Blut ist ein ganz besondrer Saft, aber (wie andre Körperflüssigkeiten auch) ein schlechtes Argument.
Und nun gut… für heut nacht.
Drei Googlestunden. Protokoll eines Selbstversuchs
Dunkel und wenig Licht
(Johannes Bobrowski)
Und wenn sie durch den Schatten ihrer Hand
In Blutleere das Leben noch erkannt
Verschwindet es im Flimmerspiel des Sands
Gefällt von grauenhafter Sonnenaxt
Aber im Wolkenland, im Finstern, sahn wir die Schatten
Schwarzer Reiher und hörten den traurigen Flug,
Und wir schwanden dahin in Schwermut und bittrem Ermatten,
Blutleere Seele, die Lethe durch Höhlen voll Kummer trug.
Die Programmgestaltung von KRASH Neue Edition trifft bewusst eine Festlegung: gegen einen neo-klassizistischen Mainstream, der vornehmlich an seiner Eigenkanonisierung arbeitet, gegen eine erklügelt-blutleere Schreibtisch-Dichtung und Stipendiaten-Lyrik versucht KRASH Neue Edition Zeichen zu setzen, die sich den waltenden Prozessen in der Gesellschaft nicht verschließen.
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Denn neben dem Aspekt, dass Gregors Dichtung aus dem spätantiken Lebenskontext der Schule zu verstehen ist, muss im Fall des dichtenden Kappadoziers ein weiterer Gesichtspunkt bedacht werden. Wenn seine Gedichte als „blutleer“ (R. Keydell) bezeichnet werden und dem heutigen Leser weder einen leichten Zugang noch einen einfachen literarischen Genuss bieten, ist zu berücksichtigen, dass sie von einem der größten und bedeutendsten Theologen des vierten Jahrhunderts nach Chr. verfasst wurden, der vornehmlich wegen seiner literarischen Bildung und seiner Bemühung um eine adäquate theologische Sprache geschätzt wurde. Doch muss hinzugefügt werden, dass die Eroberung der Herzen vermutlich weder die Absicht der „Poemata Arcana“ noch diejenige Gregors in seinen dogmatischen Gedichten ist.
Eine mundgeschöpfte, kristallklare Wassermusik
hebt an und lehrt dich die Hexenmetrik der Tropfen.
Nicht mehr zählst du blutleere Silben herbei,
selber wirst du gezählt vom Kopf zu den Füßen
von Zungen graziösen Gelalls.
Bitte sprecht zu mir!
Aber sie schweigen unerbittlich,
erhobene Zeigefinger,
seit Tausenden von Jahren blutleer.
Nichtssagend und blutleer und kraftlos
Ein Kind des Landes finde ich sie
Darniederliegend.
Und ich lege den Kopf in den Nacken,
spähe unter ihre Röcke:
Keine Schlüpfer!
Bringet mir den blutleeren Kopf
~ihr Feindestöter~
Trennet ihn unterm Barte Zopf
~ihr Erdenerröter~
Warum wird Benn oft allein als dieser Dichter frühster Stunde gesehen, warum werden seine heute fragwürdigen „Innovationen“ als seine größten lyrischen Triumphe gefeiert, wo er doch in reiferen Jahren so tiefsinnige und ehrliche Verse geschrieben hat. Ich weiß es nicht. Aber ich kann es mir denken. Denn auch mich hat es Überwindung gekostet, mich durch die frühen Gedichte zu wühlen; nicht durch alle, denn es sind sie nicht alle schlecht, aber so manche blutleere und von Schlamm übersprudelnde Quelle unpoetischer Verbalisierungen ist muss man überspringen, wenn man die guten frühen Gedichte herausfiltern will.
Und das kann zu dem Gedanken verleiten, es gehe weiter wie es anfängt.
Leider fehlen der Autorin ein wenig die Worte, die treffenden, originellen Wendungen und Bilder, weshalb die Gedichte etwas blass und blutleer bleiben.
Stefan George hätte das Bild des „Königssohns“, der „Knechts- und Bauernblut“ und „Tierinstinkte“ in sich hat, mit Abscheu und Entsetzen von sich gewiesen – wie er auch für den Druck von Hofmannsthals „Tod des Tizian“ die Original-Anmerkung des Autors getilgt hat, daß der große Künstler Tizian „neunundneunzigjährig an der Pest“ sterbe. Hofmannsthal ist offenbar schon von Anfang davon überzeugt, daß der ausschließliche Aufenthalt in der Höhenluft der Königsgedanken ein „blutleeres Dahinfrieren“ zur Folge hat. Der Gedanke ist für ihn „grauenhaft“, aber realistisch: daß die wahre, allerdings dumpf-unbewußte Dynamik des modernen Lebens „drunten“ zu suchen ist, „wo die schweren Ruder der Schiffe streifen“(96).
Shakespeare hielt Petrarca bekanntlich vor, seine Laura sei eine blutleere Puppe, im Unterschied zu Shakespeares Geliebter, die nicht perfekt und daher lebendig sei.
Blutleer
sind die Adern meines Körpers
Blutleer
Die dunkle Seele die mein ist
Blutleer
mein Gehirn zum Denken zu schwach
Kämpfend stand ich in der Schlacht des Lebens
Kämpfend dacht ich daran nicht zu verlieren
Kämpfend schwang ich meine Waffen
Kämpfend bis zur Atemnot
„Kind, was bist Du so stille“
fragt meine Mutter
Doch meine blutleeren Lippen öffnen sich nicht
Und blutleere Gedichtattrappen
Sei kein Opfer mehr setz dich endlich zur Wehr sonst bist du bald blutleer Das Kreuz Kreuz am Wegesrand wer wohl alles schon vor 45.
hoffst du auf
das blutleere grau
eines gesichtes
das dich
sieht?
Ihre Gedichte wirken deswegen nicht blutleer oder abstrakt – im Gegenteil: Sie sind voller Sinnlichkeit, ja sogar voller Erotik.
mit Schillers Gedichten: Philologie Schwierigkeiten –> für emphatische Studienräte; galten als blutleer,
abstrakt, zu philosophisch
Vampire sind niemals out und blutleer … Trotzdem kamen auch seine anderen Gedichte wie gewohnt super bei den …
Seit sie sich lautstark zum “Zentralorgan der Realpoesie” ausruft, ist sie endgültig und auf dem besten Wege, zunehmend seriöse Beiträger zu verprellen. Immerhin habe sie sich nach eigenen Angaben besonders am Anfang auch der “komplexen Lyrik” gewidmet, bis sie “sich mehr und mehr … zum klaren poetischen Ausdruck hinbewegte” (Leitner im Editorial). Matthias Politycki spricht noch deutlicher von einer “tendenziell hermetischen Lyrik”, wie sie insbesondere in den ersten Ausgaben “gut” vertreten sei. Ein Blick in das Gesamtverzeichnis, wer ist gemeint (in Klammern die Nummer der Hefte, in denen sie vertreten waren unter den bislang 20, kleine Auswahl): Kurt Aebli (3), Arnfrid Astel (5), Jürgen Becker (3), Thomas Böhme (4, 8), Volker Braun (5), Franz Josef Czernin (3, 5, 8), Michael Donhauser (3, 5), Gerhard Falkner (6), Rolf Haufs (4), Norbert Hummelt (8), Wulf Kirsten (4), Thomas Kling (7), Marion Poschmann (12) usw. Wenn das die blutleere, hermetische, akademische, “krautige”, “verquaste”, komplexe und unlesbare (irreale) Lyrik ist, die sie dort nicht mehr haben wollen, dann wird es wohl Zeit, mein Abo zu beenden.
Insbesondere die blutleeren Epigramme haben mich etwas enttäuscht, die Sonette und Oden zeugen zwar von der sprachlichen Kunstfertigkeit Kleists, kommen aber allzu lebensfern und pathetisch daher, um zu bewegen.
Seine – an Schiller orientierten – Verse sind zwar formal ausgereift, aber inhaltlich blutleer.
Auf den zweiten Blick war ich ein bisserl enttäuscht. Seine Dinger sehen mir jetzt so aus wie er: etwas blutleer. Als hätten sie an Dimensionen und Möglichkeiten verloren.
Dabei ist Plagges Sprache nie blutleer, er verfügt über eine bildhafte Beobachtungsgabe und einen packenden Zugriff.
„Blutleer“, sprach ich, „hängt die Rute,
Und nicht scharf ist diese Wurst.“
„Durst auf Liebe“, sprach die Gute,
„stillt der Weise vor dem Durst.“
Der Lyrik-Boom, den die Insel in den letzten Jahrzehnten erlebte, ist allein literaturgeschichtlich jedoch nicht zu erklären. Um ihn zu verstehen, muss man in die sechziger Jahre zurückgehen. In deren kultureller Aufbruchstimmung sorgt eine Gruppe junger Männer in einem bislang nicht für möglich gehaltenen Maß für die Popularität von Gedichten: Die Liverpool Poets. Unter diesem Namen sind die Dichter Adrian Henri, Roger McGough und Brian Patten bekannt. Die Liverpool Poets stellen auf literarischem Gebiet das Aushängeschild einer Generation im Aufbruch dar. Sie treten an, die alten Zöpfe im literarischen Leben abzuschneiden. Und sie verstehen ihr Anliegen als Teil einer demokratischen Erneuerung, als Ausbruch aus dem etablierten Literatenleben und als Politur der auch in England eingerosteten Dichterklischees. Es ist kein Zufall, dass gerade eine Hafen- und Arbeiterstadt wie Liverpool zum Ausgang dieses kulturellen Aufbruchs wird und nicht die Metropole London. London ist in den Augen der Liverpool Poets die Stadt, wo etablierte Literatur für einen Kulturbetrieb geschrieben wird, der sich zwar finanziell rentiert, aber auf sein Publikum blutleer und abgestorben wirkt.
Im Liverpool der Sechziger treffen sich viele bekannt gewordene Künstler. Allen voran natürlich die Beatles: Paul McCartney, John Lennon, Ringo Starr und George Harrison. Auf einer Bühne mit den Liverpool Poets spielt auch der Gitarrist Andy Roberts, dessen Karriere hier beginnt und der als Mitglied der Gruppe Pink Floyd später Weltruhm erlangt. Alle diese jungen Liverpooler eint eine neue und zu diesem Zeitpunkt revolutionäre Auffassung, die sie auf die Parole bringen: Kunst für das Volk!
Mein Körper war schon fast blutleer, was danach kam, weiß ich leider nichtmehr.
Einige eher prosaisch gefärbte Schöpfungen wirken wie Fremdköper in dieser Sammlung, fast blutleer, tun dem runden Gesamtbild aber nur wenig Abbruch.
Neue Generation. Hm. Kann es das gewesen sein? Klar KANN wie bei der abstrakten Malerei etwa auch bei der Lyrik Lebensweltliches weitestgehend außen vor bleiben – aber muß es das derart geballt und – größtenteils – derart verschwurbelt tun? Mir drängt sich der Eindruck auf, dass diese neue Generation in großen Teilen schlicht nichts zu sagen hat und sich aus Mangel an Mitzuteilendem lieber mit schiefen Bildern auf Unverständliches zurückzieht, das aber eben bis in die Stimmungen und Bilder hinein unverständlich ist! Dabei gibt es hier und da Stilblüten, die diesem Rückzug eine unfreiwillig komische Note verleihen: „des windes saugen an den warzigen pupillen der felsen“ (S. 85) oder „nichts geschehen, doch Verschiebungen … vage“ (S. 87), besser noch „Die Brust. Die Milch. Die Trauergelatine“ (S. 94). Die Trauergelatine! Ein gutes Bild, aber nur für das Buch. Oder „Ich war nie ein Land und Ich war nie ein Wir.“ (S. 102). Aha. Ich auch nicht. Ein gutes Bild für den Mißstand auch „das verlangen einen kirschkern gespuckt zu haben“ (S. 147). Warum tust Du es nicht einfach? Oder: „… die lähmende Geometrie einer Berührung zu beschreiben“ (S. 209). Das Einfachste wird verschwurbelt und erscheint merkwürdig ungelebt, hölzern und blutleer in diesem Buch. „… kein gänsefüßiges Vollstopfen mit Anmerkungen zu dieser und jener unersetzlichen Lotophagentinktur“ (S. 192). Aber genau so scheint es doch! „Am Grund der Diskurse schwimmt ein Fisch“ (S. 167), ein Fisch von Germanisten für Germanisten, um nicht zu sagen: von promovierten Germanisten für promovierte Germanisten, gespickt auch mit Chiffren von Bildungsangebern für Bildungsangeber: „nur die sonden blieben von den rückzügen / des pelagischen amniom, das uns umgab, reckten / sich langsam wie schwarze astern bei wachsendem / turgor, blüten, denen seltsame kinder entstiegen: wir.“ (S. 232). Ja, seltsame Kinder. Zitate so auszuwählen, mag unfair sein, und natürlich gibt es da hier und da auch das, das besser oder zumindest weniger schlecht gelungen ist, zum Teil von den selben Autoren. Disambiguierende Kontexte gibt es jedoch nicht. Über 95%, vielleicht bis zu 99% der Bevölkerung würden dieses Buch sehr schnell wieder zu Seite legen, falls es ihnen – zufällig – begegnen sollte. Dieser Prozentsatz ist viel zu hoch. Trotzdem und trotz der – von Ausnahmen abgesehen (Rinck, Lafleur, Flenter, Preckwitz, weitere) – sehr anstrengenden Lektüre: wer als „literarisch gebildeter Nichtgermanist“ die deutsche Gegenwartslyrik kennen will, sollte sich diesen Band besorgen. Wegen der wenigen Perlen und auch einfach, um die Augen nicht zu verschließen vor der Realität der deutschen Gegenwartslyrik, die sich nicht „ihre Öffentlichkeit organisiert“, wie der Klappentext verheißt, sondern offenbar auf der Flucht vor einem breiteren Publikum suizidiert.
Der eiserne Reif an der Hand, der blutleeren —
Sagt so viel mehr.
Es ist eine blutleere Hand,
Blaß ausgestreckt,
Mit dünnem, mattgrünem Geäder,
Und zitternd gereckten, blauen kranken Adern.
Und die graue leere Hand
Liegt hungernd geöffnet.
so rosten sie vor sich hin in den gewölben
der philosophie und zersetzen so die notwehr
bis diese stumpf ist und blutleer
als resultat bleibt nur eine weitere erschwernis
der haftbedingungen im arbeitsprozeß
wo ich philosophie betreibe aus reiner notwehr.
Wie blutleer sind doch eure Lehren,
zum Sterben taugen sie allein.
Wer sich bewahrt, der muß sich wehren;
zum Leben hilft kein Heil’genschein !
Auch die Liebe ereignet sich vorwiegend als blutleere Idee von der Liebe, gemäß dem Bekenntnis: „Was schon bedeutet nur menschliche Liebe? / Ich erschaffe die Ewigkeit der Liebe in meiner Seele.“
Er mochte keinen Kartoffelbrei,
zu blutleer war dieser dem weißen Hai.
Solange solche Gedichte geschrieben werden, braucht man die Frage nach dem blutleeren Ästhetizismus in der Lyrik nicht mehr zu stellen.
“(…) blutleer und möchtegernhermetisch wie seine verkrampft-verkopften gedichte (man liefere mir konkrete gegenbeweise, falls ich zu brutal urteile!) (…)
ES HAT NIE JEMAND EINEN GEGENBEWEIS GEPOSTET !!! WAS SOLL ICH DAVON HALTEN ???
Antwort
dass man es nicht für nötig gehalten hat, da weiter drauf einzugehen, weil es für sich spricht. da hat dich wohl die trauer ob der vielen toten überwältigt.
Die blutleere Hülle, sie findet in sich praktisch keine Energie!
Der neue Gedichtband des Hannoveraner Schriftstellers Kersten Flenter ist im Gegensatz zu viel anderer zeitgenössischer Lyrik nicht blutleer und langweilig. Denn bei Flenter geht es ums Ganze, ums Leben, und das farbenfroh und manchmal charmant, zumeist aber dringlich. Das macht die Texte so lebendig. Plötzlich fragt man sich beim Lesen, ob man selber schon ein paar Kompromisse zuviel gemacht hat beim Erwachsenenwerden.
Flenter gibt keine langweiligen Antworten, sondern zeigt Ambivalenzen auf – innerhalb des lyrischen Ichs und im Zwischenmenschlichen. Immer wieder geht es um Wünsche – und den Versuch, sie sich zu erfüllen und dabei Mensch zu bleiben.
Es sind von mythischen Gespenstern durchtränkte Gedichte: wie Sehnsüchte, verlorene Träume, innere Kerne in der äußeren Schale der Zeit, wie Kontraste, die an der Wirklichkeit verbleichen und brechen; wie blutleere Gedanken, die durch ein verlassenes Heute geistern: mythische (Spuk-)Figuren …
Das Blutleere und Unwirkliche war das eigentlich Gespenstische an dem Fall Minou – das Element der Magie, das die mißtrauische Grobheit der Kritiker und Reporter später vordergründig in die Formel der Mystifikation oder auch des simplen Betruges übersetzte. Aber die Mystifikation, nach der sie suchten, erwies sich am Ende nur als Imitation, als Fähigkeit zur Nachahmung des Gebärdenspiels der Genialität.
Was bewahrst du
In der Blässe des Gesichts
In der Blutleere des Wortes
Was verbirgst du
Die zehnte Leibesfrucht
Oder deine Jahre
Und diese ganze blutleere, nervöse Gesellschaft da droben vor dem Wagnertheater, die wie zu einem hysterischen Congreß versammelt, sich spasmodisch angähnt, und nach Extasen lechzt.
Sie wandten sich gegen das in dieser Zeit heftiger sozialer Kämpfe blutleer anmutende klassische Schönheitsideal und gegen die ihnen flach erscheinende französische Dichtung, indem sie auf die Skandinavier (Björnson, Ibsen) und Russen (Turgenjew, Tolstoi, Dostojewski) hinwiesen. Doch wollten sie nicht nur die Kunst, sondern alle Lebensbereiche auf die Grundlage der gewandelten gesellschaftlichen Verhältnisse, der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und der daraus entstandenen populär-materialistischen Philosophie stellen.
Im NS-Organ „Die Bücherei 2:6“ wurde 1935 eine Auflistung jener Literatur gegeben, die verboten bzw. auszusortieren war:
Des Kaisers leidenschaftliche Liebe zu Bianca Lancia wird dem Leser in atemlosen, keuchenden Ellipsen nahegebracht – nominal und herrisch. Diese private Dichtung trennen Welten von jener höfischen, die der Kaiser sonst geschrieben hat und offiziell so sehr forderte, daß von einer „Sizilianischen Dichterschule“ gesprochen wird. In seinen Erinnerungen schmäht Friedrich diese von den Provenzalen eingeführte Lyrik mit ihrem Minnedienst und ihren belles dames sans merci. Unter vier Augen teilt er dem Leser mit, daß er solche Verse für verlogen, unwahr, kalt und blutleer hält.
Von Herrn Carričre hätte ich mir etwas mehr Engagement und Pathos erwartet, gerade bei den Schillerballaden Die Bürgschaft und Der Taucher. Frau Thalbachs Stimme dagegen wirkt blutleer und kalt, mit ihr konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden.
fühle mich blutleer. Aus Liebe gebor’n … ich versuche nun zum ersten Mal ein Gedichtzu kommentieren, und hoffe es gelingt mir.
Julia Roberts spiele „wie immer sich selbst“ – „ziemlich blutleer, so wie der ganze Film“.
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Nicht der pflügende Bauer oder die Farben des Herbstwaldes hatten es dem arbeitslosen jungen Buchhalter angetan, sondern der selbsterlebte, bis anhin als unpoetisch geltende Alltag der Stadtbewohner, die Sorgen und Nöte der durch die Krise besonders hart getroffenen Arbeiter und Angestellten. Dass sein politisches Engagement nicht blutleere Theorie, sondern eine Sache des Mutes war, zeigte sich zwei Jahre später, als Ehrismann eine Gefängnisstrafe wegen Dienstverweigerung auf sich nahm. Schiffern und Kapitänen widmete er die wenigen, aber ebenso ergreifenden wie formvollendeten Gedichte, die auf Anregung Albin Zollingers damals entstanden, denn in der Zelle des Meilener Bezirksgefängnisses hatte er einen Spaltbreit Zürichsee vor Augen!
Die blonden blutleeren Mädchen lachen.
Das Alter hat nämlich auch Vorzüge: „Erst seit ich alt bin kann ich/ Auf dem Rücken schlafen.“ („Rückenlage“), das zweistrophige Titelgedicht setzt noch einen drauf: „Die Jahre kann man nicht aufschlitzen/ So bleibt im Bauch die Lebenstrauer./ Der Jäger liebt den Gassenhauer/ Und vom Hochsitz runterspritzen.“ Wer also immer noch meint, Gedichte seien nur was für blutarme Legastheniker oder Autisten unter „www.dichtung-fuer-fans.wuerg.“, der darf sich bei Salomon eines Besseren belehren lassen.
Er ist wieder da (auch wenn das Vorwort behauptet: „Neuer Wort Schatz wird keinen dritten Teil erhalten“): der Neue Wort Schatz mit einem wöchentlichen Gedicht-Kommentar. Nun nicht mehr im Titel-Magazin und nicht mehr herausgegeben von Gisela Trahms und Daniel Graf, sondern (ausdrücklich unter Berufung darauf: „Wir nehmen das gleiche Feld und ernten und roden was das Zeug hält“) auf culturmag.de, herausgegeben von Carolin Callies und Yevgeniy Breyger.
Aktuell: Simone Kornappel über Norbert Langes Gedicht „Die Stare Hjertøyas (w)“. Zuvor: Fabian Thomas über Ann Cotten, Tristan Marquardt über Ron Winkler und Carolin Callies über Sünje Lewejohann.
Schön auch, dass der neue Erscheinungsort auch die erste und zweite Staffel zugänglich hält.
Ein Sprechen über etwas, worüber man eigentlich nicht spricht, weil sich die Gedanken meist außerhalb des eigenen Körpers zu bewegen scheinen, so sieht Ann Jäderlund ihre Situation, in der sie Antworten auf ihre Fragen sucht. Bei Petr Borkovec hingegen können schon mal Kolibris durch seine Zeilen schwirren, ein silberner Arm eine Rolle spielen oder das Leben im Zirkuszelt stattfinden. Zwei ganz unterschiedliche Herangehensweisen, jede auf ihre Art mühelos in der Lage, die Zuhörer mitzunehmen.
Viel Beifall für einen vielversprechenden Auftakt der diesjährigen Mühlberger-Tage. / Südwest Presse
Beitrag zur Literaturkritik
Aus: Gedichteoase.de
In der Stunde vor Mitternacht lese ich meist acht bis zehn Gedichte, die meisten auf Englisch, auf verschiedenen Webseiten. Gedichte des Tages als Gedichte der Nacht. Heute u.a. diese beiden:
Mendel Nejgreschl
(1903-1965)
Aprilregen
das ist der Frühlingsbote: Frostgezitter,
mystischer Schreck und messerscharfe Freude.
Ein nacktes Pferd mit aufgeblähten Nüstern,
streckt aus den Hals zum stählernen Gewitter.
Ein Hund, der bellt auf aufgewühlten Wegen.
Die Welt hat sich vom Fleck gerührt – und geht…
In Blitz und Donner an des Hauses Schwelle steht
ein Kind – und melkt mit kleinen Händen Regen…
(1924)
aus: In a Schtodt woss schtarbt. In einer Stadt, die stirbt. Jiddische Lyrik aus Wien, (die Anthologie erschien 1995), übersetzt und hrg. von Gabriele Kohlbauer-Fritz, Kuratorin des Jüdischen Museums in Wien.
Zu Mendel Nejgreschl gab es lt. Google in den letzten beiden Jahren keinen einzigen Neueintrag auf irgendeiner Website. Fixpoetry erinnert an den vor 110 Jahren Geborenen mit einem April-Gedicht aus seinem Band „Im schwarzen Malches“, der 1924 erschien. Nejgreschl (eigentlich Max Neugröschl), war einer der wichtigsten Vertreter der expressionistisch-jiddischen Literatur in Wien. Er war Herausgeber der Zeitschrift „Jiddisch“, wurde 1938 verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt, von wo aus er später in die USA emigrieren konnte. (fix zone april 2013)
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The rich men, they know about suffering
That comes from natural things, the fate that
Rich men say they can’t control, the swell of
The tides, the erosion of polar caps
And the eruption of a terrible
Greed among those who cease to be content
With what they lack when faced with wealth they are
Too ignorant to understand. Such wealth
Is the price of progress. The fishmonger
Sees the dread on the faces of the trout
And mackerel laid out at the market
Stall on quickly melting ice. In Pompeii
The lava flowed and buried the people
So poems such as this could be born.
Recalculating
The University of Chicago Press
Der seit 2006 jährlich vergebene Jackson Poetry Prize ehrt „einen amerikanischen Dichter von außerordentlichem Talent, der breitere Anerkennung verdient“. Die Preissumme beträgt $50,000. Der Preis 2013 geht an Arthur Sze. Juroren waren die Dichter Reginald Gibbons, Natasha Trethewey und C. D. Wright.
Unten der Originaltext ihrer Begründung.
Die bisherigen Gewinner:
2012 – Henri Cole
Judges: Louise Glück, Marilyn Hacker, and James Tate
2011 – James Richardson
Judges: Mark Doty, Rita Dove, and Gerald Stern
2010 – Harryette Mullen
Judges: Fanny Howe, Ted Kooser, and C.K. Williams
2009 – Linda Gregg
Judges: Brenda Hillman, Edward Hirsch, and Charles Simic
2008 – Tony Hoagland
Judges: Philip Levine, Robert Pinsky, and Ellen Bryant Voigt
2007 – Elizabeth Alexander
Judges: Lucille Clifton, Stephen Dunn, and Jane Hirshfield
„Everything can happen in the teeming space of a stanza by Arthur Sze; almost everything does. The profane and the glorious are never far apart; more often than not they are contained in the same couplet. And the extraordinary invariably manifests itself in the ordinary or as he writes, “Revelation never comes as a fern uncoiling/a frond in mist; it comes when I trip on a root,/slap a mosquito on my arm.” Sze specializes in the serial or linked poem. He specializes in irresoluble contradictions and the simultaneity of their circumstance. He is deft with improbable metamorphoses. He is undeterred from the uninflected actual, “When//Robin’s coworkers were terminated, she left/ her communications job to groom horses.” Little escapes his attention, be it a particular mushroom camouflaged in the forest floor or light lifting off the length of a power line while a sous-chef slices ginger and scallions. All that is teeming is specific and nothing is unrelated. His “mind aligns such slivers.” Sze is hyper-awake to a chance that a petal may tip the balance of life; to the fact that “we cannot act if we are asleep.” Through eight collections of poetry, translations of Chinese poetry and the recently edited Chinese Writers on Writing, Arthur Sze has proven to be one of our most patient, painstaking, and prepared observers. The impression of land and sky on mind and mind on the mess we tend to make of things is seldom brought to such an exquisite degree of awareness. In exacting language, Sze has brought his gleaming perceptions and looming concerns to a rare quality of order.”
Read the 2013 press release.
Gretchen Primack’s Poetry Month Pick, April 11, 2013
Gerard Manley Hopkins (1844-1889)
Moonrise
I awoke in the Midsummer not-to-call night, ‚ in the white and the walk of the morning:
The moon, dwindled and thinned to the fringe ‚ of a finger-nail held to the candle,
Or paring of paradisaïcal fruit, ‚ lovely in waning but lustreless,
Stepped from the stool, drew back from the barrow, ‚ of dark Maenefa the mountain;
A cusp still clasped him, a fluke yet fanged him, ‚ entangled him, not quit utterly.
This was the prized, the desirable sight, ‚ unsought, presented so easily,
Parted me leaf and leaf, divided me, ‚ eyelid and eyelid of slumber.
Note: ‘Moonrise. June 19, 1876.’ H. Note at foot shows intention to rewrite with one stress more in the second half of each line, and the first is thus rewritten ‘in the white of the dusk, in the walk of the morning’.
Hier deutsch von Hans Arnfrid Astel
Gretchen Primack Comments:
Some beauty hurts. A concerto so gorgeous it makes you wince, for instance; an oil painting that presses your stomach down. “Don’t cry, it’s only music,” starts Liesl Mueller’s poem “Joy.” Trying to name the ache of beauty, she writes,
…It’s about
two seemingly parallel lines
suddenly coming together
inside us, in some place
that is still wilderness.
Gerard Manley Hopkins’ music is the most beautiful I’ve ever heard in poetry. He is the master of sound (though Plath sits at his right hand). And the pleasure is so deep that it leaves me a little creased where, as Mueller would say, those parallel lines suddenly come together.
Arno Holz hat Recht gehabt. So fanden er und seine Schüler den Ton für das neue Zeitalter von Industrie, Technik, Geschäftigkeit. Mancher Text liest sich wie eine Glosse auf die neue Welt der Angestellten und zur Karriere Verdammten. Viele Texte aber beschäftigen sich auch mit Liebe, Verlust, den verstörenden Erfahrungen mit Partnerschaften, mit Armut, Krankheit, Flucht und dem Bewusstwerden der Vergänglichkeit. Etliche Themen tauchen in den Sammlungen immer wieder auf, erzählen davon, wie sich die Männer intensiv mit den von Holz gesetzten oder selbst ausgewählten Themen beschäftigten.
Natürlich irritiert der Buchtitel, der auf den von Stolzenberg flapsig gewählten Namen für das Schreibprojekt „Regiment Sassenbach“ zurückgeht – Sassenbach nach dem gemeinsamen Verlag, in dem die Gedichtbände erschienen. Und befehlen ließen sich die eigentlich erwachsenen Männer von Holz auch nichts – im Gegenteil: Sie waren begeistert und arbeiteten intensiv in der Dachwerkstatt. Sie fühlten sich nicht – wie später die Adepten von Stefan George – als „Jünger“. So wenig wie sich Holz als Prophet betrachtete.
Und dass sie von der völlig das Eigentliche verfehlenden Kritik zutiefst verletzt waren, zeigt eigentlich das Verstummen der Gruppe. Die Zeit der literarischen Revolutionen in Deutschland war noch nicht gekommen. In einem ausführlichen Essay geht Wohlleben auf die Entstehung der Gedichtbände und die Folgen ein. Auch auf die bis in jüngere Zeit fortdauernde seltsame Verachtung deutscher Literaturpäpste für die ungebundene Form. Was auch die Fortschreibungen der über 100 Jahre alten Etikettierungen der fünf hier gewürdigten Dichter betrifft. Einer schreibt vom anderen ab, Naserümpfen wird zu Kopistenstolz.
Dabei gehören viele dieser scheinbar so schmucklosen Texte zum Dichtesten und Schönsten, was seit anno 1870 in Deutschland an Lyrik geschrieben wurde. Manches würde durchaus auch in Schulbücher gehören, wenn Kinder ein Gefühl dafür bekommen sollen, was ein Gedicht sein kann. Es geht dabei nicht um die Form. Es geht immer um Inhalt und die verdichtete, ins Erkennbare geschärfte Sprache. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung
Antreten zum Dichten
Robert Wohlleben, Reinecke & Voß 2013, 13,00 Euro
Erst aus Übereinstimmungen und Differenzen des Miteinanderschreibens sei eine Art Poetik als «emerging quality» des Grand-Piano-Experimentes entstanden, so erinnert sich Tom Mandel. Ähnliches schwebt einem selbstbewussten jungen Berliner Kollektiv vor, der Lyrikergruppe G13. Im Herbst 2012 ist nach vierjährigem Bestehen der sich gegenseitig mentorierenden Gruppe die erste gemeinsame Anthologie entstanden («40% Paradies», luxbooks). Bei allen unterschiedlichen Begabungen der jeweils einzeln ihre Texte unterzeichnenden Autoren schreibt darin doch auch ein rhythmus- und formverliebter Kollektivautor mit. Vielleicht wird man sogar anders lesen müssen, um die postbabylonischen Texturen dieses sprachlichen Miteinanders zu erfassen.
Aber auch wenn die italienischen Wu Mings für sich beanspruchen, gleich ein neues literarisches Genre, das New Italian Epic, geprägt zu haben, ist gemeinschaftliches Schreiben, das über reines Collagieren hinausgehen will, sicher kein Garant für schnellen Erfolg. Bei allem technischen Rückenwind bleibt es eine grosse Herausforderung, den Reibungsverlust des Miteinanders zum Synergieeffekt umzupolen. Im Tanz wurde allerdings ein ähnliches Verfahren unter dem Namen Kontaktimprovisation einst im Nu zur weitverbreiteten Methode. Vielleicht also dauert es gar nicht mehr lang bis zu Berkéwicz-Krüger, Kehlmann-Kermani, Hoppe-Setz. / Astrid Kaminski, NZZ 10.4.
Angesichts der Tatsache, dass die «Aeneis» während mehr als zweitausend Jahren gelesen, kommentiert und interpretiert wurde, erscheint die Vorstellung einer völlig neuen Entdeckung in diesem klassischen Text auf den ersten Blick wenig wahrscheinlich. Genau eine solche will aber der Tessiner Philologe Cristiano Castelletti gemacht haben, der sich im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der epischen Dichtung der augusteischen Zeit beschäftigt. In einer kürzlich in der Fachzeitschrift «Museum Helveticum» veröffentlichten Studie zeigt er, wie sich in den ersten vier Zeilen des Epos die Signatur des Dichters in Form eines Akrostichons identifizieren lässt – das heisst als Figur, in der die ersten und (in diesem Fall) die letzten Buchstaben mehrerer Verszeilen ein Wort, einen Namen oder einen Satz ergeben:
«Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris / Italiam fato profugus Laviniaque venit / litora, multum ille et terris iactatus et alto / vi superum saevae memorem Iunonis ob iram [. . .]»
(Die deutsche Übersetzung von Johannes Götte lautet: «Waffentat künde ich und den Mann, der als erster von Troja, / schicksalsgesandt, auf der Flucht nach Italien kam und Laviniums / Küsten, viel über Lande geworfen und wogendes Meer durch / Göttergewalt, verfolgt vom Groll der grimmigen Juno [. . .]»)
Das Akrostichon enthüllt sich, wenn die ersten und die letzten Buchstaben der vier Verse in jeweils abwechselnder Richtung gelesen werden: «a stilo m[aronis] v[ergili] – «aus dem stilus (Griffel) des Vergil Maro».
(…)
Vergil wählte für seine Verfasserangabe eine vom griechischen Dichter Aratos von Soloi geprägte Form des Akrostichons. Es handelt sich um eine archaische Form der Figurendichtung, die der Thematik der «Aeneis», dem Gedicht über die mythischen Ursprünge des Römischen Reiches, entspricht. Der «stilus», mit dem Vergil die «Aeneis» gemäss seiner Signatur verfasste, ist nicht nur ein Schreibinstrument, das Furchen in die Wachstafel ritzt, sondern auch eine Waffe. Er kündigt eines der zentralen Motive der «Aeneis» an, die kriegerischen Auseinandersetzungen und den Tod, und steht damit im Gegensatz zu den «Georgica», die dem Landbau gewidmet sind. / Thomas Kadelbach, NZZ
[…] Die Texte, die jeweils im Original und in einer deutschen Übersetzung präsentiert werden, entstammen dem Chinesischen, ecuadorianischen Spanisch, Französischen, Griechischen, Italienischen, Hebräischen, Japanischen, Katalanischen, Serbischen, Slowakischen, Ungarischen sowie dem Wolof. An die Seite gestellt wird den Lesern jeweils ein Reiseführer in Form eines Kommentars, der die jeweilige Literaturregion und ihre Sprache vorstellt, Interpretationsangebote macht und weiterführende Lektüre empfiehlt.
Vorgestellt und kommentiert werden:
– Konstantínos Kaváfis: Zweite Odyssee
– Giuseppe Ungaretti: Nostalgia
– Milos Crnjanski: Strazilovo
– Miyazawa Kenji: Phantasie einer Reisestrecke
– Jules Supervielle: Marseille
– Xu Zhimo: Erneuter Abschied von Cambridge
– Gonzalo Escudero: Heft von New York in Flammen
– Carles Riba: Elegie VII
– Miklós Radnóti: Gewaltmarsch
– Lea Goldberg: Tel Aviv 1935
– Khadi Fall: Das Unbehagen, mich selbst als Schriftsteller zu bezeichnen
– Mila Haugová: Der geschlossene Garten (der Sprache)
Brigitte Rath u. Slávka Rude-Porubská (Hg.): Vom Verreisen in Versen. Zwölf Gedichte aus zwölf Sprachen: Original – Übersetzung – Kommentar, vielsprachig. Leipzig : Leipziger Literaturverlag 2013
Vier Jahrzehnte nach seinem Tod untersuchen Forensiker in Chile den Leichnam des Dichters Pablo Neruda. Der Nobelpreisträger und Regimegegner starb 1973 am Tag vor seiner Ausreise ins Exil – angeblich an Krebs. Doch Nerudas Chauffeur äußert Zweifel an der offiziellen Todesursache. (…)
Contreras glaubt, das Militär habe gefürchtet, Neruda, der sich nach Mexiko absetzen wollte, könnte einen demokratischen Widerstand anführen. Während der Diktatur (1973 bis 1990) waren Nerudas Werke in Chile verboten. Eine Reihe von Hinweisen lasse annehmen, dass sein Tod vorsätzlich verursacht worden sei, sagte der Jurist. Die Patientenakte sei verschwunden, und die Liste der Angestellten des Krankenhauses sei nicht vollständig.
(…) Ganz weit hergeholt ist ihr Verdacht nicht: Bei dem ehemaligen christdemokratischen Präsidenten Eduardo Frei wurde kürzlich festgestellt, dass er während der Pinochet-Diktatur 1982 im Krankenhaus vergiftet worden war.
Kommen hier nur Ossis jenseits der fünfzig?
Nicht nur. Es ist oft gar nicht mehr so wichtig, ob man Ossi ist oder Wessi, sondern eher, ob man renitent ist oder nicht.
Ihre Kneipe ist einer der letzten Orte für Alternativkultur in diesem Kiez, und nun sind konkret drei dieser Orte in Ihrem Umfeld bedroht: Das letzte besetzte Haus der Gegend in der Linienstraße 206, der Jugendkulturclub Kirche von Unten und die Kultur- und Schankwirtschaft Baiz. Schlimm?
Sehr schlimm. Ich war Stammgast in der Baiz und habe dort den Gästerat gegründet, wo wir Forderungen stellten wie zum Beispiel das Anbringen neuer Steckdosen. Die wurden dann auch alle erfüllt. Es ging darum, die Interessen der Gäste gegenüber der Wirtschaft zu vertreten. Die Baiz ist ein guter Laden. Es ist ein Elend!
(…)
Immerhin haben Sie im letzten Jahr einen ganzen Gedichtband über die Mauer veröffentlicht – also interessieren Sie sich doch dafür?
Na ja. Das Buch heißt „Mauer“. Aber die Gedichte handeln eigentlich gar nicht von der Mauer.
Wovon dann?
Zum Beispiel von den Klischees, die es über Ostfrauen gibt. Ein anderes Gedicht heißt „an die allgemeine weltöffentlichkeit“ und handelt von den Schwierigkeiten, echt zu sein. Ich hätte es ganz gern gehabt, wenn das Buch anders geheißen hätte. Aber dann hätte es sich wahrscheinlich nicht so gut verkauft.
/ Susanne Messmer, Interview mit Bert Papenfuß, taz 6.4.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I’ve recently published a children’s book about a man who is so fussy about his yard that he loses his home, so I was immediately taken by this fine poem by Lynne Sharon Schwartz about a similar man. We all enjoy writing that confirms what we’ve privately observed about the world. Schwartz lives in New York City.
Cement Backyard
My father had our yard cemented over.
He couldn’t tell a flower from a weed.
The neighbors let their backyards run to clover
and some grew dappled gardens from a seed,
but he preferred cement to rampant green.
Lushness reeked of anarchy’s profusion.
Better to tamp the wildness down, unseen,
than tolerate its careless brash intrusion.
The grass interred, he felt well satisfied:
his first house, and he took an owner’s pride,
surveying the uniform, cemented yard.
Just so, he labored to cement his heart.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Lynne Sharon Schwartz from her most recent book of poems, See You in the Dark, Curbstone/Northwestern University Press, 2012. Reprinted with permission from Curbstone/Northwestern University Press. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
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