L&Poe Journal #02 | Betrachtung und Kritik
Gastkommentar von Oliver Tepel (Köln)
Eine neue antisemitische Strategie: Wer vom Holocaust spricht, soll ein Rechtsradikaler sein.
Es klingt unfassbar, war aber das Hauptthema des Kongresses ‚Hijacking Memory“, der kürzlich im Berliner Haus der Kulturen stattfand. Wie kann es zu solchen beklemmenden Thesen kommen? Das was man „Woke“ nennt, jene aktuelle Zusammenfassung der Weltsicht der studentischen Linken, ist keine Theorie und kann auch keine sein, denn sie strebt nicht nach Konsistenz, sondern nach Macht. Sie ist sich gewiss, die Welt zu verbessern, so sind junge Menschen, die mit der Welt hadern, so war man vielleicht selbst. Statt wirklicher Theorie nutzt man heute Sprachspiele: mittels sprachlicher Bilder will man neue Realitäten schaffen. Dennoch bedarf es natürlich der Begriffe. Die begriffliche Idee der Gerechtigkeit der Woken beruht etwa oft auf einer naturalisierten Identität, zum Beispiel dem der Rückgabe von Gebieten, welche die sogenannte „westliche Kultur“ von anderen, als wahrer und reiner und friedfertiger verstandenen Kulturen erobert hat. Tatsächlich ist es gut, wenn sich der Starke fragt, was mit welchen Mitteln erreicht wurde, wer gelitten hat und was an Gutmachung zu tun ist. Selbstkritik ist eine harte Aufgabe und mag auch Verzweiflung, wie den Wunsch, das zu Kritisierende von sich selbst abzugrenzen, mit sich bringen. „Wer war zuerst hier?“, so lautet eine Kernfrage des Wunsches nach Wiedergutmachung. In ihrem Hass auf die Juden kann die Woke Bewegung diese Frage aber nicht stellen, denn die Juden waren nunmal zuerst da, wo der Staat Israel ist. Also assoziieren sie, als Trick, Israel mit „dem Westen“, den die Woken, selbst Kinder des Westens und seiner Idee von Moral und Selbstkritik, ja so zu hassen vorgeben. Doch Selbsthass ist eben auch eine Form der Selbstliebe, der Idee, irgendwas mache man wohl lediglich falsch, da ja die eigene Größe und Gutheit nicht genügend gewürdigt wird. Man muss also besser werden! Aus diesem Denken der Selbstoptimierung und des sie begleitenden Hochmuts entsteht Hass, jener tiefe innere Ansporn der ganzen, ach so friedfertigen Woken. Bessere Menschen sein, schlechtere Menschen massregeln. Sie verstehen ihre Aggression hinter einer pädagogisierten Sprache zu verstecken. Just hier findet sich das Zentrum des Hasses der Woke-Genannten, denn hier funktioniert, was stets im Antisemitismus funktioniert: die Konstruktion des „Anderen“: die Juden sind wie wir (der Westen), aber sie sind auch anders (eben Juden). So werden sie zu dem Feind per se, ausgegrenzt aus dem Bereich der Selbstliebe. Jene benannte intellektuelle und moralistische Linke hasst die Juden so sehr, daß sie nun versucht, jede Erinnerung an den Holocaust mit dem, was sie „die Rechten“ nennen, in Verbindung zu bringen. Dieser Strategie war der Kongress „Hijacking Memory“ gewidmet. Sein Ziel: wer an den Holocaust erinnert, soll als Nazi gelten. Das gleicht Putins sprachlicher Strategie in seinem Eroberungskrieg gegen die Ukraine, doch es ist sogar in diesem Vergleich noch weit abscheulicher und bösartiger, es ist die an verlogener Grausamkeit kaum zu überbietende Idee, die Juden und die Nationalsozialisten hätten gemeinsame Sache gemacht, damit es heute Israel gibt. Die linken Antisemiten müssen solch einen Wahnsinn kolportieren, ihr beschriebener Hass (der die studentische Linke schon zu Zeiten des RAF-Terrors wie auch heute Allianzen mit jenen im Nahen Osten knüpfen ließ, welche die Juden ebenfalls hassen) treibt sie dazu an. Doch da gibt es eine einfache Tatsache, die zwar ihrer woken Argumentationsweise entspricht, aber dem, was sie erreichen wollen widerspricht: Die Juden waren zuerst da, es ist ihr Land.
Was stimmt: Nationalsozialisten sind in Deutschland weiterhin eine Gefahr für das jüdische Leben, der Anschlag von Halle machte dies wieder erschreckend deutlich. Die woken Intellektuellen werden keine Anschläge verüben, aber sie sind solidarisch mit jenen, welche die Juden aus Israel vertreiben wollen und sie sind mächtig, sie bestimmen medial und zusehends auch politisch, wie Israel wahrgenommen und bewertet wird. Eine große antisemitische Kampagne ist im Gang, bitte seien Sie wachsam, was die Verschiebung von Bewertungen und das finstere Raunen angeht!
Kommentare zum Kongress
der Freitag | Die Welt |
Inua Ellams
FUCK / PERSEUS
Regarding the claim / some women enable sexual predators / consider power structures / consider Mount Olympus / a gleaming symbol / of aspiration / of masculinity / so toxic / when Poseidon raped the mortal maiden Medusa / in Athena’s smaller temple / Athena cursed its defilement / blamed Medusa / turned her scaly-skinned / snaked-headed / of such ugliness / to see her was to freeze the blood / to stone
then Perseus comes along / all swashbuckling bastard / all gleamingshielded schmuck / to slay her / slice her / spear her swirling skull / and all the men cheered / and Poseidon stayed silent / his crime forgotten when Perseus won / And story by story / myth by myth / urban legend by urban legend / locker room talk by locker room talk / men make other men
SCHEISS / PERSEUS
Was die Behauptung angeht / manche Frauen würden Vergewaltiger anziehen / muss man sich nur die Machtstrukturen anschauen / muss man sich nur den Berg Olymp anschauen / ein strahlendes Symbol / des Verlangens / einer Männlichkeit / die so toxisch ist / dass Athena ihren kleineren Tempel verfluchte / nachdem Poseidon dort die schöne Sterbliche Medusa vergewaltigt hatte / Athena fand ihn geschändet / gab Medusa die Schuld / verwandelte sie in ein schuppenhäutiges / schlangenhäuptiges / Scheusal / wer sie erblickte dem erstarrte das Blut / zu Stein
aber dann kam Perseus / ein Abenteurer und Arschloch / ein Schwachkopf mit strahlendem Schild / und schlachtete sie ab / schnetzelte sie / spießte ihren Schädel auf seinen Speer / und alle Männer jubelten / und Poseidon blieb stumm / sein Verbrechen mit Perseus‘ Sieg vergessen / Und Geschichte um Geschichte / Mythos um Mythos / moderne Legende um moderne Legende / Machospruch um Machospruch / machen Männer einander zu Männern

AUS DEM ENGLISCHEN VON FLORIAN WERNER
Aus: Kontinentaldrift. Das schwarze Europa. Hrsg. Fiston Mwanza Mujila. Heidelberg: Wunderhorn / Haus für Poesie, 2021, S. 116f
Jehuda Amichai
(hebräisch יהודה עמיחי; ) (* 3. Mai 1924 in Würzburg; † 22. September 2000 in Jerusalem)
ENDLOSES GEDICHT In einem modernen Museum eine alte Synagoge. In der Synagoge ich. In mir mein Herz. In meinem Herzen ein Museum. In dem Museum eine Synagoge, in ihr ich, in mir mein Herz, in meinem Herzen ein Museum.
Deutsch von Anne Birkenhauer, aus: Jehuda Amichai: Offen Verschlossen Offen. Gedichte. Ausgewählt und m.e. Nachwort von Ariel Hirschfeld. Berlin: Suhrkamp / Jüdischer Verlag, 2019, S. 50
Henri Chopin
(* 18. Juni 1922, heute vor 100 Jahren, in Paris; † 3. Januar 2008 in Dereham, Norfolk)
Seite aus der Notation des Soundpoems sol air (1964). Was wie elektronische Musik klingt (Audio unten), wurde ausschließlich mit der Stimme des Autors auf Magnettonband erzeugt. Es besteht aus den Vokalen und Konsonanten der Worte sol, air und mit dem Mund erzeugten Geräuschen und Atmen.

Damals war alles um Längen hochaufstrebender, reinster, leuchtendster, ahnungsvollster… aber die Banausen waren banausisch, die Stümper frech, und leben konnte man auch damals nicht davon:
Ferdinand von Saar
(* 30. September 1833 in Wien; † 24. Juli 1906 in Wien-Döbling)
Die Lyrik Ob auch ein überkluges Geschlecht Dich belächelt als Unverstand; Ob der banausische Schwarm, Der in den Tempel der Kunst sich drängt, Um bei des Altars heiliger Flamme Mahlzeit zu halten, Dir, weil du den Mann nicht nährst, Hochmüthig den Rücken kehrt, Indeß ein Heer frecher Stümper Dich entweiht zu nichtigem Spiel: Immer und ewig Bleibst du, hochaufstrebende Lyrik, Blüthe und Krone der Dichtkunst. Denn überall sonst befehden sich Stoff und Form, Und der Meister selbst, Der den Zwiespalt zu lösen scheint, In tiefster Brust empfindet er Vor dem beendeten Werk Vorwurfsvollen Mißklang Des Unbewältigten. Du aber, athmend reinster Empfindung Hauch, Folgst in sanften Rhythmen Willig dem Geist Und lenkst ihn zuletzt, Da du Worte hast für das Unsagbare, Siegreich hinan zu ahnungsvollster Erkenntniß. Und wie du der Freude Höhen Als leuchtendste Rose schmückst, Blühst du auch, schwermuthsvoll, Als Passiflore hervor Aus den Abgründen des Lebens.
Quelle:
Ferdinand von Saar: Gedichte, Heidelberg, (2) 1888, S. 105-108.
Permalink:
Ulrich Koch
VOR DEM KRIEG HATTE DIESES GEDICHT ZWEI EINWOHNER Vor dem Krieg hatte dieses Gedicht zwei Einwohner. Jetzt sind es drei. Der Rest ist in die Wälder geflohen, schläft in der Hocke und ernährt sich von den Parasiten in den Kothaufen der Fluchttiere. Wir duschen uns täglich im spärlichen Sonnenlicht, das wässrig durch die zugewachsenen Kronen fällt. Mit ausgeschlagenen Zähnen, Streichhölzern und Spinnfäden stellen wir steinzeitliche Äxte her, mit denen wir auf die Jagd nach langsamen Tieren gehen werden, sobald wir paarweise unter einem Laubblatt schlafen können, und mit dem Gesicht nach unten begraben wir die Toten, ihr Lächeln erinnert uns zu sehr an Kettenspuren. Langsam trocknen die Blutspritzer in unseren Gesichtern. Dein Haar sieht aus wie ein Fleischwolf. Und erst die Schwarzmeerflotte Deiner Fingernägel. Aber endlich treibe ich mein Promotionsvorhaben voran: Warum nur hat bislang niemand vorher über die Kirchenfensterornamentik von Spinnennetzen geschrieben, ohne auf ihre bildliche Ähnlichkeit mit vergeblichen Fertilisierungstechniken in klaren Winternächten zurückzugreifen? Jetzt, spüren wir, ist unsere Zeit gekommen, und wenn sie vorbei ist, kehren wir ins verlassene Gedicht zurück, begraben die tote Sprache und führen einen Feiertag ein, unserem nackten Überleben zum Gedenken: Eine Frau und ein Mann werden zu Freiwilligen gewählt, die Jüngste und der Älteste, sie trägt eine Ledermanschette an der Hand, weil sie den ganzen Tag mit der Etikettiermaschine Preisschilder auf Obst und Gemüse klebt. Er hat seine glücklichsten Tage im Hospiz verbracht. Mit Tassen aus hauchdünnem Porzellan schlagen sie einen hypnotischen Takt, zu dem ein gemischter Chor aus einem Erdloch heraus für die Vögel singt, damit sie wiederfinden ins Gedicht.
(Dieses Gedicht fand ich in einem sozialen Netzwerk und habe es mir vom Autor auserbeten)
Elisabeth Paulsen
(verh. Elisabeth Fuhrmann, Elisabeth Fuhrmann-Paulsen, * 1879; † 1951)
ERKLÄRUNG SIEH, ich bin fremd unter den Menschen. Ungeschickt greife ich Hände und lasse sie wieder los, wenn sie kalt sind. Ich bin gewohnt, mit Wind um die Wette zu laufen, und rauhe Lieder zu dichten, die nichts sind für den Haufen. Wolle du mich nicht richten. Ich bin unbedacht in Worten und Werken, weil ich stark bin und Vorsicht verachte. Wenn du mein Herz wüßtest, das blieb, wie Gott es machte, du hättest mich lieb. —
Aus: Elisabeth Paulsen, Gedichte. Leipzig: Insel, 1913, S. 18
Roland Erb
DICHTERPORTRÄT Ein Zeichner hat ihn so skizziert, da fängt er bei den Hüften an, ein schmaler Leib aus wenig Strichen, die Schultern rund, der Hals steigt daraus auf, das breite Kinn, um das sich eine Binde schlingt breit weiß, und die verhüllt den Mund. Bis dann die Augen und die Nase, das Haar, so spärlich, grau, ihn zeigen wie bekannt. Glutvoll die Augen, dicht die Brauen drüber, doch stets irrt der Blick nach unten ab zur Binde. Die Binde weiß, des Ohnemund, des Sehers? Die Binde, ihm zur Strafe angelegt? Der Zeichner schweigt davon, der Dichter –
Oleksandr Oles' (ukrainisch Олександр Олесь; * 23. November jul. / 5. Dezember 1878 greg. in Bilopillja, Gouvernement Charkow; † 22. Juli 1944 in Prag) Auf der Krym In Wolken liegen stumm die Felsen ... Die Wolken locken leise: Kommt, O Freunde, fliegt mit uns davon, Zu Ländern, frohen, sorglos hellen! In Wolken liegen stumm die Felsen ... Die Wolken flogen still von hinnen ... Und Tränen glänzten silberhell. Und gleichwie Tränen stumm der Fels Ließ Steine bleigrau nieder rinnen. Die Wolken flogen still von hinnen ... 1906
Aus dem Ukrainischen von Mathilde Scharnagl-Sajuk, in: Europa erlesen. Krim. Hrsg. Annette Luisier und Sophie Schudel. Klagenfurt: Wieser, 2010, S. 271
Олександр Олесь В КРИМУ (уривок) Осріблені місяцем гори блищать, Їм кедри і сосни казки шелестять, І дивні пісні їм співають вітри, Що нишком підслухали в моря з гори. Осяяні місяцем, гори блищать, Осріблені місяцем, сосни шумлять, А море і сердиться й лає вітри, Що нишком його підслухають з гори. 1906
Karl Kraus
(* 28. April 1874 in Gitschin / Jičín, Böhmen; † 12. Juni 1936 in Wien)
Literatur Weil er sich nicht geniert hat, glaubt er, er sei ein Genie. Weil er uns nicht amüsiert hat, hält ers für Poesie. Weil er einst onaniert hat, wirds eine Autobiographie.
Aus: Karl Kraus: Gedichte (Schriften, Band 9). Hrsg. Christian Wagenknecht. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1989, S. 387
Dmytro Sahul
(auch Zahul, mit stimmhaftem s; ukrainisch Дмитро́ Ю́рійович Загу́л, * 28. August 1890 in Milijewe bei Wyschnyzja, Bukowina; † Sommer 1944 in einem Gulag-Lager an der Kolyma)
Der Tscheremosch spiegelt die Felsen, die hohen Der Tscheremosch spiegelt die Felsen, die hohen Sie taumeln und stürzen und krachen. Tief ist der Fluß und mit reißenden Wogen Tönt stolz aus der Höhe sein Lachen. Von klein auf war ich Gefährte der Wogen, An ihnen hab Maß ich genommen ... Das Bild des Realen mit ewigen Zielen Ist im Herzen zersplittert, verkommen.
Deutsch von Stefan Simonek, aus: Europa erlesen. Galizien. Hrsg. Stefan Simonek und Alois Woldan. Klagenfurt: Wieser, 1998, S. 121
В дзеркалі Черемшу скелі високії Ломлються. кришуться. б'ються. Хвилі нестримнії річки глибокої З гордощів скель тих сміються. Змалечку ріс я над хвилями смілими. Хвилям подібним зробився... Образ реального з вічними цілями В серці в кусочки розбився.
Urs Engelers Mütze, die Nummer 33 mit Gedichten von Christian Filips, Hugo Ball, Thomas Rosenlöcher, Nils Röller, Konstantin Ames, Michael Spyra, Brigitte Struzyk, Christian Steinbacher, Galal Alahmadi und Lucía Sánchez Saornil.
Hier eins von Konstantin Ames.
Liedmanagement
auch: Nachtbemerkung,
abgeheftigte Perfo
Tag, nützlich wie 1t dt Gedicht
Aasgelber Hefter für sowas aus Perkal.
Glück, Bergaal, Glück ist Pflicht.
Traumausgang. Bäume heute umarmt: 0 (nicht O).
Archimboldo, schau genau hinein in den Lichthof.
Genugtuung. Diese Zeilen zw Badspiegel und dich
Halt flackernden Augs, Metaschlinge, Schmetter (zag)
ling, sag selbst, wer schneidet hier Messer ab?
Ernst Jüngers Insekten
In: Mütze #33, S. 1678
Am 2. Juni starb Hans-Ulrich Prautzsch in Halle (Saale). Geboren ebendort 1955, veröffentlichte Gedichte, visuelle Poesie und Prosa. 1991 bis 2005 edierte er in Halle die uräus-Handpresse. Zum Gedenken zwei seiner Textbilder.


Holger Benkel über Prautzsch
Gewolltes Blauauge
Ein Gedicht der Maya
Aus dem Chilam Balam von Chumayel, einem Konvolut von 107 Seiten, die in der Princeton University Library aufbewahrt werden. Chilam Balam ist seit dem 19. Jahrhundert die übergeordnete Bezeichnung einer Reihe von Texten, die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in Yucatán in der dort gesprochenen Mayathan-Sprache verfasst wurden und in verschiedenen Konvoluten gesammelt sind.
Sie kamen aus dem Osten Sie kamen aus dem Osten, als sie eintrafen. Da begann auch das Christentum. Seine Prophezeiung erfüllt sich im Osten, sagt man. Dies ist ein Bericht über ihre Taten. ...mit dem wahren Gott, dem wahren Dios begann auch unser Elend. Es war der Beginn von Tributzahlungen, der Beginn von Kirchenabgaben der Beginn von Zwietracht mit Taschendiebstahl, der Beginn von Zwietracht mit Feuerbüchsen, der Beginn von Zwietracht durch Herumtrampeln auf Menschen, der Beginn von Raub und Gewalt, der Beginn von erzwungenen Schulden, der Beginn von Schulden, eingetrieben durch falsche Zeugnisse, der Beginn von Zwietracht zwischen den einzelnen, ein Beginn der Schikanen, ein Beginn von Raub und Gewalt.
Aus: Der Gesang des Schwarzen Bären. Lieder und Gedichte der Indianer. Hrsg. Werner Arens und Hans-Martin Braun. München: C.H. Beck, 1992, S. 147/149
Heute vor 15 Jahren starb Michael Hamburger
(* 22. März 1924 in Berlin-Charlottenburg; † 7. Juni 2007 in Middleton, Suffolk, England)
Dying So that's what it's like: hearing them talk still In a whisper, and letting your love pick up Crumbs in response from the bare table Till – there are crumbs left, things to be said And their voices are audible still and their faces Clearer than ever – another need Orders withdrawal, silence. A bad joke, you think, this pretending not to be there And are gone, where they will follow. Going, have punctured the bubble, time. So that your wide-open eyes insist: Speak louder, my near ones, laugh, and rejoice.
Michael Hamburger / Peter Waterhouse Sterben So also ist das: man hört sie noch sprechen Flüsternd, läßt Liebe zur Antwort Vom leeren Tisch Brosamen sammeln Bis – es sind da Brosamen noch, Dinge zu sagen Und ihre Stimmen sind immer noch hörbar und die Gesichter Klarer denn je – ein anderer Anspruch Rückzug befiehlt, Stille. Ein böser Scherz, glaubst du, dieses Spiel, nicht mehr dazusein Und fort bist du, wohin man dir folgen wird. Im Gehen hast du den Zeitball durchstochen So daß deine weit offenen Augen bestehen: Sprecht lauter, ihr Nahen, lacht, und frohlockt.
Aus: So also ist das. So that’s what it’s like. Eine zweisprachige Anthologie britischer Gegenwartslyrik. Hrsg. Wolfgang Görtschacher u. Ludwig Laher. Innsbruck: Haymon, 2002, S. 104f
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