73. Land der toten Dichter

Zur Wahrnehmung deutschsprachiger Lyrik im Ausland

Vor genau 200 Jahren veröffentlichte die französische Autorin Madame de Staël ihr Buch De l’Allemagne, in dem sie die Auffassung vertrat, bei den Deutschen handele es sich um ein „Volk der Dichter und Denker“. Mittlerweile ist diese Formel zum Allgemeinplatz geworden – nur mit der Wahrnehmung der Deutschen als „Dichter“ ist es im Ausland nicht mehr weit her.
Zwar werden durchaus noch deutschsprachige Lyriker in andere Sprachen übertragen: Die Gedichte von Paul Celan etwa sind in über dreißig Sprachen übersetzt, es gibt Gesamtausgaben auf Englisch und Chinesisch, demnächst erscheint eine zehnbändige Ausgabe auf Ukrainisch. Und das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse wurde in über sechzig Sprachen übertragen und ist damit, wie die Leiterin der Abteilung Rechte & Lizenzen beim Suhrkamp Verlag Petra Hardt formuliert, „weltweit das erfolgreichste deutsche Gedicht“. Aber zeitgenössische Lyriker haben es eher schwer.

Unter den noch lebenden Dichterinnen und Dichtern, die bei Suhrkamp erscheinen, liegen nur von fünf fremdsprachige Monographien vor, der letzte große Erfolg eines deutschsprachigen Dichters im Ausland liegt Jahrzehnte zurück: „Das war“, so Hardt, „in den Siebzigerjahren Hans Magnus Enzensberger mit seiner politischen Lyrik“. Beim Hanser-Verlag ist die Situation ähnlich: „Wenn ich im Jahr zwei Verträge für Gedichtbände etwa von Oskar Pastior oder Herta Müller machen kann, dann freue ich mich“, erzählt Friederike Barakat von der Auslandsrechte-Abteilung. „Im Prinzip ist jeder Lizenzverkaufsvertrag für einen Gedichtband, der dann auch erscheint, ein Erfolg.“

Warum aber ist die jüngere Lyrikszene in der ausländischen Verlagslandschaft so wenig präsent? „Die Situation könnte damit zu tun haben, dass deutsche Literaturvermittlung immer sehr marktorientiert betrieben wird“, vermutet die Dichterin und Verlegerin Daniela Seel vom auf Lyrik spezialisierten Verlag kookbooks. „Und Lyrik funktioniert eben nirgendwo über den Markt − man muss andere Kanäle haben: Festivals, Dichter, die aus anderen Sprachen übersetzen, und so weiter.“ Die Literaturwerkstatt lädt daher jeden Sommer internationale und deutschsprachige Dichterinnen und Dichter nach Berlin ein, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe VERSschmuggel Gedichte über die Sprachgrenze zu bringen und den Kontakt zwischen Lyrikern aus unterschiedlichsten Kulturräumen zu vertiefen.

An deutschen Kulturinstitutionen im Ausland hingegen wird die Vermittlung von Gegenwartslyrik nur überaus zögerlich oder gar nicht betrieben. Das German Book Office in New York, das deutschsprachige Bücher an nordamerikanische Verlagshäuser vermittelt, hat sich, so Leiterin Riky Stock, „in den letzten Jahren auf Romane, Kinder- und Jugendbuch und Sachbuch konzentriert und nicht aktiv Lyrik angeboten.“ Auch am Goethe-Institut spielt Lyrik kaum eine Rolle: „Wir kaufen so gut wie keine Gedichtbände“, so Edna McCown, Library Project Manager an der New Yorker Dependance: „Lyrik wird einfach kaum ausgeliehen.“

Die in Berlin und New York lebende Schriftstellerin Uljana Wolf bestätigt, dass ihre Verbindungen zu ausländischen Verlagen noch nie über das German Book Office oder das Goethe-Institut zustande gekommen sei, sondern stets über eigene Kontakte: „Die Paarung von Übersetzerin und Lyrikerin muss eben genau passen, damit ein tolles Buch entsteht“. Dessen ungeachtet wäre eine gezielte Förderung deutscher Lyrik im Ausland aus ihrer Sicht durchaus wünschenswert. „Es würde für den Anfang schon reichen, wenn die gegebenen Institutionen ihre strukturelle Blindheit gegenüber der Lyrik aufgeben würden. Das Goethe-Institut in New York zum Beispiel macht keine Veranstaltungen mit Lyrikern, wenn keine gedruckten und verkaufbaren Übersetzungen vorliegen − wie aber sollen die zustande kommen, wenn keine Vermittlung durch Lesungen geschieht?“

Dass es auch anders geht, zeigt etwa der Nederlands Fonds voor de Letteren. Das niederländische Literaturfonds gibt regelmäßig kleine kostenlose Heftchen mit Probeübersetzungen aus dem Werk eines Dichters oder einer Dichterin heraus, die Appetit auf mehr machen sollen: „Da habe ich eine ganze Reihe davon im Regal stehen“, so kookbooks-Verlegerin Daniela Seel. Darüber hinaus findet sie, dass es Orte geben sollte, „wo man sich informieren kann, was gerade passiert in der Lyrikszene des jeweiligen Landes beziehungsweise der jeweiligen Sprache.“ Bisher existieren solche Orte vor allem in der virtuellen Welt – zum Beispiel in Form der Webseite lyrikline.org. „Auch international ist das eine der umfassendsten frei zugänglichen Online-Datenbanken für Gegenwartsdichtung in Übersetzung“, so Seel. „Sie weiter auszubauen, wäre ein großer Gewinn.“

Die Literaturwerkstatt Berlin führt eine Kampagne zur Gründung eines Deutschen Zentrums für Poesie. Dieses Poesiezentrum wird Informations-, Arbeits-, Begegnungs- und Veranstaltungsstätte für Dichterinnen und Dichter sein, für die interessierte Öffentlichkeit aller Altersstufen, für Verleger, für Lernende und Lehrende, für Medien und Multiplikatoren aus dem In- und Ausland. Weitere Informationen finden Sie unter www.poesiezentrum.de

Literaturwerkstatt Berlin

23 Comments on “73. Land der toten Dichter

  1. Lieber Ron, ich hatte Mara jetzt auch anders verstanden: Das seltsame an der Bilderkampange ist ja: Man könnte versuchen, den Gedanken, für den persönlich einzustehen man gehalten ist, in seinem Sinne zu akzentuieren. Es könnte sein, dass es für einen ein Zentrum der Poesie schon gibt, es mag ein besondere Bibo sein, ein stiller Ort im Park, man könnte z.B. eine Kloschüssel zum Zentrum der Poesie schlagen, man könnte versuchen das Konzept zu ironisieren. Manche Lyriker haben das vielleicht getan. Aber im vorgegebenen Kommunikationsarrangement kommt in der Flut der Bilder diese Akzentuierung nicht mehr an. Da sieht man dann nur noch, die ist dafür und der auch, der und die. Und wofür der und die sind, da muss man dann vertrauen, dass die hauptamptlichen Werber und Gestalter das schon richtig machen werden. Die engagierten Werbeträger müssen eine Menge Verantwortung abgeben für dass, wofür man doch eigentlich einstehen sollte. (Wenn eine Tennisspielerin ihr Gesicht für Nudeln verkauft, kassiert sie eine Menge Geld und die Nudel kann ihr egal sein, ein Spitzenkoch wäre in einer anderen Lage.) Das liegt eben nicht jedem. So hatte ich es verstanden.
    Das ist nicht so, wenn man für eine Lesung Geld verlangt, unabhängig davon ob Mara dies gerne tut oder nicht. Da hat man selber in der Hand weitgehend, für was man einstehen will. Ron, Dein Verlangen nach Konsequenz hat etwas glaubenskriegerisches, etwa, wie viele Menschen danach trachten Vegetariern irgendwie nachzuweisen, dass die auch irgendwie inkonsequent sind. Offenbar befreit das von einem moralischen Druck. Martina, Du weißt ja, wie Du uns erreichst im Zweifel. Jan trollt ja nur noch so bissel.

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  2. Hier sind jetzt ungefähr 23 Fäden angelegt, Fädchen Vielleicht kann es Hartmut Mehdorn richten, wo Martina scheiterte und jede/r jede/n missversteht. Eins noch, vielleicht das Unwichtigste: »in den Dienst«, Mara, stellt man sich doch schon, wenn man in einer Buchhandlung für Eintritt liest. Die Struktur ist immer schon da, der Igel.

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    • Das Schöne ist ja, dass wir keine Hasen sind und, wenn schon persönlich: ich befürworte es ganz und gar nicht, für Eintritt zu lesen. Allemal, wenn die Autoren davon nicht bezahlt werden. Hoffentlich liegt da keine Verwechslung vor, RW.

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    • fädchen 24 – 25, lieber Igel

      egal wer sich wie in wesen dienst stellt: unter dem namen bzw. kürzel werden (auch) die abrechnungen der leistungen erfasst, welche die vertreter einer motivierten, hyppokratisch getrimmten und gestimmten, fürsorglichen ärzteschaft ihren patienten angedeihen läßt … also:

      wo „jede/r jede/n missversteht“ scheint es eine/n zu geben, der aller aussagen richtig versteht und auslegt. das läßt sich unter heranziehen/anwendung sämtlicher sprachlicher strukturen nicht anders auslegen; wird impliziert.
      (um das zu erkennen, muss man kein winkeladvokat sein)
      es sei denn, man setzt die eigene position immer schon den anderen voraus, nachdem man sie, die anderen, analysiert hat.

      ebenso dass man gewöhnlich, in der mehrzahl der fälle sowie aus gründen der wertschätzung und solidarität wie interesses seitens der betreiber, in buchhandlungen für eintritt (und gegen entgelt) liest,
      besonders als: was ist das, (moderne) gedichte? *fädchen 26

      bevor man zur entwirrung der einem ersichtlichen fäden, im 1-2 stelligen bereich, einen Herrn Mehdorn beauftragt oder heranzieht, sollte man vielleicht überlegen, ob man nicht den aktuellen telekom manager oder einen seeiner vorgänger wie Ricke oder Sommer, die mit vielfädigen, -faserigen leitungen, kabeln und kommunikationstechniken erfahrung haben, vorzieht.

      für Igel würde sich dann am ehesten ISDN empfehlen.

      aber das war jetzt mehr ein fadenspiel, als ein ernsthafter, sinnvoller beitrag zu der diskussion.

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  3. Im Gegenteil, Martina. Ich fordere die Perfektion nicht ein, ich kritisiere sie. Wie Bertram oben sagte: das ist unverhohlen Programm. Eine Kampagne mit den professionellen Handgriffen aus Wirtschaft und Wahlkampf.

    Ist ja schön, dass sie Übersetzungen fördern wollen, das find ich natürlich gut. Aber dann doch bitte ohne Anleitung und Rahmenprogramm und Bassklarinette. Ohne Schutzmarke, ohne Formvorgaben, ohne lyrische Prominenz, die sich werbewirksam an Interlinearvorlagen versucht.

    Ich bezweifle auch, ob so viele Lyriker so vieler institutioneller Anregungen bedürfen. Ob sie in ihrer Kreativität sanft auf den richtigen Pfad geleitet werden müssen.

    Ich bezweifle auch, ob es eine Kampagne für Poesie geben muss. Ja, ich bezweifle auch den Vermittlungsgedanken in dieser Form, ja, auch wenn man damit am moralischsten Gelder freisetzt.

    Und was ich an dem liberalen Konzept besonders schlimm finde, dass er so viel Eigenwillen schluckt. Das Disparate ist ja, wie man an den Bildchen sieht, einer zentralisierenden Ästhetik sogar dienlich (guck mal, überall derselbe Rahmen). Und ich möchte auf keinen Fall mich in irgendeinen Dienst stellen. Du?

    Im Übrigen ist das meine Haltung zu der Sache, ich wüsste nicht, dass ich für irgendeine Gruppe oder „Crew“ spreche.

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    • gut dass endlich mal – und sei es nur kollateral – auch die selbstlos engagierte und poetisch-übersetzerisch verantwortungsvolle interlinearelite
      (selbst aus sprachen, in deren fall sich ohne besondere mühe & nachforschen einige mutter- und zweisprachige autoren und prof. übersetzer finden und beteiligen ließen … hauptsächlich doch nur dichterInnen; in der prosaabteilung ist kaum jemand auf die idee genommen!) gewürdigt wird.

      ich durfte & musste zwar schon länger und öfters daran denken und anhand so mancher projekte & ergebnisse mir wohl etwas naiv, unbedarft, uneinsichtig, geschmäcklerisch, suppenhaarspalterisch sowie notorischer meckerer vorkommen … nur bei dem thema und dieser diskussion entging mir gestern leider dieser nicht unwesentliche aspekt!
      (sonst hatte ich vor, mich nicht noch mal einzubringen.)

      + @ Bernhardt – alle Achtung, Bravo, standing ovation & Respekt!

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  4. Hmmm, wenn Du bekräftigst, muss ich jetzt doch nochmal was schreiben: Ja Martina, es gibt schlimmeres, nicht erst in der dritten Welt: Ein Thema, durch ein größeres Thema erpressen, nenne ich das.
    Du hast wohl recht: Die Diskussion köchelt hier vielleicht deswegen, weil die Befürchtungen, die sich an ein solches Zentrum auch knüpfen, von deren amtlichen wie nichtamtlichen Befürwortern eben bisher eher bestätigt als widerlegt werden. Deswegen ist es doch seltsam, die Tatsache, dass jemandem die Idee etwas ferner steht, dazu zu benutzen, formell deren Argumente in Zweifel zu ziehen. Du sagtest, Du seiest etwas kirchlich: Ja, ich hatte das auch so empfunden: Über Gott dürfen die Agnostiker nicht mitreden. Das ist mir überhaupt nicht einsichtig.
    Wenn man das Zentrum der Poesie verteidigt, indem man alles auf Anfangsschwierigkeiten schiebt, müsste den Verteidigern des Zentrums Kritik daran doch geradezu erwünscht sein. Hier zumindest hat man diesen Eindruck nicht. (Wie heikel das Argument mit den Anfangsschwierigkeiten ist, kannst Du in Maurers „Tagebuch eines Lyrikers“ nachlesen.)
    Mir kommt übrigens die Arbeit des Zentrums recht systematisch und kaum holperig vor. Manchmal wünschte ich mir mehr charmante Unbeholfenheit.
    Warum soll es darum gehen, keine Fehler zu tolerieren? Das ist doch auch nur ein Verdacht, den Du ausstreust. Nehme doch hin, dass es offenbar Dichter gibt, die auf eine bestimmte Art von Fehlern besonders sensibel reagieren. Und zu dieser Art Menschen gehören Klaus, Mara und Ich, ich wüsste viele weitere. (Bei Klaus und mir hat es sicherlich mit Ideologieerfahrungen zu tun, Bei Mara in anderer Weise offenbar auch.)
    Dass alles Anfangsschwierigkeiten sind mag sein. Nur diskutieren wir hier nicht philosophisch, sondern in einer Welt unter gesellschaftlichen Bedingungen, unter Menschen mit Interessen und Macken. Was in der freien Republik der Geister wünschbar ist, ist doch gar keine Frage. (Oder doch: In der besten aöller möglichen Welten bräuchte man dann freilich auch kein zentrum für Poesie mehr, weil sies gut alleine schafft.) Wenn es um Verbesserung gehen sollte, dann kann oft gerade ein frühes Wort sinnvoll sein, ehe sich bestimmte Fehler schon zementiert haben. Nur so kann man gemeinsam lernen, wenn das möglich sein sollte.
    Ich frage mich schon, wer hier von unten und wer vom Feldherrenhügel höherer Interessen herab, sozusagen staatstragend argumentiert, (Von da marginalisiert sich natürlcih manches und seien es die Interessen unzähliger Dichter. Ich gebe Dir Recht, es gibt Wichtigeres. „Die Poesie“ kann das freilich nicht sein.Das muss schon zugestanden sein, dass es anderen auch darum geht.). Insofern nehme ich mir auch das Recht, mich unhöflich behandelt zu fühlen hier.
    Jan ich erinnere Dich: der Ton macht die Musik. (Überlege mal kurz, von wem Du solche Sätze früher gehört hast!) Und wenn das wieder Klugscheißerei sein sollte, dann ist mir mein Arsch eben wichtig und ich erfreue mich guter Verdauung.

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    • herr professor doktor reinecke, ich glaube sie haben nicht verstanden, dass ich es vor allem lächerlich finde, wenn man aus der deckung brüllt und versucht, sich mit blitzende goldzähnen dem beifall der eingeweihten zu sicern. den hat man ohnehin. dieses brüllen ist die eigentliche sehr marktkonforme webemaßnahme. aber klar, warum soll man sich nicht ab und zu mit markigen worten ins spiel bringen. is ja auch wichtig, wenn man nicht vergessen werden will.
      so jetzt verabschiede ich mich aus dieser debatte. ich hab weiß gott wichtigeres zu tun.

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    • „Nehme doch hin, dass es offenbar Dichter gibt, die auf eine bestimmte Art von Fehlern besonders sensibel reagieren.“ Bertram, ich kann aber eben diesen/diese Fehler nicht erkennen. Was/wo genau ist der Fehler, vor allem an/in dem Text? Wenn du es mir genauer erklären könntest, oder auch du, Mara, oder Klaus, wäre das für mich schon hilfreich. Ich habe es wirklich nicht genau verstanden, was euch an dem Text, um den es ja am Anfang ging, so aufregt. Aber, auch wenn sich das jetzt wie eine Ausrede anhört, ich habe leider keine Zeit mehr, um hier jetzt weiter zu reden, ich muss mich ausklinken. Würde mich aber dennoch freuen über Erläuterung.

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      • halt, das wollte ich aber doch noch schnell schreiben: wenn du sagst: „Wenn man das Zentrum der Poesie verteidigt, indem man alles auf Anfangsschwierigkeiten schiebt, müsste den Verteidigern des Zentrums Kritik daran doch geradezu erwünscht sein.“ – dann gebe ich dir darin unbedingt recht. nur – ganz ehrlich: hätte ich was mit dem zentrum für poesie zu tun, maras ersten kommentar hätte ich nicht unbedingt als hilfreiche kritik empfunden, sondern einfach nur abweisend und ein bißchen unhöflich.

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  5. Ich konnte an dem Text nichts so Fürchterliches finden. Es gibt Schlimmeres. Grundsätzlich, glaube ich, entspringt die Abneigung dagegen einem Ressentiment gegen die Idee des Poesiezentrums an sich, und das finde ich schade. Die Idee ist nämlich doch ganz gut. Ich finde auch die Idee mit den Fotos von den Zentren für Poesie nicht so übel. Es ist ein Versuch, warum denn nicht? Warum kann man nicht auch Dinge ausprobieren – und später dann ggf. zugeben, dass sie nicht so toll waren und dann daraus lernen? Irgendwo muss man eben anfangen. Wie immer bei der Umsetzung von Ideen gibt es zuerst mal holprige Starts, man steuert zunächst blind, wühlt sich durch – das ist doch normal. Ich bezweifle, dass es überhaupt je ein gutes Gedicht, einen schönen Text, ein schönes Tanzstück usw., dass es Erfindungen gäbe, gute Methoden für so allerlei, wenn man nicht diesen Mut zum evtl. nicht ganz glücklichen Beginn aufbringen würde. Eigentlich speist sich dieses ganze Gemecker, das immer wieder über das Zentrum für Poesie aufbrandet, am Ende doch aus einer Haltung, die keine Fehler zulassen mag, die eine (eigentlich unklare, weil nie formulierte) Vorstellung von Perfektion von Anbeginn fordert. Dann kann man aber gleich einfach zu Hause blieben.

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    • also, dann muss ich ich als bekennender klugscheißer (oder Schneider auf 00) doch auch + wieder einmischen:

      1. Jan
      “ in ihrer sache bleibt uns nur, am fuß des gipfels innezuhalten und in die lichten höhen zu blicken, in denen sie gerade noch zu sehen sind. good luck“

      aber nicht dass es dir wie dem kleinen maulwurf der wissen wollte … geht.

      2. der werbetext auf der seite der bestallten literaturwerkstatt und des zetrums im mittelpunkt des geschehens usw., der hats schon in sich: das hätte die agentur die wo für wir können alles außer hdt. & andere imagechampagnen landauf ländleab viel beifall über sich ergehen lassen durfte, kaum besser hinbekommen können … oder irgendwelche halbamateur-schreibseminar-anbieter

      hat schon was von so … du bist poesie

      3. „Zeigen Sie, dass auch Sie sich für ein Zentrum für Poesie einsetzen. Schicken Sie uns ein Foto mit Ihrem „Zentrum für Poesie“.

      meiner aufassung nach hat ja auch Mara Genschel nichts anderes, d.h es nur anders gemacht, als die, die sich mit ihrme ganzen persönlichen charme, inspirierter gestaltung & genius locci, ablichten haben lassen und mit bildern bereichert; sie hat halt ihr beitrag für dieses zentrum für poesie in worten wiedergegeben!

      4. „Die Fotos kleben wir auf Bauklötze und bauen daraus ein Haus für die Poesie. Wir werden Sie regelmäßig über den Fortgang des Bauvorhabens informieren“

      please, please – auf diese steine können sie bauen. auf solche fotos noch mehr. es werden sich sicher einige schülerzeitungen mit diesen institutionen verbundenen schulen finden, die da weitermachen und das niveau bewahren können.

      X. Florian, gibt es, aber nur als zäpfchen!

      das wirklich relevante, der hinkende punkt
      (und haben diese so förderwilligen instituionen nicht auch auf ihre art dazu beigetragen oder tun es noch, recht gut dotiert & subventioniert?)
      ist schon der, wenn mir auch das einheimsche groß&klein feuillton und auch das agieren der messegesellschfatler, börsenverein des BH wie auch vieler buchhändler und veranstalter aber auch der mehrzahl der lehrstühle und ihrer lehrstuhlgänge & not least auch preisjuries & komissionen da nicht die ihnen gebührenden aufmerksamkeit zu teil wird und zu gut bei wegkommen:

      „Warum aber ist die jüngere Lyrikszene in der ausländischen Verlagslandschaft so wenig präsent? „Die Situation könnte damit zu tun haben, dass deutsche Literaturvermittlung immer sehr marktorientiert betrieben wird“, vermutet die Dichterin und Verlegerin Daniela Seel vom auf Lyrik spezialisierten Verlag kookbooks. „Und Lyrik funktioniert eben nirgendwo über den Markt − man muss andere Kanäle haben: Festivals, Dichter, die aus anderen Sprachen übersetzen, und so weiter.“ Die Literaturwerkstatt lädt daher jeden Sommer internationale und deutschsprachige Dichterinnen und Dichter nach Berlin ein, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe VERSschmuggel Gedichte über die Sprachgrenze zu bringen und den Kontakt zwischen Lyrikern aus unterschiedlichsten Kulturräumen zu vertiefen.“

      aber wenn die alle so leicht verschmuggelt sind, das ganze unter diesem bzw auf den niveau dieses aufhänger, label, schlagworts „VERSsghmuggel“ für sich sprechen soll … da wird dann schon noch ein (die Welterpublik) Andorra der poesie draus; bin ich mal gespannt wer da die capos und capones werden und welche künstlerhändler-aspekte da noch kollateral zum tragen kommen.

      in anbetracht all dessen bitte ich um verständnis oder nachsicht für meinen zyprismus.

      (die einen fassen sich halt an den kopf, den anderen ist der po
      etische gedanke das allerwerteste. vor allem, so lange lyrik & dichterInnen diesen stellenwert im betrieb, seinen azetten und sendungen & in den köpfen der maßgeblichen kritiker und moderatorInnen haben und die so gut damit zu recht kommen.)

      so geshen, mit Büchner und Brecht erfreuen wir uns hier, im Königreich von Popo guter zeiten für lyrik.

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  6. hmmm … och nö Jan. Ich finde in der Tat kritikwürdig, wenn der Unterschied zwischen PR und Inhalt systematisch verwischt wird.(Man kann sicher auch DAFÜR argumentieren, dann los! Der Zweck heiligt die Mittel, ist nicht immer ein Argument und auch nicht für die, die den hehren Zwecken möglicherweise nicht trauen.) Es ist auch kein Ausrutscher der Literaturwerksatt sondern offenbar Programm. Da finde ich einen scharfen Ton durchaus verständlich. Und noch etwas ist verschieden bei Euch: Mara drückt ihre (wie auch immer) negative Haltung auf drastische Weise aus. Du machst den Charakter eines Menschen mittels Unterstellung schlecht.
    Ich verstehe nicht, dass Du Dich von einer negativen meinung über die Literaturwerkstatt so angegriffenm fühlst, dass Du zu derartig drastischen Mitteln Zuflucht zu müssen meinst.

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  7. Jan, warum so spitz? Es ist mir auch immer die Frage, ob nicht, was Du beschreibst, eher die Spekulation auf den Brosamen ist, der manchmal von des Herren Tafel fällt. Für solche Zweifel, wie sie Mara hegt, muss man nicht irgendwo um irgendwelche Gipfel schweben. Auch wenn der Text einige interessante Aspekte enthält, sollte man Zweifel am Projekt „Zentrum für Poesie“ mindestens nicht so abbügeln. Ich habs aus genau solchen Gründen wie Mara andeutet, jedenfalls nicht geteilt. Und im Wikipediaprojekt ist mir klar geworden, dass es für das Zentrum für Poesie erstmal wichtig ist, ein Gespräch zu inszenieren und sich als Initiator dieses Gesprächs. Wollte man auch noch erwarten, dass das „Zentrum für Poesie“ dann auch noch sich darum kümmert, dass die angestoßene zeitaufreibende Arbeit ein fruchtvolles Ergebnis findet, ist das ja schon etwas zu viel gefordert.

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  8. Wo taucht dieser Text auf und wer hat ihn geschrieben? Befindet sich im Zentrum der Poesie auch ein Büro für die Produktion des hauseigenen Feuilletons? So wie die (auch optisch) ansprechend gestalteten Artikel in der „virtuos“, dem Magazin für Mitglieder der GEMA. Oder im „Bleib gesund“-Magazin der AOK Nordost. Es wäre toll, wenn das Zentrum für Poesie auch über eine solche Print-Variante nachdenken würde, sie würde sich perfekt zum Scheißen eignen.

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    • sehn wirs mal so, frau genschel, wenn sie denn vom klo zurück sein sollten, und ich will sie auch gar nicht lang aufhalten:
      als ich edit machte, drückte mir tom van de voorde vom flämischen literaturfonds einen kleinen stapel heftchen in die hand, die jeweils eine flämische lyrikerin/ einen flämischen lyriker vorstellten, ich fand die texte zuweilen außergewöhnlich, und habe einiges bei der lektüre gelernt. einige von den lyrikern brachten wir in der edit und luden sie nach leipzig ein (els moors, paul bogaert). es war eine bereicherung fürs heft und auch für mich. ohne die zuschüsse aus belgien hätten wir das nicht gekonnt.
      warum sollten wir es anderen nicht gönnen, deutschsprachige lyrik kennenzulernen? das, was die berliner vor haben, geht in diese richtung, und wir können uns einbringen. sie frau genschel, müssen natürlich nicht. in ihrer sache bleibt uns nur, am fuß des gipfels innezuhalten und in die lichten höhen zu blicken, in denen sie gerade noch zu sehen sind. good luck

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