Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 11. August 2026 von lyrikzeitung
155 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Was unterwegs verloren geht
Am Ende sind alle müde & zufrieden, heißt es.
Ein wenig wird noch darüber geschwätzt, wie es denn ge=
Wesen wäre, hätte es tatsächlich schon gereicht, sich
Bloß zu bücken, um den entscheidenden Fund zu machen.
In einem Winkel steht ein Hutschpferd, gesprenkelt.
Ein Paar gläserne Schuhe, angefüllt mit alten Münzen, am
Regal, das die Feuchtigkeit ganz leicht verzogen hat.
Die Vagabundin starrt in die Runde. Dann wühlt sie sich durch
Allerhand Taschenkram & findet schließlich den
Violetten Lippenstift. Später wird sie sagen: „Mich flimmert
Das alles an." Ja, solche Fehler machen Freude.
Ein schwarzer Motorradhelm liegt in der Ecke am Boden.
Offenbar gehört er niemandem von den Anwesenden, scheint
Auch nicht wirklich vermißt zu werden. Übermorgen be=
Ginnt der von einigen nur belächelte Schnellkurs in
Handlesekunst. Aber wer weiß, was bis dahin noch passiert.
Aus: Erwin Einzinger, Die virtuelle Forelle. Gedichte. Salzburg und Wien: Jung und Jung, 2011, S. 127
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: österreichische Lyrik, Die virtuelle Forelle, Erinnerung, Erwin Einzinger, Gegenwartslyrik, Jung und Jung, Sprachkunst, Traum, Was unterwegs verloren geht, Zufall
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare