69. Bekannteste Dichterinnen

 

Unter den bekanntesten Dichterinnen sind zu nennen: Hsieh T’ao  薛濤 * , 768-831, die Kurtisane von Shu. Sie stammte aus guter Familie, die aber in grosse Armut geraten war, so dass sie Schönheit und Liebe andern zur Verfügung stellen musste. Sie verkehrte viel mit Dichtern wie Po Chü-i, Yüan Chên, denen sie viel verdankte. Ihr Leben war reich an künstlerischem Schaffen.**

Aus: Eugen Feifel: Geschichte der chinesischen Literatur. Mit Berücksichtigung ihres geistesgeschichtlichen Hintergrundes. Dargestellt nach Nagasawa Kikuya: Shina Gakujutsu Bungeishi. Vierte, neu bearbeitete u. erw. Aufl.. Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms, 1982, S. 254.

 

*) Xue Tao (simplified Chinese: 薛涛; traditional Chinese: 薛濤; pinyin: Xuē Tāo; Wade–Giles: Hsüeh T’ao, 768–831), courtesy nameHongdu (洪度/宏度) siehe Wikipedia (englisch, französisch, spanisch, polnisch usw., leider nicht deutsch)

**) Sela, Psalmenende

68. polenmARkT mit Dąbrowski und Gumz

“Wir entschuldigen uns für die intellektuell aufgeblasene Diskussion hier vorne. Doch das ist nur die Rache für den ersten Teil der Veranstaltung”, witzelt der polnische Lyriker Tadeusz Dąbrowski völlig unerwartet mitten im Gespräch mit Alexander Gumz.

Der erste Teil der Eröffnung des diesjährigen Polenmarktes bestand in einer Preisverleihung des “Förderpreises des Wissenschaftlichen Botschafters”, Jerzy Marganski der Republik Polen. (…)

Doch zurück zur intellektuell aufgeblasenen Diskussion: Wenngleich der polnische Lyriker im Mittelpunkt des Geschehens stand, wurden auch einige wenige Gedichte von Alexander Gumz vorgetragen. Das Erfrischende dabei ist, dass beide zu jener Kategorie von Lyrikern gehören, die wollen, dass ihre Texte auch von den Lesenden verstanden werden. Das mag vor hundert Jahren durchaus noch alltäglich gewesen sein. Häufig findet man heute völlig unverständliche Gedichte mit dem Etikett des “avantgardistischen” verknüpft. Worin das Bestehen soll, wird auch nicht deutlich. Es klingt aber wenigstens schön.

LYRIK IST MEHR ALS NUR POETISCHES DESIGN

Der Lyriker Tadeusz Dombrowki liest aus seinen Gedichten.

Der Lyriker Tadeusz Dabrowski liest aus seinen Gedichten. Ganz Links: Alexander Gumz

Tadeusz Dąbrowski hat es poetischer formuliert: “Wenn Lyrik zum poetischen Design wird, ist es keine Lyrik, sondern bloßes ästhetisches Spiel.” Zudem hebt er hevor, dass ein jedes Gedicht immer die Chance an das Publikum geben sollte, dass es jenes verstehen kann. Darüber hinaus sollte sich in jedem Gedicht immer auch eine Konstruktion der Wahrheit wiederfinden. Ist ein Gedicht nicht auf der Suche nach Wahrheit, so würde es seine eigentliche Funktion verlieren. “Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb meine Gedichte so klar sind.” Das sind sie in jedem Fall. Sie verfolgen ein sehr geradliniges, strukturiertes Konzept.

Die Inhalte sind extrem verdichtet und man versinkt recht schnell in den Versen. Es könnte unmittelbar neben dem Lesenden, in diesem Fall Hörenden, eine Bombe hochgehen. Er würde sich bestenfalls die Augen reiben und murmeln: “Was war jetzt los?” Seine Gedichte eröffnen den Raum zum grenzenlosen Denken. Die einzelnen Verse sind vollgepackt mit sprachlichen Bildern, dass man einerseits viele Möglichkeiten hat, ein Verständnis für das Gedicht entwickeln zu können, zugleich aber immer irgendwie das Gefühl hat, zu wissen, worum es geht.

Selbst wenn man es einem Dritten gegenüber wiederum nicht unbedingt in Worte fassen könnte. Und obwohl Dąbrowski zugleich meint, dass jedes Gedicht eine “Rebellion gegen alle vorgegebenen Strukturen” sei, stellt diese Aussage keinen Widerspruch zu dem klar strukturierten Aufbau seiner Lyrik dar. Der Bruch mit allen vorgegebenen Strukturen setzt sich aus der gelungenen Komposition der Worte zusammen. Sie sind ganz bewusst an bestimmte Stellen im Text gesetzt, dass sie einen geistigen Horizont eröffnen, der an den Grenzen des Universums sein Ende finden wird.

ANGST VOR SCHATTENDASEIN DER LYRIK

In dem Dichtergespräch wurde jedoch nicht nur die Lyrik der beiden thematisiert. Es stand auch die Zukunft der gesellschaftlichen Stellung der Lyrik im Mittelpunkt. Beide Autoren haben davor Angst, dass Lyrik zu einem Gegenstand sich elitär gebender Zirkel wird, die in einem hermethisch abgeriegelten Raum ein Schattendasein führt. “Wir können uns jetzt also gegenseitig unterbieten”, meinte Gumz, als beide feststellten, dass Lyrik im öffentlichen Bewusstsein zunehmend auf dem Rückzug sei. Um dieser Tendenz entgegen zu treten, lasen sie zum Abschluss noch ein paar Gedichte, bevor dann das Buffet eröffnet wurde. / Marco Wagner, Webmoritz

polenmARkT ist ein jährlich stattfindendes Festival in Greifswald. Hier das Programm.

67. O-Poeten

Bevor der Lyrik-Abend losging, schlüpften einige Besucher erst einmal hinter den roten Vorhang und beantworteten Fragen: „Wie und wo hast du zuletzt Poesie erlebt?“ oder: „Was kann Poesie bewirken?“ Wer dann noch wollte, durfte einen Vers aufsagen. Was dabei herauskam, haben die „O-Poeten“ – ein Sprechtheater-Ensemble dreier Studenten mit türkischen Wurzeln – mit einer Kamera gefilmt. Am Ende der Veranstaltung haben sie die Videoaufnahmen dem Publikum gezeigt.

Es war einer von mehreren guten Ansätzen, mit denen die jungen Augsburger „O-Poeten“ Serkan Erol, Eren Mert und Burhan Kaçar ihr Publikum auf einen Ausflug ins „Paradies der Poesie“ nehmen wollten. / Stefanie Roth, Augsburger Allgemeine

66. Zum Beispiel

Pierre-André Huglo singt am Klavier die Dichter Marot, Rimbaud, Apollinaire und Saint-John Perse. Denis Solau begleitet ihn an der Gitarre. Pierre-André Huglo ist Professor für Philosophie an der Universität. Er singt mit großer Kraft die Gedichte von berühmten Autoren. / Courrier picard

  • Clément Marot (* 23. November (?) 1496 in Cahors; † 12. September (?) 1544 in Turin)
  • Jean Nicolas Arthur Rimbaud (* 20. Oktober 1854 in Charleville; † 10. November 1891 in Marseille)
  • Guillaume Apollinaire (eigentlich Wilhelm Albert Włodzimierz Apolinary de Wąż- Kostrowicki; * 26. August 1880 in Rom; † 9. November 1918 in Paris)
  • Saint-John Perse (eigentlich Alexis Leger; * 31. Mai 1887 in Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe; † 20. September 1975 in Giens)

65. Zum Copyright

Anmerkung des Herausgebers : Das Copyright auf die Bundeshymne verwaltet aus nicht naeher bekannten Gruenden der Verleger Ulrich Schulenburg. Die Familie Molden wollte via dem Sessler Verlag Tantiemen fuer das Absingen der Bundeshymne verlangen. Das waer was. Zum Beispiel 10 Cent pro Mann und Frau fuers Singen der 1.Strophe im Praterstadion bei einem Nationalspiel mit einem Fassungsvermoegen von 51.000 Personen braechte flotte 5100,- Euronen. 10 Cent fallen im Eintrittspreis nicht auf. Solche Form von Privatisierungs Ansinnen, und nicht nur dieses, tropft von aberwitziger Vermessenheit und Frechheit. Selbst langgediente Mitarbeiter des Sessler Verlages meinen, dass ihr ehemaliger Boss damit einen einsamen Hoehepunkt der Laecherlichkeit erreicht hat. Jeder vernuenftige Oesterreicher und kluge Oesterreicherin muesste kuenftig das Absingen der Hymne verweigern, da es nicht einzusehen ist, dass sie fuer etwas, das die Republik bereits reichlich belohnt hat, nochmals zahlen sollten.

Aus der Onlinepublikation von Franz Josef Czernin: Literatur, Struktur und Politisches. Land der Berge, Land am Strome. Ein bekannter Text im Geiste des Strukturalismus dargestellt. Die österreichische Bundeshymne (e.journal.at)

64. Vernissage + Lyrikdebüt

Verlag verlag präsentiert stolz und läd ein (nicht weniger stolz):

Vernissage + Lyrikdebüt

7. Dezember 2013, 20 Uhr
Reichenbergerstr. 28, 10999 Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Voraussichtliche Kritik:

„..so reduziert die Ausstellung in der Auswahl ihrer Exponate auch ist, so stringent ist der Weg, den sie beleuchtet. Dennoch ist dem kuratorischen Konzept anzumerken, dass dasselbe auf den Endergebnissen eines Wettbewerbs basiert – an manchen Stellen hätte man sich einen kreativeren kuratorischen Blick gewünscht, der die Exponate nicht nur zum Illustrieren oder Visualisieren bestimmter Thematiken nutzt. Besser zu verstehen und komplexer wird die Ausstellung erst unter Bezugnahme auf den im verlag Verlag erschienen Lyrikband ‚glaubliche ungeschichten‘ von Tony Hemer, wo beispielsweise auch auf Kontexte der Thematik in der zeitgenössischen Literatur aufmerksam gemacht wird..“

Wir freuen uns sowieso.

Emmillie und Lise (Verlag verlag)

Sehen Sie auch den Aufruf zum Wettbewerb: Filzstiftpoesie in der Grafik (alle Sprachen erlaubt, Einsendeschluß 1.12.)

flyer

63. Black Quotations

Ein neuer Band des berühmten Zitatkompendiums „Bartlett’s Familiar Quotations“ erschien jetzt in Großbritannien: „Bartlett’s Familiar Black Quotations“ mit dem Untertitel „5,000 Years of Literature, Lyrics, Poems, Passages, Phrases, and Proverbs from Voices Around the World.“ Er reicht vom ägyptischen Altertum und mündlicher Literatur bis Rap und Obama.

/ The town talk

Five thousand quotes are culled from the time of Ancient Egypt through American slavery, Jim Crow, the Civil Rights Era, Apartheid, to the present day. With passages from authors, artists, scientists, philosophers, theologians, activists, politicians, and many others, BARTLETT’S FAMILIAR BLACK QUOTATIONS will appeal not only to quote aficionados and researchers, but also to history buffs. Aesop’s Fables and the Holy Bible are in the same company as Nelson Mandela and President Obama; Maya Angelou and Toni Morrison; Bob Marley and Jay-Z.

62. Wilde Gedichte

49 Schulen aus NRW wurden gestern in Gemünd durch Schulministerin Sylvia Löhrmann und Umwelt-Staatssekretär Horst Becker neu als „Nationalpark-Schule Eifel“ zertifiziert. (…)

Das Thema Nationalpark hatten die Schulen nicht nur mit dem nahe liegenden Schwerpunkt im Fach Biologie angepackt, sondern auch etwa im Kunstunterricht. Da gab es beispielsweise Arbeiten, die den Gegensatz von chaotischer Wildnis im Schutzgebiet und den in Reih’ und Glied aufgestellten Bäumen eines Nutzwaldes thematisierten. Im Fach Deutsch wurden zudem „wilde“ Gedichte geschrieben, Schulgärten wurden teilweise „verwildert“. / Kölner Stadtanzeiger

61. Mit siebzehn

Andere Völker singen ja ihre Gedichte

Léo Ferré On est pas sérieux quand on a dix sept ans, 1987 (poème de Arthur Rimbaud) – Au Théâtre Déjazet en 1988

Arthur Rimbaud

Roman

I

On n’est pas sérieux, quand on a dix-sept ans.
– Un beau soir, foin des bocks et de la limonade,
Des cafés tapageurs aux lustres éclatants !
– On va sous les tilleuls verts de la promenade.

Les tilleuls sentent bon dans les bons soirs de juin !
L’air est parfois si doux, qu’on ferme la paupière ;
Le vent chargé de bruits – la ville n’est pas loin –
A des parfums de vigne et des parfums de bière….

II

– Voilà qu’on aperçoit un tout petit chiffon
D’azur sombre, encadré d’une petite branche,
Piqué d’une mauvaise étoile, qui se fond
Avec de doux frissons, petite et toute blanche…

Nuit de juin ! Dix-sept ans ! – On se laisse griser.
La sève est du champagne et vous monte à la tête…
On divague ; on se sent aux lèvres un baiser
Qui palpite là, comme une petite bête….

III

Le coeur fou Robinsonne à travers les romans,
Lorsque, dans la clarté d’un pâle réverbère,
Passe une demoiselle aux petits airs charmants,
Sous l’ombre du faux col effrayant de son père…

Et, comme elle vous trouve immensément naïf,
Tout en faisant trotter ses petites bottines,
Elle se tourne, alerte et d’un mouvement vif….
– Sur vos lèvres alors meurent les cavatines…

IV

Vous êtes amoureux. Loué jusqu’au mois d’août.
Vous êtes amoureux. – Vos sonnets La font rire.
Tous vos amis s’en vont, vous êtes mauvais goût.
– Puis l’adorée, un soir, a daigné vous écrire…!

– Ce soir-là,… – vous rentrez aux cafés éclatants,
Vous demandez des bocks ou de la limonade..
– On n’est pas sérieux, quand on a dix-sept ans
Et qu’on a des tilleuls verts sur la promenade.

29 sept. 70 Arthur Rimbaud

Hier englische, hier deutsche Version (Eric Boerner)

60. In Frankreich

Die FAZ befragte François Ozon:

„On n’est pas sérieux quand on a dix-sept ans.“ So beginnt das Gedicht von Rimbaud, das sie in „Jung & schön“ zitieren. Was lösen diese Verse in Ihnen aus?

Eine Art Nostalgie. Die Trunkenheit der Jugend. Ist das Gedicht in Deutschland so bekannt wie bei uns?

Nein.

In Frankreich ist Rimbaud das, was für Sie Heinrich Heine ist. Alle Kinder lernen diese Verse in der Schule. Sie sind eine Erinnerung an die Zeit, in der alles möglich ist. Die glückliche Seite des Jungseins.

59. Friedrichshain2

»Friedrichshain2« findet an fünf Orten statt: Der Kulturspelunke Rumbalotte continua, der Kultur- und Schankwirtschaft BAIZ, dem Trunk- und Kunstséparée Lokal, der Staatsgalerie Prenzlauer Berg und dem Musikraumschiff Wabe. Nordöstlich dieses Rhizoms liegt Weißensee, südlich davon Friedrichshain: Ist Prenzlauer Berg umzingelt? Dieser Frage könnte die nächste Ausgabe der Künstlerzeitschrift Prolog – Heft für Zeichnung und Text nachgehen, die unlängst einen Aufruf zu ihrer nächsten Nummer veröffentlicht hat; deren Thema lautet: Berlin. Prolog wird diesen Sonntag von den Autoren und Künstlern Caca Savic, AndréJahn, Daniel Ludwig und Patrick WEH Weiland sowie Dorit Trebeljahr und dem Herausgeber Anton Schwarzbach präsentiert.

Berlin aus den Augen eines Kindes schildert Gerd Schönfeld in einem Buch mit dem sperrigen wie notwendigen Titel »SCHACKELSTERN flogen spät durch milde Lüfte, oder: Der Klassenfeind ist unter uns. Briefe an Onkel Karl 1960/61«. Nicht irgendein Berlin, sondern das der 1950er Jahren bis zum Berliner Mauerbau am 13. August 1961. Das Buch des Schachspielers und Beerdigungsmusikanten Schönfeld ist der erste Band der neuen Edition »Torpedokäfer« im neu formierten BasisDruck Verlag, der diesen Sommer vom Prenzlauer Berg in die Brotfabrik an die Weißenseer Spitze gezogen ist. Franz Jungs Gleichnis vom »Torpedokäfer« war in den neunziger Jahren Namensgeber einer bestens berüchtigten Lokalität in der Dunckerstraße; ihr Geist, so darf vermutet vermutet werden, schwebt über »Friedrichshain 2«.

Das Festival verabschiedet zwei Zeitschriften aus dem Paralleluniversum Prenzlauer Berg: Erstens die im Eigenverlag erscheinende floppy myriapoda, zweitens den bei BasisDruck beheimateten Gegner. Man sieht sich. »Friedrichshain 2« wird von einem umfangreichen Musikprogramm begleitet, auf das gesondert eingegangen werden muß. Zu singen wäre, elektrifiziert und aus vollem Halse, ein Motto Bert Papenfuß’ aus dem Jahre 1996: »willst du leibhaftiger sein / oder leibeigener, dem es schmeckt / daß er gesamtvollstreckt nahrhafte stiefel leckt«.  / Robert Mießner

Friedrichshain 2 – Das Literaturfestival inPrenzlauer Berg.
14. November – 05. Dezember 2013.
Zum Programm: http://edk.pappelschnee.de/festival/index.html

58. Superst

Wissen die, daß mit ihrem Superlativstil ihren Gegenstand verkleinern, weil sie glauben, ihn ohne Marktgeschrei nicht an den und die Esslinger bringen können. Dabei hätten sie was zu bieten.

Ich versuche mal die meisten Superstlative herauszunehmen – leicht wird es nicht, und viele Fragen bleiben offen. Hat die Garde Gardemaß? Preußisches?  Oder gibts ein eigenes, Württembergisches? Wer rekrutiert, mißt, befehligt sie? Welches Dekor trug Herta Müller in Esslingen (oder wars eine Dekoration?)? Oder war sie nur höchst dekoriert? Was in genau welcher Reihenfolge geschah mittlerweile und mit Terézia Mora, wann wurde sie gefragt und welche Rolle spielte Esslingen dabei? Sind Egon Bahr und Ransmayer bekannt oder nur vielleicht die bekanntesten unter den Erwählten? Sind die anderen Kinderbuchautoren – vielleicht – weniger interessant und für wen? Und wenn sie schon die Garde befehligen und die Schriftsteller versammeln, konnten sie das nicht vorher klären? Schließlich: war für die Lyriker kein Superlativ mehr zuhanden? Abgesehen natürlich von Urgestein. Und wie lang wird der Abend, wenn über oder unter anderen die 4 Genannten lesen? Irgendwas vergessen? Okay, dann das Zitat:

Die Stadt versammelt die erste Garde der Literatur

Die württembergische Landesbühne ist am Mittwoch ausverkauft gewesen. Nicht nur, weil die Esslinger Literaturfreunde den Hamburger Autor Uwe Timm sehen wollten, sondern auch, weil sie am Eröffnungsabend der Lesart ein Teil eines der wichtigsten Literaturfestivals in Deutschland sein wollten.

Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger sprach zurecht von einer 18-jährigen Erfolgsgeschichte: Immer wieder waren höchst dekorierte Schriftsteller nach Esslingen gekommen, wie etwa die Nobelpreisträgerin Herta Müller, und auch dieses Jahr hatte das Festival die Zusage von Terézia Mora, lange bevor sie den Deutschen Buchpreis erhielt und mittlerweile zu einer der gefragtesten Schriftstellerinnen Deutschlands zählt.

Sprechen wird man auch von den weiteren Veranstaltungen. Die bekanntesten Teilnehmer sind vielleicht der SPD-Politiker Egon Bahr und der österreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr, dem mit seinem Roman „Die letzte Welt“ von 1988 ein internationaler Erfolg gelang.

Von den Kinderbuchautoren ist vielleicht Daniela Kulot die Interessanteste.

Am 16. November wird um 19.30 Uhr die Villa Merkel zum „Klangraum Lyrik“. Es lesen unter anderem Nico Bleutge, Ann Cotten, Nora Bossong und das Horber Urgestein Walle Sayer.

/ Stuttgarter Zeitung

57. Preis für Handke

Der Schriftsteller Peter Handke wird vom Rat der Kärntner Slowenen und dem Christlichen Kulturverband mit dem Einspieler-Preis 2013 ausgezeichnet. In einer Aussendung vom Mittwoch heißt es, man danke Handke damit „für seinen Einsatz für die slowenische Literatur in Kärnten“. Diese habe durch sein Wirken beträchtlich an Ansehen gewonnen. Außerdem wird mit dem Preis Handkes „schriftstellerisches Engagement“ für die Rechte der Volksgruppe gewürdigt. / Der Standard

56. Rühmkorf in Marbach

Im Marbacher Literaturarchiv, dem ‚bombensicheren Liegeplatz‘, an den der ‚Vorlassgeber‘ schon vor dreißig Jahren seinen bis heute auf 684 Kästen angewachsenen Nachlass transferiert hatte, versammelten sich Literaturwissenschaftler, Lyriker und Musiker zu einer Tagung. Neben einem Jazztrio – Ulrich Jokiel am Piano, Peter Missler am Saxofon und Bernd Rauschenbach, Mitherausgeber von Rühmkorfs Werken, als im Bebop-Rhythmus rezitierende Stimme – gab die Lyrikerin und Stimmkünstlerin Nora Gomringer eine hinreißende Performance zu Texten Rühmkorfs, darunter eine fulminante Interpretation des Rotkäppchen-Stoffs aus der Sammlung ‚aufgeklärter Märchen‘. Wurden die Verse des in einem norddeutschen Pfarrhaus erzogenen Dichters in gebührender protestantischer Strenge zum Klingen gebracht, so kam Gomringers Performance im säkularsten katholischen Sinne lustvoll daher: Unterfüttert von des Autors Requisiten Schreibmaschine, Hornbrille, karierte Schirmmütze, näherte sich die an keiner Stelle gewaltsam wirkende Travestie einer Art Wiederbelebung des Vorgängers zum Revenant.

(…)

Bleibt die Politik des Artisten: die Abwendung von aller Flugblattlyrik rückte – Jan Bürger zufolge – den überzeugten Linken Rühmkorf gleichwohl näher an Benn als an Brecht. Auch Brechts nachgelassene Liebesgedichte lieferten ihm den weiteren Beweis für die Unversöhnlichkeit von Poesie und Politik. Peter Rühmkorf wäre jedoch nicht jener Meister in der ‚Zusammenführung aller nur denkbaren Gegensätze‘ gewesen, als welchen ihn Hartmut Steinecke porträtierte, hätte er nicht auch den Widerspruch der unversöhnlichen Reiche von Artistik und Politik einer möglichen Lösung zugeführt: Die Artistik, so lautete die von Jan Wagner in die Diskussion eingeworfene Formel, sei nicht der Gegenspieler der Politik; sie selbst sei das Politische – am Gedicht. ‚Ach, spricht das Gedicht / und schaut sich um.‘ / Volker Breidecker, Süddeutsche Zeitung 7.11.

55. Tageslyrik

Lyrik in der Tagesschau! Und dann gleich Dylan Thomas!!! So geht das:

Zum Nationalen Tag des Gedichts las der Prince of Wales vor ein paar Wochen seine Lieblingsverse des walisischen Dichters Dylan Thomas. Und man fühlte kurz wieder das Klischee vom poetischen Spinner, der mit Blumen spricht. / 

Gabi Biesinger, ARD-Hörfunkstudio London

Nachbarin, euer Fläschchen! (Vorsicht, Dichtung!)

Zum Glück war es ja auch nur kurz, dann kann man sich wieder dem Eigentlichen zuwenden. Was war das noch, Wetter? Sport? Bambiverleihung? Miley Cyrus?

(Gibts deutsche Politpromis, die Dylan Thomas kennen? Oder Christine Lavant? Mir fällt nur Schröder ein, der Rilke kannte. Und Kohl, der in Hölderlin gut war.)

Geistige Gummibärchen ist eine Kolumne zur Poesie des Medienspeak