Schlagwort: Michael Braun

Nachtwanderer der Moderne

In seinem jüngsten Gedichtbuch Bilder vom Erzählen kehrt Hilbig , der Nachtwanderer der Moderne, zu den Themen und Motiven seiner lyrischen Anfänge zurück. In dem Titelgedicht des Bandes Bilder vom Erzählen ersehnt sich nun das lyrische Alter Ego des Autors von einem Raben die…

„Staatsdichter“ Grünbein?

Obwohl man ihn seit einem Jahrzehnt durch allerlei «Ruhmhallen» hetzt, ist Durs Grünbein ein Ausnahme-Lyriker geblieben, der mit seinem Weltaneignungsgeschick und seiner Kompositionsfertigkeit selbst schwächere Phasen seiner Produktion zu überspielen vermag. … Vier Gedichttypen lassen sich in «Erklärte Nacht» unterscheiden: Im ersten Teil des…

Lyrik, Wahrheit, Materialität – Zeitschriftenkritik

In einer Betrachtung zu «Merkmalgedichten des 20. Jahrhunderts», die in der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift «Die horen» (Nr. 205) nachzulesen ist, liefert Waterhouse ein schroffes Dementi in Sachen «Wahrheit». Gedichte, so Waterhouse, haben es mit einem «weit verzweigten System von Unwahrheiten» zu tun, ja…

Texttreue bei Nachdichtungen

Michael Braun befragt Raoul Schrott – u.a. über Texttreue bei Nachdichtungen: Den griechischen Hexameter, der etwas Getragenes hat, kann ich nicht aus den Strukturen des Altgriechischen umstandslos ins Deutsche hinüberretten. Die Musikalität der einen Sprache kann ich nicht in die andere bringen, ohne sie…

70 wird auch Günter Herburger

Michael Braun gratuliert: Seine eigene enzyklopädische Raserei will Herburger in einer lyrischen „Epopöe, einem kleinen Heldengedicht“ bündeln. Weil er sich selbst die Lizenz zum wuchernden Phantasieren erteilt, gehorchen diese neuen Gedichte aber eher jenem Gestaltungsprinzip, das er schon 1967 in einem Kursbuch -Essay verkündete….

Lyrische Nachtwanderung mit Poe

Poes «nevermore», verkündet im epochalen Gedicht «The Raven», präludierte dann den dunklen Refrain für alle lyrischen Nachtwanderer der Moderne. Nach über hundertjähriger Abwesenheit taucht nun der «riesige amerikanische Rabe» Poes am Nachthimmel der neuen Gedichte Wolfgang Hilbigs wieder auf. Und es kommt zur Begegnung…

Dann fiel auf einmal der Himmel um

Nach ihrem Selbstmord am 1. Juni 1966 verschwand Inge Müller umgehend aus den Annalen der DDR-Literaturgeschichte. Kurz nach ihrem Tod hatte der Aufbau Verlag den vergeblichen Versuch unternommen, ihre seit 1957/58 entstandenen Gedichte in einer Ausgabe vorzustellen. Für die paranoiden Literaturpolitiker der DDR bedeutete…

Benennen und Verschweigen

Marcel Beyer schreibt Gedichte, die nicht von der Fremdheit der Phänomene erlösen, sondern … mitten in ihr „Geheimnis“ hinein führen. Hier wird in großer Eindringlichkeit über Geschichte gesprochen – in Gedichten, die gleichermaßen aus benennen und Verschweigen bestehen. / Michael Braun, FR 20.3.02 Marcel…

Himmelsphysik und Poesie: der Dichter Oswald Egger

Der Kreis ist ja seit Nikolaus Cusanus und Meister Eckhart eine Grundhieroglyphe der Mystik, ein Ort des Göttlichen, der Schutz bietet und Kraft ausströmt. Eine diskrete Pointe in Eggers neuem Gedichtbuch «Nichts, das ist» markiert in diesem Zusammenhang die Differenz zu allen instrumentellen Auffassungen…

Manhattan Mundraum II

Vier Monate nach den Ereignissen, da die publizistische Hysterie längst wieder abgeflaut ist, veröffentlicht nun die österreichische Literaturzeitschrift „manuskripte“ (Nr. 154) in ihrer aktuellen Ausgabe ein Gedicht des Lyrikers Thomas Kling, das unmittelbar unter dem Eindruck der terroristischen Attentate entstanden ist, gleichwohl für die…

Banater Alphabet

Johann Lippet hat sich vom legendären «alphabet» seiner dänischen Kollegin Inger Christensen inspirieren lassen. Dass beim Vagabundieren in Wörterbüchern enorme poetische Sprachenergien freigesetzt werden können, demonstriert nun sein «Banater Alphabet». Der zentrale Schauplatz dieser poetischen Sehnsuchtsreise ist das ungarische Grenzstädtchen Hegyeshalom, ein Ort, der…

13. Restaurierung des guten alten Kunstschönen

Restaurierung des guten alten Kunstschönen. „Gedicht und Gegenwart“ Graziendienste beim 18. Römerbad-Colloquium in Badenweiler: Einen Rekord an emphatischem „Graziendienst“ stellte gewiss Iso Camartin auf, als er die Schönheits-Sucht Charles Baudelaires und Giuseppe Ungarettis pries, ohne indes die Destruktionsenergien, Hass- und Hässlichkeits-Litaneien der modernen Lyrik…

Dunkle Tradition

Zu den dunkleren Traditionen des Leonce-und-Lena-Wettbewerbs, der ja dem Dichter-Nachwuchs gewidmet ist, gehört auch die Ignoranz der Vorjurys, die mit blamabler Beharrlichkeit die interessanten jungen Dichter dieser Jahre einfach übersahen. So konnte Thomas Kling, der diesmal als Ehrengast des „Literarischen März“ geladen war, in…