54. Zur Verteidigung Theo Breuers gegen einen seiner Bewunderer

(Von Jan Kuhlbrodt, Postkultur)

Heute las ich im Poetenladen einen Text, der zum Ziel hatte, Theo Breuer zu loben. Dieses Ansinnen kann ich verstehen, denn kaum ein anderer Autor und Leser widmet sich derart intensiv der Gegenwartslyrik und liest, was es zu lesen gibt. Allerdings ist dem Breuerlob folgender Absatz vorangestellt:

“Die virulente Lyriklandschaft im deutschsprachigen Raum krankt mitunter daran, dass sie Dichter hervorbringt, die sich für Universalgenies halten. Statt sich mit der Gewissheit zufriedenzugeben, eine Stimme lyrischen Sprechens zu reprä­sen­tieren, diese zu kultivieren, weiter­zu­entwickeln, sie zu pflegen und daran zu arbeiten, scheinen solche Dichter mit dem Irrglauben zu liebäugeln, ihrer persönlichen Poesie könne es gelingen, die Sprache neu zu erfinden. Haftete einem solchen Vorhaben schon in jeder Epoche eine gewisse Absur­dität an, so erscheint diese in unseren Zeiten, in denen kaum noch jemand Lyrik liest, geradezu ins Kuriose gesteigert.”

Abgesehen davon, dass ich es für eine Dummheit halte, sich mit irgendeiner Gewissheit zufriedenzugeben, scheint mir die Mahnung, die darauf folgt doch ziemlich piefig: “eine Stimme lyrischen Sprechens zu reprä­sen­tieren, diese zu kultivieren, weiter­zu­entwickeln, sie zu pflegen und daran zu arbeiten”. Liebe Kollegen: tut das bloß nicht. Die lyrische Produktion mündet sonst in Verfassen gereimter Glückwunschkarten.

Aber worauf bezieht sich dieser Absatz eigentlich, oder genauer, auf wen? Ich meine, der Autor des Artikels (Cristoph Leisten) ist einer der Letzen, der sich noch am Bild des Universalgenies orientiert, und er will diese Plakette im Folgenden auch Theo Breuer verleihen. Solches Lob geht nach hinten los und entspringt einer perfiden militärischen Strategie, die das Feld zunächst einebnet, um dann ihr kleines Fähnchen darauf zu pflanzen, dass es großartig wirke. Das hat Breuer nicht verdient.

53. Peter Härtling

„Der Unterschied in der Verrücktheit von vierzehnjährigen Mädchen und beinahe achtzigjährigen Männern ist, dass die Mädchen an ihr leiden und die alten Männer sich an ihr vergnügen.“

Peter Härtling, der gestern 80 wurde, Süddeutsche Zeitung

52. Kinder-Workshop

BZ: Frau Gabler, das Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche. Was sollten sie mitbringen an Talent ?

Claudia Gabler: Es geht in erster Linie um die Begeisterung, also um die Lust, mit Sprache zu experimentieren und sich mit ihrer Hilfe auszudrücken. Das Talent ist erstmal zweitrangig, wir erwarten keine Hölderlins. Wenn ein Teilnehmer bereits dichtet oder sonst literarisch schreibt, ist es gut – wenn nicht, auch. Hauptsache er hat Spaß an Literatur und Sprache.

BZ: Was wollen Sie bei den Kindern wecken? Und wie?

Gabler: Ich möchte den Kindern und Jugendlichen zeigen, dass Gedichte heute nichts mehr zu tun haben müssen mit dieser schrecklich deutschen Anbetung des Mondes. Und vor allem möchte ich gern die Freiheit und die Modernität des Genres aufzeigen: Gedichte müssen sich schon lang nicht mehr reinem, es darf inhaltlich wie formal Chaos und Verwirrung herrschen – so wie auch die Welt draußen oft rätselhaft ist. Diese Möglichkeiten will ich spielerisch aufzeigen, indem ich die jungen Leute etwa bitte, einen Text zu schreiben, der möglichst falsch klingt. Aber wir werden mit anderen Übungen auch in der Form bleiben und etwa Haiku, japanische Kurzgedichte, schreiben und lesen – auf deutsch freilich.

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51. Might be the greatest

EE Cummings has a curate’s egg of a reputation. On the one hand, he earns namechecks in everything from sugary Hollywood flicks to bookish Woody Allen scenes (Hannah and Her Sisters) and Björk songs (Sonnets/Unrealities xi). On the other, he’s often seen as pretentious and obscure.

The inclusion of his poems in film and music is usually shorthand for “I am intelligent and sensual, honest.” But when you read the books, you find he’s not difficult or syrupy. In fact, he’s not like any other writer at all.

He’s fresh, funny and cheekily childlike, as well as the master of the tactile, puzzling love poem.

A new complete edition of Cummings’s poetry, edited by George James Firmage, brings together all the poems published or intended for publication in the poet’s lifetime. It charts early ventures in modernism through to his most avant-garde experiments with language. And it gives the impression that he might be the greatest poet of the last century. / Charlotte Runcie, Telegraph

50. Fixpoetry

RELAUNCH  Hamburg 12.November 2013

Wir reden über Literatur! 

So lautet unser erklärtes Ziel.

Wir besprechen Bücher, wir interpretieren Texte, wir illustrieren Gedichte, wir verkaufen die poetischen Dialoge auch als hochwertigen Druck, wir schreiben Briefe an längst Verstorbene, aber auch ganz aktuell fliegt die digitale Taube von Berlin nach Barcelona, wir interviewen interessante Persönlichkeiten bis in die Mongolei, wir denken an Vergessene Autoren, wir rätseln mit LyrikerInnnen über moderne Poesie, wir senden täglich Kurzmitteilungen aus Sprache, Kunst und Poesie, wir kündigen Veranstaltungen an, wir verlosen tolle Bücher, wir schenken Ihnen jeden Tag einen Text, wir stellen Autoren und Illustratoren vor, wir planen eine Präsenz für aktuelle Texte, wir archivieren alles was wir tun, wir haben ein neues Design, wir arbeiten mit  innovativen Techniken, unsere Beiträge können Sie auf allen Geräten gut lesen, Responsive Design nennt man das, an vielen unserer Beiträge kleben QR Codes für alle Fälle, wir sind ein großes Netzwerk, wir funkeln und leuchten, wir sind Fixpoetry, wir reden über Literatur. Empfehlen Sie uns weiter!

Julietta Fix
(Herausgeberin)

 

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FIXPOETRY
http://fixpoetry.com

49. Kärntner Preise

Die gebürtige Niederländerin Marion Jauth (59) ist die Siegerin des „Kärntner Lyrikpreises der Stadtwerke Klagenfurt 2013“. „Meine Gedichte entstehen als eine Art Nebenprodukt meiner Malerin“, sagt die in Steindorf lebende Jauth, die es 1980 der Liebe wegen nach Kärnten verschlug.

Auf Platz zwei landete die Wolfsberger Kunstgeschichte-Studentin Verena Walzl, auf Rang drei die gebürtige Seebodenerin Angelika Stallhofer. Den Preis des Landes Kärnten erhält auf Vorschlag des Juryvorsitzenden Josef Winkler der Lyriker und Übersetzer Fabjan Hafner, den Preis der Stadt Klagenfurt der Autor Alfred Goubran. / Kleine Zeitung

Die Preise werden am 21.11. übergeben.

48. Preis für Julian Schutting

Der biennale Buchpreis der Salzburger Wirtschaft geht heuer an den niederösterreichischen Autor Julian Schutting. Der 76-Jährige, als Jutta Maria Franziska Schutting geborene und vielfach ausgezeichnete Autor, hat fünf Jahre in Salzburg gelebt und viele seiner Werke bei Salzburger Verlagen veröffentlicht. Der Buchpreis der Salzburger Wirtschaft, den vor Schutting Autoren wie H.C. Artmann, Walter Kappacher und Karl-Markus Gauß erhalten hatten, ist mit 7.000 Euro dotiert und wurde dem Autor am 7. November offiziell verliehen. / Der Standard

47. Eichendorff-Preis für Zagajewski

Wangen im Allgäu – Der polnische Lyriker Adam Zagajewski wird mit dem Eichendorff-Literaturpreis 2014 ausgezeichnet. Der im heutigen Gliwice aufgewachsene Schriftsteller sei einer der bedeutendsten polnischen Autoren der Gegenwart, teilte der „Wangener Kreis – Gesellschaft für Literatur und Kunst: Der Osten“ am Dienstag mit. …

Zagajewski wurde 1945 in der Ukraine geboren, studierte in Krakau und unterrichtet heute an der Universität Chicago. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird am 21. September 2014 in Wangen im Allgäu verliehen./ Der Standard

46. Silbenzähler

Jaja, nicht nur die Geiger-, auch die bei einer sich engagiert nennenden Literatur so verrufenen Silbenzähler registrieren einiges.

Paul Celan

45. Feldkircher Lyrikpreis 2013

1. Preis: Tabea Xenia Magyar und Tristan Marquardt (D)
2. Preis: Sibylla Vričić Hausmann (D)
3. Preis: Sandra Hubinger (A)
Sonderpreis: Martin Amanshauser (A)

Der international ausgeschriebene Feldkircher Lyrikpreis ist getragen von der Idee und Intention, deutschsprachigen Lyrikerinnen und Lyrikern mit und ohne Veröffentlichungen Aufmerksamkeit für ihre dichterischen Arbeiten zu bieten.
Mit Gespür und Urteilskraft haben die Mitglieder der Jury die eingereichte Lyrik auf den Prüfstand gehoben – für 2013 waren dies Elisabeth Steinkellner (Preisträgerin 2013), Ron Winkler (Lyriker), Gerhard Fuchs (Literaturwissenschafter, Universität Graz) und Marie-Rose Rodewald-Cerha (Vorstandsmitglied Theater am Saumarkt), die die nicht leichte Aufgabe übernommen haben, jene Lyrik auszuwählen, welche im Rahmen einer Preisverleihungs-Gala im Theater am Saumarkt mit dem Feldkircher Lyrikpreis 2013 ausgezeichnet wurde. Das Besondere am Feldkircher Lyrikpreis ist die Tatsache, dass der Preis garantiert anonym durchgeführt wird und somit gewährleistet ist, dass jede Einsendung gelesen wird.

Tabea Xenia Magyar, geboren 1988 in Zürich, wo sie Philosophie, Romanistik und Politikwissenschaft studierte.
Seit 2012 Studium in Zeitgenössischem Tanz am Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz in Berlin. Sie ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13. Letzte Publikation: 40% paradies. gedichte der lyrikgruppe G13 (bei luxbooks 2012).
2012 Autorin beim Projekt Bewegungsschreiber, das Dichtung und Tanz zusammenbrachte.

Bücher 

  • G13. das war absicht (SuKuLTuR 2013)

Zeitschriften

  • no man’s land 7; Bella Triste 36

Kassette

  • Gedichte (Mouca 2013)

Anthologien

  • 40 % Paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13 (luxbooks 2012)

Tristan Marquardt, geboren 1987 in Göttingen, lebt in München und Zürich. Sein Debütband das amortisiert sich nicht ist im Frühjahr 2013 bei kookbooks erschienen. Er ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13 , dessen Mitgründer er 2009 war.
Er war Finalist beim 19. und 20. open mike der Literaturwerkstatt Berlin. Seit 2011 verfasst er neben dem eigenen Schreiben gemeinsame Gedichte mit mehreren anderen Lyriker_innen, seit 2012 organisiert er die Lesereihe meine drei lyrischen ichs in München.

Bücher

  • das amortisiert sich nicht (kookbooks 2013)
  • G13. das war absicht (SuKuLTuR 2013)

Zeitschriften

  • Belletristik 11 & 12; randnummer 4; KLEINE AXT 3; no man’s land 7; Bella Triste 36

Anthologien

  • ars poetica Festival (Bratislava 2011); 19. open mike (Allitera Verlag 2011); Zeitkunst-Festival 2011 (Verlagshaus J. Frank 2011); 40 % paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13 (luxbooks 2012); flarf Berlin – 95 Netzgedichte (edition pæchterhaus 2012); 20. open mike (Allitera Verlag 2012)

Ausgezeichnete(r) Text(e) von Tabea Xenia Magyar und Tristan Marquardt:

satt liegt meine hand in der wölbung deines rückens
Elisabeth Steinkellner

I
phase schnee, über nacht, man hörte sie wachsen
wie gras. fell auf wiesen, die bei offener witterung
schliefen. jemand pfiff. jemand anderes fragte sich,
wer hier pfiffe. müde regte sich ein rücken, reagierte
instinktiv. zog los. sammelte füße ein, waden
und knie. taleinwärts die aufgeschreckte kirche:
zwölf schläge probealarm für den neuen tag.
II
auskünfte über ankunft, mögliche richtung. stießen
hüften dazu, bauch, brust und hals, schlossen sich
türen im eis. jemand hatte den schädel gespalten und
nicht verzehrt. jemand anderes sang: dorfbrunnen,
zweierlei wasser waschen die dreckige hand. arven
durchdrangen die beuge, alles hob um ein paar meter
an. reihum die berge, hingestellt und stehen gelassen.
III
scharen von schwaden, man ahnte die finger am regler.
sie drehten das weiß auf laut. fing rauch an, flüchtig
zu zucken, gab er seinen aggregatszustand auf. jemand
sah das und hielt sich steiler an höhe. jemand anderes
dachte an ihn wie an nichts. geschichtet, nur leiser. dann
reihte sich scheit an scheit vom waldrand zum fluss. als
dächte die strömung in bäumen. vertiefte sich im schnee.
IV
fenster erleuchtet, verlangten den einlass. man sah
jetzt überall augen. fand nerven, band sie am mund
an: bahnen elektrisch, saiten im hang. abrupt wuchsen
massive zusammen und ruhten sich schnaufend aus.
jemand schrieb das ins gipfelbuch. jemand anderes
las: zweierlei wasser, waschen einander. ganz hinten

Laudatio der Jury:

Wir sind sofort da, sind sofort dabei. »phase schnee«. Schon gleich zu Beginn finden wir uns in bereits begonnenen Abläufen wieder, in einem Verlauf, in einer somnambulen Drift. Wir vermuten ein Ich, aber das Ich nennt sich nicht, erklärt sich nicht. Vielleicht ist es größer als eins, vielleicht ist es einige, viele – aber in den Textstücken, die uns vorliegen, hat sich das, was Ich sein könnte, ins Ungewisse ausgebreitet. Es ist nicht vertieft.

Aber es bewegt sich, ist interessiert. In gewisser Hinsicht konstituiert es sich durch diese Mobilität. Zwischen den geheimnisvollen Illusionismen erkennen wir einen Drang ins Offene – instinktiv und also ebenso sehr
Geheimnis. Man gibt sich aufgeschlossen, die Rezeptoren sind auf aufmerksam geschaltet. Jedoch bietet sich oft nur Anschluss ans Ungefähre. Man kann es sich eben nicht aussuchen, wie es ist. Und auch schwer nur das Gute vom Bösen scheiden. »jemand hatte den schädel gespalten und nicht verzehrt.« Well well.

Zum Schneegestöber gesellt sich das Störmomentegestöber. Manchmal sind die Informationen so (»man hörte sie wachsen«), dass sie den Menschenverstand außer Kraft setzen. »fell auf wiesen«. Auch das ein »probealarm« der Psyche, um ihre Funktionalität zu testen. Sie ist osmotisch, baut illustre Poesieportale in die Wahrnehmung ein. Vielleicht um abzufedern, was sich nicht kontrollieren lässt. Vielleicht einfach nur, um zu federn. Kontrolle ist ohnehin nur eine fixe Idee.

Es kann doch schließlich schön genug sein, einfach nur zu ahnen, zu hören, zu durchdringen. Abzutasten, wie sich die Psyche zwischen Wirkmöglichkeiten und Merkwürdigkeiten verhält. Einerseits ist sie ein fragiles Ding im Wärmebereich poetischen Sprechens, doppelbödig entspannt, andererseits auf abgefahrene Weise nüchtern, »hingestellt und stehen gelassen«.

Wir befinden uns auf einer Reise: durch die Enge der Weite und die Weite der Enge zugleich. Das Ich-Wir, auf das wir stoßen, das Wir-Ich, scheint geneigt, sich möglichst reibungsfrei durch seine Umgebung zu bewegen. Die surreale Erfahrung wird nicht unterdrückt. Und wer hier spricht, der kategorisiert auch nicht mehr, sondern gibt sich hin daran, Kollektor zu sein für Verstörendes, Betörendes, für Rapiditäten.

Für das hohe Niveau der Engführung von Poesie und Psyche, das geschmeidige Spiel mit Ambivalenzen, die in einer auf heterogene Weise homogenen Dichtung münden, bekommen Tabea Xenia Magyar und Tristan Marquardt gemeinsam den Feldkircher Lyrikpreis 2013 zugesprochen.
Ausgezeichnet wird eine sinnliche, souveräne Sprache, der die Aggregatzustände zeitgenössischer Poesie nicht fremd sind und die mit feinem Enjambement auf sowohl bizarr expressive als auch verzärtelt anthropomorphisierende Metaphorik zurückgreift. Die Kollaboration beider Autoren beschenkt uns mit einem spannungsreichen, immer wieder neu zu erschließenden Tableau, in dem alles gleichzeitig ist: Ausgangspunkt und Ankunft, Bewegung und Stasis, äußerer Reiz und inneres Austarieren.
Im geheimnisvollen Unterwegssein vielleicht nicht zum Stein der Weisen, sondern zum Bergkristall des Ankommens – ein Projekt, das das Risiko
nicht scheut, sich auch Unwägbares einzuverleiben und für sich sprechen zu lassen – in diesem Unterwegssein erkennen wir ein großes Potential für weitere Texte. Und dem wünschen wir überaus viele und wunderbare Wege.

Ron Winkler
für die Jury des Feldkircher Lyrikpreis 2013

Die Pressemappe enthält auch Texte und Biographien der weiteren Preisträger.

44. Wolfgang Mundt

das heft des in bützow lebenden autors wolfgang mundt wiederentdeckt, ein heft mit gedichten, die zum teil in den 70er und 80er jahren entstanden und 1998 in dieser kleinen sammlung unter dem titel “elektrisch zarter schmerz” erschienen sind (…)

wenn ich die gedichte aus den 70ern lese, fühle ich mich unweigerlich an die eigenen anfänge und die meiner literarischen freunde erinnert, diese unbedingtheit, von der wir bestimmt wie getrieben, in einer wirklichkeit, von der wir eher die schattierungen des grau wahrnahmen … Folgendes Gedicht bildet den Anfang des Bändchens:

Nächte gibt es, du schläfst und weißt das nicht:
am Fenster da steht der Kranke vor der Idiotie
der Sterne und auf dem Bahnhof geht die Wache
im dunkelblauen Kleid.
Schlaf nur, die Nacht bricht um, du atmest noch,
fängst Worte ein, stimmlichen Hauch,
in des Zimmers Äther, und die Erde schwingt,
schleudert fort die Sterne.

[Wolfgang Mundt: Elektrisch zarter Schmerz. Rostock, Literaturförderkreis KUHTOR e.V., Rostock 1998]

/ Jayne-Ann Igel, Umtriebe

43. Ein Gedicht

– behauptet jedenfalls die Quelle, bei der ich lesen wollte, wer nun den Feldkircher Lyrikpreis gewonnen hat. Ich äußere mich nicht dazu.

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42. Verfall der Poesie im Staate Ch’ên

Im Staate Ch’ên (Chen, 陳: 557–578) ging der Verweichlichungsprozess der Literatur Hand in Hand mit dem luxuriösen Leben des Hofes. Das ausschweifende Leben des  Ch’ên Shu-pao 陳叔寶, in den Annalen Hou-chu 後主 genannt, hat diese Entwicklung der Dinge sehr gefördert. Hsü Ling, Yü Hsin, Chiang Tsung, Yin K’êng, alle Dichter der vorhergehenden Dynastie, wurden an den Hof der Ch’ên berufen. Hier wurde der  von der Nachwelt mit Hsü-Yü-Stil bezeichnete faszinierende, blumenreiche Stil gepflegt. (…)

Die politisch unsichere Lage des Reiches während der Liu-Ch’ao-Periode hat (…) einerseits einen schwarzen Pessimismus grossgezogen, andererseits aber auch einen Hedonismus, dessen einziges Bestreben war, zu leben, solange das Schicksal es gestattete. Besonders in der Zeit des Nan-ch’ao waren die inneren Wirren so gross, dass weder Kaiser noch Adel wussten, ob sie den kommenden Tag noch erleben würden, von dem armen Volke ganz zu schweigen. Wie viele Herrscher hat es denn während des Nan-ch’ao gegeben, die ein ruhiges Alter erleben durften? Die Folge war, dass man sich, soweit es Rang und Reichtum erlaubten, jegliche Freiheit gestattete, dem Wein und den Weibern sich ergab, um von einem Tag in den andern in Genüssen zu schwelgen. (…) Mit eleganten Versen die Gefühle der verweichlichten Schönen des Hofes und Harems zu schildern, diese Art von Poesie hat in diesen Palästen ihren Anfang genommen, und hat unter den Beamten nur zu bald willige Nachahmer gefunden. So ist in der Dichtung der sog. Palaststil, Kung-t’i, entstanden. (…) Diese sentimentalen Liebeslieder wurden jedoch nicht nur im Palast gepflegt, auch unter dem Volk fanden sie bald Gefallen. (…) Es ist bezeichnend für die damalige Zeit, dass man vielfach wertlose Nachahmungen produzierte, ferner dass sich die damalige Lyrik viel mit dem schönen Geschlecht befasste.

Aus: Eugen Feifel: Geschichte der chinesischen Literatur. Mit Berücksichtigung ihres geistesgeschichtlichen Hintergrundes. Dargestellt nach Nagasawa Kikuya: Shina Gakujutsu Bungeishi. Vierte, neu bearbeitete u. erw. Aufl.. Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olme, 1982, S. 204-206.

41. Impromptus

Introduction to Impromptus

by Michael Hofmann 

from Impromptus: Selected Poems and Some Prose, Gottfried Benn, translated and edited by Michael Hofmann

 

ImpromptusThough Gottfried Benn can scarcely be said to exist in the English-speaking world, there are a surprising number of prominent mentions of him. T. S. Eliot, for instance, in his essay „The Three Voices of Poetry“ goes so far as to associate one such voice—the first, „the voice of the poet talking to himself—or to nobody“—with Benn. John Berryman allows him the end of one Dream Song, no. 53: „and Gottfried Benn / said: —We are using our own skins for wallpaper and we cannot win.“ In his novel Plexus Henry Miller is careful to leave the 1927 issue of Eugene Jolas’s avant-garde magazine, transitions, lying around, and quotes in extenso from Benn’s essay in it. Frank O’Hara has a tilt at him in one of his invariably disastrous and perplexing diatribes, when he seems to have his ill-fitting Hector the Lecturer suit on: „Poetry is not instruments / that work at times / then walk out on you / laugh at you old / get drunk on you young / poetry’s part of your self“ („To Gottfried Benn“).

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40. Neu bei Hanser

Verschönern Sie sich den Herbst mit ein wenig Poesie: Vom 11. bis zum 30. November veröffentlichen wir jeden Tag hier auf dieser Seite und auf unseren Social-Media-Kanälen Facebook, Twitter und Google+ einen virtuellen Gedichtzettel.