23. Meine Anthologie 51: Manfred Peter Hein, Musikdampfer

MUSIKDAMPFER

Das ist erstaunlich
diese Träume
dies Bild
dies Ende

Gips an den Augenrändern
Sinter, Schaum: Sieben Tage geleichtert die Woche
vor einem herrenlosen Brett
mitten im ultramarinblauen Meer

das in Visionen spielt:

Schmetterlingen wie Bücher
Steinen wie Kreise
Häusern wie Fenster und Türen

wo die Schwedin zu ihrem Deutschen sagt:
Und wieder geht ein schöner Tag…
Und er: Meine Liebe Mon amour

Wo ist der Sinn der nicht Unsinn verbreitet

und hat es Sinn danach zu fragen

Warum eine Woche mit sieben Köpfen aus Gischt, Gips
warum nicht das Meer
warm ist das Meer eine schlechte Vokabel

Mit schäumenden Augenrändern Warum?

Die letzte Pier meiner traumverlorenen Kindheit heißt
Wabern Zennern Fritzlar
Ungedanken Wega
Bad Wildungen Böhne
sinnlos und ohne Zusammenhang

wie sieben Köpfe aus Gips
wie eine Woche auf einem Dampfer aus Musik
im ultramarinblauen…

Dies Bild ist erstaunlich

dies Bild ohne Ende:

Tango ein Käse aus Dänemark
Alice kommt   kommt ata-neu
bestimmt für die Sonnenstunden des Lebens
Und soviel wieviel Frauen!
Und eins und zwei mein Freund kommt mit
Euer Sandmann wünscht euch
eine recht gute Nacht!

Diese Dunkel Rote Flamme
Im Zeichen des roten Oktober
trifft die Flamme der Revolution ein

Dies Bild
diese Träume

dies Ende

Wieder ein schöner Tag…
Mon amour

mitten im ultramarinblauen…

die Häuser wie Fenster und Türen
die Steine wie Kreise
die Schmetterlinge wie Bücher
Ultramarin- Ultramarin-

Blaue Kosmische Senkrechtsonde

Aus: Manfred Peter Hein, Ausgewählte Gedichte 1956-1986. Zürich: Ammann-Verlag 1993, S. 66-69.

Zusatz 2010:

Zuletzt erschien:

Manfred Peter Hein: Im Dunkel unter den Brauen. Gedichte aus der Sammlung Weltrandhin. Mit einem Holzschnitt von Hubert Scheibe. Erstveröffentlichung. Meran: Offizin S, 2009  (Lyrik aus der Offizin S, Heft 12)

Hein in L&Poe:

https://lyrikzeitung.wordpress.com/tag/manfred-peter-hein/

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22. Glühende Verse

Heute in der Lettrétage

Montag, 5. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,-•
Glühende Verse
Matthew Zapruder und Ron Winkler lesen Gedichte und präsentieren die Graphic Novel Der Pyjamaist von Martina Hoffmann

Mit einem freundlichen Augenzwinkern durchstreift der 1967 geborene Matthew Zapruder eine durch die Grausamkeit der Conditio Humana häufig trostlos wirkende Welt. Seine Gedichte sind nie statisch, sie sind auf dem Weg „fortwohin“. Ron Winkler, einer der wichtigsten Vermittler US-amerikanischer Gegenwartsdichtung, hat seine Gedichte übersetzt. Die beiden lesen aus dem bei luxbooks erscheinenden Band ausgewählter Gedichte und präsentieren gemeinsam die auf einem Prosagedicht Zapruders basierende Graphic Novel Der Pyjamaist von Martina Hoffmann.

Matthew Zapruder (*1967) hat bisher die beiden Gedichtbände American Linden (2003) und The Pajamaist (2006) veröffentlicht. Er studierte in Amherst und Berkeley und lehrt heute in Amherst. 2007 wurde er für The Pajamaist mit dem William Carlos Williams Award ausgezeichnet. Er ist Mitgründer und Cheflektor des Independent Verlags Wave Books, der sich auf Lyrik spezialisiert hat, und unter anderem James Tate, Arielle Greenberg und Rachel Zucker verlegt.

Ron Winkler lebt und arbeitet als Lyriker, Übersetzer und Herausgeber in Berlin. Er wurde 1973 in Jena geboren und studierte Gemanistik und Geschichte. Mit seinen Gedichtbänden vereinzelt Passanten (kookbooks, 2004), Fragmentierte Gewässer (Berlin Verlag, 2007) und Frenetische Stille (Berlin Verlag, 2010) sowie durch seine zahlreichen Herausgeberschaften (Schwerkraft, Jung und Jung, 2007; Hermetisch offen, Verlagshaus J. Frank, 2008; Neubuch, yedermann, 2008) hat er sich als einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren deutschen Lyrik ausgewiesen und ist mit Jan Wagner einer der bedeutendsten Vermittler zeitgenössischer deutscher und amerikanischer Lyrik. Zu seinen Auszeichnungen gehören der Leonce-und-Lena-Preis (2005) und der Mondseer Lyrikpreis (2006).

Martina Hoffmann lebt und arbeitet als freie Graphikerin und Illustratorin in Berlin. Ihre wundervollen Bilderwelten zieren Magazine, Plakate und Platten-Cover. Seit 2005 kreiiert sie Jahr für Jahr den beliebten Mädchenkalender. Ihr Animationsfilm Lotta und der Zauber in der Nacht ist als Buch mit dazugehöriger DVD bei luxbooks 2008 erschienen.

21. Minette a tout

Hier war gelegentlich von Körpertexten die Rede. Hier ein Zufallsfund, der die Körperteile einer gewissen Minette betrifft, von Kopf bis Leber (zugleich ein Kommentar zur Abstimmung in Bayern gestern, oder wars Polen? Ach!)

Les aventures de Minette Accentiévitch du serbe Vladan Matijevic, premier roman érotique publié chez Les Allusifs en 2007 Mehr

20. „Die ganze Zeit”

Egger schreibt ganz im Sinne Queneaus und Pastiors, wenn er in seinem neuen und üppig ausgestatteten Buch „Die ganze Zeit” auf 740 Seiten wenig Literatur im herkömmlichen Sinn, dafür aber Übungen zum Gebrauch von Literatur liefert. Es ist der Leser, der wie ein Hauer im Buchbergwerk „elfunddreißig Ichs” und Stabreime aufspüren muss. Es ist harte Arbeit, dieses lesende Stolpern: „Kolosse fiebern und schockern über die holprigen Bodenwellen.”

Musikalischer Rhythmus hilft wieder auf die Beine. „Ich wittere Blut, warmes Fleisch verheißt es. Zum ersten Mal aber tauchten Windgespenster auf, die hier, in üppigen Matten, zu Tausenden die Luft beeggten, Wespen: so langsam steifen die Branten vor.” Als Kommentar steht am Seitenrand: „Harter Regen / und Schneefall, / und der Weg / war klebrig.” Auch das ist Lesestoff für 190258751 Jahre, „die ganze Zeit” eben. / Peter Angerer, tt.com

Oswald Egger. Die ganze Zeit. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2010. 740 Seiten, 46,10 Euro.

19. „Die Sprache ist als Poesie erfunden worden“

Wilhelm Fink schreibt:

Die Geschichte, der Text, die story, ist immer besser als jede Notiz, als jeder Brief, jeder Essay. In der Erzählung lebt ein Stück Welt, in der story bleibt ein Stück von dir. Proust bemerkte sogar, dass er sich selbst gar nicht mehr unmittelbar erlebte, sondern dass „es“ ihm aus seiner Literatur entgegentrat.

Karl Kraus: Künstler ist einer, der aus einer Lösung ein Rätsel macht. – – Belächelte Realität: Das Wirkliche wirkt ja überhaupt immer leicht aufdringlich. Robert Walser.

Unterbewußtes, Träume: Hellsichtig spürte Jean Paul, dass die Beiligung des Ich an Träumen stärker ist als an Wachuzuständen. Dem Traum-Denken räumt er entscheidende Bedeutung ein. Weg vom Realismus: Die Poesie soll überhaupt nicht den Frühling mühsam aus Scholllen und Stämmen hervorpressen. – – Wirklich ist das Erinnerte: Die Erinnerung erzeugt das wesentlich Wirkliche. Der Traum führt auch zur Kindheit zurück. Alles kann nur von neuem erlebt werden durch die Sensibiltät der Person, die wir damals waren. Schriftsteller sind Kinder und Träumer mit dem magischen Weltbesitz. Poesie als letztes Mundstück: – – Die Sprache ist als Poesie erfunden worden, zusammen und mit den Schritten, den Schwüngen und Sprüngen des Tanzes.

Thomas Mann an der Ostsee: „Ich ließ mich bereden, meine Schreiberei an den Strand zu verlegen. Ich rückte den Sitzkorb nah an den Saum des Wassers, das voll von Badenden war, und so, auf den den Knien kritzelnd, den offenen Horizont vor Augen, der immerfort von Wandelnden überschnitten wurde, mitten unter genießenden Menschen, besucht von nackten Kindern, die nach meinen Bleistiften griffen, ließ ich es geschehen, dass mir aus der Anekdote die Fabel, aus dem Privaten das Ethisch-Symbolische unversehens erwuchs, – während immerfort ein glückliches Staunen darüber mich erfüllte, wie doch das Meer jede menschliche Störung zu absorbieren und in seine geliebte Ungeheuerlichkeit aufzulösen vermag.“

Die Leute, die den Ton angeben, sie wollen uns heiter haben. Aber die Ursachen, heiter und aufgeweckt zu sein, wollen sie uns nicht gestatten. (Robert Walser)

18. Wo die Wahrnehmung der Halluzination weicht

Spiegel verzerren sich, Gesichter verschwimmen, und ganze Welten zerfasern, sobald die Wahrnehmung der Halluzination weicht. Fragil und detailverliebt schildert Marion Poschmann in ihrem neuen Lyrikband „Geistersehen“, wie das Sichtbare in Vorstellung übergeht und die Ränder unserer Wirklichkeit verschwimmen. Wahrheit und Vernunft werden relativ, verblassen im Unkenntlichen. Mal ist es die Autobahnraststätte, ein andermal das Schwimmbecken – all ihre Bilder entführen den Leser in einer geradezu funkelnden und verzaubernden Sprachmelodie vom ursprünglich Gegenständlichen hin zu den Grenzen der Erkenntnis. / Björn Hayer, Die Welt

Marion Poschmann: Geistersehen. Suhrkamp, Berlin. 126 S., 17,80 Euro.

17. Villa-Massimo-Stipendien verliehen

Kulturstaatsminister Bernd Neumann vergab die renommierten Stipendien für Aufenthalte in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo und Casa Baldi sowie für das Deutsche Studienzentrum in Venedig für das Jahr 2011.

Für einen einjährigen Aufenthalt in der Villa Massimo wählte die Villa Massimo-Jury, die sich zusammensetzt aus Fachleuten der Sparten Bildende Kunst, Architektur, Literatur und Musik (Komposition), als Stipendiaten u.a.  aus:

Lutz Seiler, Michendorf, Jan Wagner, Berlin

Für einen dreimonatigen Studienaufenthalt in der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi wurden ausgewählt:

Susanne Heinrich, Berlin, Julia Schoch, Potsdam

Weiter wählte die Villa Massimo-Jury auch die Künstlerstipendiaten des Deutschen Studienzentrums in Venedig für einen zweimonatigen Aufenthalt aus:

Thorsten Palzhoff, Berlin, Ron Winkler, Berlin

Mehr: art-in-berlin

16. „Sinusseite der Gegenwart“

Von der Kritik wurde der Berliner Autor, der in Jena Germanistik und Geschichte studiert hat, bisher wenig beachtet, dabei ist er einer der sprachlich kreativsten Jungautoren. Das Tempo, mit dem er scheinbar unvereinbare Begriffe aus Alltag, Naturwissenschaft, digitaler Technik und Naturphilosophie mit einer Vielzahl origineller Wortschöpfungen nahtlos verbindet, verschlägt manchem die Sprache. Wir sind ja so träge. Was der Leser etwa bei Inger Christensen aus Gewohnheit akzeptiert – die „Geheimnis“-Räume, die Allianz von alltäglicher Beobachtung und Sprachphilosophie, das Mit- und Ineinander gegensätzlicher Bedeutungen und Empfindungen – befremdet bei dem 1973 geborenen Ron Winkler. Dabei bewegt sich sein lyrisches Universum doch nur auf der Höhe der Zeit. Nicht minder als Inger Christensens „Alphabet“ bändelt Winkler mit der Mathematik an. Wo die Dänin aber ein ganzes System wie die Fibonacci-Folge in sprachliche Strukturen umzusetzen sucht, schleudert Winkler eine Fülle mathematischer und geometrischer Begriffe durch die Strudel seiner Verse: „Herbst minus zwei Türme“, „Sinusseite der Gegenwart“, „das Doppelte von Digital“. Scheinbar Unvereinbares setzt Winkler hart und unmittelbar nebeneinander.

/ Dorothea von Törne, Die Welt 3.7.

Frenetische Stille.
Von Ron Winkler. Berlin Verlag, Berlin. 96 S., 16,80 Euro.

15. Gar nicht kuschelig

Einen größeren Gegensatz als den zwischen Ron Winkler und den bedachtsam von Wort zu Wort tastenden Gedichten des 1961 in Karlsruhe geborenen evangelischen Theologen Thomas Weiß kann man sich kaum vorstellen. Gemeinsam ist ihnen nur die Ignoranz durch die Literaturkritik. Natürlich geraten Verse eines praktizierenden Pfarrers aus dem badischen Gaggenau in den Verdacht, reine Verkündigungsliteratur zu sein. Doch von jeglichem Pathos entschlackt und nicht im Geringsten kuschelig nimmt das fünfte Buch des Thomas Weiß Skeptikern den Wind aus den Hohnsegeln. / Dorothea von Törne, Die Welt 3.7.

von weit.
Von Thomas Weiß. Klöpfer & Meyer, Tübingen. 210 S., 18,90 Euro.

14. Der Dichter Adolf Endler

Feature von Barbara Felsmann

„Bis heute weiß keiner so richtig, dass Eddi zumindest für dieses halbe Jahrhundert einer der fünf wichtigsten deutschsprachigen Autoren ist“, sagt Katja Lange-Müller über Adolf Endler. In Düsseldorf geboren und aufgewachsen, übersiedelt er 1955 in die DDR und macht sich als Lyriker, Kritiker, Nachdichter, Essayist und Prosaist einen Namen.

Regie: Beate Rosch
Darsteller: Astrid Meyerfeldt, Robert Gallinowski
Ton: Stephen Erickson
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2005
Länge: 53’59

13. Hans-Jürgen Heise zum 80.

Das Geschenk zu seinem 80. Geburtstag am kommenden Dienstag hat sich Hans-Jürgen Heise sicherheitshalber selbst gemacht: Ein Buch mit 80 knappen Prosa-Texten. Ergänzt durch einen schmalen Band mit neuen Gedichten unter dem viel versprechenden Titel „Brieftauben im Internet“. Er schätze dünne Bücher, sagt der Jubilar, und von wenigen Ausnahmen ab gesehen hat er sich in 60 Dichterjahren an diesen Vorsatz gehalten.

Das Ergebnis ist ein Werk von zwar überschaubarem Umfang, aber ohne eine einzige überflüssige Zeile. Von welchem Literaten lässt sich Ähnliches behaupten? /Erich Maletzke, shz.de

12. Musikalische Poetik

Uraufführung von Mathias Monrad Møller „Walkman“ nach einem Text von Bertram Reinecke am 5.07. um 19.00 Uhr an der Musikhochschule Frankfurt

Am Folgetag Vortrag: „Literaturtheorie der Musik und musikalische Poetik“ Gerade für einen Lyriker kann es verführerisch sein, nach der Nachbarkunst zu schielen. Solch ein Blick birgt aber auch Gefahren: Oft erschöpft er sich in zu kurz greifenden Analogien. Eine andere Verführung besteht darin, ein philosophisches Konzept einfach mit Beispielen aus diesem Felde auszutuschen. Im Gegensatz dazu sollen hier nicht Theorien unterbreitet, sondern Konsequenzen aus der eigenen praktischen Arbeit mit Text, Musik und Musikern gezogen werden. Was tun wir beim Verfassen von Texten und Musik wirklich? Was beim Auffassen und Verstehen eines klanglichen Gebildes?

Datum: 6.7.2010, 18h
Gastvortrag von Bertram Reinecke im Rahmen des Kompositionskolloquiums an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a. M,
Eschersheimer Landstraße 29-39 (U-Bahn Grüneburgweg),
Raum A 205

11. Gras

Die Aura des Rätselhaften, Exorbitanten und Kosmischen, die ihre berühmten Poeme „Det/Das“, „Alphabet“ und den grandiose Sonettenkranz „Das Schmetterlingstal“ umgeben sollte, begann sich hier zu entwickeln: im zweiten Gedichtband „Gras“ aus dem Jahr 1963. Die erstmalige, kongeniale Übertragung des Buchs ins Deutsche durch Hanns Grössel schließt eine empfindliche Lücke, weil „Gras“ einen Wendepunkt im Schaffen der Dichterin markiert. Die Gedichtfolge dokumentiert den Schreibprozess, der die Autorin von knappen Minimalgedichten wie „Liebe“ oder „Sommerkurzes Leben“ zu beweglichen epischen Strukturen führte, wie sie in „Begegnung“ zum ersten Mal auftauchen. Ohne diese Entwicklung wären die späteren Groß- und Systemgedichte nicht denkbar. Alles beginnt mit detailversessenen Naturbeobachtungen, die im Aufsteigen und Verschwinden der Dinge bereits universelle Bewegungen erkennen lassen. / Dorothea von Törne, Die Welt

Gras. Von Inger Christensen. A. d. Dän. v. Hanns Grössel. Kleinheinrich, Münster. 128 S., 25 Euro.

10. Horst Peisker

Ein Mann wie ein Baum. Groß, mehr noch kräftig als dick. Eine tiefe, auch laute Stimme. Das genaue Gegenbild dessen, was sich der empfindsame Zeitgenosse unter einem Dichter vorstellt. Dementsprechend hat er angefangen. „Maniac“ hieß eines seiner ersten Bücher, seinerzeit im März-Verlag von Jörg Schröder erschienen. Dieser Verleger attestierte ihm auch eine Nähe zu Bukowski, ohne jede Anleihe; und eine Härte, die R.D. Brinkmann übertreffe.

Die neuen „ausgewählten Gedichte“, viele zu Recht „Balladen“ genannt, spiegeln ein Lebenswerk, knappe fünfzig Jahre. Dazu: eine Entwicklung. Auf den hektischen Aktionismus seines Alter Ego, des jungen „Dillinger“, folgte immer deutlicher erkennbar eine geduldige, manchmal sogar beschauliche Betrachtung. / Martin Lüdke, FR 2.7.

Horst Peisker: Dillingers Blues. Die Balladen. Ausgewählte Gedichte. Verlag G. H. Hofmann, Gemünden am Main 2010, 175 Seiten, 14,80 Euro.

9. Alfred Brendel liest

Seine Pianistenkarriere hat Alfred Brendel (79) im Jahr 2008 aufgegeben, als lesender Dichter macht er weiter. Am Sonntag ist der Ausnahmekünstler im Schloss Ulrichshusen (Müritzkreis) zu erleben, wo er bei den Festspielen Mecklenburg- Vorpommern eigene Gedichte liest. / Ostsee-Zeitung