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Ein schmales Heft in der renommierten Reihe „Dichtung unserer Zeit“ des Limes Verlags – es war auch der Verlag Gottfried Benns – ist die erste Buchpublikation von gleich zwei jungen Lyrikern des Jahres 1956. Peter Rühmkorf wurde im Verlauf der nächsten Jahrzehnte einer der führenden Autoren der Bundesrepublik, während Werner Riegel noch im Jahr seines Buchdebüts im Alter von nur 32 Jahren starb. Sein schmales Werk beeinflusste dennoch eine ganze Generation von Dichtern. Gemeinsam mit Peter Rühmkorf begründete er die Zeitschrift „Zwischen den Kriegen“ und wurde zu einer wichtigen Stimme der frühen Bundesrepublik. In seinen Gedichten reimt die Muse Kalliope auf sMG (schweres Maschinengewehr), Abenteuer auf Mündungsfeuer, Vers auf Geschlechtsverkehrs und Nausikaas auf Fraß.
Werner Riegel
(* 19. Januar 1925 in Danzig; † 11. Juli 1956 in Hamburg)
Seidiger Mohn und sMG,
Iris und Instinkt,
Wenn eine späte Kalliope
Unsere Story bringt.
Das jadefarbene Abenteuer
Das über uns fließt,
Wenn sich ins Mündungsfeuer
Unsere Seele ergießt.
Den Rauch von Lublin
Im Cerebrum –
Wann vergaßen wir ihn!
Aber der Wind schlägt um.
Was wollt ihr noch wissen?
Es hat keinen Zweck.
Ich reiße von euren fiesen Fressen
die Hoffnung weg.
Der Mond taucht schief
Aus Scheiße und Schund.
Schlürft den Aperitif
Mit schmerzlichem Mund.
Die letzten Fetzen Größe
Treiben an euch vorbei.
Nun tut das Sinngemäße
Und haut euch ins Heu.
Aus: Werner Riegel / Peter Rühmkorf: Heiße Lyrik. Wiesbaden: Limes, 1956 (Dichtung unserer Zeit Heft 6), S. 27
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