11. Die evangelische Theologin

und Literaturwissenschaftlerin Constanze Jaiser von der Freien Universität (FU) Berlin sammelte für ihre Dissertation »Poetische Zeugnisse« mehr als 1 200 Gedichte von Frauen aus 15 Nationen, die im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert waren. Insgesamt wurden zwischen 1939 und 1945 mehr als 130 000 Frauen in das brandenburgische KZ deportiert.

Das Buch »Poetische Zeugnisse. Gedichte aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück 1939-1945« von Constanze Jaiser ist im Metzler-Verlag erschienen und kostet 68 Mark.  / Reutlinger General-Anzeiger 17.8.01

Pat. van Hoddis

Immer wieder in Sanatorien und Kliniken eingeliefert, bei Pflegefamilien in Thüringen, von 1922 an in Privatpflege bei einer Gastwirtsfamilie in Tübingen, entmündigt, in die Universitäts-Nervenklinik eingewiesen und 1933, als seine Familie nach Palästina auswandert, in die „Israelitische Heilanstalt“ in Bendorf Sayn bei Mainz verbracht, wird Jakob van Hoddis am 30. April 1942 mit hundert weiteren Patienten und den Mitarbeitern der Anstalt in den Distrikt Lublin verschleppt und bald darauf, wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor, ermordet.

„Manchmal, wenn er sich im Garten befindet, springt er plötzlich auf irgendein Tier (Ameise, Schmetterling etc.) zu und begrüßt dasselbe durch sechs- bis siebenmaliges steifes Verbeugen oder durch Abnahme des Hutes“, kann man in der Göppinger Krankenakte lesen, in der – wie in allen anderen, die das umfangreiche Ausstellungsbuch versammelt – der Dichter Jakob van Hoddis nur noch Pat. (Patient) heißt. / ERNEST WICHNER Süddeutsche 29.6.01

„all meine pfade rangen mit der nacht. jakob van hoddis, hans davidsohn (1887-1942)“. Ausstellung in der Stiftung „neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“. Bis 31. August 2001. Vom 16. September bis 11. November 2001 in den Räumen der ehemaligen „Israelitischen Heilanstalten“ in Bendorf Sayn, . Katalog: Stroemfeld Verlag, Frankfur/M. 2001. 256 Seiten, 40 Mark. 

Führer-Hymnen

Mit Blick auf die schriftlichen Hinterlassenschaften der 1879 im damaligen Königsberg geborenen »Lyrikerin und Balladendichterin« spricht das im Fischer Verlag erschienene Biographische Lexikon zum Dritten Reich recht zurückhaltend von »Elementen einer mythologisierenden Blut-und-Boden- Romantik«, »die eine Affinität zu nationalsozialistischen Ideen erkennen lassen«. Wesensverwandtschaften, die sich den Nazis schon recht früh offenbart hatten, weshalb sie Miegel bereits 1933 als Mitglied der Deutschen Akademie der Dichtung beriefen. Die »NS-Kulturgemeinde« gründete 1936 eine Stiftung zur alljährlichen Verleihung einer »Agnes-Miegel -Plakette«. 1940 erhielt sie den »Goethepreis der Stadt Frankfurt«.

Frau Miegel bedankte sich artig, wurde Mitglied der NSDAP und schmiedete beispielsweise diese Hymne auf den »Führer«: »Neid hat er und Bruderhaß gestillt. Unsere Herzen, hart von Not und Krieg, hat mit seinen glühenden, glaubensvollen Worten ER durchpflügt wie Ackerschollen, bis ein neuer Frühling in uns stieg.« So was darf mit dem Goethepreis von 1940 nicht abgegolten sein. Darum auch legten die Regierenden des Freistaates Bayern als Vorkämpfer deutscher Leitkultur 1959 den Literaturpreis der »Bayerischen Akademie die Schönen Künste« für die Ehrenbürgerin der niedersächsischen Gemeinde Bad Nenndorf dazu. 1948 war ihr dort diese Ehrung zuteil geworden; ihr einstiges Wohnhaus ist heute als »Agnes- Miegel-Haus« und Museum eingerichtet. / junge Welt 28.6.01

Ein Mythos

Machmud Darwisch ist einer der letzten Dichter, die selber ein Mythos sind, einer wie Lorca, wie Majakowski, wie Neruda oder Nazim Hikmet. Mit ihnen teilt der palästinensische Lyriker nicht nur die fast abgöttische Verehrung, die er in seinem Volk geniesst, den Status einer Symbolfigur für unzählige Hoffnungen, sondern auch die Poetik: ein Sprecher für das Volk zu sein, gegen die Unterdrückung, für Freiheit und Gerechtigkeit. Machmud Darwisch ist der ungekrönte König unter den königlich verehrten arabischen Dichtern, der populärste von allen, zugleich aber einer, der über der Popularität die Autonomie der Dichtung nicht vergisst. Seit Ende der achtziger Jahre hat sich seine Poetik stark gewandelt, auf volkstümliche und agitatorische Züge verzichtet er ganz, seine Dichtung ist schwieriger geworden, reflektierter und moderner – im Sinne dessen, was bei uns als modern verstanden wird. / Stefan Weidner, NZZ 27.6.01

Machmud Darwisch: Ein Gedächtnis für das Vergessen. Aus dem Arabischen von Kristina Stock. Lenos-Verlag, Basel 2001. 211 S., geb., Fr. 33.80. 27. Juni 2001 

Schwarzaustralische Gedichte

«Schwarzaustralische Gedichte » stellt sechs Namen vor, der bekannteste ist Oodgeroo Noonuccal, die Kath Walker hiess, bevor sie 1970 anlässlich der Gegenveranstaltung zur 200-Jahr-Feier der «Entdeckung» Australiens einen Eingeborenennamen annahm. Sie publizierte in den sechziger Jahren ihre ersten Gedichte und gilt als Begründerin der Literatur der Aborigines. Als Noonuccal 1993 starb, war sie zur Mutterfigur der kulturell und politisch engagierten Schwarzaustralier geworden.

Was diese Gedichte trotz allen Unterschieden verbindet, sind Themen, die weniger individuelle Befindlichkeit reflektieren als kollektive Erfahrungen, Mythen und Träume. Da das Thematische dominiert, sind die Kenntnisse, wie sie die Einführung vermittelt, sehr hilfreich. Um dem Englischen eine eigene Prägung zu geben, verwenden die Autoren zudem Wörter der Eingeborenensprachen und lassen Slang und sonstige sprachliche Eigenheiten einfliessen. Dieser Reiz ist in der Anthologie gewahrt, da die Gedichte zweisprachig wiedergegeben sind. / Georg Sütterlin, NZZ 26. Juni 2001 

Hans-Joachim Zimmermann (Hg.): Schwarzaustralische Gedichte. Mattes-Verlag, Heidelberg 2000. 390 S., Fr. 50.35. 

Literatur-Girlie

Das eine Extrem vertritt Thomas Kling: «Mainstreamkitsch», «Kulissenschieberei», «ein unelegantes Gewuchte von Bildern» oder «klassizistisches Herumfummeln mit Hölderlin» erkennt er in Bachmanns Lyrik und urteilt gnadenlos – Mittelmass. Auf der anderen Extremseite Peter Hamm: Er reiht Bachmann unter seine «Märtyrer, Dichter und Heiligen», für ihn ist ihre Lyrik ein «Singen in der Löwengrube oder ein Singen im Feuerofen, also gleichermassen Todesfurcht wie Zuflucht und Hoffnung auf Erlösung».

Reinhard Baumgart (Hrsg.): Einsam sind alle Brücken. Autoren schreiben über Ingeborg Bachmann , Piper München 2001, Fr. 25.80. Joachim Hoell: Ingeborg Bachmann, dtv Portrait, dtv München 2001, Fr. 17.- / St. Galler Tagblatt 26.6.2001

Im Donau Kurier von 26.6. heißt die Überschrift: Literatur-Girlie.

Kann man Celan übersetzen, ohne ihn (ganz) zu verstehen?

Die Basler Zeitung (26.6.) referiert in ihrer Zeitschriftenschau einen Artikel des südafrikanischen Autors J. M. Coetzee in The New York Review of Books, 5. 7. 2001 über die Schwierigkeiten beim Nachdichten von Paul Celan, in dem er die Frage stellt: „Ist es möglich, auf eine Lyrik wie die Celans anzusprechen, ja selbst sie zu übersetzen, ohne sie ganz zu verstehen?“ … Coetzees Resumé: Celan is the towering European poet of the middle decades of the twentieth century, one who, rather than transcending his times—he had no wish to transcend them—acted as a lightning rod for their most terrible discharges. His unremitting, intimate wrestlings with the German language, which form the substrate of all his later poetry, come across in translation as, at best, overheard rather than heard directly. In this sense translation of the later poetry must always fail. Nevertheless, two generations of translators have striven, with unexampled resourcefulness and devotion, to bring home in English what can be brought. For the work of the new generation we can only be grateful.

Poetendiva

taz druckt auf der Titelseite den Text eines Songs von John Lee Hooker, der am 21.6. bei San Francisco gestorben ist. Und kündigt auf dem Titel einen Artikel über Ingeborg Bachmann so an: „Am Montag wäre die Poetendiva 75 geworden. Unterhalb des Absoluten hat sie es eigentlich nie gemacht.“

Rimbaud Verlag Aachen

Dabei durchmisst das Programm ein breites Spektrum. Surrealistisches gehört dazu, von Bernhard Albers selbst in der Anthologie „Aus zerstäubten Steinen“ kenntnisreich zusammengestellt. Dazu kommt eine oft individuell geartete, nicht so recht in Schulen einzuordnende Literatur wie die Gedichte von Ernst Meister (1911-1979). Und es rücken – hier kommt der Begriff der Tradition wieder ins Spiel – geistige Landschaften ins Blickfeld, die über einzeln herausragende Gipfel hinaus vom Vergessen verschüttet worden sind.

In ganz besonders verdienstvoller Weise haben sich Albers und sein GmbH-Kompagnon Hörner (der sich um die praktische – will sagen: elektronische – Herstellung sorgt) um die Bücher deutschsprachiger Autoren, die meisten von ihnen Juden, aus der Bukowina bemüht. Paul Celan war gewiss bekannt, auch Rose Ausländer . Doch sie standen nicht allein. Es gab einen Alfred Margul-Sperber, einen Immanuel Weißglas und noch viele mehr.

Ein besonderes Herzenskind der Verleger ist Moses Rosenkranz, der – 1904 geboren – als steinalter Mann im Schwarzwald lebt. Wer sein Buch „Kindheit – Fragment einer Kindheit“ liest, dem wird weh ums Herz. Zum einen, weil das alles, was Rosenkranz beschreibt, unwiderruflich dahin ist. Zum anderen auch, weil die gepflegte, sorgsam modulierte Sprache des Schriftstellers kulturelle (bildungsbürgerliche) Kontinuitäten wieder ans Licht zieht, die vergessen schien[en]. / Aachener Nachrichten 20.6.01

Ohne Kontext

Kritisch sieht die Neue Zürcher die Übersetzung der Gedichte Bai Daos:

Nun ist, ebenfalls in Kubins Übersetzung, der Gedichtband «Post Bellum» erschienen, der Bei Daos seit 1989 – in verschiedenen europäischen Städten sowie in Kalifornien – entstandene Lyrik sammelt, und promptist er als «Buch des Monats» auf der SWF-Bestenliste gelandet.

Das ist zwar kein Nobelpreis, aber doch ein symbolischer Akt ausgleichender Gerechtigkeit – oder Ungerechtigkeit: Denn die Begeisterung der Juroren lässt sich nicht so recht nachvollziehen. Nicht etwa, weil die Gedichte schlecht wären. Vielmehr lassen sie sich anhand der vorliegenden Ausgabe gar nicht beurteilen. Kubins Edition der hermetischen, mithin nicht ohne weiteres zugänglichen Lyrik enthält nämlich weder den Originaltext, noch gibt sie Auskunft über dessen metrische Form und Metaphorik, über die Stilebene und den Umgang mit traditionellen Mustern und Regeln, über Anspielungen und Zitate, auch den Einfluss westlicher Literaturen, kurzum über den ganzen mitschwingenden Kontext, der im Deutschen notwendig ein anderer ist. Sie erläutert keinen einzigen Vers, sondern tut so, als wäre ein Gedicht halt ein Gedicht und Bei Daos Werk Teil einer jedermann zugänglichen lingua franca der modernen Poesie. Das aber ist schlichtweg falsch.  / Manfred Papst, NZZ 19. Juni 2001

Bei Dao: Post Bellum. Gedichte. Deutsch von Wolfgang Kubin. Hanser-Verlag, München 2001. 85 S., Fr. 26.30.

„Ich sage dir, Welt, / Ich – glaube – nicht!“

Bei Dao ist einer der wichtigsten Vertreter der „obskuren“ oder „hermetischen“ Lyrik, die gerade in dieser Zeit des vorsichtigen Aufbruchs entstand. Infolge der geistigen Isolation während der Kulturrevolution, die die Sprache für eine einseitige Parteipropaganda völlig vereinnahmt hatte, gab es nur noch verbrauchte, verbogene, geschändete Worte, die nicht mehr tauglich für die Poesie waren. Harmlose Naturbegriffe wurden in der Nachkriegsära mit anderen Bedeutungen versehen, Sonne verkam zu einer Metapher für Macht oder Mao, Meer für Gewalt, Partei oder Massen. Unter diesen Sprachmasken begann sich nun eine individuelle Kraft zu regen, die versuchte, die Kodierung aufzusprengen, zu entideologisieren und die Sprache wieder einer ursprünglichen Poesie zuzuführen.

Die hermetische Lyrik wurde deshalb von Anfang an mehr unter einem politischen denn ästhetischen Aspekt verfasst. Das für sie charakteristische Auflösen von eindeutigen Bezügen, das scheinbar beziehungslose Kombinieren von Dingen, die Verwirrung von Raum und Zeit, das – das alles diente weitgehend dazu, dem Dichter, der immer auch gleichzeitig für seine Generation sprach, Freiräume innerhalb politisch zementierter Verhältnisse zu schaffen und Dinge, die direkt nicht ausgesprochen werden durften, auf anderem Wege zu übermitteln. Und gleichzeitig konnte so die Sprache befreit und ihre Substanz reanimiert werden. Im Gedicht „Die Antwort“, dem wohl berühmtesten dieser literarischen Strömung, schrieb Bei Dao: „Ich sage dir, Welt, / Ich – glaube – nicht!“ /Cornelia Jentzsch, Berliner Zeitung 16.6.01

Erzpoet

Chagall , der «Erzpoet des 20. Jahrhunderts», wie der Kunsthistoriker Wieland Schmied ihn nannte, war nicht nur Mythenerzähler mit Pinsel und Radiernadel. Er war auch Lyriker. Von den Gedichten, die er in französischer Sprache schrieb, ist wenig bekannt. Ihr Klang lässt sich jedoch in den Farben ahnen, die er den Holzschnitten des Zyklus «Poèmes» gab. Die Drucke zeigen ihn als Dichter am Schreibtisch («Seul est mien») und als Poet der Farben und Formen. Die Leinwand stellte er in den Mittelpunkt seiner Arbeit. / St. Galler Tagblatt 15.6.01

Ordnung & Chaos

Es ist schon seltsam, dass einer ein Ordnungsfanatiker sein und gleichzeitig im Chaos untergehen kann. Aber bei dem Lyriker Ernst Jandl (1925-2000) hatte das seine eigene Logik.

Das Leben wenigstens „auf kleinen Sprachinseln“ zu verarbeiten, zu ordnen: dies müsse wohl Jandls schöpferischer Impuls bei seinen mehr als 2500 Gedichten gewesen sein. Im übrigen hat Ernst Jandl sein Ordnungsproblem ganz praktisch gelöst: als die erste Wohnung mit Zetteln, Ordnern, Bücher und Notizen so vollgestopft war, dass man sich nicht mehr darin bewegen konnte, ließ er alles stehen und liegen, schloss die Tür ab und zog um. Kurz vor seinem Tode hatte er gerade die dritte Wohnung bezogen. Und so ist Ernst Jandl wohl zur Lebensaufgabe für seinen Lektor und Biografen geworden. / Main-Rheiner Allgemeine Zeitung 15.6.01

Geschenk

FAZ )   schenkt uns heute – aber man muß schnell zugreifen – eine gekürzte Fassung der Eröffnungsrede von Charles Simic auf dem Berliner Literaturfestival. Hier 2 Schnipsel:

In den frühen fünfziger Jahren, als ich etwas älter war und in Paris wohnte, klärte mich ein Lehrer prompt über den törichten Fehler meiner Familie auf, Jugoslawien, wo es jedermann so gut ging, verlassen zu haben. Die Auffassung, Intellektuelle seien unabhängig, ist nichts weiter als ein Märchen. Sowenig heute dafür spricht, so wenig stimmte es gestern. Eierköpfe aus aller Herren Ländern sind in der Regel emsig bemüht, den Konformismus salonfähig zu machen. Die abstoßendsten Formen von Unterdrückung in der Sowjetunion, Nazideutschland und jüngst während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien wurden von einigen der größten Geister der Zeit enthusiastisch unterstützt. Die Intellektuellen und Schriftsteller, die sich auf Distanz halten und den Mächtigen die Wahrheit ins Gesicht sagen, waren traurigerweise immer eine kleine Minderheit.

(…)

Das lyrische Gedicht, die Erzählung und der Roman gehen in die Welt hinaus und finden dann und wann wie durch ein Wunder ihre eigene Lesergemeinde. Poesie ist die Verteidigung des Individuellen gegen alle Generalisierungen, die die Wirklichkeit in ein einziges Begriffssystem zu sperren versuchen. Sie ist zutiefst überzeugt von der Möglichkeit, durch die Vorstellungskraft zur Wahrheit zu gelangen. Sie mißtraut Abstraktionen und geht empirisch anhand konkreter Einzelheiten vor. „Der einfache körperliche Akt beim Entkorken einer Weinflasche hat die Menschheit glücklicher gemacht als alle Regierungen der Weltgeschichte zusammengenommen“, wie ein Freund von mir einmal sagte. Möglicherweise hat er übertrieben, aber doch nicht sehr. / FAZ 15.6.01

*) 2001!

Schaut auf diese Stadt

Ein Bericht der FAZ *) vom 13.6. beginnt so:

Lyriker, schaut auf diese Stadt – Das internationale Literaturfestival in Berlin  Für sein Literaturfestival will Berlin andere zahlen lassen

Gute Nachrichten aus Berlin sind eine Seltenheit. In diesen Tagen muß man schon von einer guten Nachricht sprechen, wenn überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts oder noch weniger als nichts, nämlich Schulden. So grenzt es an ein Wunder, wenn am morgigen Donnerstag das 1. Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet wird, eine zehntägige Großveranstaltung mit rund hundert Autoren aus aller Welt. Das vorerst beste daran, zumindest aus Berliner Sicht: Das Ereignis kostet den Landeshaushalt keinen Pfennig, sondern wird durch Mittel der Lotto-Stiftung, die 400 000 Mark aufbringt, und durch eine Vielzahl unterschiedlichster Sponsoren finanziert. Für die nächsten zehn Tage sind Schriftsteller wie Antonio Tabucchi, Tahar Ben Jelloun, Orhan Pamuk, Péter Esterházy, Günter Kunert, Inger Christensen oder Lars Gustafssson angekündigt, vor allem aber viele Namen, die man hierzulande noch kaum vernommen hat.

Soweit FAZ. Ist das auch gut so? (Für FAZ? Berlin? Magenau?) Darüber gibt FAZ-Berichter Jörg Magenau unterschiedliche Auskünfte – teils in Frageform. Zwei Sätze O-Ton:

1. Hat Berlin darunter gelitten, daß die ugandische Lyrikerin Goretti Kyomehundo noch nie in der Stadt auftrat?

2. Ob Berlin ein Ohr für die Autoren hat, die sich jetzt in der Stadt versammeln, steht auf einem anderen Blatt.**)

*) die im übrigen fordert, mit den kostenlosen Angeboten im Netz Schluß zu machen (siehe auch NZZ 15.6.01)
**) Das wolln wir doch hoffen.