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Veröffentlicht am 7. Juli 2010 von lyrikzeitung
DER DICHTER
Einem Dichter müssen spenden
Alle, die sich ihm gesellen,
Daß ihm aus gefüllten Händen
Wiedrum wunderbar entquellen
00Die Gesänge sonder Zahl.
Und er weiß es nicht, von wannen
Ihm die Stimme seltsam tönet,
Doch er kann sie nimmer bannen,
Bis sie sich zum Lied verschönet
00Und sich bildet sonder Qual.
Ewig geht er voller Freuden,
Und der Seele Schmerzen fügen,
Und der Liebe tiefste Leiden
Sich in ihm, auf daß sie trügen
00Ihn in ein erhöhtes Reich.
Keins kann ihn so tief verwunden,
Daß es nicht Genesung trage
In sich schon in schwersten Stunden,
Ewig schwebt des Schicksals Waage
00Ihm mit beiden Schalen gleich.
Und er rastet in den Städten
An der Frommen trautem Herde,
Lächelnd naht er ungebeten,
Doch er weilet ohn Beschwerde,
00Und er schuldet keinen Dank.
Früh des Tages zieht er weiter.
Doch es söhnen gern sich wieder
Aus die lang verhaßten Streiter,
Und es ist, als ob die Lieder
00Um den Herd noch tönen lang.
(Oktober 1906)
Georg Heym: Dichtungen und Schriften. Gesamtausgabe. Hg. Karl Ludwig Schneider. Bd. 1: Lyrik. Hamburg und München: Heinrich Ellermann 1964, S. 630.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Georg Heym, L&Poe-Anthologie, Mea: Poetologisch
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