8. Lied von der Liebe und vom Tod

Man wird das Buch aber auch deswegen mit großem Gewinn lesen, weil sich ‚über das Leben dieses einfachen Liedchens‘, in dem der Ohrenzeuge John Steinbeck den einzigen Beitrag Nazi-Deutschlands zur Kultur der zivilisierten Welt erkennen wollte, eine verdammt ‚gute Geschichte‘ erzählen lässt, wie die Autorin eingangs bemerkt.

Diese Geschichte beginnt mit dem Hamburger Dichter Hans Leip, der die Zeilen dieses Liedes, in denen er, angeblich, die Sehnsuchts-Bilder zweier damaliger Freundinnen (‚Lili‘ und ‚Marleen‘) miteinander verschmolz, schon in einer Berliner Regennacht des Jahres 1915 verfasst haben will, bevor sie dann 1937 von Norbert Schultze, einem recht schmierigen Mitläufer der Nazis, vertont und von der bis dahin nicht so recht erfolgreichen Sängerin Lale Andersen in ihr Programm aufgenommen und schließlich, passenderweise, kurz vor Kriegsausbruch auf Platte aufgenommen wurden. / MANFRED SCHWARZ, SZ 24.6.

ROSA SALA ROSE: Lili Marleen. Die Geschichte eines Liedes von der Liebe und vom Tod. Aus dem Spanischen von Andreas Löhrer. Mit 21 Schwarzweiß-Abbildungen und einer Audio-CD. Dtv, München 2010. 239 S., 20,50 Euro.

7. W.S. Merwin wird 17. Poet Laureate

W.S. Merwin, einer der produktivsten und gefeiertsten Dichter des Landes, wird der 17. Poet Laureate der Vereinigten Staaten. Das Amt wurde 1985 geschaffen und wird von der Library of Congress vergeben, um dichterische Verdienste zu würdigen. Die Amtszeit beträgt üblicherweise ein bis zwei Jahre. / Philip Kennicott, Washington Post 1.7.

6. Buchstabengebirge, Lautmalereien

Texte sind visuelle und akustische Gebilde, die sich zerlegen und neu zusammenfügen lassen. Ein Meister der konkreten Poesie ist Franz Mon. Sein umfassendes Werk präsentiert das Haus Konstruktiv in Zürich.

… Bereits diese Frühwerke verweisen auf Mons später wiederkehrendes zentrales Thema: die Reduktion der Zeichen auf Ideogramme, die wie im Chinesischen für einen bestimmten Begriff stehen.

Ab 1960 entwickelt Mon Collagen, für die er Zeitungen, Illustrierte und Plakate, später auch Stoffreste, Holz und eigene Texte zerlegt, zerreisst oder in einer Wäscheschleuder zerquetscht, um sie wieder zusammenzusetzen. Auch seine neusten, mit dem Computer konzipierten Wortbilder sind in dieser sehr lohnenden Ausstellung zu sehen. Sie wird ergänzt mit zwei Hörspielen und dokumentiert so Mons kreative, grenzensprengende Radikalität, welche der sprachlich objektivierten Wirklichkeit misstraut und den Erfahrungshorizont erweitert. / Dorothee Vögeli, NZZ 1.7.

Zürich, Haus Konstruktiv, bis 1. August.

In L&Poe

  • 2001     Nov     #     Lebenswerk eines Revolutionärs der Poesie ausgezeichnet
  • 2002     Mai     #     Letztes Colloquium
  • 2003     Okt     #     Gerhard Wolf 75
  • 2004     Nov     #22.     Museum der experimentellen Poesie
  • 2005     Aug     #83.     Wolfgang Bauer gestorben
  • 2005     Sep     #48.     Schrift. Zeichen. Geste.
  • 2005     Okt     #2.     Atemlos staunend
  • 2006     Feb     #68.     Aus gegebenem Anlaß
  • 2006     Mai     #17.     Franz Mon wird 80
  • 2008     Mrz     #98.     Erst lesen. Dann schreiben
  • 2008     Mai     #17.     Punk, Politik & Poesie
  • 2008     Aug     #45.     Hundertdrucke
  • 2008     Aug     #106.     28. Erlanger Poetenfest – 28. bis 31. August 2008
  • 2008     Sep     #49.     Erlanger Resumé
  • 2008     Sep     #59.     Schräge Intention
  • 2008     Nov     #48.     Noch ein Vergessener
  • 2009     Mrz     #29.     Jörg Drews gestorben
  • 2009            Jun            #36.            Telefon-Hotline – Bei Anruf Literatur

neu

5. „Kollateralschäden der Befriedigung“

Es entsteht der Eindruck eines Zugleich und Nicht, von Simultanität und Leere, „Frenetischer Stille“. Da ist viel lyrische Diffusion (vielleicht ja und vielleicht nein und wahrscheinlich beides), aber in einer Machart, dass die ausbleibende Befriedigung nach den Kosten (Kollateralschäden) der Befriedigung fragt. Das heißt: keine unmittelbar angenehme, aber gute Lektüre.  / Tobias Roth, Die Berliner Literaturkritik, 21.06.10

WINKLER; RON: Frenetische Stille. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin 2010. 92 Seiten, 18 €.

4. When You’re Strange

Jim Morrison ist, wieder mal, der wilde Schamane des Rock ’n’ Roll, und „you can’t burn out if you’re not on fire” (man kann nicht ausbrennen, wenn man nicht entflammt ist). Das sind so einige der Weisheiten, mit denen die Erzählstimme von Johnny Depp durch den Film führt. Vom Vorleseskript und den mitgelieferten deutschen Untertiteln zu Tom DeCillos „The Doors – When You’re Strange“ sollte man also besser keine großartigen neuen Erkenntnisse erwarten. Wenn es hier Erleuchtungen gibt, dann stecken sie anderswo: im zeitgenössischen, bisher weitgehend unbekannten Originalmaterial, aus dem diese Rock-Doku montiert ist, in den Konzertmitschnitten, in den nach wie vor gewaltigen Songs von Morrison und jener Band, die ihren Namen einem Gedicht von William Blake (und dessen Popularisierung durch Aldous Huxley) verdankte. „Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: unendlich“. Ladies and Gentlemen – The Doors! / Badische Zeitung

„The Doors – When You’re Strange“ (Regie: Tom DeCillo)

Jim Morrison in L&Poe

  • 2001     Mrz     #     Literarische Sterbehilfe oder:
  • 2001     Apr     #     Hannibal Lecter mailed him,
  • 2002     Aug     #     Beat Rules
  • 2007     Mai     #53.     Jim Morrisons Wunsch
  • 2009 Sep 130. Jim Morrison als Dichter

(die älteren Artikel im Archiv)

3. The Poetry of Bees

LONDON EC1: The Poetry of Bees

7pm, Thursday 1st July, 2010
Venue: Gresham College, Barnard’s Inn Hall, Holborn, London EC1
Tickets: Free

Bees have long been recognised as some of the most remarkable creatures on the planet, whose flight, navigation, communication and social organisation provide us with challenges to our anthropocentric views. Especially for this year’s City of Lond Festival, Poet in the City has commissioned five of the UK’s leading poets to write original poems about bees. At this amazing event the poets will be reading their work in public for the first time. With David HarsentJo ShapcottFiona SampsonMatthew WeltonLuke Heeley.

/ poetrylibrary.org

2. Georg-K.-Glaser-Preis für Monika Rinck

Mit Monika Rinck erhält seit langem wieder einmal eine Lyrikerin den Georg-K.-Glaser-Preis. …

Ihr Lyrik-Zyklus trägt den schrägen Titel „Honigprotokolle“ … und beginnt so:
„Hört ihr das, so höhnen Honigprotokolle, in Bernstein und Amber: /
Fürstlich (oder fürchterlich?) paart sich im Dickicht das Wiesel /
mit der Zylinderkopfdichtung, Schläuche, Keilriemen, zuckige Teile. /
Wie flink ist das Wiesel, wie schwer der sehr gebremste Unfallwagen /“ …

2004 nannte Monika Rinck ihren Debüt-Band fast programmatisch „Verzückte Distanzen“. Und damit ist klar: Sie beschäftigt sich damit, dass einen das, was man im Alltag erlebt, oft mehr mitnimmt, als man eingestehen will, und dass ein Erlebnis, und sei es noch so klein, die Welt und das Denken gründlich durcheinanderwirbeln kann. Ihr jüngstes Buch heißt denn auch: „Helle Verwirrung“.

Monika Rinck benutzt alles – Philosophie und Szenesprache, Religion und Popmusik. Was die Moderne hervorbringt, wird von ihr gemixt und neu kombiniert. So entstehen Assoziationsflächen, die den Kopf zum Denken anregen. Drei Gedichtbände hat sie bisher im schönen Verlag „Kookbooks“ untergebracht, jedes ist nach Meinung der Kritiker eine Steigerung. „Wie schön, dass wir eine so überzeugende Preisträgerin haben“, meinte die Jurorin Meike Fessmann, als sie ihr Votum abgab.

/ Alexander Wasner, SWR

http://www.begriffsstudio.de/

1. Leonhard Lorek

Ostberlin in den 1980er Jahren: Im Bezirk Prenzlauer Berg trifft sich die alternative Künstlerszene der Hauptstadt der DDR. Literaten, Musiker, Theaterleute und Bildende Künstler finden sich in subkulturellen Nischen zusammen und suchen nach neuen, experimentellen Ausdrucksformen. Zu den dichtenden Protagonisten der jüngeren Generation zählt neben Johannes Jansen, Bert Papenfuß und Sascha Anderson auch Leonhard Lorek.

1958 im polnischen Zabrze geboren, machte sich Lorek in jenen Tagen (zudem als Mitherausgeber der Untergrund-Zeitschrift „schaden“ sowie als Texter und Musiker von Bands wie „teurer denn je, fett, la deutsche vita“ oder „Deu“t) einen Namen. Ihre Songs nahmen die Bands auf Kassetten auf. Die Zeiten haben sich geändert. Heute ist Lorek 52. Aktuelle Stücke seiner Avantgarde-Popband Mendelsson laufen auf MySpace. Literarische Texte von ihm sind erstmals in einem eigenen Band erschienen: „Daneben liegen“ heißt die Sammlung aus Gedichten und Prosatexten, die der Berliner Verbrecher Verlag im Herbst 2009 veröffentlichte. …

Im Text „Wirtschaft, Tod und zehn Gedichte“, der den Band eröffnet, bekennt Lorek, dass Gedichte für ihn in etwa so zu wirken hätten wie Calgon: Kalk lösend und Verkrustungen aufhebend. Ein Anspruch, der nicht leicht einzulösen ist. Wer sich auf seine Lyrik einlässt, den erwarten vielschichtige Impulse, sich mit Grundfragen der Existenz auseinander zu setzen. / Lutz Steinbrück, Berliner Literaturkritik 28.06.10

LOREK, LEONHARD: Daneben liegen. Verbrecher Verlag, Berlin 2009. 144 S., 19 €.

154. Meine Anthologie 50: Lothar Klünner, Aus dem undurchdringlichen Hell-Dunkel der Poesie…

Aus dem undurchdringlichen Hell-Dunkel der Poesie treten ein paar Linien von eindeutigem, kräftigem Umriß hervor:

brüderliche Existenz im Kreise der Schöpfung;

der Versuch, uns aufzurichten gegen den lastenden Himmel;

der Streit seit je zwischen Leidenschaften und Unschuld;

Abscheu vor der Norm an des Menschen Statt, ihren Machenschaften, ihrer öffentlichen Gewalt;

Trauer über die Not und das Gelächter der Vielen;

Freude auch an der schmerzhaften Wahrheit;

heftige Spiele im Dienste der Schönheit;

wachsender Durst nach Umwälzungen, Verwandlung …

Diese Linien fürs Eigentliche zu nehmen – welch befruchtender Irrtum! Sie sind uns ein Halt. Und doch bloß die Schleppe der Poesie, die unverschleißliche. Nicht ihr aufblitzendes Décolleté.

Keiner, auch nicht der Schatten der Wolkenkinder, berührte jemals ihr Meeres-Auge, ihren Schweige-Mund.

Aus: Lothar Klünner, Diese Nacht aus deinem Fleisch. Gesammelte Gedichte. Berlin: Jeannne-Mammen-Gesellschaft 2000, S. 94.

153. Meine Anthologie 49: Matthias Zarbock, Wiedervereinigung der Texte II: Nietzsche und Bukowski

Matthias Zarbock

„Wiedervereinigung der Texte II:
Nietzsche und Bukowski“

Wir Künstler! – Wenn wir ein Weib lieben, so haben wir leicht einen Haß auf dickarschige Schwestern,
und alle diese kleinarschigen Leute in Shorts, gerne denken wir überhaupt daran vorbei, aber wenn
einmal unsere Seele diese Dinge streift, so zuckt sie ungeduldig und blickt verächtlich nach der Natur
hin.
Da macht man die Ohren zu gegen alle Physiologie und dekretiert für sich insgeheim: „Ich sehe ihre
BEINE! BIS OBEN HIN!“ All das Nylon, die Reizwäsche, Strapse, der ganze Scheiß…“
„Der Mensch unter der Haut“ ist allen Liebenden ein Greuel und Ungedanke, eine Gottes- und
Liebeslästerung. Moses rülpste. Mein Gott, was die Männer alles lernen mußten. Dann ein Meer von
Samen unter ihrem Kinn: aber weil ihm niemand diesen Dienst erweisen konnte, so verhehlte er sich die
Natur und Mechanik, so gut er konnte, und lebte im Traume.
Die meisten von uns waren vor irgend etwas davongelaufen – Wir Künstler! vor Frauen, Rechnungen,
Babys oder anderen Schwierigkeiten, die einem über den Kopf gewachsen waren – wir Nachtwandler des
Tages!

Nietzsche, 1882 und Bukowski, 1972.

Aus:
aktaion . Literatur und Kunst im Net (Matthias Zarbock) [Link von 2000, funktioniert nicht mehr]

Vgl. hier

152. Meine Anthologie 48: Jan Thor, Frühling

Frühling

Müdes schräges Licht
schickt die Sonne durch die Luft,
warm ist es und kühl.
Mädchen tragen dünnen Stoff,
mit Nippeln steif vor Kälte.

Mehr


151. Etwas, das gegen sie steht

Ich glaube Lyrik ist etwas, das man der Alltagssprache abtrotzen muss. Etwas, gegen das die Sprache steht, das sie stört und zerstört, was gleichzeitig aber etwas sehr Menschliches ist. Es erinnert daran, dass es lohnenswert ist, zu schweigen, still zu beobachten, wie sich die Distanz oder Nähe zwischen Namen, Worten und Dingen im Einzelnen gestaltet, die Wärme und Kühle zwischen den Dingen und der Sprache zu verstehen.

/ Der Filmregisseur Semih Kaplanoğlu, Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale 2010, im Gespräch mit Weltexpreß

Titel: Bal – Honig
Land/ Jahr: Türkei 2010
Genre: Drama
Kinostart: 9. September 2010
Regie: SemihKaplanoğlu
Drehbuch: SemihKaplanoğlu, Orcun Köksal
Kamera: Baris Özbicer
Darsteller: Boras Altas, Erdal Besikcioglu, Tülin Özen, Alev Ucarer, Ayse Altay
Filmlänge: 108 Minuten
Verleih: Piffl Medien

150. „Ich weiß nicht, wo ich hingehöre“

In seiner Heimat Bengalen ist Alokeranjan Dasgupta einer der berühmtesten lebenden Dichter. Als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft und Bengalistik lehrte er an der Jadavapur Universität in Kalkutta und hatte bis 1994 eine Gastprofessur am Südasien-Institut der Universität Heidelberg inne. Einen Namen machte sich Dasgupta auch als Übersetzer bengalischer Literatur: Er übersetzte unter anderen Goethe, Hölderlin, Brecht und Grass.

Der Dichter pendelt zwischen zwei Kulturen: Die eine Hälfte des Jahres lebt er in Indien, die andere verbringt er in seiner Wahlheimat an der Bergstraße. „Ich weiß nicht, wo ich hingehöre“, sagt Dasgupta. …

Die meisten seiner Werke verfasst der Lyriker in Bengali, einer rollenden melodischen Sprache, wie das Publikum erfährt, als Dasgupta mehrere Gedichte im Original vorliest. / Weinheimer Nachrichten / Odenwälder Zeitung 29.6.

149. MONEY IS A KIND OF POETRY

Das Bild des armen Poeten ist nicht nur in der Malerei ein Standardmotiv – sondern auch im echten Leben! Es ist klar: Die Dichter (bzw. Philosophen, Literaten) und das Geld führen seit Jahrhunderten eine ebenso lieb- wie hasserfüllte Auseinandersetzung, die andauert. Schätzt du das Geld auch so sehr wie ich? soll Heinrich Böll Hans Werner Richter einmal gefragt haben, um nur ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen. Die nächste Veranstaltung der Datenschreiber-Reihe spürt am 20. Jahrestag der deutsch-deutschen Währungsunion der Frage nach der Poesie des (meistens fehlenden) Geldes nach.

AKTION ALUCHIP: Wer mit einem Original-Geldschein aus der DDR „bezahlt“, erhält freien Eintritt.

Näheres unter www.lettretage.de und www.datenschreiber.net.

Donnerstag, 1. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Datenschreiber: DIE ZETTEL, DIE DIE WELT BEDEUTEN oder MONEY IS A KIND OF POETRY

Es lesen Denis Abrahams und Tom Bresemann
Die Reihe „Datenschreiber“ wurde konzipiert von Philip Maroldt und Moritz Malsch
Verwirklicht mithilfe von Projektmitteln des Berliner Senats

Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.

Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Und welchen Daten schreiben wir uns zu? (Paul Celan)

Geld ist eine Art Poesie, hat Wallace Stevens kurz und knapp konstatiert. Doch was soll das eigentlich heißen? Was macht die Faszination an jenen Zetteln, die die Welt bedeuten, aus? Warum glauben wir wie selbstverständlich, was auf ihnen steht? Welches Bedürfnis (nach Aristoteles) wird abgebildet, wenn sich Gedichte mit Geld befassen? Ausgehend vom eigenen Schreiben hat sich Tom Bresemann auf die Suche begeben, hat Texte von Kollegen aus verschiedenen Jahrhunderten unter die Lupe genommen, und ihnen philosophische Überlegungen seit der Antike anheim gestellt. Gefunden wurde ein dichter als gedacht geknüpftes Motiv-Netz, welches seit über 2000 Jahren die literarische und philosophische Auseinandersetzung mit dem Geld bestimmt bzw. modifiziert. In der Lettrétage wird am 1. Juli 2010 nicht zuletzt anlässlich des 20. Jahrestages der Währungsunion von DDR und BRD vom 1. Juli 1990
gezeigt werden, was über den bloßen Gebrauchs- und Kommunikationswert hinaus das Geld ausmacht. Dazu werden Texte gelesen, unterbrochen von Videoclips mit Zeitzeugenaussagen und -bildern zur Währungsunion.

Die Lettrétage lädt Sie herzlich ein, sich im oben skizzierten Motiv-Netz verfangen zu lassen, frei nach Nicolas Born:
Einmal steht jeder vor der Frage ob er selbst fährt oder sich fahren läßt.

Texte von Aristoteles, Catull, Walter von der Vogelweide, Heinrich von Kleist, Charles Baudelaire, Georg Simmel, Nicolas Born, Daniel Falb und Tom Bresemann.

www.datenschreiber.net

Tom Bresemann, geboren 1978 in Berlin, wo er seither von unter 1000 € monatlich lebt.

Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.

148. Literaturfest in Wangen

Tags darauf versammelten sich dann Autoren und Kritiker zu dem seit 1967 stattfindenden Forum, bei dem ausgewählte Autoren Unveröffentlichtes lesen, über das anschließend die Kollegen und Kritiker diskutieren. …

Bruno Epple las seine „Gedichte zum Auflesen“, das heißt seine in den hiesigen Wörterwiesen aufgelesenen Gedichtfrüchte. So schön wie immer. Die problemabweisende Epple-Schönheit. …

Mit seinen phantasievollen, wissenschaftskritischen Gedichten voller Selbstironie und „Fabulierfreude“ (Eva Berberich), die Grenzen überschreiten, überzeugte der Autor Manfred Gruhler. Für den Verleger Herbert Klöpfer entwickelt sich bei ihm ein „ganz eigener Kosmos“. Durch schöne Bilder erfreute Jürgen-Peter Stössels Lyrik die Kollegenrunde, „Kinderantwort“ hieß eines seiner besonders gewürdigten Gedichte. Befreiend kreativ, irritierend, wurde der Autor Martin Strauß in seiner artistischen Lyrik mit „Antipathos“ empfunden. / Südkurier