57. Rumänien vorn!

Benn habe Brecht überholt, meldete eine durchaus verdienstvolle Lyrikzeitschrift, die es versteht, jedes neue Heft in die Medien zu bringen (jüngst wegen eines bayrischen Kreuzzugs gegen dieselbe). Ich sage garnichts dagegen, das ist auch eine Kunst. Wie jetzt so damals griffen es Spiegel & Co. auf. (Auch eine sich „jung“ und „frei“ nennende Zeitung, die hämisch getitelt haben soll: „Zwei Faschisten vorn“. Der zweite war Ezra Pound, der die Umfrage nach dem außerdeutschen Dichter gewonnen hatte. „Faschisten“ lassen die sich nicht nennen, aber haben doch ihre Freude dran. Hallo Jungs: tut mir leid, aber die beiden kann ich euch grad nicht überlassen!)

Vielleicht war die Datenbasis jener Lyrikzeitschrift ja zu schmal. Statistiker können das exakt ausrechnen. Seis drum. Auch meine „Umfrage“ ist keineswegs repräsentativ. Seit die Lyrikzeitung ins Bloggen kam, zählt WordPress die Schlagwörter (sie nennen sie „tags“). Seit Sommer 2009 also kam dieses Rangliste zusammen:

Da ich praktisch jede mir vorfallende Nennung des Namens Benn hier vermelde, geht das Rennen hier also anders aus. (Und ich habe nicht 50 oder 70 Leute befragt, sondern 2743 Artikel, wenn ich den vorliegenden nicht mitzähle. Insgesamt 6238 Tags. Das Rennen geht weiter.)

Die „Nationenwertung“ aber geht klar für 1. Rumänien, 2. Schwaben, 3. Österreich aus!

Unter den 10.387 Meldungen des alten Archivs bis Sommer 2009 seit Januar 2001 sieht es übrigens so aus:

  • Benn 110
  • Brecht 64

Sonst, Stichproben:

  • Hölderlin 251
  • Kling 147
  • Mandelstam 77

Also wer da einen Trend sehen will: bittesehr!

3 Comments on “57. Rumänien vorn!

  1. Ich habe die Ausgabe der verdienstvollen Zeitschrift („Das Gedicht“) aus dem Jahr 2000 noch einmal aufgeschlagen und mir nach langer Zeit die beiden Listen der Jahrhundertdichter wieder angesehen.

    Die „Top Ten“ der deutschsprachigen Dichter: 1. Benn, 2. Celan, 3. Brecht, 4. Rilke, 5. Trakl, 6. Bachmann, 7. Jandl, 8. Eich, 9. Mayröcker, 10. Enzensberger. Zusatzzahl: 11. Brinkmann.

    Internationale Dichter: 1. Pound, 2. Apollinaire, 3. Mandelschtam, 4. Christensen, 5. Ungaretti, 6. Neruda, 7. W. C. Williams, 8. Achmatova, 9. Heaney, 10. Eliot. Zusatzzahl: 11. Majakowski.

    Zu den 56 Juroren gehörten unter anderem Hans Bender, Ulrike Draesner, Robert Gernhardt, Dieter M. Gräf, Thomas Kling, Kurt Marti, Friederike Mayröcker, Oskar Pastior, Joachim Sartorius und Lutz Seiler. – Ein Spiel war’s (nicht ohne Aussagekraft).

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