Kategorie: Bahrain

95. „der deutsch-arabische lyriksalon“ 2012

Poetische Begegnung der Kulturen

Der von dem deutschsprachigen, aus Syrien stammenden Dichter Fouad EL-Auwad ins Leben gerufene „deutsch-arabische lyriksalon“ kann seit 2005 auf eine stattliche Anzahl poetischer Soirées und auf eine eindrucksvolle Reihe erstrangiger Gäste zurückblicken. Interkulturelle Begegnung im Medium der Poesie – das ist das erklärte Ziel der Initiatoren. Waren Dichter wie Reiner Kunze, Raoul Schrott und Fuad Rifka bei früheren Ausgaben des „lyriksalon“ zu Gast, so steht das diesjährige Programm dem in keiner Hinsicht nach, zumal das Festival in diesem Jahr erstmalig – an zwei aufeinander folgenden Tagen – an zwei Orten stattfinden wird, nämlich in Aachen und in Bonn. Auf deutschsprachiger Seite sind diesmal – neben Gastgeber Fouad EL-Auwad – Ulrike Draesner, Ludwig Steinherr, Suleman Taufiq, Reinhard Kiefer, Gabriele Frings, Christoph Leisten und Nedjo Osman dabei, aus der arabischen Welt kommen Hussein Habbasch (Syrien), Hayet Raes (Tunesien), Emad Fouad (Ägypten), Fatima Mahmoud (Libyen) und Ali Al-Jallawi (Bahrain). Wie immer besticht das Programm dadurch, dass die Gedichte der Autoren jeweils in deutscher und in arabischer Sprache zu hören sein werden. Zum deutsch-arabischen lyriksalon erscheint bei der Edition Orient die zweisprachige Anthologie „einfach SO“, die an diesen beiden Abenden erstmalig vorgestellt wird.

Das Festival in Aachen findet statt am Donnerstag, dem 25. Oktober, 19.30 Uhr, im Couven-Museum (Hühnermarkt), der Bonner Abend ist am Freitag, dem 26. Oktober, 19.30 Uhr im Festsaal der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität (Am Hof). Beide Abende werden musikalisch kongenial begleitet durch den aus dem Irak stammenden Oud-Virtuosen Raed Khoshaba. Der Eintrittspreis zu beiden Abenden beträgt jeweils 10 Euro.

Weitere Informationen: www.lyrik-salon.de

 

 

26. Islam Erwache

Der “Islamische Revolutionsführer” Ayatollah Seyyed Ali Khamenei betonte die wichtige Rolle der Literatur im “Islamischen Erwachen”.

Er sprach am Montag in Teheran bei einem Treffen mit iranischen und ausländischen Literaten beim “Internationalen Kongreß für die Literatur des Islam ischen Erwachens”.

Er forderte die literarischen Figuren der islamischen Länder auf, Gedichte zu schreiben, die die “Erhebung des Islamischen Erwachens” beförderten.

An dem Treffen nahmen Gäste aus Tunesien, Ägypten, Libanon, Bahrain und mehreren anderen Ländern teil und lasen Gedichte zu Ehren des Propheten Mohammed, des “Islamischen Erwachens” und des 33. Jahrestages der Islamischen Revolution. / Tehran Times

110. Rebell im alten Bahrain

Der Schriftsteller Qassim Haddad (Bahrain) im Gespräch mit Matthias Hanselmann, DLR:

Hanselmann: Ihr neuestes Buch beschäftigt sich mit einem Dichter aus vorislamischer arabischer Zeit. Er lebte im 6. Jahrhundert. Was ist für Sie interessant an diesem Dichter?

Haddad: Der Dichter heißt Tarafa Ibn El-Abd, er lebte ungefähr 70 bis 80 Jahre vor dem Islam, und er zählt zu dem berühmtesten arabischen Dichtern der vorislamischen Zeit. Er ist einer der Dichter der sogenannten Moallakat, das sind Gedichte, die auf der Kaaba aufgehängt wurden, ganz besonders schöne Gedichte. Und meine Beziehung zu diesem Dichter hat sich aufgebaut sehr früh, und zwar seit der Grundschulzeit, da habe ich ihn zum ersten Mal kennengelernt, einmal, weil ich entdeckt habe, dass er in Bahrain gelebt hat, aber nicht im heutigen Bahrain, sondern dem historischen Bahrain – das ist eine Region, die sich von Oman bis nach Basra im Irak gezogen hat, also eine sehr große Region, die die ganze Golfregion umfasst hat.

Die andere Besonderheit, die mich an ihm fasziniert hat, war sein Standpunkt gegenüber dem Stamm, dem Stammeswesen sozusagen oder der Stammesgesellschaft. Er war ein Rebell, ein eigensinniger Mensch und war sehr aufrührerisch und hatte neue moderne Ideen sozusagen. Für diese Ideen wurde er verfolgt von dem König von Hira, das war der König, der eben in dieser Zeit in Bahrain, in dieser Region, regiert hat. Er hieß Amr Ibn el-Hem, dieser König, und er hat ihn hinrichten lassen. Außerdem hat mich fasziniert an ihm eines seiner Gedichte, und ich finde, es ist eins der schönsten Gedichte, die ich gelesen habe, in der alten arabischen Dichtung.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

73. Folter in Bahrain

Die 20jährige Dichterin Ayat al-Gormezi (Ajat al-Kurmisi), die wegen eines Gedichts in Bahrain inhaftiert war, sagt aus, sie sei im Gefängnis von einer Frau aus der königlichen Familie gefoltert worden. Sie sei mehrmals zu einer Frau von etwa 40 Jahren gebracht worden, die sie mit einem Schlagstock auf den Kopf schlug. Sie sagte zu ihr: “Du solltest auf die al-Khalifas (die Herrscherfamilie) stolz sein. Sie werden das Land nicht verlassen. Es ist ihr Land.”

Die Wärter sagten ihr, das sei nicht ihr eigentlicher Job, sie habe sich freiwillig zu den Verhören gemeldet.

Frau Kurmisi wurde am 12.6. zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, aber vergangene Woche freigelassen unter der Bedingung, daß sie nicht an weiteren Protesten teilnehme. / Patrick Cockburn, The Independent

 

53. Lob des Protests

Nach einem alten Spruch werben Politiker mit Lyrik aber regieren mit Prosa. Die Vitalität der großen Straßengedichte der 60er-Jahre-Vietnam-Proteste lebt fort im arabischen Frühling. Letzten Monat wurde eine junge Frau aus Bahrain [die Dichterin Ajat Al-Kurmisi] zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie ein Gedicht in der Öffentlichkeit vorgelesen hatte, das die an den König gerichtete Zeile enthielt: “Wir sind das Volk, das die Entwürdigung töten und das Elend morden wird. Hörst du ihre Schreie? Hörst du ihre Wut?” Der palästinensische Lyriker Tamim al-Barghuti sagte kürzlich im Zusammenhang mit der tunesischen Revolution, daß die Lyrik “die Phantasie des Volkes bereichert und ihre Wahrnehmung verändert hat, ihr Selbstvertrauen stärkte und ihnen zeigte, wie schwach ihre Tyrannen sind”. Al-Barghuti war einer der Dichter, deren Werk in dieser Woche bei einem Festival zur Literatur des arabischen Frühlings gefeiert wurde. / Guardian

78. Neue Arabische Welt

Colloquium: Neue Arabische Welt

Sa 18.6. 18:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Black Box
Eintritt €5/3

Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen  Moderation Arian Fariborz Politologe, Islamwissenschaftler und Journalist, Köln

Revolution, politischer Umsturz, Protest: Die Arabische Welt ist in Bewegung. In der Diskussion wird nach dem künstlerischen Umgang mit den derzeitigen Umbruchprozessen und gewaltvollen Auseinandersetzungen gefragt. Wie manifestieren sich Wünsche und Sehnsüchte in dichterischen Formen? Inwieweit bahnt sich die Wut ihren Weg in die Texte? Wie sieht die Situation in den unterschiedlichen Ländern und regionalen Wirklichkeiten aus? Welche Rolle spielen die Dichter in den Protesten, sind sie Beobachter, Katalysatoren oder gar Tongeber?

Neue Arabische Welt

Sa 18.6. 20:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Plenarsaal
Eintritt €10/7

Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen  Moderation Pyranja Rapperin, Journalistin, Berlin

Die jungen Poeten und Performer aus der Arabischen Welt stellen ihre Werke und ihre Sicht auf das Alltagsleben vor. Jenseits von gängigen Orientalismen wird ein Wortkaleidoskop dargeboten, das von klassischer Poesie  über poetry performance bis hin zu Rap reicht. Die Vielstimmigkeit der jungen Künstler spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Ägypten, Bahrain, Libyen, Tunesien und dem Libanon wider und ermöglicht einen facettenreichen Einblick in eine heterogene Region aus erster Hand.

9. Dichterin verhaftet und gefoltert

In some countries, creating a poem that speaks out against the government can get you arrested. Bahrain is one such country. It has arrested and jailed the young female poet Ayat al-Ghermezi.

Ayat al-Ghermezi created a poem that speaks out against the abuse of the people in Bahrain. Some lines include: “We are the people who will destroy the foundation of injustice. Don’t you hear their cries, don’t you hear their screams?” She stated she created the poem to the attention of King Hamad bin Isa Al Khalifa, notes the Telegraph.

Ayat al-Ghermezi wants change in her country. She was using her poetry to rally protesters to fight the oppressive royal family of Bahrain.

Bahrain arrested the poet after she surrendered after security forces stormed her home. They put her four brothers on the floor at gunpoint. One of the security forces told Ayat’s father “Tell us where Ayat is or we will kill each of your sons in front of your eyes,” notes the Independent.

Ayat was soon charged her with making an insult to the royal family and incitement. Ms. al-Ghermezi has been tortured in jail.

/ Jul Bodeeb, news.gather.com

147. Arabisch-Deutscher Versschmuggel

Das Konzept hinter „VERSschmuggel“ verzichtete auf den üblichen Ablauf, nachdem die Dichter ihre Texte einreichen und von einem Übersetzer bearbeiten lassen. Stattdessen bildeten sich fünf Dichterpaare, die einander gegenseitig ins Deutsche bzw. Arabische übersetzten, ohne die jeweils andere Sprache zu beherrschen. In langen und tiefschürfenden Gesprächen tauschte man sich über die Bedeutung der eigenen Verse aus, um dem Gegenüber eine adäquate Nachdichtung zu ermöglichen – was bei zwei so unterschiedlichen Sprachen sicher nicht einfach ist. Neben Schulz und Al-Nabhan nahme Ron Winkler, Mohamad Al-Harthy, Nora Bossong, Nujoom Al-Ghanem, Sylvia Geist, Mohammad Al-Domaini, Gerhard Falkner und Ali Al-Sharqawi an dem literarischen Experiment teil. …

Überhaupt gibt es viel zu entdecken in diesem wundervoll bibliophil gestalteten Band – neben großartigen deutschen LyrikerInnen auch Einblicke in die moderne arabische Dichtung, aus der leider allzu wenig auf deutsch vorliegt. „Das Blau / (des Meeres) wirft meine Worte zurück / wenn es der Welt unter der Haut kribbelt“, heißt es bei Ali Al-Sharqawi; oder in Mohamad Al-Harthys beeindruckendem Gedicht „entschuldige dich beim frühlicht“: „doch immer wieder vergesse ich das frühlicht, / so wie ich vergesse, dass ich den fels des sisyphos zu bewältigen habe / (der stark ramponiert ist, weil man ihn ständig durch bücher wälzt)“.

… VERSschmuggel“ ist ein kleiner, höchst lesenswerter West-Östlicher Divan.  / Gerrit Wustmann, cineastentreff 29.5.

VERSschmuggel – Eine Karawane der Poesie
Arabisch- und deutschsprachige Gedichte
Herausgeber: Aurélie Maurin, Douraid Rahhal
Mit 2 CDs
Verlag Das Wunderhorn
141 Seiten, Format: 13.5 x 21 cm, gebunden
Erscheinungsjahr: 2010 | ISBN: 978-3-88423-346-7