzutage wird viel gejammert, aber selten geklagt. Der kunstvolle Klagegesang ist anderen Zeiten, anderen Kulturen vorbehalten. Sieht man einmal von Friedrich Rückerts „Kindertotenliedern“ ab, führt das Genre im deutschsprachigen Raum eine Randexistenz. Wobei „Sprache“ als syntaktisches Gefüge für den Klagegesang ohnehin erst einmal zweitrangig…

Wochendigest 5./6.6.

1000 Seiten Depression Ein guter Freund, der Houellebecq verehrt, hat mir berichtet, immer, wenn die Stimmung in seiner Redaktion zu gut würde, klettere er auf einen Stuhl und deklamiere ein Houellebecq-Gedicht. Ein todsicheres Mittel, um eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre herzustellen. Übrigens erwischt man sich irgendwann…

Gedichte mit Preis

Wondratschek wurde mit Texten wie „Früher begann der Tag mit einer Schusswunde“ oder „Mara“ berühmt, nun sind seine unbekannten Werke in einer kleinen Hinterhofwohnung im Berliner Stadtteil Schöneberg zu sehen: Die Ausstellung „Bin in einer Stunde zurück“ zeigt Lyrik, Collagen und typographische Arbeiten. Zitieren…

55. Peter Huchel Preis 2015 an Paulus Böhmer

Der Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Paulus Böhmer. Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Preis wird seit 1983 vergeben. „Zum Wasser will alles Wasser will weg“, so heißt der prämierte Gedichtband von Paulus Böhmer. Das Langgedicht…

57. Wozu Poesie

„Hör gut zu. Die Wahrheit ist zu leise, der Verstand kann ihr nicht antworten“, heißt es bei Teresa Colom aus Andorra. Sie steht dabei auf einem Pfad in den Pyrenäen. Ein ganz anderer Ton herrscht bei Arian Leke aus Albanien zwischen Wort und Hintergrund….

68. Peter-Huchel-Preis 2013 für Monika Rinck

Die Lyrikerin Monika Rinck erhält in diesem Jahr den Peter-Huchel-Preis. Sie wird für ihren Gedichtband „Honigprotokolle“ ausgezeichnet. Der SWR und das Land Baden-Württemberg vergeben den Preis seit 1983 für ein herausragendes lyrisches Werk des Vorjahres. Die „Honigprotokolle“ setzten einen „poetischen Resonanzkörper“ in Gang, der…

12. Huchelpreis an Nora Bossong verliehen

Was sie nach der Lesung der letztjährigen Preisträgerin Marion Poschmann zu Gehör brachte – Impressionen aus einer „Dante-Gegend irgendwo vor Assisi“, wo Sankt Franziskus Heiligen-Viten fälschte, und eine spröde Personenstudie aus ihrer norddeutsche Heimat – ließ den typischen Bossong-Ton vernehmen: so intellektuell-leichtfüßig wie bodenständig,…

13. Zugekümmert

Ein wenig enttäuscht bin ich schon vom neuen Gedichtband Nora Bossongs, zumal er in der Presse überschwänglich gelobt wurde. Vielleicht hat das und die Aufnahme des ersten Bandes die Latte auch so hoch gelegt, dass sie problemlos zu unterlaufen ist. Durch  „souveräne Leichtfüßigkeit“ vielleicht,…

112. 1 Tag Poesiefest

Sonnabend 24.9. Düsseldorf Ab 11.00 Uhr: Poetisches Frühstück Probieren Sie Proust’sche Madelaines und Apfeltörtchen nach Heinrich Heine, sowie andere literarische Leckerbissen. Kooperationspartner: „Cateringart“ Begrüßung: Christoph Meyer Generalintendant Dt. Oper am Rhein 11:30 Uhr: »Die Rottenkinckschow« mit  Ann Cotten, Monika Rinck und Sabine Scho,  drei der derzeit…

121. Tuvia Rübners Deutsch

Man lässt sich leicht täuschen von diesen Gedichten, lässt sich verleiten, nur das Lichte zu sehen: ‚Spätes Lob der Schönheit‘ heißt der neue Gedichtband des 1924 geborenen, 1941 nach Palästina entkommenen Tuvia Rübner, und ‚Spätes Lob der Schönheit‘ ist auch der Titel eines der…

58. Projektionsfläche Ostsee

Die überdies schön gestaltete Sammlung von über 100 zeitgenössischen Ostseegedichten liest sich bei aller Vielfalt – so unterschiedliche lyrische Temperamente wie Jan Wagner und Claudia Gabler, Nico Bleutge und Ulrike Draesner, Volker Braun und Kathrin Schmidt sind vertreten – als stimmiges Ganzes. Das mag…

126. Anbiedernd

Und so schreibt Michael Lentz ausgesprochen zumutbare Gedichte, die von Chaos, Terror und Wahnsinn, mit denen Liebe ja durchaus auch einhergehen kann, meilenweit entfernt sind. Sie zielen ganz und gar auf das Einverständnis mit dem Leser. Ihnen ist nichts Widerständiges eigen: Wir wissen ja…

6. Hybris des Schmerzes

Doch selbst Paul Celan wurde Sachs‘ Leidens-Gestus irgendwann unheimlich. Ende der fünfziger Jahre hatte er brieflich Kontakt zu ihr aufgenommen, bei ihrem Besuch in der Schweiz 1960 holte er sie dann gemeinsam mit Ingeborg Bachmann vom Flughafen ab, lud sie schließlich nach Paris ein…

175. Richtig

Schneider blätterte sich durch den Fußballteil und das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und ertappte sich, wie er einen Satz von Tobias Lehmkuhl, der einen Satz von Theodor W. Adorno drehte und wendete, aufmerksam las: Adorno hatte in der ursprünglichen Fassung von »Minima Moralia« nicht…

120. Geistergestalten und Hochdichtung

Wer hat zum Beispiel jemals etwas von Wolfgang Frommel, Manfred Streubel oder George Forestier gehört? Michael Braun und Michael Buselmeier lassen diese Geistergestalten der deutschen Literatur noch einmal, für einen kurzen Moment, sichtbar werden. Seit 1991 haben der ganz auf Lyrik spezialisierte Kritiker Braun…