Susanne Baghestani macht auf die Vorbereitungen zum 900. Geburtstag der persischen Dichterin Mahsati Ganjavi in Aserbaidschan aufmerksam und schreibt:
Mahsati Ganjavi (oder Mahasti Ganje’i) gilt als größte Rubayi-Dichterin nach Omar Chayyam und als Begründerin der Shahr-Aschub-Gattung innerhalb der Rubayi-Dichtung. In der modernen persischen Literatur ist sie leider kaum präsent, und wird merkwürdigerweise auch von zeitgenössischen DichterInnen nicht rezipiert. Hauptgrund dafür sind wohl ihre unverblümten erotischen Dichtungen, die einige einflussreiche iranische Literaturkritiker als moralisch verwerflich abgetan haben.
Erstaunlicherweise wurden ihre berühmten Vierzeiler dennoch in der prüden Islamischen Republik neu aufgelegt, allerdings zu Khatamis Zeiten. Den schönen Band entdeckte ich vor einigen Jahren auf der Buchmesse, herausgegeben von Moin-eddin Mehrabi, Tus Publications, Teheran 2003, 245 S. http://www.aidabook.de/node/567
Fritz Meier hat sie bereits in den 1960er Jahren ins Deutsche übersetzt, und die Uni Zürich hat seinen Nachlass 2004 neu herausgegeben. http://www.amazon.de/mahsati-Bücher/s?ie=UTF8&keywords=Mahsati&page=1&rh=n%3A186606%2Ck%3AMahsati
Proben und Informationen auf Englisch:
900-Jahr-Feier in Baku (3.-5.Mai)
http://www.farzanehdoosti.com/translates.php?lang=en
Hier 2 Gedichte und diese Information
Mahsati Ganjavi (also written Ganja’i or Ganjevi) lived during the 12th century, born in Ganje, Azerbaijan. Her poetry was a strong voice against prejudice and hypocrisy and patriarchy, while upholding love — both human and divine.
She was celebrated at the court of Sultan Sanjar for her rubaiyat (quatrains), but later persecuted for her courageous stand against overly dogmatic religion and arbitrary male dominance.
Heute ist Lyrik generell marginalisiert. 1354 aktive Lyrikleser gebe es in Deutschland, hat Hans Magnus Enzensberger einmal überschlagen. Und angesichts durchschnittlicher Auflagen von 100 – 150 Exemplaren pro Gedichtband scheint das gar nicht so weit hergeholt. Dass die Arbeit iranischer Dichter, die in Deutschland leben, nicht weiter auffällt, ist also kein Wunder. Umso mehr lohnt es sich aber, ihre Werke zu lesen. Seit Jahrzehnten leben und arbeiten Dichter aus dem Iran hierzulande, seit den verstärkten Repressionen gegen Künstler unter Präsident Mahmud Ahmadinejad sind zahlreiche weitere hinzugekommen. Die wenigen unter ihnen, die hin und wieder mediales Gehör finden, werden leider auf den Aspekt des in einer Diktatur verfolgten Exilschriftstellers reduziert. Zwar spielen Zensur und Unterdrückung eine durchaus große Rolle in den auf Deutsch vorliegenden Büchern, doch ist das längst nicht alles – die inhaltliche und stilistische Bandbreite ist immens.
Allerdings muss sich der interessierte Leser auf eine nicht immer einfache Suche begeben. Kaum ein Dutzend Anthologien mit persischer Lyrik gibt es auf Deutsch; den Anfang machte Cyrus Atabay 1968 mit seiner Sammlung Gesänge von morgen. Neue iranische Lyrik. Der Übersetzer Kurt Scharf ist nach wie vor aktiv, aber dann wird es auch schon dünn. Der in München lebende SAID ist in literarisch interessierten Kreisen ein Begriff, ebenso Abbas Maroufi, der in Berlin seine Buchhandlung Hedayat betreibt und mit seinem Roman Symphonie der Toten (Suhrkamp 1998, Übers. Anneliese Ghahraman-Beck) einen Bestseller landete. Dass Maroufi auch Gedichte verfasst, weiß hingegen kaum jemand.
Dass mit Houshang Ebtehaj, der unter dem Pseudonym H. A. Sayeh schreibt, auch einer der ersten unter den Erneuerern der persischen Poesie (die „shere nou“, die neue Dichtung, begann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Nima Yushij) in Köln lebt, ist vielleicht auch deswegen kaum bekannt, weil er wie viele seiner Kollegen nahezu nichts auf Deutsch veröffentlicht hat. Einige publizieren auf Farsi in Exilverlagen, einige schreiben aber auch auf Deutsch und sind dabei auf Kleinverlage angewiesen, die vom großen Feuilleton in der Regel ignoriert werden. Einer ist der von dem iranischen Verlegersohn Madjid Mohit betriebene Sujet Verlag in Bremen, der sich auf Exilliteratur spezialisiert hat. „Luftwurzelliteratur“ nennt Mohit sein Metier – Literatur von Autoren, die ihre eigentlichen geographischen Wurzeln verloren haben und nun fern der Heimat ihr Werk fortsetzen. Ebenso erwähnenswert ist die von Jalal Rostami in Bonn betriebene Verlagsbuchhandlung Goethe & Hafis; der Frankfurter Glaré Verlag von M. H. Allafi hat kaum Lyrik im Programm und setzt eher auf Prosa, denn die verkauft sich besser. In den etablierten Lyrikverlagen wie dem Poetenladen Verlag, dem Fixpoetry Verlag, Luxbooks, Kookbooks und Konsorten, sind keine Iraner zu finden, vielleicht weil sie zu wenig auf sich aufmerksam machen. Dabei wäre diese Aufmerksamkeit bitter nötig, um aus der Nische in der Nische herauszukommen.
In Iran selbst treibt die – dort ebenfalls auflagenschwache – Lyrikszene dieselben Fragen und Diskussionen um wie in Deutschland. Vor allem die Jüngeren stehen in der Kritik, die Ideen der „shere nou“ zu weit zu treiben. Die neue Dichtung hatte sich damals von den starren Formen verabschiedet, die seit Jahrhunderten die Dichtkunst be- herrschten, und trat für einen freieren Umgang mit der Sprache ein, in dem auch Alltagsduktus Platz hatte. Nun heißt es, die Gedichte der aktuellen Generation seien zu komplex, zu schwierig, zu beliebig. Der Vorwurf rührt vor allem von der Tatsache, dass die iranische Dichtung traditionell ein Allgemeingut ist, das im täglichen Leben Anwendung findet. Wer eine Aussage unterstreichen oder bloß seinen Standpunkt festigen will, der zitiert einen Dichter. Nur funktioniert das nicht, wenn das Gegenüber Verständnisprobleme mit dem vorgebrachten Vers hat.
Trotzdem bedienen sich auch die Jüngeren noch immer in Teilen der klassischen Symbolsprache, die auf westliche Leser mitunter blumig oder gar kitschig wirkt, weil sie hier nicht ohne Hintergrundwissen verstanden werden kann. Ganz neue Aspekte bringen jene Dichter ein, die sich die Sprache ihrer neuen Heimat zu Eigen gemacht haben. Iranische Lyriker sind passionierte Sprachspieler, die mit Klängen und Bedeutungen arbeiten und Doppelbödigkeiten herstellen, die trotz aller Komplexität in einem faszinierenden Sprachfluss aufgehen. Dass sich Vieles davon nahezu nicht übersetzen lässt und jede Übersetzung allenfalls eine Annäherung sein kann, versteht sich von selbst. Es ist aber faszinierend, wie schnell und sicher es einigen Exildichtern gelingt, sich das Deutsche anzueignen und es mit demselben Ansatz zu beharken. Als Beispiel sei Sanaz Zaresani (*1980) genannt, die seit 2009 in Deutschland lebt und hier ihren von Hossein Mansouri übersetzten Band Die Geschicklichkeit begrenzter Buchstaben (Sujet Verlag 2010) veröffentlicht hat. Das allererste Gedicht, das sie 2011 auf Deutsch schrieb, trägt den Titel „Hässlich willkommen“: „Machen sie die Tür auf / und kommen sie rein. / Aber mit kleinem „s“ // da die Decke dieses Gedichts sehr niedrig ist“ heißt es darin. Ganz unmittelbar verarbeitet sie die Erfahrung von Flucht und Exil und den Versuch von Neuanfang, aber auch die in Iran erlebte Situation, in faszinierenden, eindringlichen und berührenden Versen.
Ganz anders Mirza Agha Asgari (*1951, seit 1985 in Bochum), der unter dem Pseudonym Mani auf Farsi schreibt und vom großen Ahmad Shamlou einst als „Hoffnung der persischen Literatur“ bezeichnet wurde. Er spielt mit klassischen Formen und Symbolen, greift dabei aber ganz direkt Erfahrungen auf: „Es gibt ein Land, / in dem ich schmelze / wie eine Frucht, die zurückkehrt / zum Stengel, / zur Wurzel, / zur Erde, / und zum Nichts!“ Mani verbindet das Schöne mit dem Düsteren, schreibt von Liebe unter unwürdigen Bedingungen und von Sehnsucht. Und immer wieder kritisierte er den iranischen Staat, sowohl vor als auch nach der Islamischen Revolution, was ihn schließlich zur Flucht zwang.
Auf Deutsch schreibt auch Sara Ehsan (*1977, seit 1986 in Deutschland), deren vielschichtiges Debüt Deutschland, Mon Amour (Sujet Verlag) 2011 erschien. Ihre Gedichte atmen Vers für Vers die dunkle Melancholie, die so typisch ist für die iranische Literatur: „übrig blieb / das leere Gleis / die Wüste / meine Nacktheit / die Grabsteine“ heißt es in einem Gedicht, und in einem anderen: „der Strukturalismus / strukturlos / (…) / die existentielle / Trauer / der müden / Akteure // mein Elefant ohne / Stoßzahn / schau mich bitte / nicht so an“. Hier- aus spricht eine Dichtergeneration, die auf der Suche ist – nach sich selbst und nach neuen Formen, nach einer neuen Art, das Weltgeschehen und das Empfinden zu erfassen und zu verarbeiten. Eine Suche, die mitunter erstaunlich selbstbewusst daherkommt. Eine Haltung, die man auch schon bei Forough Farrokhsad beobachten konnte.
Gerrit Wustmann
Und mag die ganze Welt versinken. Über den deutsch-persischen Lyrikaustausch oder die Nische in der Nische. (Auszug) Vollständig in: LiteraturNachrichten Afrika Asien Lateinamerika, Nr 116, Frühjahr 2013. Pdf beim Sujet Verlag
Von Felix Philipp Ingold, Zürich
Der Autor schreibt: „ein Lektüre-Notat aus meinem Arbeitsjournal“
In Gebrauchs- wie in Kunstsprachen wird zur Zeit der natürliche, alltägliche, flüchtige, provisorische Ausdruck dem mehr oder minder streng formalisierten vorgezogen: Rhetorik, Stilistik, selbst Grammatik haben kaum noch normative Funktion, die Sprachverluderung nimmt in der mündlichen wie in der schriftlichen Praxis zu, findet weithin kritiklose Akzeptanz und wird somit ihrerseits normbildend. Vorab Leserkommentare im Internet, aber auch SMS- und Mailnachrichten sowie die Tratschrhetorik der Gratispresse bieten dafür beliebig viele Belege. Hauptmerkmale dieser Rhetorik sind defekte, defizitäre, jargoneske, wortspielerische, dabei aber (für die Kommunikationsteilnehmer) problemlos verständliche Sprach- und Sprechformen; dazu gehören zahlreiche Abkürzungen, Auslassungen, fremdsprachige und privatsprachliche Versatzstücke bei durchweg schwach ausgeprägter Syntax.
Dass auch die Poesie diesen Trend aufnimmt, ist deutlich genug zu erkennen und gilt keineswegs nur für die performativen Sparten von Rap und Slam. Das aktuelle poetische Sprachdesign gibt sich heute, zumindest im deutschsprachigen Raum, als eine willkürliche, dabei spontane (improvisatorische) Hybridisierung aus Alltagsrede, Werbesprache, Songtexten und Gruppenidiomen zu erkennen.
Ich will diese Tendenz nicht bewerten, doch ich frage mich, ob es das Interesse und die Aufgabe der Poesie sein kann … sein sollte, den heruntergekommenen Status der Alltagssprache zu übernehmen, ihn künstlerisch zu kultivieren und eben dadurch zu rechtfertigen. Gelegenheitslyrik, Plauderlyrik, Gebrauchslyrik, Verbrauchslyrik, Unterhaltungslyrik, Roadlyrik, Pornolyrik, Institutslyrik, Wettbewerbslyrik scheinen die Lyrikproduktion und den Lyrikbetrieb zu dominieren, und offenkundig bestimmen diese rezenten lyrischen Sprechweisen sehr weitgehend auch die einschlägigen Rankings, Stipendien- und Preisvergaben im Bereich der Versdichtung. Sprechkunst gegen Sprachkunst: Der improvisierte Sprechakt überbietet die Geste des Schreibens, mindert sie herab zum Notat.
Jede Sprechweise hat ihren Grund und ihre Berechtigung, doch nicht jede ist gleichermassen von künstlerischem Interesse … bei weitem nicht jede behauptet sich auch in der Schrift, in der Sprachform des Gedichts. Zwar gibt es bereits wieder minderheitliche Versuche, lyrisches Sprechen strengeren Regulativen zu unterstellen, den Endreim oder die Sestine oder gar die alkäische Strophe zu rehabilitieren, doch die meisten dieser Versuche bleiben in handwerklicher Nachahmung befangen, wirken altbacken oder unfreiwillig komisch, weil die strenge beziehungsweise die angestrengte Form mit der meist trivialen alltagsweltlichen Thematik kollidiert, ohne dass diese Kollision ironisch genutzt würde; das klingt dann – in einem gern zitierten Gedicht von Ann Cotten – beispielsweise so:
Rosa Meinung ‒
In des Landgerichtes Fotze
geh ich als ein blasser Traum,
Frau ist alles, was ich kotze,
lauter Wahrheit dieser Raum.
Dass man mir mein Schwärmen nähme
denk ich, aber glaub es kaum:
Dieser Prunk im schmalen Schoße
ist der Trödelväter Schaum.
Wenn ich nur die Arme breite,
ächzt er wie ein Eichenbaum,
kracht in brüchig tausend Scheite,
schäumt, dass ich, Blitz, ihn ableite.
Brenn zu Asche, mich zu wärmen!
(Denn ich will von Deutschland lernen.)
Welches sind die Meriten … welche künstlerischen Meriten hat dieses kleine lyrische Gedicht? Die Reime allein … die Reimqualitäten können es nicht sein. Zwar richtet die Autorin besonderes Ohrenmerk auf den Gleichklang der unregelmässig gekreuzten Versenden, doch besonders kunstvoll operiert sie damit nicht. Der starke Reim ist nicht der geklotzte Reim, der die Paarung zwischen „Fotze“ und „kotze“ vollzieht, zwischen zwei umgangssprachlich imprägnierten Wörter also, die einander nicht nur klanglich, sondern auch bedeutungsmässig und stilistisch analog sind.
Der starke Reim ist vielmehr der diskrete Reim, bei dem die Assonanz konterkariert wird durch den Bedeutungsunterschied oder den Bedeutungsgegensatz der Wortpaarung. In solchem Verständnis wäre, auf ein simples Beispiel heruntergebrochen, der Reim „Herz::quert’s“ dem naheliegenden „Herz::Schmerz“ vorzuziehen, so wie „Fotze“ mit „Rotsee“ oder „droht’s eh“ überzeugender gereimt wäre als mit „kotze“. Immerhin wird aber die Wortart variiert (Substantiv/Verb) und damit die grammatische Gleichschaltung von „Fotze::Kotze“ (Substantiv/Substantiv) vermieden. ‒ Nebst dem Reim soll offenbar auch die leicht antiquierte Wortfügung den Eindruck der Künstlichkeit und damit die Kontrastbildung zur Trivialthematik des Gedichts verstärken: „In des Landgerichtes Fotze …“ und „der Trödelväter Schaum“ (vorgezogener Genetiv); „dass man mir mein Schwärmen nähme“ (stilistisch abgehobener Konjunktiv); „dieser Prunk im schmalen Schosse“ (ferne Assonanz zu „Fotze“ und „kotze“ dank altertümlicher Dativform).
Ann Cotten selbst hat sich zu ihren Versen ausgiebig vernehmen lassen, hat gar deren nietzscheanischen Subtext offengelegt und – der historischen Moderne eben doch verpflichtet! – beteuert, sich mit dem Gedicht beziehungsweise mit dessen lyrischem Ich keineswegs identifizieren zu wollen. Gleichzeitig befürchtet sie, dass man ihre in den Text investierten „aufrichtigen Regungen“ verkennen und etwa für unernsten Hohn halten könnte, was von ihr durchaus ernst gemeint sei. Aber wie denn nun? Stehen da Wollen und Können im Konflikt?
„Rosa Meinung“! ‒ Im Titel (der zugleich das Themawort des Textes ist) sind Samen und Moese und mein Ei und sogar der Reim buchstäblich mitgegeben – die anagrammatische Entfaltung erschliesst ein Bündel von Bedeutungen, die verlässlich über das bessere Wissen der Autorin hinausweisen. Auch das kann die Sprache ‒ besser wissen, statt bloss besser zu scheitern wie so mancher Dichter an seinem Gedicht.
Der internationale Léopold Sédar Senghor-Preis für Lyrik in französischer Sprache (Grand Prix International de Poésie de Langue Française Léopold Sédar Senghor) wurde gestern in der senegalesischen Hauptstadt Dakar zum achtenmal verliehen. Er ging an den Dichter Frédéric Titinga Pacéré aus Burkina Faso, der die jungen Generationen Afrikas aufforderte, an ihre Kultur zu glauben.
Der Preis wurde 1998 durch die literarische Vereinigung „La Nouvelle Pléiade“ begründet, schreibt die Agence de Presse Sénégalaise.
Nach einer anderen Quelle wurde der Preis 2006 zum ersten Mal verliehen. 2006 ging er an Jean Métellus (Haiti), 2008 an Fernand Ouellette (Kanada).
Anscheinend gibt es einen oder eher mehrere weitere Preise gleichen oder ähnlichen Titels (vgl. L&Poe hier und im WWW hier und hier).
Es lohnt sich, Christine Lavant wieder zu entdecken – diese großartige Dichterin aus dem Lavanttal, nach dem sie sich benannte. Der Anfang ist gemacht mit dieser vorzüglich von Klaus Ammann kommentierten Erzählung, die nun in der Form des vor Jahren entdeckten Typoskripts mit den handschriftlichen Korrekturen der Autorin vorliegt. Vor allen Dingen darf man gespannt sein auf die Lyrikbände innerhalb der vom Wallstein Verlag angekündigten Werkausgabe Christine Lavants. Ein großer Teil ihrer Gedichte liegt nämlich noch unpubliziert im Robert-Musil-Archiv der Universität Klagenfurth. / Angela Gutzeit, DLF Büchermarkt
Inzwischen könnten Neulinge und Wiederholungstäter hier schnuppern:
Poesiealbum 289: Christine Lavant. Hrsg. und ausgew. von Richard Pietraß. Grafik Werner Berg. Wilhelmshorst: Märkischer Verlag, 2010, ISBN: 3931329895, 32 Seiten, 4 Euro

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
There’s an old country-western song with the refrain, “That’s what happens when two worlds collide,” and in this poem by Bruce Guernsey, who divides his year between Illinois and Maine, we see a near collision between two worlds.
Back Road
Winter mornings
driving past
I’d see these kids
huddled like grouse
in the plowed ruts
in front of their shack
waiting for the bus,
three small children
bunched against the drifts
rising behind them.
This morning
I slowed to wave
and the smallest,
a stick of a kid
draped in a coat,
grinned and raised
his red, raw hand,
the snowball
packed with rock
aimed at my face.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Bruce Guernsey from his most recent book of poems, From Rain: Poems, 1970-2010, Ecco Qua Press, 2012. Poem reprinted by permission of Bruce Guernsey and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Münchens Lesereihe für neue Lyrik
18.04.13 mit KRAUS, WESTERMANN und STEIGERWALD
Münchens Lesereihe für neue Lyrik geht ins zweite Jahr und freut sich, auch 2013 spannende Vertreter_innen der zurzeit sehr agilen Lyrikszene präsentieren zu können. Im Veranstaltungsteam begrüßen wir neu Tillmann Severin, der sich in München bereits durch zahlreiche Projekte an der Schnittstelle von Literatur und Kunst verdient gemacht hat. Und auch unser Einzugsgebiet wächst: Mit Dagmara Kraus und Levin Westermann stellen wir diesmal eine Dichterin und einen Dichter vor, die aus Frankreich bzw. der Schweiz anreisen und jeweils ihren im letzten Jahr erschienenen Debütband im Gepäck haben. Dass beide sehr unterschiedliche Ansätze im Schreiben verfolgen, verspricht ebenso spannend zu werden wie unser Münchner Gast: Ayna Steigerwald, die beweist, dass sich auch in München in der jungen Lyrik etwas tut. Und schließlich setzen wir unsere Interaktion mit der Kunstszene fort: Diesmal wird Benjamin Zuber den Gewölbekeller gestalten.
Lyrik
Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław geboren, lebt in Beaumont-les-Autels (Frankreich). Sie schreibt Lyrik und übersetzt aus dem Polnischen. Ihr Debütband kummerang ist 2012 bei kookbooks erschienen, es folgten Übersetzungen von Miron Białoszewski und Edward Stachura bei Reinecke & Voß und Hochroth Berlin. Dagmara Kraus wurde mit dem Prosanova-Publikumspreis 2008 und dem GWK-Förderpreis 2010 ausgezeichnet.
Levin Westermann, 1980 in Meerbusch geboren, lebt in Biel (Schweiz). Er studierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie an der Hochschule der Künste Bern. Nach anderen Auszeichnungen erhielt er zuletzt 2013 ein Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin. Sein Debütband unbekannt verzogen erschien Ende 2012 bei luxbooks.
Ayna Steigerwald, 1986 in Brüssel geboren, lebt in München. Als Mitglied der Schreibwerkstatt der Komparatistik koordinierte sie mehrere Semester deren Treffen und Lesungen. Sie veröffentlichte in Zeitschriften (zuletzt: Der Greif 6) und arbeitet zudem als Dramaturgin bei Theaterprojekten.
Kunst
Benjamin Zuber, geb. 1982 in Bamberg, lebt in München. Er studierte an den Kunstakademien in Nürnberg, Karlsruhe und Wien. Zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.
Moderation: Tristan Marquardt und Tillmann Severin.
Ort: Kulturzentrum Einstein, Einsteinstraße 42 (U 4/5 Max-Weber-Platz)
Zeit: 20 Uhr
Eintritt: 4/6 Euro
Cyrus Atabay, Der Osten sagte zu dir
DER OSTEN sagte zu dir
erzähl mir deine Herkunft
der Westen sagte zu dir
erzähl mir deine Wandlung
doch der eine ließ dich nicht
der andere fiel dir ins Wort
Laßt dem Alten
sein graues Haar
er will etwas erzählen
was euch beiden gefällt
Aus: Cyrus Atabay: Gedichte. Frankfurt am Main/ Leipzig: Insel 1991, S. 243 (zuvor in: Die Linien des Lebens. Düsseldorf: Verlag Eremiten-Presse 1986)
Cyrus Atabay (1929-1996), ein persischer Prinz als deutscher Dichter,
war der Sohn von Hadi Atabay, eines Arztes, der bei Ferdinand Sauerbruchpromovierte, und Prinzessin Hamdam al-Saltaneh, einer Tochter von Reza Schah Pahlavi und seiner ersten Ehefrau Maryam Khanum, die wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter im Februar 1904 verstarb. Von 1937 bis 1945 wuchs Cyrus in Berlin auf, wo er das renommierte Arndt-Gymnasium in Dahlem besuchte. Im Sommer 1945 kehrte Atabay in den Iran zurück. Er hatte jedoch Persisch verlernt, weshalb er auf eigenen Wunsch seine Schulausbildung in Zürich fortsetzte. Max Rychner und Gottfried Benn unterstützten den jungen Dichter, 1948 erschienen die ersten Gedichte in der Tageszeitung Die Tat.
Er schrieb Lyrik und Prosa und übersetzte u.a. Hafis und Rumi aus dem Persischen.
(Ursprünglich 2001 in meiner Anthologie)
Die Fortsetzung der Biographie ist auch interessant:
Seit Anfang der 1960er Jahre lebte er abwechselnd in Teheran und London, wo er 1978 – als Neffe von Schah Mohammad Reza Pahlavi durch die Islamische Revolution staatenlos geworden – Asyl erhielt. Die deutschen Behörden lehnten es ab, Atabay ein Visum auszustellen. In London pflegte Atabay eine Freundschaft mit Elias Canetti. Erst 1983 konnte Atabay zurück nach München.
The winning book is Stag’s Leap, a collection of poems about the breakup of her marriage more than a decade ago.
“This is something I thought would never happen in my life,” Olds said in a telephone interview after the prize was announced. She recalled that when she began publishing poetry collections 33 years ago, “a lot of people despised my work, and they let me know it. All I wanted then was what all poets want: to write our poems and see what happens, or doesn’t.”
The Pulitzer citation called Stag’s Leap “a book of unflinching poems on the author’s divorce that examine love, sorrow and the limits of self-knowledge.”
The Pulitzer Prize board selected Stag’s Leap from among three finalists chosen by a panel of poets. Earlier this year the book also won the T.S. Eliot Prize, awarded annually for the best poetry collection published in the United Kingdom and Ireland. That prize came with a cash award of 15,000 pounds, about $22,500. The Pulitzer honorarium is $10,000. / Mike Pride, Concord Monitor
Gedichte auf Deutsch in:
Sehen heißt ändern
Dreißig amerikanische Dichterinnen des 20. Jahrhunderts
Mary Barnard, Louise Bogan, Amy Clampitt, Rita Dove, Elaine Equi, Kathleen Fraser, Alice Fulton, Isabella Gardner, Louise Glück, Jorie Graham, Barbara Guest, Ellen Hinsey, Carolyn Kizer, Denise Levertov, Amy Lowell, Marianne Moore, Hilda Morley, Marilyn Nelson, Lorine Niedecker, Sharon Olds, Alicia Suskin Ostriker, Linda Pastan, Adrienne Rich, Muriel Rukeyser, Kay Ryan, Ruth Stone, May Swenson, Marilyn L. Taylor, Mona van Duyn, Miriam Vermilya
Eine zweisprachige Anthologie, zweisprachig englisch/deutsch
Herausgegeben, übertragen und mit einem Nachwort versehen von Jürgen Brôcan.
354 Seiten, Broschur. Hier
Das Schnüffelbuch
Hrsg. Brüggemann, Rolf
(Gebundene Ausgabe, 277 Seiten)
Reclam, Ditzingen, Januar 1995 Hier
L&Poe-Nachrichten, darunter ein Gedicht in meiner Anthologie hier
(hier eine richtig banausische)
Im vergangenen Jahr gab es gar keinen Preis in der Kategorie Literatur, dieses Jahr ist er hochpolitisch: Adam Johnsons Roman „Das geraubte Leben des Waisen Jun Do“ erhält den Pulitzer-Preis.
schreibt die Süddeutsche. Keinen Preis in Literatur? War da nicht was? Richtig: in der Kategorie „Fiction“ wurde kein Preis vergeben. Aber in Lyrik (Life on Mars by Tracy K. Smith) und Drama (Water by the Spoonful by Quiara Alegría Hudes).
In anderen Ländern hat man eben einen anderen Literaturbegriff als im „Land der Dichter und Denker“. Bei uns heißt Literatur = Roman. Literaturpreis = Romanpreis. Bücherpreis = Romanpreis. (Nur der BüchNerpreis geht noch manchmal an über 70jährige Lyriker als Würdigung ihres Gesamtwerks. Denn die vielen kleinen Gedichtbände, die eh kein normaler Mensch liest, kann man ja nicht mitrechnen.)
Hier die Pulitzer-Siegerlisten.
Für den Dichter Alfred Kolleritsch hat das Fragment nichts Verstörendes. Kein Trümmerhaufen und keine verlorene Welt verdüstern den Horizont. Vielmehr wird für Kolleritsch erst so – im «Geheimnis der Zerklüftung», in der «zersprungenen Welt» – Ding an Ding erfahrbar, und die Erscheinungen «ringen nach Namen».
Wer die Sprache so wage, notiert Alfred Kolleritsch einmal, «dass sie sich im Gedicht verkriecht, / bringt ein Stück Welt zurück». Und er bringt nicht nur die Welt zurück, sondern rettet auch noch das Schweigen, jenes Unsagbare, das Kolleritsch immer wichtig ist. Nach einer langen Krankheit kehrt der Doyen der österreichischen Literatur nun in das «Gebirge des Möglichen» zurück, das für ihn die Welt ist. / Nico Bleutge, NZZ 16.4.
Alfred Kolleritsch: Es gibt den ungeheuren «Anderen». Gedichte. Literaturverlag Droschl, Graz 2013. 80 S., Fr. 27.90.
Am Montag wurden in New York die Gewinner der diesjährigen Pulitzerpreise bekanntgegeben. Hier die komplette Liste der Preisträger in Literatur, Journalistik und Künsten. Sieger in der Kategorie Lyrik:
POETRY:
“Stag’s Leap,” by Sharon Olds (Alfred A. Knopf)
Finalists:
“Collected Poems,” by the late Jack Gilbert (Alfred A. Knopf); “The Abundance of Nothing,” by Bruce Weigl (TriQuarterly Books/Northwestern).
Der Pulitzerpreis ist nicht der höchstdotierte US-amerikanische Literaturpreis, gilt aber als der angesehenste. Es ist kein reiner Literaturpreis – er wird in zahlreichen Kategorien verliehen, derzeit in (Liste aus Wikipedia)
Das Mögliche erweist sich in Köhlmeiers Lyrik – die sich, nebenbei bemerkt, einer höchst individuellen Gattungspoetik bedient – als eine Exegese des Wirklichen. Die «Unbestimmtheit» («Indeterminacy»), der John Cage 1959 eine Lesung gewidmet hatte, ist auch das Kennzeichen einer Reihe von Gedichten des «Liebhabers». Mutmassungen treten an die Stelle von Klartext und Apodiktik. / Hansjörg Graf, NZZ 9.4.
Michael Köhlmeier: Der Liebhaber bald nach dem Frühstück. Gedichte. Edition Lyrik Kabinett. Verlag Carl Hanser, München 2012. 96 S., Fr. 21.90.
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