Lyrikzeitung & Poetry News

3. Mai 2012

10. 13. poesiefestival berlin

Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).

Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.

Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

16. April 2012

58. Lyrik ist gut für die Massen

Einsortiert unter: Arabisch, Syrien — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 22:17

Lyrik ist gut für die Massen, während Prosa den schädlichen Individualismus unterstützt. Der „Große Kommandant“ will die Subjektivität eliminieren. Denn Denken bedeutet Widerstand und ist somit Verrat am Führer. Ebenso wird übrigens die traditionelle arabische Musik zugunsten von martialischer Blechmusik abgeschafft. Liebeslieder könnten schließlich zu Melancholie führen, zu Genuss und Meditation, was individualistisch und somit antipatriotisch ist.Wegen Landes-, genauer, Führerverrat wird Fathi denn auch seine Literatursendung im Fernsehen weggenommen und auch sein Schöpfer, der Autor Nihad Siris, durfte seit 2001 nicht mehr fürs Fernsehen arbeiten (wofür er zuvor die erfolgreiche, 25-teilige Serie „Seidenmarkt“ schrieb). / Sabine Vogel, FR 12.4.

Nihad Siris: Ali Hassans Intrige. Aus dem Arabischen von Regina Karachouli. Lenos Pocket, Basel 2012. 174 S., 12,90 Euro.

Vgl.: Nur Hirtenvölker bevorzugen die Poesie / 30. Das arabische Gedicht

9. März 2012

35. Märtyrer-Kult

Einsortiert unter: Arabisch, Palästina — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 01:18

Friederike Pannewick erforscht die arabische Literatur – und findet darin nicht nur eine große, hierzulande kaum bekannte ästhetische Kunstfertigkeit, sondern auch gesellschaftliche Einstellungen von aktueller politischer Brisanz. Etwa in diesem Gedicht:

Ein Körper liegt da, hingeworfen zwischen Bergpfaden,
Raubtiere streiten sich um ihn.
Blut überzieht die Erde mit Purpur und macht den Ostwind
Schwer vom Duft des Moschus.
Ein Lächeln umspielt seine Lippen, voll Spott
Über dieses niedere Dasein.

Der palästinensische Dichter Abd ar-Rahim Mahmud verherrlichte den Tod eines Märtyrers 1937, im Kampf gegen jüdische Einwanderer, die in Palästina ihren eigenen Staat gründen wollten. Damals entwickelte sich in der arabischen Welt eine intensive Verehrung für Männer, die für eine gerechte, aber aussichtslose Sache ihr Leben opfern. Der Märtyrer-Kult hält bis heute an, ob in Afghanistan oder Tunesien. Die Wurzeln dafür hat Pannewick, Professorin an der Universität Marburg, im 7. Jahrhundert gefunden. Damals erhob Hussein, der Enkel des Propheten, Anspruch auf Mohammeds Nachfolge und wurde von einer Übermacht seiner Gegner getötet.

“Diese Situation passte wunderbar, strukturell gesehen, für eine Situation wie die der Palästinenser Anfang des 20. Jahrhunderts, als die zionistische Siedlungsbewegung stark wurde und auch gegen das britische Mandat ein fast aussichtsloser Kampf geführt wurde. Also der Märtyrer als eine Figur, die einer sehr stark in die Enge getriebenen Gruppe die Hoffnung gibt, in irgendeiner Form, und sei es transzendental, zu einem Sieg zu kommen, obwohl die politische Situation nahezu aussichtslos ist.”

/ Matthias Hennies, DLR

29. Februar 2012

126. Revolution der Buchstaben

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Mit Kalligrafie Bilder malen – das gelingt dem Künstler Adel Ibrahim eindrucksvoll. Die Ausstellung des gebürtigen Irakers wurde in der Galerie des Verbandes „Zusammenarbeit mit Osteuropa“ (ZMO) eröffnet. Seine Werke zeigen zum einen die von der klassischen islamischen Kalligrafie geprägten Schriftbilder, welche Koransuren oder Gedichte darstellen. Zum anderen sind es grafisch inspirierte Werke, welche die Schrift als Gestaltungsform einsetzen. Auch die Verwendung von Tusche und Acrylfarben auf Leinwand steht für diese Verbindung von Tradition und Moderne. Dies zeigt das Werk „Die Revolution der Buchstaben“: Ineinander verfließende Schriftzeichen in Orange- und Rottönen, eine Verbindung zwischen Oben und Unten, die sich auf die Umbrüche in der arabischen Welt bezieht. / Main-Spitze

15. Februar 2012

64. Türkische Früchte 4: Tode

Dichter wurden allerorten verfolgt und gemordet. Unübertroffen Hitler und Stalin. In diesem einen Punkt war Stalin vorn, seinen Repressionen fiel eine mindestens dreistellige Zahl von Schriftstellern zum Opfer. In einer einzigen Nacht, der “Nacht der ermodeten Dichter”, ließ der Diktator 13 jüdische Intellektuelle hinrichten, darunter diese Schriftsteller:

  • Peretz Markish (1895–1952)
  • David Hofstein (1889–1952)
  • Itzik Fefer (1900–1952)
  • Leib Kvitko (1890–1952)
  • David Bergelson (1884–1952)

Diese beiden sind also konkurrenzlos. Sieht man an ihnen vorbei, stößt man auf die Tatsache, daß islamische Ländern seit dem Mittelalter besonders viele ihrer Dichter zu Tode brachten, namentlich auch spätere Klassiker. Eine kleine Liste von hingerichteten Autoren:

  • der Dichter Waddah al-Yaman, jetzt Nationaldichter in Jemen, wurde 708 wegen seiner Verse, vielleicht aber auch wegen zu enger Beziehung zur Frau des Kalifen, von diesem hingerichtet
  • der arabische Dichter Salih ibn ‘Abd al-Quddus wurde 784 wegen Ketzerei hingerichtet
  • Der Dichter Abu Nuwas starb 815 wegen eines Spottgedichts auf eine vornehme Perserfamilie – sie ließ ihn derart misshandeln, dass er an den Folgen starb
  • Huseyn ibn Mansur al-Halladsch wurde 922 in Bagdad hingerichtet
  • Abu at-Tayyib Ahmad ibn al-Husayn al-Mutanabbi, den man oft den größten arabischen Dichter nennt, wurde 965 ermordet
  • der türkische Dichter Nesimi (Nasimi) wurde 1405 hingerichtet, weil er einer der Ketzerei beschuldigten Sekte angehörte. Er starb in Aleppo durch Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe
  • Pir Sultan Abdal wurde um 1560 hingerichtet, weil er mit den Persern gegen die Herrscher von Siwas konspirierte
  • der türkische Dichter Nefi wurde 1635 hingerichtet, weil er Spottverse gegen einen Mächtigen schrieb
  • 1981 richtete die Islamische Republik Iran den Dichter  und Dramatiker Saeed Soltanpour hin

Nachtrag 2012: Zehntausende fordern in einer Facebook-Gruppe die Bestrafung des saudi-arabischen Journalisten Hamsa Kaschgari, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Sie wollen ein Exempel statuieren und verlangen die Hinrichtung des 23-Jährigen.

9. Februar 2012

32. Arabische Kulturrevolution

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‘Hast du jemals davon geträumt, dass die einfachen Leute auf die Straße gehen und “nein” sagen könnten?’ Der aus dem Irak Saddam Husseins geflohene, heute in Deutschland lebende Schriftsteller und Lyriker Abbas Khider – Verfasser des Romans ‘Der falsche Inder’ (Edition Nautilus) – stellte diese Frage seiner ägyptischen Kollegin Mansura Eseddin bei den Arabischen Literaturtagen an diesem Wochenende in Frankfurt.  …

Auffällig an diesen Literaturtagen war, in welchem Maße schreibende Frauen diskursbestimmend waren. Man ahnt im Gegenzug die Krise der patriarchalischen arabisch-männlichen Identitäten. Vielleicht sind ja die Frauen das Subjekt einer arabischen Kulturrevolution, die bereits im Gange ist und auch keines Voltaire mehr bedarf, dessen Fehlen Boualem Sansal beklagte. Wenn das kein ‘arabischer Traum’ ist, wie jener, von dem Abbas Khider in Frankfurt als ‘von einer neuen Art Liebe’ sprach. Das wäre dann auch Politik und erst recht Literatur. / VOLKER BREIDECKER, Süddeutsche Zeitung 23.1.

8. Februar 2012

26. Islam Erwache

Einsortiert unter: Arabisch, Ägypten, Bahrain, Iran, Libanon, Tunesien — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 01:16

Der “Islamische Revolutionsführer” Ayatollah Seyyed Ali Khamenei betonte die wichtige Rolle der Literatur im “Islamischen Erwachen”.

Er sprach am Montag in Teheran bei einem Treffen mit iranischen und ausländischen Literaten beim “Internationalen Kongreß für die Literatur des Islam ischen Erwachens”.

Er forderte die literarischen Figuren der islamischen Länder auf, Gedichte zu schreiben, die die “Erhebung des Islamischen Erwachens” beförderten.

An dem Treffen nahmen Gäste aus Tunesien, Ägypten, Libanon, Bahrain und mehreren anderen Ländern teil und lasen Gedichte zu Ehren des Propheten Mohammed, des “Islamischen Erwachens” und des 33. Jahrestages der Islamischen Revolution. / Tehran Times

17. Januar 2012

65. Kein Land für alte Dichter

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Der Autor und Musiker Piko Be (Kamerakino/Das Weiße Pferd u.a.) präsentiert zum ersten Mal “Kein Land für alte Dichter” in Berlin. Zum Eröffnungs-abend hören wir junge syrische Lyrik mit Fares Albahra (Damaskus/Berlin) und Sandra Hetzl (Napoli/Berlin).

Eine deutsch-syrische Lesung mit Gespräch samt revolutionären Drehungen und Wendungen.

Lyrikwache diesmal: Hank Schmidt in der Beek.

Details

  • Datum: Dienstag, 17 Januar 2012
  • Zeit: 21:00
  • Stadt: Berlin
  • Location: Südblock
  • Adresse: Admiralstr. 1-2

9. Januar 2012

36. “Dichten für Millionen”

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Tausende fühlten sich berufen, aber nur 48 sind auserwählt: Diese 48 Dichter aus allen Teilen der arabischen Welt treten nun gegeneinander an, über 15 Wochen in einer Art künstlerischem KO-Verfahren, bis einer oder eine übrig bleibt. Der kuwaitische Dichter Seyad Ibin Nahit hat eine der früheren Runden von “Sha’ir al miliun” gewonnen – und ist seitdem ein gefeierter Lyriker. …

Neu an dem diesjährigen Wettbewerb: Bei den Kandidaten zählt fortan auch ihre Körpersprache. Denn auch die ist wichtiger Bestandteil ihrer Ausdrucksfähigkeit. Einer, darin so stark ist wie wenig andere, ist der palästinensische Dichter Tamim al Baruti. Auch er nahm an dem Wettbewerb, fiel aber durch – wegen eines winzigen Grammatikfehlers. Denn auch auf korrekte Grammatik kommt es an in diesem Wettbewerb, da sind die Veranstalter streng. Aber Baruti ist seit seinem Auftritt ein echter Lyrik-Star in der arabischen Welt. / Kersten Knipp, DLF

6. Januar 2012

20. Zwei jüdische Dichterinnen aus Spanien

Die großen jüdischen Dichter des mittelalterlichen Spanien sind Teil des jüdischen Erbes, Namen wie Dunash ibn Labrat, Solomon ibn Gabirol, Moses ibn Ezra, Samuel Hanagid und Yehuda Halevi kommen einem in den Sinn. Doch es ist keine Überraschung, daß es alles Männer waren.

Umso erstaunlicher, daß es in dieser Zeit zahlreiche moslemische Frauen gab, deren Gedichte erhalten sind. Obwohl Moslems die Juden das “Volk des Buches” nennen, waren es moslemische Frauen, die dauerhafte poetische Werke schufen.

Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? Es fällt schwer anzunehmen, daß die moslemischen Frauen im damaligen Spanien soviel besser ausgebildet waren als ihre jüdischen Zeitgenössinnen. Arabisch wurde die lingua franca nach der moslemischen Eroberung des Landes im Jahr 711.  Wurden, als die jüdischen Dichter auf Arabisch und später auf Hebräisch zu dichten begannen, die Frauen völlig ausgeschlossen?

Nur sehr wenige Gedichte jüdischer Frauen aus dieser Zeit sind erhalten. Das muß nicht unbedingt bedeuten, daß nicht mehr geschrieben wurden. Die Gedichte sind von hoher Qualität, nur die geringe Menge ist das Problem.

Kasmunah (“die kleine Bezaubernde” oder “die mit dem hübschen Gesicht”) aus Andalusien war die Tochter von Isma’il ibn Bagdala “dem Juden”. Ihre arabischen Verse wurden in eine im 15. Jahrhundert von einem Ägypter zusammeegestellte Anthologie von Gedichten von Frauen aufgenommen. Man weiß wenig von ihr, die Forschung streitet sich, ob sie im 11. oder 12. Jahrhundert lebte. Manche von denen, die die frühere Variante vorziehen, vermuten, daß sie die Tochter Samuel Hanagids war, der auch ibn Nagrella genannt wurde und der tatsächlich eine Tochter hatte. Man vermutet, daß die Namen Bagdala und Nagrella verwechselt wurden.

Fest steht jedenfalls, daß Kasmunahs Vater sie auf dem Weg schöpferischer Zusammenarbeit unterrichtete. Er schrieb zwei Zeilen, auf die sie entsprechend antworten mußte.

Den Stil, den er verwendete, nennt man Muwwashah, eine schwierige Form, in der beide brillierten. Wenn man ihre Verse liest, spürt man enorme Originalität und Gewandtheit in arabischer Dichtkunst und die Sanftmut einer kultivierten Frau.

Die Frau des Dichters Dunash ibn Labrat lebte gegen Ende des 10. Jahrhunderts. Man weiß wenig von ihr. Ihr Mann wurde in Fez geboren, er studierte in Bagdad und lebte einige Zeit am Hof des bedeutenden Diplomaten Hasdai ibn Shaprut in Córdova. Nicht einmal ihr Name ist überliefert, aber ihre Fertigkeit in hebräischer Dichtung ist erstaunlich. / RENÉE LEVINE MELAMMED, Jerusalem Post 5.1.

A Jewish poetess, named Kasmunah, daughter of Isma’il the Jew, is also counted among the bright geniuses of that nation. Her father, who was himself a man of considerable learning and a good poet, had bestowed the greatest care on her education, and imparted to her all the science which he himself possessed. He used to compose part of an ode and then give it to her to finish. He once said to her,—” Tell me who is ”The master of beauty, who fights and vanquishes those who oppose him, “and yet whose trespasses are excused?” And she replied, almost immediately,

“The sun, which imparts its light to the minor constellations, and whose “face after this appears quite dark.”

Aus: The history of the Mohammedan Dynasties in Spain: extracted from the Nafhu-t-Tib Min Ghosni-l-Andalusi-r-Rattib … by Amad b. Muammad al MakkariBand 1.  

Autor: Aḥmad Ibn- Muḥammad al- Maqqari
Herausgeber: Pascual de Gayangos
Übersetzt von Pascual de Gayangos
Verlag: Oriental Translation Fund, 1840
Original von Bayerische Staatsbibliothek
Von Google digitalisiert
544 Seiten

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