45. poesiefestival berlin

Das 14. poesiefestival berlin fragt nach den Orten der Dichtkunst, nach der „Heimat Poesie“. Vom 7.-15. Juni 2013 präsentiert die Literaturwerkstatt Berlin in der Akademie der Künste am Hanseatenweg die Bandbreite und Vielseitigkeit internationaler zeitgenössischer Dichtkunst.
Zu Gast sind u.a. Christian Bök (Kanada), Breyten Breytenbach (Südafrika), TJ Dema (Botswana), Oswald Egger (Südtirol), Kosal Khiev (USA/Kambodscha), Ursula Krechel (Deutschland), Ise Lyfe (USA), Nikola Madzirov (Mazedonien), Luis García Montero (Spanien), Don Paterson (UK), Tomaž Šalamun (Slowenien), Ana Tijoux (Chile), Natan Zach (Israel) und Adam Zagajewski (Polen).

Hier das komplette Programm.

Kartenvorverkauf
Vorverkauf in der Akademie der Künste
Tel 030. 200 57-1000/-2000
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten
Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte
Täglich 10:00–19:00
Im Internet unter: www.adk.de oder www.poesiefestival.org

Festivalpass, gültig für alle Veranstaltungen:
60 EUR/40 EUR, erhältlich in der Akademie der Künste.

Ort
(soweit nicht anders angegeben):
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin-Tiergarten
S-Bahn Bellevue / U9 Hansaplatz/ Bus 106

Informationen
Literaturwerkstatt Berlin
Tel 030. 48 52 45 0
www.literaturwerkstatt.org

44. Dichte Gebete

Etwa 50 Tage nach Pessach wird das jüdische Erntedankfest begangen, auch Schawuot genannt. Zur Feier wird ein Gebet auf Aramäisch unter Begleitung einer besonderen Melodie gesprochen, das „Akdamut“.

„Akdamut“ heißt auf Deutsch eigentlich nur „Vorwort“, mit dem man begründet, warum man etwas vortragen möchte. Und die Tradition berichtet gleich von mehreren Gründen, warum der Mainzer Vorbeter Rabbi Meir Ben Jitzhak Nehorai sein Lied verfasst hat. Nach der Legende hatte einst ein Mönch die jüdischen Gemeinden des Rheinlandes mit einem tödlichen Fluch belegt, dem Tausende Menschen in Pogromen zum Opfer fielen und den er nur zurücknehmen wollte, wenn die Juden einen noch mächtigeren Zauberer aufbieten könnten. Rabbi Meir fand diesen Meister im Schattenreich bei den zehn verlorenen Stämmen, und so konnte der teuflische Herausforderer in die Knie gezwungen werden. (…)

Das in Aramäisch verfasste Gedicht besteht aus 90 Versen, die in besonderer Weise gebaut sind und auch dadurch bereits die unbedingte Treue des Autors zu seinem Judentum ausdrücken. Die ersten 44 Verszeilen beginnen je paarweise mit den 22 Buchstaben in der Reihenfolge des hebräischen Alphabetes, also die ersten beiden Verse mit „A“, Verse drei und vier dann mit „B“ und so weiter. Die Anfangsbuchstaben der weiteren 46 Verse bilden dann ein sogenanntes Akrostichon – das ist eine nicht nur in der jüdischen Literatur sehr beliebte Versform, bei der die von oben nach unten gelesenen Anfangsbuchstaben der einzelnen Verse einen weiteren Sinn ergeben. Bei der „Akdamut“ ist es ein Gebet, mit dem Rabbi Meir die Gewissheit ausdrückt, dass Gott ihm die Kraft und die Fähigkeit geben werde, trotz des feindlichen Umfeldes in Treue zum Studium der Torah zu stehen und gute Werke zu tun.

Eine dritte Besonderheit der „Akdamut“ ist schließlich, dass alle 90 Verse gleichermaßen auf „t-a“ enden, „tav-aleph“ auf Hebräisch – den letzten und den ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets. Damit wird angedeutet, dass das Torahstudium kein Ende hat, sondern stets wieder aufs Neue beginnt. / Evelyn Bartolmai, DLR

 

43. Hitomaros letzte Liebe

„Hitomaros letzte Liebe“ ist kein Roman, sondern ein empfehlenswerter Aufsatz des Japanologen André Wedemeyer (1875-1958) über den Dichter Kakinomoto-no Hitomaro, der im 7. und 8. Jahrhundert lebte und als einer der „6 berühmten Dichtergenien“ verehrt wird.

Damals schrieb man in einer der kompliziertesten Schreibsprachen der Welt, die viele verschachtelte Sprachspiele erlaubte. Was für Dichter und Leser damals ein reizendes Spiel bedeutete, wäre für uns heute völlig unverständlich wenn es nicht Generationen von Erklärern gegeben hätte.

Auch deutsche Gelehrte haben sich dem Verständnis altjapanischer Dichtkunst gewidmet und Großes auf diesem Gebiet geleistet. André Wedemeyer ist einer von diesen. Völlig zuhause in den Schatzkammern zweier Kulturen, der deutschen und japanischen, sah er mehr als viele andere und konnte es auch schöner herüberbringen. / Jan Kellendonk, Lokalkompaß

(Der Aufsatz mit den Übersetzungen hier zum Download)

Auszug

Dem Langgedicht hat Hitomaro zwei Kurzgedichte beigegeben, von denen das erste in der Textüberlieferung in zwei Fassungen erscheint, so daß hier drei Gedichte vorliegen.

lhami no ya
ko-no-ma YOl’i
Takatsunu yama no
aga furu sode wo
imo mitsuramu ka?

In Iwami noch
aus der Waldlichtung
vom Berg Takatsuno
den ich geschwenkt, den Ärmel,
ob die Liebste ihn wohl sah?

Ihami naru
ko-no-ma yo mo
Takatsunu yama no
aga sode furu wo
imo mikemu kamo!

In Iwami, hier,
aus der Lichtung selbst
vom Berge Takatsuno
das Schwenken meines Ärmels,
sie hat’s gewiß gesehn, ach!

Sasa ga ha ha
midaredomo,
mi-yama mo saya ni
are ha imo omofu,
wakare kinureba.

Bambusgrasblätter
flimmern zwar, aber
auf dem Berg auch hellschimmernd
ich gedachte der Liebsten,
weil ich ja vom Abschied kam.

42. Arbeitsstipendien 2013

Arbeitsstipendien 2013 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben

Berlin, den 22.04.2013

Auch in diesem Jahr wird die Kulturverwaltung des Berliner Senats an 13 in Berlin lebende Autorinnen und Autoren Arbeitsstipendien in Höhe von insgesamt 156.000 € vergeben. Die Stipendiaten erhalten ein sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 € (Monatssatz 2.000 €).

Die diesjährigen Stipendiatinnen und Stipendiaten sind:

Konstantin Ames, Maxim Biller, Rabea Edel, Gerhard Falkner, Patrick Jon Findeis, Günter Herburger, Lioba Happel, Dr. Thomas Hettche, Dr. Gabriela Hift, Georg Leß, Thorsten Palzhoff, Tom Schulz und Ellen Wesemüller.

Der Jury zur Vergabe der Arbeitsstipendien gehörten dieses Jahr an: Verena Auffermann, Ulrike Baureithel, Tom Bresemann, Gregor Dotzauer, Christian Hippe und Dr. Dieter Stolz.

Die Jury hatte über 343 Bewerbungen zu entscheiden.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden sich und ihre Arbeiten im Rahmen einer vom Literaturforum im Brecht-Haus organisierten Veranstaltung Ende Oktober oder Anfang November 2013 im Berliner Ensemble präsentieren. Der Termin wird der Öffentlichkeit vorher bekannt gegeben.

41. Konkrete Poesie

Diktionär: Konkrete Poesie

Unterm Anfang
überspielt die Schrift
Wolken aus trautem Anfang.
Anfangsbilder sind Schäfchen
aus glaswolligem
Sprechen.
Zählen, erzählen,
Buchstabenbuchstützen.
Ich war zugegen,
als unter Sprechern und Schreibern
der Stoff geteilt wurde.
Stoff, niemandes Zuständigkeit,
ihm ward Licht zu-
teil, das sich
morgens mittags abends nachts
gegen Ziffern wirft.
Dabei kam zutage:
die Nacht.
Nah der Nebelgrenze
unterkühlt das Wort
alle Wasser.

Zweifel, nicht Scheitern.
Die Inwendigkeit
unter Verzicht genommen.
Das Wildern.
das nichts weiß
von der Wildnis.

Angelika Janz (1993)

Zuletzt:

  • Angelika Janz (Hrsg. Franzobel). Schräge Intention. Wien: edition ch, 1995.
  • Angelika Janz. orten vernähte alphabetien. Greifswald: Verlag Wiecker Bote, 2002.
  • Angelika Janz. tEXt bILd. Ausgewählte Werke 1: Visuelle Arbeiten und Essays. Greifswald: freiraum-verlag, 2012.
  • Angelika Janz: Vorwärts mit Rückspiegel. Friedland: Edition lesezeichen, 2013

40. Ändern

Wie repräsentativ ist das und wessen Sicht  wird da repräsentiert? Abschnitt aus dem Wikipedia-Artikel „Deutsche Literatur“

Rumäniendeutsche Literatur [Bearbeiten]

Der meistgelesene zeitgenössische rumäniendeutsche Autor, der in Rumänien wirkt, ist Eginald Schlattner. Mittlerweile in Deutschland schreibt die Banater Autorin Herta Müller.

Vorher wirkte Adolf Meschendörfer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Kronstadt.

Obwohl die meisten deutschsprachigen Menschen aus Rumänien ausgewandert sind, hat sich im Banat eine neue Literaturgruppe Die Stafette zusammengefunden, aus der neue deutschsprachige Autoren, die die Rumäniendeutsche Literatur weiterführen, hervorgehen könnten.

39. Poetopie

urossalideh – Wort einer zukünftigen Sprache: was bildet es ab? wohin führt es?

Hansjürgen Bulkowski

38. Dichter & Zeitung

Zum freundlich kredenzten Leitungswasser, teilt Marco Tschirpke ungefragt Schmeicheleien aus. „Ziemliches Käseblatt, Ihre Zeitung.“ Na, schönen Dank auch, Herr Dichter.

Der Dichter Marco Tschirpke ist auch Musiker, die Zeitung heißt Tagesspiegel und schreibt über ihn:

Wenn er irgendwo hingeht, möchte er etwas Neues erfahren, nie nur unterhalten werden. Getreu seinem Credo: „Du sollst das Publikum nicht unterfordern, das ist ein Verbrechen.“ Das ist sicher der Grund dafür, warum er die musikalische Form Lapsuslieder erfunden hat. Wer sich da nicht wie verrückt auf den Punkt konzentriert, ist draußen. So wie in der Ballade „Das Kleid“. Der eine halbe Minute kurze Song geht so: „Ich hatte dir ein Kleid gekauft. Sagte, wenn du’s trägst, mich freut’s. Du trugst es noch am selben Tag – zum Roten Kreuz.“ Ein tolles Lied. Gerade wegen der für schlichtere Gemüter vom Dichter gnädig angefügten Pointe.

37. Warten auf die Barbaren

Es ist eines der berühmtesten Gedichte des 20. Jahrhunderts, unzählige Male in zahllose Sprachen übersetzt, immer wieder analysiert und in literarischen Titeln aufgegriffen. Konstantinos Kavafis’ „Warten auf die Barbaren“ suggeriert indes nicht, dass die Schreckgestalten seines Titels nur eine erfundene Gefahr seien, wie oft irrtümlich angenommen. Was soll das Gedränge am Forum? / Die Barbaren werden heute erwartet, beginnt es in der deutschen Übersetzung von Olga Martynova. Warum beschließen die Senatoren keine Gesetze? / Wozu denn? Die Barbaren werden ihre Gesetze erlassen. // Was hat der Kaiser so feierlich in der Frühe auf seinem Thron zu suchen? / Oh, er erwartet den Führer der Barbaren, um ihn mit Titeln zu ehren.

Warum eilt das Volk verwirrt und erschrocken nach Hause? / Späher sind von den Grenzen zurückgekommen und sagten: / Es gibt weit und breit keine Barbaren. // Wie werden wir nun leben ohne die Barbaren? / In der Tat. Sie waren uns Erklärung, Hoffnung und Rechtfertigung / Oleg Jurjew, Tagesspiegel

36. Fix Zone

Seit März bietet Frank Milautzckis Kolumne Fix Zone auf Fixpoetry eine herausragende Quelle für Kulturnachrichten. Aktuell u.a.:

Celan und Trakl – Texte als Konzept   Recht neu auf Youtube sind durch den Komponisten Johannes Kreidler nach verschiedenen Vorschriften „vertonte Gedichte“ (er bedient sich dabei ausschließlich materieller textualer Aspekte = Struktur pur).

Zeitgehöft“ – 697 Gedichte von Paul Celan werden durch einen Sonifizierungsalgorithmus vertont. Jedem Buchstaben ist eine per Zufall bestimmte Tonhöhe zugeordnet. Zwischen jedem Gedicht ist eine halbsekündige Pause. Am Steinspiel: Ada Lovelace.

Der Herbst des Einsamen“ – 180 Gedichte von Georg Trakl als Binärcode, auf der Geige gespielt. Die Gedichte liegen als Binärcode vor. Auf der Geige wird der Ton „d“ entweder auf der leeren Seite (0) oder mit dem 1. Finger gegriffen (1) gespielt. Claude Shannon spielt die Violine.

Johannes Kreidler über das geflügelte Wort „Anything goes“:  „Weil die Digitalisierung ein Massenphänomen ist, heißt für mich mit dieser Technologie zu komponieren, gesellschaftlich aufgeweckt und thematisch bezogen zu komponieren. Das „Anything“ ist kein Selbstzweck, sondern ein riesiges Repertoire, aus dem ich aus inhaltlichen Gründen wähle, ob die Klarinette in pianopianissimo-Septolen oder einen Drumloop – jedenfalls kann beides Neue Musik sein. Der Kunstcharakter liegt für mich nicht mehr definitorisch an der klanglichen Oberfläche und in der strukturellen Tiefe, sondern wesentlich in Konzepten und Semantiken.“

35. Deutsche Schrift für Deutsche

Studenten sind sprachmächtig und gedankenvoll oder jedenfalls arbeiten sie daran. 1933 gingen sie den Professoren voran und verlangten ein Ende des undeutschen Geistes, Auszüge:

3. Reinheit von Sprache und Schrifttum liegt an Dir! Dein Volk hat Dir die Sprache zur treuen Bewahrung übergeben.

4. Unser gefährlichster Widersacher ist der Jude, und der, der ihm hörig ist.

5. Der Jude kann nur jüdisch denken. Schreibt er deutsch, dann lügt er. Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter! Der Student, der undeutsch spricht und schreibt, ist außerdem gedankenlos und wird seiner Aufgabe untreu.

6. Wir wollen die Lüge ausmerzen, wir wollen den Verrat brandmarken, wir wollen für den Studenten nicht Stätten der Gedankenlosigkeit, sondern der Zucht und der politischen Erziehung.

7. Wir wollen den Juden als Fremdling achten, und wir wollen das Volkstum ernst nehmen.

Wir fordern deshalb von der Zensur:

Jüdische Werke erscheinen in hebräischer Sprache. Erscheinen sie in deutsch, sind sie als Uebersetzung zu kennzeichnen.
Schärfstes Einschreiten gegen den Mißbrauch der deutschen Schrift.
Deutsche Schrift steht nur Deutschen zur Verfügung.
Der undeutsche Geist wird aus öffentlichen Büchereien ausgemerzt.
Flugblatt der Deutschen Studentenschaft, 1933. Quelle: Wikisource

 

Ich probiers mal in meiner noch unvollkommenen Schriftkenntnis mit einer Zeile des Juden Heine. Transkribiert aus dem Jüdischen:

 

Ich weiß nicht was soll es bedeuten

 

יך באיס ניכט באס זול עס באדאיטנ

34. Kritik

Wir kennen die Klage zur Genüge. Sie ist so berechtigt wie freilich auch müssig: Seit nach der Jahrtausendwende der Werbemarkt für Tageszeitungen richtiggehend zusammengebrochen ist, sind auch ein paar schöne Illusionen geschwunden. Mochte man bis dahin glauben, eine Zeitung werde nach dem Geschmack der Redaktion und dem Interesse der Leserinnen und Leser gemacht, so bleibt seither nur Ernüchterung: Redaktionen können, um es zugespitzt auszudrücken, genau jene Zeitung produzieren, die der Werbemarkt zulässt. Das betrifft zunächst weniger die Inhalte als die Umfänge. Aber mit gekürzten Umfängen fallen auch viele Inhalte dahin. Nicht zuletzt die Literaturkritik bekam dies zu spüren. Sowohl die überregionale wie vor allem die regionale Presse strichen über die vergangenen Jahre das Volumen der Literaturkritik massiv zusammen (nachdem dieses notabene in den Jahren zuvor ebenso stark ausgebaut worden war). (…)

Rezensenten sind Diener verschiedener Herren. Nicht immer lässt sich dabei schlüssig sagen, welchen diesen durchaus auch widersprüchlichen Interessen sie sich am ehesten verpflichtet fühlen.

Da ist zunächst und vielleicht zuvörderst die mitunter etwas narzisstische Ambition, sich als Wortführer unter den Literaturkritikern zu profilieren und zu positionieren, um, wie es Max Rychner einmal hinsichtlich seiner «Dr. Faustus»-Besprechung gesagt hatte: den Ton anzugeben, in dem über ein Buch gesprochen wird. Rezensenten sind dann immer so etwas wie hybride Wesen zwischen Schlegel und Benjamin: Mit dem einen versuchen sie, den Autor besser zu verstehen, als dieser sich selber verstanden hat; mit dem anderen gehen sie als Strategen im Literaturkampf in Stellung. / Roman Bucheli, NZZ

33. Prager Buchmesse

Die 19. Prager Buchmesse „Svět knihy“, Buchwelt 2013, findet vom 16. bis 19.5. statt. Ehrengast ist die Slowakei, Messeschwerpunkt in diesem Jahr: Die Vielfalt der Poesie / Bücher die nicht loslassen / Blogger als Schriftsteller, Schriftsteller als Blogger.

Auf der Messe wird auch ein spezieller Preis vergeben, der „Folterbank“-Preis für schlechte Übersetzungen, also solche, denen es nicht gelingt, einen Text faktisch und semantisch korrekt zu übersetzen, die die künstlerische Absicht des Originals mißachten und gegen die übersetzerische Ethik verstoßen.

2010 ließen tschechische Verlage Bücher aus 44 Sprachen übersetzen. An der Spitze steht Englisch, etwa die Hälfte, dann Deutsch (17%) und Französisch (5%)

Mehr

Deutschsprachige Literatur auf der Prager Buchmesse „Svět knihy“

32. Doreen Daume †

Vorige Woche starb die Übersetzerin Doreen Daume. Sie wurde 1957 in Dortmund geboren. Sie übersetzte seit 1999 polnische Literatur (u. a. Bruno Schulz, Czesław Miłosz, Ewa Lipska, Mariusz Grzebalski, Piotr Sommer, Andrzej Kopacki). Für ihre Übersetzungen erhielt sie 2008  den Österreichischen Staatspreis. In einem Nachruf schrieb Werner Richter:

Aber mit derselben Ausdauer lernte sie dann eben die neue Sprache, und zwar so gut, dass es nicht lange dauerte, bis sie sich unter die (durchaus schon vorhandenen) Größen der Polnischübersetzer einreihte. Es war nur eine kurze Karriere (2000-2013), aber alle Achtung: Angefangen hat sie gleich richtig weit oben, aber anscheinend reicht’s nicht, dass einer wie Czesław Miłosz den Nobelpreis für Literatur kriegt – trotzdem gab es Sachen von ihm, die nie ins Deutsche gekommen waren. So auch sein Hündchen am Wegesrand, eine Sammlung aphoristischer Essays, die Doreen (wieder)entdeckte und bei Hanser unterbrachte, wo sie dann immer neue Texte, vor allem Gedichte von Miłosz, übersetzt hat. Lyrik war überhaupt ihre Spezialität, die Hälfte ihrer Bibliographie fällt in dieses Genre. Und für poetische Sprachwucht wurde auch ihre Übersetzung der beiden Romane von Bruno Schulz gerühmt, vor allem die „vitale und intensive“ Neufassung seiner Zimtläden.
(…)
Zornig war sie in den letzten Jahren auch darüber, wie unbedankt und mies bezahlt unser Beruf doch ist. Sie hat sogar vor kurzem noch einen Fernkurs als Werbetexterin abgeschlossen, weil ihr klar war, dass man in der Branche die Tricks der Sprachkunst, die wir halt drauf haben, genug zu schätzen weiß, um auch richtig Geld dafür zu bezahlen.

31. Lyrikdebatte

A: the poetry that streams through this community is so fucking bad and uninspiring that i have to remove it from my feed, even though i love poetry, at least i thought i did, until i read the shit that you fucking idiots are sharing. sorry.

E: If you don’t like what you read, offer solutions, not profanity.

A: Solution? read a fucking book.
a book of poetry. by fucking t.s. elliott or dante or some shit
i think frost has a couple that dont suck too. or fucking whats his face, fuckin,,,, thats right POE. READ SOME FUCKING POE.

M: ooh a..i understsnd yr frustration..i dnt often enhoy some of the poetry i read..but i dnt realy post on here..i think its refreshon u sayin what u think an not censorin yrself..gd luck on the quest of findin beautiful great poetry matey…xo
i mean the poetry i read thats new..not neccesarily on here..excuse the poor typin..predictive tx is ruinin my life lol xo
I think a lack of predictive text is more a problem

A: THATS THAT SHIT IM TALKIN ABOUT! Where can I read your stuff?

M: truue story..not jus harshly critiqued..some were destroyed by poetry teachers..they did get published tho so it jus shows one mans terrible piece of writing is someone elses 5 minute literary haven

R: Suffering from omnipotence syndrome are we? Dante wouldn’t have appreciated. Beside, contemporary poetry is what people want to read and write. ..free verses mean also freedom