Lyrikzeitung & Poetry News

16. Mai 2012

48. Reina Sofía für Cardenal

Einsortiert unter: Nikaragua, Spanisch — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 19:30

Der 87jährige Dichter Ernesto Cardenal erhält den diesjährigen Premio Reina Sofía (Königin-Sofía-Preis) für Iberoamerikanische Literatur. Der Preis wird seit 21 Jahren vergeben – jetzt zum ersten Mal an einen Nikaraguaner. Er ist mit 42.000 € dotiert und soll das poetische Werk eines lebenden Autors auszeichnen, das durch seinen literarischen Wert eine bedeutende Bereicherung des kulturellen Erbes Lateinamerikas und Spaniens darstellt.

Der Botschafter Spaniens in Nikaragua, León de la Torre Krais, würdigte den berühmten Dichter bei einem intimen Empfang  mit Freunden und Mitgliedern des Internationalen Poesiefestivals Granada (Nikaragua). Cardenal sagte: “Dieser Preis bedeutet mir viel. Ich wurde fast nie ausgezeichnet, der einzige internationale Poesiepreis, den ich erhielt, war der chilenische Pablo-Neruda-Preis, den mir die damalige Präsidentin Michelle Bachelet überreichte”. / El nuevo diario

24. April 2012

89. Berenberg Verlag startet Lyrik-Reihe

Im August 2012 erscheint im Berliner Berenberg Verlag erstmals Lyrik. Die zweisprachige Reihe wird mit Gedichten des US-Amerikaners Jeffrey Yang und des Argentiniers Sergio Raimondi eröffnet.

„Ein angelsächsischer Verleger hat mal gesagt, ein Verlag, in dem noch nie Gedichte veröffentlicht wurden, sei eigentlich gar keiner. Den Berenberg Verlag gibt es nun schon seit fast acht Jahren. Damit er endlich auch als Verlag bezeichnet werden kann, erscheinen bei uns im Herbst zum ersten Mal zwei Bände mit Gedichten“, begründet Verleger Heinrich von Berenberg die Ergänzung des bisherigen Programms. Künftig wird pro Halbjahr ein Lyrikband in neuem Format, jedoch in gewohnt hochwertiger Ausstattung erscheinen.

Der New Yorker Dichter Jeffrey Yang buchstabiert in seinem Debüt „Ein Aquarium“ ein maritimes Alphabet. Vom Meer aus betrachtet Yang die Welt, den Menschen und seine Kulturen, Wissenschaften, Geschichten, Poesien und Religionen. „Jeffrey Yangs funkelnde Unterwasser-Revue ist das aufregendste Debüt seit Jahren“, kommentiert Eliot Weinberger. Yang ist auch als Übersetzer, u.a. von Liu Xiaobo und Bei Dao, und als Lektor bei New Directions und NYRB Classics tätig. Beatrice Faßbender hat „Ein Aquarium“ übersetzt. Im November 2012 geht Jeffrey Yang in Deutschland auf Lesereise.

Der argentinische Schriftsteller Sergio Raimondi macht in „Für ein kommentiertes Wörterbuch“ den Hafen der argentinischen Stadt Bahía Blanca zum Ausgangspunkt seiner lyrischen Erkundung der Welt. Der Hafen leiht seinen Beobachtungen und Überlegungen den Rahmen und die Motive. In einem Wörterbuch beseelter Technik und bedrohter Natur stellt sich Raimondi die Frage, wie und warum der Mensch in diesen Zeiten lebt oder leben könnte. Timo Berger hat Raimondis Gedichte ins Deutsche übertragen.

Der Berenberg Verlag wurde 2004 von Petra und Heinrich von Berenberg gegründet. Schwerpunkte des Verlages sind biographische und autobiographische Literatur und Essays sowie Bücher zur Zeitgeschichte. Seit Herbst 2010 erscheint im Verlag auch Belletristik. Im selben Jahr wurde Heinrich von Berenberg mit dem Karl-Heinz Zillmer-Preis der Hamburgischen Kulturstiftung für verdienstvolles verlegerisches Handeln ausgezeichnet.

Berenberg Verlag
www.berenberg-verlag.de

 

19. April 2012

70. ALBA erscheint

Wir erwarten Euch diesen
Freitag, 20. April, um 19.30

Café Commune, Reichenberger Straße 157, Berlin

Wir stellen die erste Nummer der deutsch-lateinamerikanischen Literaturzeitschrift vor!

Mit Julián Herbert u.a.

Musik: Nico Miquea, Martin Goldenbaum, Zé Berlin

Der Eintritt ist frei.

Flyer auf facebook.com/revista.alba

***

Erstes Heft mit Texten u.a. von Alonso Cueto, Julián Herbert, Jorge Kanese, Mariana Mariasch, Horacio Castellanos Moya, Víctor Montoya, Lina Meruane, Cristina Peri Rossi, Fernanda Trías, Raúl Zurita sowie einem Dossier zu zeitgenössischer Lyrik aus Kolumbien.

Preis: 6,80€

Herausgeber/Redaktion: Timo Berger, Rike Bolte, Jorge J. Locane, Léonce W. Lupette, Julieta Mortati, María Ignacia Schulz, Karina Theurer, Claudia Wente, Association Alba Culture Hispano-Américaine à Paris.

11. April 2012

37. Weiße Reiher

Einsortiert unter: Englisch, St. Lucia — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 20:32

Als Derek Walcott 1992 den Nobelpreis erhielt, hörten viele Leser seinen Namen zum ersten Mal. Jetzt wurde der Dichter aus der Karibik mit dem höchsten Lyrik-Preis ausgezeichnet, den Großbritannien zu vergeben hat: Den T.S.Eliot-Prize erhielt er für den Gedichtband “Weiße Reiher”.* / DLR

Derek Walcott: “Weiße Reiher, Gedichte”
Deutsch von Werner von Koppenfels
Hanser Verlag, München 2012 
183 Seiten, 17,90 Euro

*) Genauer gesagt, wurde der Preis im Januar 2011 für den 2010 erschienenen Gedichtband vergeben. Jetzt erschien die deutsche Ausgabe. Der zitierte Text gehört offenbar nicht zur Rezension von Helmut Böttiger, sondern ist eine redaktionelle Einleitung.

S.a. Julia Zarbach in Falter : Buchbeilage 11/2012 vom 14.3.2012 (Seite 24)

22. März 2012

96. Wunsch zu schreiben

Einsortiert unter: Chile, Spanisch — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 10:04

Der Wunsch zu schreiben verfolgte Rivera Letelier. Er begann mit Lyrik, aber er hütete sich, von seinem Hobby zu sprechen: Gedichte schreiben galt als Beschäftigung für Schwule. Konsequenterweise veröffentlichte er seine Lyrik erst 15 Jahre später, nach dem Ende der Diktatur. 500 Exemplare von “Poemas y Pomadas” ließ er auf eigene Kosten drucken, und er selbst ging von Tür zu Tür, um die Bücher zu verkaufen. / orf

21. März 2012

88. Raúl Zurita in Germersheim übersetzt

Einsortiert unter: Chile, Spanisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 10:32

Der chilenische Dichter Raúl Zurita gehört zu den renommiertesten Vertretern der lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur und ist dennoch in Deutschland bisher wenig bekannt. Nun ist ein neuer Gedichtband erschienen, für den Zurita rund 20 Texte ausgewählt hat, die von Studentinnen und Dozentinnen des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ins Deutsche übersetzt worden sind. / Jura-Forum

Im Mai 2012 wird der Dichter zu einer Lesung aus dem neuen Band „Die Wasserstädte“ in Germersheim erwartet.

Zurita, Raúl: “Las ciudades de agua. Die Wasserstädte”, 2012, (zweisprachige Ausgabe, dt. u. span.), hrsg. v. Liliana Bizama Muñoz, 132 S., ISBN 978-3-86465-008-6

9. März 2012

36. Warnung vor Würfeln

Weltdichtung und Popkultur, Alltag und Archaisches verlaufen ineinander ohne hierarchischen Unterschied. Tarzan im Fernsehen schwingt vorbei an Michel Polnareff und Sinead O’Connor, um bei Elizabeth Bennet aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil” zu landen oder mit polyphonem Handyklingelton unter Wasser im Rhein bei Heine auf der Mailbox („Nach dem Piepton, Loreley, nach dem Piepton”); und das Schokobraun seiner Liane schimmert melancholisch im Nagellack der verflossenen Geliebten wider.

Das „Sashimi”-Lied an einen Sushimeister klingt, als habe sich „Des Knaben Wunderhorn” heute in São Paulos japanischem Stadtteil Liberdade versteckt; und das „Rosa Buch der törichten Herzen” mit ihren Erinnerungen an verflossene Frauen nimmt auch ohne Aphrodites goldene Schalen neben Sappho und Verlaine an einem gemeinsamen Cafétisch Platz, um mit ihnen dadaistisch zu kalauern, dass es Morgenstern und Arp eine Freude wäre.

Selbst Würfelwerfen wird zur Gefahrenquelle im Haushalt: „wissen sie eigentlich, wie viele personen im jahr/durch unfälle mit mallarmé sterben?”  / Florian Borchmeyer, FAZ 7.3. (hier bei buecher.de)

Angélica Freitas
Rilke Shake
Ausgewählte Gedichte. Deutsch – Portugiesisch
Aus dem Portugiesischen von Odile Kennel
luxbooks, Wiesbaden 2011

ISBN-10 393955782 X
ISBN-13 9783939557821

Kartoniert, 132 Seiten, 18,50 EUR

8. März 2012

34. Scanner dichtet mit

Einsortiert unter: Brasilien, Portugiesisch — Schlagworte: , , , , , — lyrikzeitung @ 23:10

„Gegen herzschmerz hilft allein/rilke shake bei facke Ische in44: Nicht auf den ersten Schluck mundet dieser „rilke shake / mit amour&schoko pur*, den Angelica Freitas uns kredenzt – naturgesüßt durch einen Schuss Keats, dazu eine Prise Cantos von Ezra Pound als Geschmack sverstärker und ein „toast ä la blake4* zum Knabbern, das Ganze dekoriert mit den Blütenblättern von Gertru-de Steins „Rose ist eine Rose”.

Aus: FAZ 7.3. S. 28. – Auflösung des Anfangs:

(…) /rilke shake bei fackelschein”:

25. Februar 2012

110. Komplex und flexibel

Einsortiert unter: Kuba, Spanisch, USA — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 11:24

José Kozers Prolog ist eine angemessene Einleitung in diese atemberaubende Serie von 64 Gedichten, die alle den gleichen Titel tragen: “Ein sechzigjähriger Mann schreibt ein Gedicht und nennt es Anima. Tage später schreibt er eins in ähnlichem Ton und nennt es Anima, da bemerkt er, daß er eine Serie von Gedichten angefangen hat, die alle den gleichen Titel haben müssen.” …

In der spanischsprechenden Welt gilt Kozer seit langem als einer der größten kubanischen Dichter seiner Generation. Er veröffebtlichte 52 Bände Lyrik und Prosa und ist der erste lebende Dichter der Diaspora, von dem ein Buch in Kuba veröffentlicht wurde.

Die Schwerverständlichkeit der Gedichte sollte den Leser nicht irritieren. Für Kozer ist schwierige Lyrik anregend: das Gedicht muß für Komplexität offen sein und flexibel genug, sie auch zu artikulieren. Statt einer klar ablesbaren Botschaft ist es ein poetischer Vorgang oder eine Reise durch verschiedene Materialien. Dies bildet die Erfahrung der Anima. Gestatte dir nicht, diese Gedichte für abstrakte symbolistische Sendschreiben zu halten; sie suchen nur die klarsten Details der Bewegung und Unmittelbarkeit der Welt:

Vermeide Aphorismen, Kozer: jedes allgemeine Gesetzt widerspricht sich selbst.
Glück ist Luft Olivenbäume blühendes Zuckerrohr (der Anblick)
Tabak in Blüten  (rauch nicht)
iß einmal am Tag. 

Stuart Cooke, The Australian

Anima
By Jose Kozer
Translated by Peter Boyle
Shearsman Books, 268pp, $35

8. Februar 2012

29. Zu schwarz? Zu kommunistisch?

Einsortiert unter: Frankreich, Französisch, Haiti — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 09:19

Vater und Sohn Duvalier (“Baby Doc” und “Papa Doc”) regierten das Land mit brutalem Terror. Der Schriftsteller Michel Séonnet widmet einem der Opfer der Duvalier-Herrschaft, dem haitianischen Dichter Jacques-Stephen Alexis, eine Hommage: er stellte sein ihm gewidmetes Werk ins Netz, “Jacques-Stephen Alexis, ou Le voyage vers la lune de la belle amour humaine” (Jacques-Stephen Alexis oder Die Reise zum Mond der schönen Menschenliebe), das 1983 erschienen war.

Auf seiner Website schreibt er: “Zu schwarz, Alexis? Zu kommunistisch? Dem politischen Mord folgte eine Art literarisches Vergessen.” / ActuaLitté

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