Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Ein Geist, der bei Wosnessenski, wie jedem wahren russischen, sowjetischen Dichter von Liebe zum Land erhitzt und zugleich von den stalinistischen Praktiken zerfrostet wurde. Das ewige Wechselklima. Die Tapferkeit des Aushaltens. Die Sinnwidrigkeit der Kulturpolitik, aber im Dichter die trotzige Energie des obsiegenden Hintersinns.… Continue Reading „11. Wosnessenski I“
Der russische Dichter Andrej Wosnessenski starb heute im Alter von 77 Jahren in Moskau. Er war einer der bekanntesten russischen Dichter, einer aus einer Gruppe mutiger Schriftsteller, die die russische Literatur nach Stalins Tod aus dogmatischer Ängstlichkeit und Dienstbarkeit befreien halfen. Seine Lyrik drückte… Continue Reading „5. Andrej Wosnessenski gestorben“
Als Joseph Brodsky im Jahr 1977 seine erste englische Schreibmaschine kaufte – ein Exemplar der Marke ‚Lettera‘ – geschah dies, weil er, wie er sagte, W. H. Auden ’näherkommen‘ wollte. Denn Brodskys Verhältnis zur englischen Sprache war einfach und kompliziert zugleich. Einfach, weil er… Continue Reading „150. Brodsky und das Englische“
Ganze zwei Gedichte hatte Juwatschow, der sich (er hatte viele Pseudonyme) als Dichter meistens Charms nannte, zu Lebzeiten veröffentlicht. 1905 geboren, Mitte der Zwanziger zum verrückten Star der russischen Literatur aufgestiegen, verboten, verfolgt, verhaftet, verhungert 1942 in der Gefängnispsychiatrie des belagerten Leningrad. Nach und… Continue Reading „149. Charms lesen“
Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Eva Strittmatters Gedichten; aber gar nicht wenige Verse hängen mir im Kopf. Der trochäische Rotdorn meiner Kinderjahre fällt mir jedes Frühjahr ein, und ein Pasternakgedicht beginnt: „Einer ist hinausgegangen./ Und der Winter fiel auf ihn./ Mit ihm… Continue Reading „146. Beton“
Mit dem sozialistischen Realismus hatte Pasternaks Art zu schreiben nichts zu tun. Er war auf anderes aus: „Erkenntnisse, Erkenntnisse – die möchte ich in der Kunst sehen, nicht Richtungen, die ich schon erprobt habe und die ich kenne. Und nicht den Kampf zwischen den… Continue Reading „145. Neue Inhalte, zu Ende gedacht“
In #133 berichtete ich über die neue französische Ausgabe der Moskauer Hefte Ossip Mandelstams. Dort ist als letztes Gedicht ein Liebesgedicht vom Februar 1934 enthalten, das in Ralph Dutlis Ammann-Ausgabe „Moskauer Hefte. Gedichte“ fehlt. Es gibt einen Grund dafür, den Ralph Dutli dankenswerterweise aufklärt.… Continue Reading „141. Anderer Band, andere Frau“
In der Großen Sowjetenzyklopädie hieß es 1934 über ihn: „Er versuchte, sich über das Getümmel der sozialen Kämpfe auf den Gipfel bürgerlicher Kultur zu erheben. Für ihn ist der Sozialismus nur eine Rauchwolke hinter dem Nebel der Theorien und eine Epoche, in der Leute… Continue Reading „139. Vor 50 Jahren starb Boris Pasternak“
Nach einer Pause von fünf Jahren, in der er Prosa schrieb, kehrt Mandelstam im Oktober 1930 zur Lyrik zurück. Der Band „Nouveaux poèmes 1930-1934″ versammelt in einer Neuübersetzung durch Christiane Pighetti (nach der von Henri Abril) die Gedichte jener Periode, die mit der Verbannung… Continue Reading „133. Beten darf ich nicht“
Innokenti Annenski gehört zu den grossen Illusionslosen, doch genau dies machte ihn frei. Frei, sich in «Quälenden Sonetten» und «Redefetzen» auszudrücken, aber auch in einem hoch lautmalerischen Gedicht wie «Glöckchen klingen» (1906), das futuristische Lautexeperimente vorwegnahm. «Ding-Dang-Dong, / Ding-Dang . . . / Dido… Continue Reading „62. Bahnbrechender Einzelgänger“
Die Literaturlandschaft in Russland bietet ein uneinheitliches Bild. Während Verlage und Medien gerne junge Prosaautoren favorisieren, die in der Art der alten sowjetischen Romanciers schreiben (nur meist schlechter), existieren Parallelwelten, in denen es viel frischen Wind gibt. In erster Linie hat sich die Lyrik… Continue Reading „34. 600 bedeutende Dichter“
Alex Galper Galper und Gitler Gitler haßt solche wie Galper – Galper haßt solche wie Gitler. Gitler mag Krebse mit bayrischem Bier – Galper mag jüdische Frauen von hinten. Gitler verheimlicht die Nationalität seines Opas – Galper liest die Thora ohne die Kippa abzunehmen,… Continue Reading „11. Meine Anthologie: Galper und Gitler“
Gedicht Das ist natürlich kein Dichtwerk und auch kein Diktat, sondern einfach so eine Darlegung. Nicht ein Dichter bin ich, nur ein Exekutor, nicht mal ein Dilettant, nur schlicht ein Amateur. Auch als Interpret tauge ich nicht, bin bloss ein artiger Begleiter. Also wäre… Continue Reading „2. Meine Anthologie 41: Timur Kibirow, Gedicht“
Die Dschihadisten trauern: Mit Gedichten, in denen vom „Löwen Abu Omar“ oder vom „schwertschwingenden Abu Ajjub“ die Rede ist, Nachrufen und Durchhalteparolen reden sich Terror-Sympathisanten den Tod der Führungsspitze von al-Qaida im Irak schön. Doch das ändert nichts daran, dass die Terrortruppe möglicherweise vor dem… Continue Reading „127. Der Löwe ist tot“
Als der russische Futurist Welimir Chlebnikow um 1909 in Gedichtform einen «Dingaufstand» beschrieb, bei dem die Dinge ihre herkömmlichen Bezeichnungen abwerfen, um sich neu zu einem gewaltigen Maschinenwesen – halb Kran, halb Kranich – zu formieren, eröffnete er damit eine Debatte, die in der… Continue Reading „81. Dingaufstand“
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