Getagged: Elke Erb

60. Bücherbord

Ab und zu muß man abräumen. Logischerweise von oben nach unten.

  • Paul Bogaert: Der Soft-Slalom, übersetzt von Christian Filips, roughbook 027.
  • Elke Erb, Das Hündle kam weiter auf drein. roughbook 028.
  • Horst Samson: Kein  Schweigen bleibt ungehört. Ludwigsburg: Pop, 2013.
  • Volker Herre: Fragmente. Naturschau mit der Camera Obscura. Walter G. Goes: Gedichte. Stralsund: Edition herre, 2013.
  • Rabindranat Tagore: Stray Birds, Fireflies & other poems. Kolkata: Visva-Bharati, 2011.
  • Sibylla Schwarz: Deutsche Poëtische Gedichte. Illustriert von Ronald Lippok. Berlin: Rothahndruck, 2012.

91. Adonis, Ashbery, Erb

11.-15.6. Poetry International Festival Rotterdamse Schouwburg ”Be on the lookout for world-renowned poets like Adonis  from Syria, John Ashbery from the United States, and German poet Elke Erb, breathtaking poetry from China, our very own Dutch Poet Laureate Anne Vegter, VSB Poetry Prize-winner Ester Naomi Perquin, and much more.”  

118. Zur Diskussion

Laut einem Entwurf zur Geschichte der deutschen Lyrik

ist die Lyrik in der DDR von staatlichen Direktiven umstellt, die moderne Einflüsse als dekadent zurückweist und eine Reorientierung auf die Klassik und sozialkritische Traditionslinien der internationalen Literaturgeschichte umsetzt (Formalismusdebatte, „Forum“-Lyrikdebatte, Lyrikdebatte in „Sinn und Form“) und staatstreue Lyrik mit hohen Auflagen für Gedichtbände fördert bzw. durch das Heftchenformat „Poesiealbum“ und durch Massenveranstaltungen („Lyrikwelle“) popularisiert.

Ich bin kein Anhänger der Theorie, daß nur Beteiligte die Geschichte recht verstehen. Aber man muß auch die Schwierigkeiten einrechnen, aus den Überlieferungen die Geschichte zu verstehen. Das verläuft weder widerspruchs- noch irrtumsfrei, beim Römischen Reich nicht anders als bei der DDR.

Als Beteiligter an der DDR-Lyrik (als engagierter Leser seit meiner späten Schulzeit in den 60ern) muß ich bei solchen Formulierungen doch schlucken. Zweifellos war die Lyrik wie das gesamte öffentliche und private Leben von staatlichen Direktiven umstellt. Wurde staatstreue Lyrik mit hohen Auflagen gefördert. Bei der Formalismusdebatte stimmt es nur zum Teil. Zum anderen war sie der Versuch unabhängiger Marxisten wie Brecht oder Bloch, der quasi offiziellen Lukácsschen Ästhetik eine weniger von Klassik und orthodoxem Realismus bestimmte Haltung entgegenzustellen. Bei den angeführten Lyrikdebatten in Forum und Sinn und Form scheint es mir überhaupt nicht richtig. Die Forumdebatte im Sommer 1966 war ein erfolgreicher Versuch,  nach Veröffentlichung der Anthologie “In diesem besseren Land”, die entgegen der Anmutung des Titels ein Gegenentwurf zur offiziellen Darstellung der DDR-Lyrik war, wofür die Namen der Herausgeber bürgen, Karl Mickel und Adolf Endler, diese neue Perspektive einer jungen Generation zu “popularisieren”. Sie wurde ausgelöst durch ein Gedicht Mickels, das die Zeitung zusammen mit einer Interpretation durch den jungen Literaturwissenschaftler Dieter Schlenstedt abdruckte. Dieses Gedicht – alles andere als klassik- und realismuslastig – wurde kontrovers diskutiert, auch die junge Lyrikerin Elke Erb beteiligte sich an der Debatte. Daß sie nach einigen Wochen durch einen “offiziellen” Artikel von Hans Koch abgewürgt wurde, dokumentiert eher, daß sie den Offiziellen nicht genehm war als die oben behauptete Orientierungsfunktion.

Noch stärker gilt das für die Sinn-und-Form-Debatte der frühen 70er Jahre. Auch sie wurde kontrovers geführt, auch sie, in stärkerem Maße, demonstrierte, daß die Orthodoxie die Deutungshoheit verloren hatte. Mit dieser Debatte wurde Adolf Endler zum anerkannt besten Essayisten in Sachen DDR- und Welt-Lyrik im Ländchen. Diese Phase endete mit der Unterschrift Endlers unter den Protest gegen die Ausbürgerung Biermanns 1976.

Die Aussage über die Popularisierung staatstreuer Lyrik gilt nur bedingt für die Lyrikwelle, die ambivalent war, weil eine Reaktion der staatlichen Jugendorganisation FDJ auf das Auftreten neuer Stimmen. Sie versuchte sich an die “Spitze der Bewegung” zu setzen – neben den Guten traten dort zahlreiche medioker-staatsfromme Lyriker auf. So konnte die “Lyrikwelle” abgewürgt werden, aber zugleich hatten sich die neuen Stimmen der bald (im Westen) so genannten “Sächsischen Dichterschule” durchsetzen können. Nicht Helmut Preißler und Uwe Berger, um zwei staatsnahe Lyriker zu nennen, sondern Braun, Mickel, Czechowski, Jentzsch, Greßmann, Endler, Erb, Inge Müller… waren die Namen der maßgeblichen DDR-Lyriker innerhalb und außerhalb des Landes. Ich sehe nicht ein, warum man die verzerrte Sicht der Ideologen nachträglich anerkennen sollte. Viele zeitgenössische Darstellungen im Westen taten das,* man muß es nicht konservieren.

Auch bei der Heftreihe Poesiealbum muß ich widersprechen. Sie erschien seit 1967 im Verlag der FDJ, Neues Leben. Trotz kontinuierlicher Einflußnahme aber war das Heft unter seinen aufeinanderfolgenden Herausgebern Bernd Jentzsch, Richard Pietraß und Dorothea Oehme (die beiden ersten wurden jeweils abgesetzt) alles andere als ein Organ zur Popularisierung des Geschmacks von Hager oder Krenz. Trotz einzelner Zugeständnisse war das eine erstklassige Quelle der deutschen und Weltlyrik, wo bis 1990 monatlich ein Heft für 90 Ostpfennige erschien, in dem nicht nur über hundert Erstveröffentlichungen (von Wulf Kirsten bis Kerstin Hensel, Johannes Jansen, Bernd (Jayne-Ann) Igel oder Kathrin Schmidt) und (oft DDR-Erst-)Veröffentlichungen moderner Weltlyrik von Allen Ginsberg, Octavio Paz, René Char, W.H. Auden, Dylan Thomas, Welimir Chlebnikow, César Vallejo, Julian Przyboś, Arthur Rimbaud, Bob Dylan, Claes Andersson, Jannis Ritsos, Itzik Manger, Charles Bukowski, Anna Achmatowa, Aimé Césaire, Arsenij Tarkowski, Konrad Bayer, Boris Vian…; kurz: diesen Passus bitte unbedingt revidieren!

Ich füge die Selbstbeschreibung des Verlages der neuen Folge bei. Poesiealbum erscheint wieder und veröffentlichte in den letzhten Jahren u.a. Gottfried Benn (Nr. 300), Ezra Pound, Inger Cristensen, Seamus Heaney, Guillaume Apollinaire, Christine Lavant und Elke Erb. Mit heute 4 Euro könnte es für junge Leser immer noch eine Quelle der poetischen Information sein.

*) So wenn das Kapitel über die DDR-Lyrik der 60er Jahre die Überschrift “Phase des entwickelten sozialistischen Gesellschaftssystems” trägt. In: Lermen/Loewen: Lyrik aus der DDR. Paderborn, München, Wien, Zürich: UTB Schoeningh 1987. Ulbrichts und Hagers ideologische Sicht als Rubrik der Lyrikgeschichte, hui! (Sie hätten lieber Endler fragen sollen. Oder mich :D .)

Auf der folgenden Seite finden Sie den Überblick zu der einzigartigen und umfangreichsten deutschsprachigen Lyrik-Reihe*. 1967 in der DDR während einer internationalen Lyrik-Bewegung gegründet**, besteht sie auch nach inzwischen 45 Jahren unverändert weiter und erreichte im Jahr 2012 mit Ausgabe 300 eine beeindruckende Marke.

Jedes Poesiealbum gibt einen Überblick über das (bis Redaktionsschluß zur Verfügung gestandene) Werk des jeweiligen Dichters. Ungeschriebenes Gesetz war und ist, daß jeder Lyriker nur ein Heft erhält, das unter Umständen in einer späteren und erweiterten Form nochmals erscheinen kann, wenn sich das Werk des Autors über die Jahre wesentlich erweitert und verändert hat. Die Kunst dieser Auswahlen ist es, sie treffend für das Oeuvre des jeweiligen Poeten zu gestalten, so daß die Leser einen verläßlichen Überblick zu Anliegen, Art und Charakter der jeweiligen Dichtung erhalten. Quellenangaben ermöglichen bei Bedarf eine weitergehende Vertiefung; somit wirkt das Poesiealbum neben dem unterhaltsamen und bildenden Aspekt für die Leser auch als Werbung für das Gesamtwerk des behandelten Lyrikers.

Früher erschienen die Hefte monatlich, aktuell erscheint das Poesiealbum zweimonatlich. Format, Preis und Gestaltung wurden bei der Gründung durch “kollektive Einzelentscheidungen” sehr bewußt gewählt.
Das Format, auch bei verwandten Abarten anderer Lyrikausgaben gerne übernommen, wurde so festgelegt, daß “das Heft in die Innentasche eines Sakkos paßt, so daß Werktätige [!] es immer bei sich führen können”. Zwar implementiert “Werktätige” die Berufstätigen beiderlei Geschlechts; da Jackett-Träger aber gemeinhin Herren sind, war Lyrik, damals entweder Männerdomäne, oder der Zugang zur Lyrik sollte Männern erleichtert werden. Praktischerweise ist das gewählte Format allerdings auch für die gängigen Damen-Handtaschen ab “medium” passend.

Die Heft-Gestaltung und -Ausführung war nach einigen Tests schnell gefunden; dem Grafik-Altmeister Peter Nagengast gebührt höchste Anerkennung für die einfache und einprägsame Reihengestaltung, die über die Jahrzehnte unverändert beibehalten werden konnte. Auch die schnörkellose und zweckmäßige Typografie von Achim Kollwitz trug wesentlich zur Lesbarkeit und Konstanz der Reihe bei. Die Fertigung in Klammerheftung erfolgte von Heft 1 bis zur Gegenwart mit großem Engagement im Druckhaus Zeitz, das allerdings bis zu seiner Privatisierung 1990 verschiedene Namen und Zugehörigkeiten erdulden mußte. Die Umschlag- wie Papierqualität schwankte früher je nach der Wirtschaftslage, wodurch manchmal auch Lieferverzögerungen entstanden; allerdings berichten Insider auch von einer – auch wegen der Auflagenhöhe von 8. bis 40.000 – zeitweilig eigens hergestellten Papiersorte.
_____________
* soweit unsere Recherchen ergeben haben; ergänzendes oder anderweitiges Wissen wird gerne zur Kenntnis genommen

** wenig wahrscheinlich als Gründungsargument für das Poesiealbum ist das von Kohlhaase festgehaltene Bonmot zur Verklärung von der DDR-Mangelwirtschaft geschuldeten Problemen: “Es gibt wenig Kartoffeln, wir werden große Lyrikdebatten haben”  [Zeitmagazin 7/2012], nicht nur, weil es zumindest Kohl, Karnickel und Kartoffeln immer gab

Der Umfang der Hefte betrug von Anbeginn konstant 32 (+4 Umschlag-) Seiten, wovon nur ausnahmsweise (Lenin-Sonderheft 31 sowie Jubiläumsdoppelhefte 100 und 150 zu Goethe bzw. Schiller) abgewichen wurde.
Die Grafik des Umschlags war schon immer bewußt auffällig und anziehend als gestaltender Faktor der Reihe gewählt, wobei sie zu den Gedichten oder dem Autor einen Bezug darstellt; die Übersicht der folgenden Seiten zeigt deren erstaunliche Vielfalt.
Der “EVP” wurde in der DDR per Direktive von zentraler Stelle festgelegt und sollte – so berichten die Gründer – in etwa so teuer wie ein Brot (das damals 78 oder 93 Pfennige kostete) sein. Tatsächlich erreichte damit die Reihe bei den Lesern den Kult-Status eines “Grund-Nahrungsmittels”. Bis zum Ende der subventionierten Planwirtschaft kurz vor dem Exitus der DDR betrug der Preis unverändert 0,90 Mark, was u.a. zum damaligen Finale der Reihe bei Heft 275 führte. Bemerkenswert, daß vom jetzigen Editor der Reihe dieses Verhältnis mit 4 € auch heute noch bzw. wieder eingehalten wird.

Herausgegeben wurden die Hefte bisher von hervorragenden Kennern der lyrischen Szene, meist selbst erfahrene Lyriker und Nach-Dichter: Bernd Jentzsch als Erfinder und Mitbegründer der Reihe
(bis Heft 122 und 276-278), Richard Pietraß (von Heft 124 bis 148 und 282 bis 303) sowie Dorothea Oehme (Hefte 149 bis 275). Als Editor der Reihe fungierten der Verlag Neues Leben, Berlin – Direktor Rudolf Chowanetz (Hefte 1-275), der BrennGlas Verlag Assenheim – Verleger Prof. Juergen Seuss (276) und aktuell (ab Heft 277) der Märkische Verlag Wilhelmshorst – Verleger Dr. Klaus-Peter Anders.

Wichtiger als diese formalen Merkmale sind jedoch die inhaltlichen Aspekte der Reihe. Sowohl die Autoren- als auch die Gedichtauswahl trafen und treffen kompetente Auswähler, uU. unterstützt durch externe Experten, die neben einer umfassenden Werkkenntnis auch die Strömungen der Zeit sowie die Bedeutung des klassischen Erbes immer als Kriterium ihrer Zusammenstellungen betrachten bzw. betrachtet haben. Damit wuchs die Anerkennung durch die Leser und der beispiellose Erfolg der Reihe. Wegen der Vielfältigkeit der Autoren und Heftinhalte kann es keine allgemeingültige umfassende Ein-schätzung dazu geben; Herbert Kästner schrieb in den “Marginalien”, daß das Poesiealbum in späteren Jahren den Rang erhält, den wir heute etwa der Reihe “Der jüngste Tag” zusprechen. Eine Vielzahl deutschsprachiger Erstveröffentlichungen und über 100 DDR-Erstveröffentlichungen unterstreichen den zwar mutigen aber dennoch gerechtfertigten Vergleich. Über 5 Millionen verbreitete Hefte in 22 Ländern und das überwältigende Echo zur Wiederbelebung der Reihe durch den Märkischen Verlag nebst der damit verbundenen Begeisterung durch alte wie neue Leser sprechen jedoch für sich und das Niveau der Reihe.

Wir würden uns freuen, wenn auch Sie sich von Niveau, Qualität und Vielseitigkeit des Poesiealbums überzeugen ließen; zur Bestellung der aktuellen Hefte geht es hier.
Märkischer Verlag Wilhelmshorst

 

117. Erb-Wiki

Elke Erb hat Wikiartikel auf Deutsch, Russisch und Japanisch. Hier der Anfang des japanischen mit Google-Übersetzung.

エルケ・エルプ

[transkribiert ungefähr: Eruke Erupu] – am Foto erkennen wir sie:

エルケ・エルプ

ウィキポータル 文学 ウィキポータル 文学

エルケ・エルプ: Elke Erb, 1938年2月18日 - )は、ラインバッハドイツ語版)生まれのドイツ作家翻訳家、編集者。

目次

[非表示]

作品と影響 [編集]

エルケ・エルプは、文学研究者エヴァルト・エルプドイツ語版)(1903–1978)の三人娘のひとりで、ウーテ・エルプドイツ語版)の姉。父がラインラントから東ドイツハレに移住し、娘たちはフランケッシェ財団ドイツ語版)に住んだ。1958年から1959年までエルケの農業労働をし、その後、ドイツ学、スラヴ学、歴史と教育学をハレで勉強する。1963年に教育試験に合格し、1965年まで中部ドイツ出版ドイツ語版)で編集者をしていた。

1967年から1978年まではアドルフ・エンドラードイツ語版)と結婚していた。

Elke Erb
Literatur Wiki Portal
Elke Erb (Deutschland: 18. Februar 1938 Elke Erb -)-geboren deutscher Schriftsteller (deutsch) Bach Linie, Übersetzer und Herausgeber.
Inhalt [hide]
Werk und Wirken ein
zwei Werke
3 tribute
4 Auszeichnungen
5 Referenzen
6 Weblinks
Fußnote 7
Werk und Wirken [Bearbeiten]

Alone (deutsche) der drei Töchter (1903-1978), Erb Evu ~ aruto Literaturwissenschaftler, Elke Erb, die Schwester von Ute-Erb (deutsche Version). Mein Vater zog nach Halle in Ost-Deutschland aus Rheinland lebten Töchter in der (deutschen) Furankesshe Foundation. Der landwirtschaftliche Arbeitseinsatz von Elke von 1958 bis 1959, und studierte dann naturwissenschaftlichen Bildung in Halle, Deutschland, Slawistik und Geschichte. Bildung, um die Prüfung im Jahr 1963 passieren, war Redakteur bei der (deutschen) German zentralen Veröffentlichung bis 1965.
Von 1967 bis 1978 verheiratet war und Adolf Endler (deutsche Version).

116. Offener Brief an Ulf Heise

Jan Kuhlbrodt

Leipzig, den 28. März 2013

Offener Brief an den Leipziger Journalisten Ulf Heise anlässlich seines Artikels in der Chemnitzer Tageszeitung Freie Presse vom 16. 02. 2013 (Die Mutter vom Prenzlauer Berg. Die avantgardistische Dichterin: Elke Erb wird 75 Jahre alt)

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/Die-Mutter-vom-Prenzlauer-Berg-artikel8268533.php*

Sehr geehrter Herr Ulf Heise,

wir beide erinnern uns doch ziemlich genau, wie es in unserm Herkunftsland zuging, zumindest tue ich das, weil ich mit beiden Beinen tief im Sozialismus steckte und unter anderem mir folgender Sachverhalt Grund und Anlass war, mich aus dem Schlamm herauszuwühlen: Denunziation und Verunglimpfung gehörten zum politischen Stammvermögen der DDR-Literaturkritk und Kulturpolitik. Gut, Sie sagten mir einmal, dass Sie schon immer kritische Distanz zu wahren wussten. Und vielleicht ist es gerade diese Distanz, die Ihnen verbirgt, dass Sie auf ähnliche Art operieren wie die Lohnautoren im Geschirr der SED.

Was sie nicht kannten, gab es nicht, und was sie nicht verstanden, galt ihnen als Unverständnis. Ihr Unvermögen projizierten sie auf das was sie umgab. Die DDR war es, die die Ausbeutung der Arbeiter auf die Spitze trieb, in den Medien aber wurde berichtet, dass im Westen der Arbeiter ausgepresst würde.

Soviel nur zum Vorgehen der Presse früher, an das mich Ihr Artikel über Elke Erb erinnert. Ich mag hier nicht im Einzelnen richtig stellen, was Sie an Falschem berichten, das ist Sache des kritischen Lesers selbst, nur auf Einzelnes möchte ich aber aufmerksam machen.

Den ersten Absatz Ihres Artikels kann man getrost ignorieren, zumal er sich auf den allgemeinen Kritiker bezieht, den es genau so wenig gibt, wie den allgemeinen Menschen, und was Sie der Kritik unterschieben, ist Ihre persönliche Meinung, die Sie auf diese Weise zu verallgemeinern suchen.

Im Übrigen ging Elke Erbs Band Vexierbild in meiner Klasse, wir waren Abiturienten in Karl-Marx-Stadt, von Hand zu Hand. Es galt uns, wie zum Beispiel Fühmanns Traklausgabe, als Alternative zum staatsgelenkten Deutschunterricht. (Aber das können Sie natürlich nicht wissen.)

Im zweiten Absatz nennen Sie Jandl, Rühm und Artmann, und behaupten, dass Elke Erb deren Experimente auf die Spitze getrieben habe, indem in ihren Gedichten das Erzählen jetzt vollständig wegfalle. Das ist, mit Verlaub, Kokolores. Sie nennen drei Autoren mit völlig unterschiedlichen Ansätzen, die Sie offensichtlich nicht verstehen und deshalb als experimentell bezeichnen, und erklären Elke Erb zur Universalerbin. Was Elke Erb allerdings geerbt hat, Ist Ihr Unverständnis, Herr Heise.

Das letzte Buch, das in Ihrem Artikel angeführt wird, ist von 1995. Sie kennen wahrscheinlich maximal den Titel, oder haben kurz hineingeblättert. Dass danach noch einige Bücher der Autorin erschienen sind, scheint Ihnen entgangen zu sein, und angesichts der Vielfalt des Werkes von Elke Erb von einem Buch als Hauptwerk zu sprechen, zeugt von Unkenntnis, Ignoranz und einem vollkommen rückständigen Literaturverständnis, einem Verständnis, das allerdings meine realismusfixierten Deutschlehrer in den Siebzigern größtenteils teilten. Insofern kann ich Ihren Artikel als Nachricht aus dem Gestern auffassen, in dem Sie allem Anschein nach weiterhin beheimatet sind.

Sie schreiben in ihrem letzten Absatz:

„Die bewusst zur Schau gestellte Außenseiterhaltung trug ihr früh Achtung im Zirkel der literarischen Revoluzzer vom Prenzlauer Berg ein. Bald galt sie in Berlin als “Mutter der Szene”*. …. Neuerdings werden aber Stimmen laut,** die die von ihr entdeckten und geförderten Talente als Vertreter der Pseudomoderne bezeichnen, die im Windschatten der Mauer nach leicht angestaubtem Muster Texte produzierten.“

Genau diese Diffamierungssprache haben Sie, wahrscheinlich unbewusst, von der DDR-Kulturpolitik übernommen. Begriffe wie Revoluzzer, Pseudomoderne, leicht angestaubte Muster, legen jedenfalls die Vermutung nahe, dass Sie eine durchideologisierte Sprache benutzen. Das ist, Herr Heise, für einen Journalisten beschämend.

Dass Sie Elke Erb als Autorin nicht schätzen, ist Ihre Sache, Herr Heise, aber einen solchen kenntnisfreien und unsachlichen Artikel zu schreiben, auch noch anlässlich eines 75. Geburtstages, ist für meine Begriffe unverschämt.

Mit besten Grüßen

Jan Kuhlbrodt

Quelle: Postkultur

*) so wie der Hauptfeldwebel (der Spieß) in Hauptfeldwebelsprache die “Mutter der Kompanie” genannt wird

**) Neuerdings. In Sachsen kommt vielleicht alles ein bißchen später an?

(Anm. M.G.)

 

48. Nicht zweideutig

Lieber Ton,

die Doppeldeutigkeit ist nicht vorsätzlich, sondern natürlich, nicht listig. Sie ergibt sich beim Schreiben, in der Schreib-Energie selbst und wirkt miteinander, gleichzeitig. Die Vielfach-Ladung von hält es an ist mir vor Deiner Frage gar nicht aufgefallen. Sie wirkt ja im Text auch nicht preziös, nicht z,B. „zweideutig“, man versteht sie augenblicklich (ehe man sich dessen versieht), wenn man sich nicht daran hindert, nicht wahr?

/ Elke Erb an ihren Übersetzer, mehr

(Hervorhebung aus immer gegebenem Anlaß, M.G. (nach Diktat zurück zur Prüfung eilend)

15. Poesie und Begriff

Gesprächsreihe ‘Poesie und Begriff’ (Organisation: Armen Avanessian, Anke Hennig und Steffen Popp)

9.2.2013

Elke Erb
Die Selbständigkeit und Eigenständigkeit des Gedichts
Ein Gespräch mit Steffen Popp

18:00 MERVE, CRELLESTRASSE 22, 10827 BERLIN

An vier verschiedenen poetischen Texten wird der Werkstattprozess von jeweils der Ursprungsnotiz bis zum fertigen Text grundsätzlich vorgeführt und auf für die Poetik der Texte maßgebliche Aspekte hin untersucht. Dabei interessiert auch die Frage, inwieweit die von der Autorin im Verlauf dieser Prozesse getroffenen Entscheidungen für die Anwesenden einsichtig sind, sie bezüglich der dargestellten Schreibsituationen als kontingent oder unausweichlich empfunden werden.

Elke Erb *1938 in Scherbach (Eifel), 1949 Übersiedlung nach Halle (DDR), lebt in Berlin. Ihr Werk umfasst Lyrik, Kurzprosa und prozessuale Texte, sowie Übersetzungen, Nachdichtungen und Herausgaben. Gedichtbände (Auswahl): Vexierbild (Aufbau 1983), Kastanienallee (ebd. 1987), Winkelzüge oder Nicht vermutete, aufschlußreiche Verhältnisse (Galrev 1991), Mensch sein, nicht (Engeler 1998), Sachverstand (ebd. 2000), Gänsesommer (ebd. 2005), Sonanz (ebd. 2008). Zuletzt erschien der Gedichtband Meins (roughbooks 2010).

86. Elke Erb erhält Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2013

Die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb wird dieses Jahr mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik ausgezeichnet. Wie Kulturministerin Claudia Schmied heute, Donnerstag, in einer Aussendung mitteilte, wird die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung der Autorin am 15. Juni im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage in Neuberg an der Mürz überreicht.

Für Schmied gehört Erb “seit geraumer Zeit zu den bedeutenden Stimmen der deutschsprachigen Lyrik. Ihre Texte fordern uns dazu auf, uns vorbehaltlos zu öffnen und uns auf ihre sensible, ästhetische, souveräne, oft mehrdeutige Sprache einzulassen.” Der Preis wird Erb für ihr lyrisches Gesamtwerk verliehen, mit dem sie “uns die unendliche Vielfalt von Welt und Sprache” vermittle, so die Ministerin weiter. Die Jury bezeichnete Erbs Lyrik als “ein Schreiben an der Welt entlang, ein offener Prozess, in dem die Formen der Wahrnehmung ebenso überprüft werden wie ihre sprachlichen Mittel”.

Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und studierte in Halle Germanistik, Slawistik, Geschichte und Pädagogik. Nach ihrem Lehrerexamen arbeitete sie beim Mitteldeutschen Verlag als Lektorin und ab 1966 als freiberufliche Autorin. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen von Kurzprosa, Lyrik und prozessualen Texten machte sich Erb auch als Übersetzerin und Nachdichterin russischer Poesie einen Namen. Seit dem Mai des Vorjahres ist sie auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik wurde nach dem Tod des Autors und Dichters im Jahr 2000 initiiert und wird seit 2001 im Zweijahresrhythmus vergeben. Die Auswahl trifft eine fünfköpfige Fachjury, der aktuell Paul Jandl, Alfred Kolleritsch, Friederike Mayröcker, Thomas Poiss und Klaus Reichert angehören. Vor zwei Jahren ging der Preis an Peter Waterhouse.

84. Dichter

Hölderlin schrieb in den letzten Jahren an seine Mutter
in sehr respektvollem Ton, mit den als Kind gelernten Formulierungen,
und bat nur um Unterhosen, um ein Paar schlecht geflickter Socken, um kleine und offensichtliche Dinge
wie diejenigen Rimbauds in Abessinien oder im Krankenhaus – Que je suis doncs devenu malheureux!
und so enden die Dichter; verletzt, für nichtig erklärt, Lebend-Tote, und deshalb nennen wir sie Dichter

Pere Gimferrer: Die Spiegel. Der öde Raum. Gedichte. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Katalanischen von Àxel Sanjosé. München: Hanser 2007 (Edition Lyrik Kabinett Bd. 7), S. 7/9.

Die Dichter wohnen in den Jahrhunderten

Die Dichter wohnen in den Jahrhunderten, 
Dieser in jenem, jener in diesem, einer lappt über, 
Der andere mittendrin wie der andere, der auch mittendrin wohnt.
Schön und gut. Endler erstreckt sich von 30 bis 90 in seinem. 
Sonst wohnen auch die Dichter in Wohnungen wie dieser, 
Die z. B. der Endler besitzt, Quartierchen fünfter Stock, 
Badlos, Hinterhaus, Außenklo, aber mit Sonne. 
Wenn der Dichter Endler seinen Kopf zum Fenster rausstreckt, 
Sieht er nach, ob die Müllkübel leer sind. 

Elke Erb: Einer schreit: Nicht! Geschichten und Gedichte. Berlin: Wagenbach 1976 (Wagenbach Quartheft), S. 20.

53. Sonanz

Kollegialer Gruß über den großen Teich:

Elke Erb

Für sich sein (Studie)

Ein junger Amerikaner, schmal, sensibel, G.I.
(nach den Kriegen, großen Kriegen. Ausdehnungen
dieses Krieges,

nach den großen sich leerenden Dimensionen)
(Stiefel, freilich, unterwegs Stiefel, neben einem stehend,
Pause, Wiese).

Aber hier für sich sein, Mansarde Einfamilienhaus Ausland,
und die Dose aufziehn, löffeln die süße Kondensmilch,
schmökernd.
Die blassen Fensterle-Kreuze, Kieshof, Kastanienblüte.
Wegen der Blütenkaskaden ein hoher Grad Anwesenheit
der gezimmerten Meinung.
In der Dose unten ausgefällt Kalk, kleinkörnig.
Zarter Abschluß des Zeitteils.

9.7.06

Aus meinem unterschwelligen Bewußtsein trat an die Oberfläche die Vorstellung von Keith Waldrop als amerikanischer Soldat am Kriegsende und behauptete sich auf der letzten Seite meines Buches “Sonanz” (Urs Engeler, 2008).

(Übernahme von Postkultur)