Kategorie: Deutsch

Stimmen der Völker in ihren Liebesgedichten

Christian Wernicke (* im Januar 1661 in Elbing / Elbląg; † 5. September 1725 in Kopenhagen) An unsre teutschen Poeten Jhr Teutschen wenn die Lieb aus eurer Feder quill’t / Jhr eure Buhlschafft wolt mit eurem Vers bedienen / So kriegt man gleich zu… Continue Reading „Stimmen der Völker in ihren Liebesgedichten“

Monolog der Menschen

Ernst Meister Monolog der Menschen Wir sind die Welt gewöhnt. Wir haben die Welt lieb wie uns. Würde Welt plötzlich anders, wir weinten. Im Nichts hausen die Fragen. Im Nichts sind die Pupillen groß. Wenn Nichts wäre, o wir schliefen jetzt nicht, und der… Continue Reading „Monolog der Menschen“

Wie Pegasus im Joch

Helene Baronesse von Engelhardt-Schnellenstein (verh. Papst, * 2. September 1850 neuen, 21. August alten Stils auf dem Rittergut Wileiki in Litauen, † 24. Juni 1910 in Wien) Rosenstock, Holderblüth’. Ei, Rosenstock und Holderblüth’, Wie fröhlich ist mein Sinn, Wie innig freut sich mein Gemüth,… Continue Reading „Wie Pegasus im Joch“

Es wird schon dunkel abends sieben

Das Gedicht zum Sommerende und zur Sommerzeitdebatte. Es stammt vom bayrischen Heimatdichter Johannes R. Becher („Im Schatten der Berge bin ich geboren“). In den 50er Jahren lebte der bekanntlich in Pankow und verbrachte den Urlaub in Ahrenshoop. In Pankow geht die Sonne am 1.… Continue Reading „Es wird schon dunkel abends sieben“

Auswanderer

Hedwig Lachmann Auswanderer Sie nehmen ihre Kinder an der Hand Und ziehen fort; es duldet sie kein Land. Grenzwächter sind auf ihren Weg gestellt, Wie wenn ein Hund am Tor die Wache hält. Sind überm Meer noch ein paar Ackerbreit, Worauf nicht Gras noch… Continue Reading „Auswanderer“

Solang‘ man nüchtern ist

Johann Wolfgang Goethe Solang‘ man nüchtern ist, Gefällt das Schlechte; Wie man getrunken hat, Weiß man das Rechte; Nur ist das Übermaaß Auch gleich zu handen; Hafis! o lehre mich, Wie du’s verstanden! Denn meine Meinung ist Nicht übertrieben: Wenn man nicht trinken kann,… Continue Reading „Solang‘ man nüchtern ist“

calypso

Ernst Jandl calypso ich was not yet in brasilien nach brasilien wulld ich laik du go wer de wimen arr so ander so quait ander denn anderwo ich was not yet in brasilien nach brasilien wulld ich laik du go als ich anderschdehn mange… Continue Reading „calypso“

Kantilene

Ursula Krechel Kantilene, Abschiedsszene Im Gedenken an Oskar Pastior spricht in Zungensprachen spricht aus Mündelmündern kennt das Kindersingen‚ das Gelingen schnippelt eine Pastinakentasche näht den Wörtern Bändel, Laschen ob er durchschlüpft? alle Sprachen überraschen das Anatolische das Kryptokatholische, Alkoholische das Bukolische und das ganz… Continue Reading „Kantilene“

Politisch Lied anno 1792

Johann Gottfried von Herder (1744-1803) (* 25. August 1744 in Mohrungen, Ostpreußen; † 18. Dezember 1803 in Weimar) Coalition „Politisch Lied, ein böses, böses Lied!“ So sagt das Sprichwort; und Du willst, o Freund, Daß dichtend unsre Nation sogar Politisire? Hör ein Märchen an,… Continue Reading „Politisch Lied anno 1792“

Auf den Straßen Amsterdams

Elisabeth Alexander (* 21. August 1922 in Linz am Rhein; † 17. Januar 2009 in Heidelberg) Aus: Poesie als Auftrag: Festschrift für Alexander von Bormann. Hrsg. Dagmar Ottmann, Markus Symmank. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2001, S. 21

Wald

Maria Luise Weissmann * 20. August 1899 in Schweinfurt; † 7. November 1929 in München Wald Die Toten meiner Jahrtausende Sind auferstanden. Meines Vaters Blick Ging über mich, es wandelte Leicht die Nähe der erwachenden. Im abend aber entschliefen sie Plötzlich, aus ihren Augenhöhlen… Continue Reading „Wald“

Spitze Äpfel

Heute vor einem Jahr starb der Maler und Dichter K.O. Götz Spitze Äpfel Ein Apfel fällt und steigt empor Begegnet einer Nadel Am Horizont bei Tageslicht Ein Riesenmesser rostet Ein Apfelbaum zieht Nadeln an Sie stechen nicht sie grünen Sie blähn sich auf und… Continue Reading „Spitze Äpfel“

Brennende Sehnsucht dir ins Blut

Alma Johanna Koenig Brennende Sehnsucht dir ins Blut, brennenden Traum in deine Nacht! Brennende Wollust‚ hochentfacht, in deine Seele, die nun ruht: Tröpfelndes Gift in deinen Trank, fressende Krankheit dir ins Mark, lähmender Zauber, urweltstark, dich zu versehren, lebenslang! Täglich dies Lustermüdetsein, nächtlich Gesicht,… Continue Reading „Brennende Sehnsucht dir ins Blut“

Kalter Augusttag

Kalter Augusttag 1. Wir standen unter alten Riesenulmen, An unsers Gartens Rand. Mein Arm umschlang Die schlanke Hüfte dir. Es lag dein Haupt, Das schöne, blasse, still an meiner Schulter. Ein kalter Hauch drang uns entgegen; fröstelnd Zogst fester du das Tuch um deinen… Continue Reading „Kalter Augusttag“

Amnesiefarben

Olga Orozco * 17. März 1920 in Toay, La Pampa, Argentinien; † 15. August 1999 in Buenos Aires Para este día Reconozco esta hora. Es esa que solía llegar enmascarada entre los pliegues de otras horas; la que de pronto comenzaba a surgir como… Continue Reading „Amnesiefarben“