Lord Lässig, 19.11.2013, metasoziale Antipoetik, Teil 2
“Eigentlich geht es in der Kunst nicht um die Bilder sondern deren Inhalt. Diesen ins Leben umsetzen bedeutet plastische Bilder zu finden, deren sozialer Selbstzweck heilsam ist. (…) NICHT AN BILDERN KLEBEN SONDERN HINDURCH BEWEGEN! FREIE MENSCHEN VERNETZT EUCH UM DAS LEBEN ZU POETISIEREN! Gegen diese schöne alte Plastikwelt und gegen die esoterisch-positivistisch halbierte Zweckemotionalität!”
De Toys, in: KÄMPFE KÜNSTLER (Manifest von 1990)
(Quelltext: Teil1= http://www.POETOPIE.de ; Teil2= http://www.POETISIERT.de)
EPIGONALE, EXISTENZIELLE, EKSTATISCHE & ENGAGIERTE LYRIK
(DIE METASOZIALE ANTIPOETIK IST KEINE BILLIGE BAUSTELLE!)
Metasoziale hyperreflexionen als fortsetzung von lord lässigs sOMatoform 29:
Ausgehend von der zivilisatorischen hypothese einer NARZIßTISCH-ASYMPTOTISCHEN OBJEKTKULTUR als motivationsmatrix der„identitätssuchenden“ menschheit unterscheide ich 4 sorten von lyrik, in denen der urschizophrene „kreative druck“ seinen literarischen niederschlag findet: die epigonale bejubelt die klassischen (oder/und „klassisch modernen“) formen des betriebskanons aus mangel an selbständiger sehnsucht; die existenzielle bespiegelt das ich ohne umwege mit seinen spirituellen selbstfragen nach identität, gott und sinn des lebens; die ekstatische bestaunt die intensität der begegnung zwischen einem abstrakten ich und dem projizierten du; und die engagierte beschreibt die real-utopischen konsequenzen aus den diversen begegnungen. Dabei besteht immer die grundhoffnung in dem metaphysischen irrglauben an die magische macht der wörter als objekthafter ersatz für die eigentlichenonverbale identifizierung des eigenen selbst mit sich selbst anstatt des wortes „ich“ und all seinen handlangern. Mit ausgestreckter hand & zunge wühlt sich das entfremdete ich durch den verlust seiner mitte, um eine PERFEKTE PROJEKTION seiner selbst zu inszenieren, weil das bewußtsein dafür verloren ging, daß das gesuchte „paradies“ nicht nur vom hintereingang aus theoretisch zurückerobert werden kann sondern vorallem pragmatisch-sensualistisch durch eine überwindung der dualistischen illusion, daß sich die welt in ein innen und außerhalb ihrer selbst einteilen ließe. Die dementsprechend INTEGRALE ERWEITERUNG ALLER SINNE zu einer holistischen weltfühlung erfordert zunächst einmal das scheitern der literarischen mittel auf höchstem niveau: die inflation der hypertrophierten verwechslung aller ausgesprochenen objektivierungen mit der identität des sprechers, um den zwangsphilosophischen mißbrauch der sprache zu spüren. Erst diese arationale anerkennung der prinzipiellen absurdität aller versuche, mit etwas anderem als sich selbst als das eigentliche subjekt identisch zu sein, öffnet den spielraum für eine ganz andere gattung von lyrik als perinzendentalen „fünften weg“, nämlich der mystisch-materiellen mischform aus allen vier sorten ohne die bisherige motivation der ontologischen objektivierung von wörtern. Der feine, doch radikale unterschied zwischen zwei zeitgenössischen lyrikertypen mit scheinbar derselben antinarzißtischen deobjektivierungsmethode besteht lediglich in der bewußtseinsverfassung hinter den poetologien: während der eine als entweder pubertär ichloser oder rational ichgläubiger streng sachlich und sprachverliebt die psychoide komponente von vornherein ablehnt, weil seine lebensumstände den ich-zweifel als sprachzweifel (noch) unterdrücken und mangels mystischer selbsterfahrung nur quasimythologische metaphern erfinden lassen, die sich im wettstreit der wortspiele neologistisch verausgaben, erlaubt sich der irgendwann ichbefreite lyriker die unendliche leere hinter der fassade aller erscheinungen mit in sein künstlerisches konzept einzubeziehen, indem er sie nicht mehr „dahinter“ ansiedelt sondern ein jedes einzelne wort wie die glaslosen fensterrahmen einer entkernten fassade als selbständigen ausdruck der transdualistischen leereempfindet, soll heißen: der sinn eines wortes liegt dann nicht mehr in seiner symbolik als fingerzeig auf einen weiß leuchtenden -taoistisch andächtigen- vollmond (dazu lese man läuternd erläuternd die subtile selbstfolterszene bei benjamin peret: eine noch so pervers weit herausgestreckte zunge wird den per se fernen mond niemals erreichen können!), sondern erschöpft sich in seiner detranszendentalen direkten mehrdimensionalität [=perinzendenz]*, die wir in den gemälden von lyonel feininger weit eher dargestellt sehen als bei picasso, den dadaisten oder den trivialkonkreten. Aber nicht nur bei den malern gibt es die sogenannten frühwerke und spätwerke, denn auch jeder lyriker macht selbstverständlich im laufe des lebens als mensch einige wandlungen dank kritischer erkenntnisse & ereignisse durch, die ihn vom epigonalen fetischismus über den experimentellen fanatismus allmählich zu seiner eigenen freien sprachlichkeit führen, wobei man sich nicht allzu voreilig aufgrund des rein biologischen alters und der dadurch suggerierten abgeklärtheit täuschen darf: Eine befreite (und dadurch auch sprachfreie statt sprachlose) begegnung zwischen dem früher oder später „erlösten“ (in sich selbst ruhenden), konkretisierten ICH und dem entprojizierten DU findet nur statt, wenn die entscheidenden fragen vom ich an sich selber gestellt & gelöst wurden, und zwar epigonal, existenziell, ekstatisch und engagiert! Manch ein gefeiertes spätwerk kann daher als unreifes, fast peinliches spätfrühwerk entlarvt werden, während auch „frühvollendete“ jugendwerke die anmutige alterweisheit eines lebenserfahrenen ausstrahlen können. Auch hier kann womöglich die eigendynamik des rezipienten weit mehr interpretationsspielraum eröffnen als sich der lyriker selbst jemals erträumt oder gewünscht hätte. Aus einem neurotischen narren kann der betrieb ein genie machen, und ein genie kann vielleicht in der medialen zeitgeisthypnose übersehen werden, ja manchmal sich selbst nicht erkennen, weil das gesagte so naheliegend gesagt werden muß, daß sich der sagende selbst dabei nicht sonderlich sagenhaft vorkommt. Aber worüber sich jeder, der denkt und poetisch schreibt, einigermaßen rechenschaft abzulegen bereit sein sollte, sind die psychologischen grundausstattungen seiner eigenen wahrnehmung von welt & seele, um diegenerelle motivation zur kreativität nachzuvollziehen, damit weder der dichter noch seine leser vom werk etwas verlangen, was rezensionen behaupten oder der klappentext einem verklickert. Weder lektoren noch journalisten verfügen über die autorität als sekundäre autorenschaft, um werke zu definieren, als stünde das arme gedicht vor gericht und hätte keinen mund, um sich selbst zu verteidigen. Letztendlich spricht jedes werk für sich selbst in seiner eigenen sprache, ganz gleich, ob die botschaft neurotisch beeinflusst, klassizistisch beschönigt, avantgardistisch bereinigt oder brutal innovativ erscheint. Wenn es dem leser in dessen gesamtsituation irgendwie gut tut, ja hilft, seinen persönlichen bezug zur seele & welt ein stück weit besser zu verstehen, hat es als literaturtherapeutisches produkt mehr bewirkt, als das idealistisch anmaßend „antitherapeutische“ selbstzweckgedicht jemals im stande wäre. Von diesen bemühten gedichten, deren geschmack an den teuren hustensaft erinnert, den man nach einigen ferngesteuerten, örtlich betäubten sekunden wieder erbrach, habe ich nichts zu erwarten, sie können mir gerne gestohlen bleiben…
* der Neologismus „Perinzendenz“ (per & in stehen für „durch“ & „drin“ statt der religiösen Hoffnung eines Etwas „hinter den Dingen“) ist inspiriert durch HEL ToussainT, der in einem Gespräch mit De Toys (im Jahre 2002) anmerkte, daß dessen Ergänzung vieler klassisch-mentaler Begriffe mit der Vorsilbe „trans“ (zwecks Überwindung ihrer dualistisch-idealistisch-illusionären Inhalte hin zu einer parallelistisch-mehrdimensionalen Spektralwahrnehmung) bei dem konservativen Glaubensbegriff der Transzendenz ad absurdum geführt wird.
Noch ein Lyrikexperte:
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Wolfgang Tiefensee, hat den Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit kritisch bewertet. „Die Lyrik des Berichts entspricht nicht immer den harten Fakten“, sagte Tiefensee kurz vor der Vorlage des Papiers der „Berliner Zeitung“. „Schönfärberei hilft aber niemandem weiter.“ / Die Welt
Hans-Jürgen Heise ist 83jährig in Kiel gestorben, meldet Fixpoetry und erinnert mit einem Poetryletter an den Dichter.
In einer Kritik von Peter Engel von 2009 heißt es:
Eine verknappte Sprache, die nah an der zeitgenössischen Wirklichkeit ist, und Bilder von prägnanter Eindeutigkeit – das sind bestimmende Merkmale der Lyrik von Hans-Jürgen Heise, der im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag feiern kann. Gewissermaßen als Vorklang dazu hat der in Kiel lebende Autor, einer der produktivsten im Lande, jetzt zwei neue Gedichtsammlungen herausgebracht. Zum einen ist das unter dem Titel „Luftwurzeln“ eine neuerliche Lese aus seinem umfangreichen lyrischen Gesamtschaffen, zum anderen handelt es sich um Heises Übersetzungen von Gedichten Federico Garcia Lorcas, die stark auf sein eigenes Werk eingewirkt haben. (…)
Die zweisprachige Edition bietet erstmals Heises Übersetzungen von solchen Texten Garcia Lorcas, die in den 80er Jahren aus dem Nachlass des Dichters auftauchten und die dem autorisierten deutschen Übersetzer seines Werks, dem 1974 gestorbenen Enrique Beck, nicht vorgelegen hatten. Es handelt sich um Proben aus den Sammlungen „Gedichtbuch“ (1918-1920), „Jahrmarkt“ (1921) und „Suiten“ (1921-1923).
Dieter Hildebrandt war entsetzt über die Entwicklung in unserem Land, über den Verfall des Geistes, Korruption, maßlose Bereicherung und öffentliche Niedertracht. Dieter Hildebrandt war alarmiert und hatte das dringende Gefühl, dass etwas Dramatisches passieren muss, um das Ruder herumzureissen. Dieter war angriffslustig – und er hat angegriffen.
Und wie! Dieter hat sich auch außerhalb der Bühne immer vehementer eingemischt. Er hat sein ganzes Gewicht als moralische und geistige Instanz in die Waagschale geworfen. Er das Projekt StörsenderTV aus der Taufe gehoben. Das wird uns bleiben und das ist ganz wichtig: der Störsender muss weiterleben und weiterwachsen!
Bleiben wird uns auch das Werk und die Erinnerung an einen grandiosen Kabarettisten, Schauspieler, Autor und fabelhaften Menschen – aber plötztlich fehlt da ein Freund, ein Vorbild, die Ehrlichkeit, der Anstand, der Scharfsinn und die Klugheit des Dieter Hildebrandt. / Konstantin Wecker, mehr hier
Die Vorjury hat
Konstantin Ames, Berlin
Eric Giebel, Darmstadt
Alexander Gumz, Berlin
Dirk Uwe Hansen, Greifswald
Anja Kampmann, Leipzig
Andra Schwarz, Leipzig
zur dritten Lesung am 13. Dezember,
um 19:30 Uhr, ins Münchner Literaturbüro,
Milchstraße 4, eingeladen.
Die Abendjury:
Bettina Hohoff, München
Jan Kuhlbrodt, Leipzig
Àxel Sanjosé, München
Tom Schulz, Berlin
Bis jetzt sind ins Finale (am 22. Februar) gewählt:
Dominic Angeloch, Berlin
Kerstin Becker, Dresden
Odile Kennel, Berlin
Birgit Kreipe, Berlin
Martin Piekar, Bad Soden
As a boy raised by artists, the poetry of life was inescapable. When Mother played Debussy on the piano or Dad played a recording of Gershwin’s „An American In Paris,“ this was nothing less than audible poetry. Grandmother’s watermelon rind pickles, the crisp cloves exploding with each crunchy bite, tasted poetic. And when Mother immersed the house ceiling to floor in painted coats of vivid color, the surface shades spoke to us as visual poets. / Rawlins Gilliland, Kera News
Lesungen von Timo Berger, Rafael Mantovani (Port. / Dt.) und Emanuele Rodo.
Freitag, 22.11.
Ausland
Lychener Strasse 60, 10437 Berlin
Geöffnet ab 20 Uhr, Beginn um 21 Uhr | Eintritt 5 EUR
Timo Berger wurde 1974 in Stuttgart geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin als Journalist, Herausgeber und Übersetzer aus der Spanischen und Portugiesischen. Zusammen mit Rike Bolte gründete er 2006 das mobile lateinamerikanische Lyrikfestival „Latinale“. Letzte Veröffentlichungen (als Herausgeber) „Popcorn unterm Zuckerhut. Junge brasilianische Literatur (Wagenbach, Berlin, 2013) und „De ahí nomás. Poesía de Centro América y el Caribe“ (Vox / Germinal, Bahía Blanca und San José, 2013); Als Autor „AmérikaNoAmérika“ (Bonobos, Mexico, 2012) und „Ferne Quartiere“ (lyrikedition 2000, München, 2008).
Rafael Mantovani wurde 1980 in São Paulo geboren. Er hat Linguistik an der Universität von São Paulo studiert und arbeitet seit 1998 als Übersetzer. Seine Gedichte wurden in Zeitschriften wie Opiniães, Rubato, Rosa und Lado7 veröffentlicht. Sein erster Gedichtband „Cão“ erschien 2011 bei dem Verlag Hedra. Er lebt derzeit in Berlin, wo er an der Humboldt Universität Philosophie und Gender Studies studiert. Er war einer der Gäste bei der Latinale – Lateinamerikanisches Poesiefestival 2013.
Emanuele Rodo, born in Rome 1974, is based in Berlin, lives across the border, in Europe. He underwent a set of mutual (reciprocal) acts of a sentence and passion throughout figurazioni (2004-), and figurae (2007-), respectively, in the declared manifestos – with Matteo Rovesciato, after T (2007-) – of in folio (2008-, with Manon Greiner), in pianto (2008-, with Dario Fariello) and posto (2009), a (potential) lore of (coded summits of) the above sentence. In ausland, he’ll present the work `pose (ηλεκτρον)‘.
Rap ist cool und dabei doch nichts anderes als? Lyrik, genau. Denn Rap besteht aus Wörter, die sich reimen, Geschichten erzählen und Gefühle offenlegen. Und seine Sprache ist jung. Nur die Themen sind seit Jahrhunderten die gleichen – auch wenn heute ein „Alter!“ davor gesetzt wird. Oder nach was hört sich folgender Reim an? „Du musst auf dein Herz hör’n, hör wie es schlägt, wie es fleht, wie es schreit, hör wie es lebt, wie es lacht, wie es weint.“ Schiller oder Sido? Tatsächlich Sido. / Julia Dreier/Willi Adam, Badische Zeitung
Man sagt, Dichter sehen das Leben durch rosa Brillen, aber ich sage lieber, durch ein starkes Fernglas mit Pastelltönung.
They say poets look at life through rose-colored glasses but I’d say it’s through high-resolution binoculars with a pastel tint.
/ Rawlins Gilliland, Kera News
Heute abend (MEZ) startete die Marssonde MAVEN, die die Marsatmosphäre untersuchen soll, aber auch eine künstlerische Mission hat. Auf einer DVD transportiert sie Bilder und rund 1500 Gedichte – englischsprachige Haikus, die von tausenden Erdlingen eingesandt wurden. Ob die Marsianer Englisch verstehen oder einen DVD-Player besitzen, ist insofern irrelevant, als die Sonde nicht landen, sondern den Mars nur in 150 bis 6000 km Abstand umkreisen wird.
Hier der Link zum NASA-TV-Kanal, hier Informationen zum Flug und ein paar Texte und hier alle 1500.
Die meisten Stimmen bekamen:
It’s funny, they named
Mars after the God of War
Have a look at Earth
(Benedict Smith
United Kingdom)
Thirty-six million
miles of whispering welcome.
Mars, you called us home.
(Vanna Bonta
USA)
Eine junge, schöne Frau wird von Uniformierten in einen Käfig gesperrt. Sie trägt Handschellen und schlägt die Augen nieder. Ihr Vergehen ist weltbekannt: Sie hat einen der mächtigsten Männer der Erde beleidigt,Geschäftspartner des deutschen Altkanzlers Schröder, Herr über 143 Millionen Menschen und ein Drittel der Erdgasvorräte der Welt. In einem neostalinistischen Schauprozess wurde sie zu zwei Jahren Gulag verurteilt. Seither sitzt sie in ständig wechselnden sibirischen Straflagern, wartet, näht, hungert und wartet weiter.
Nadeschda Tolokonnikowa und ihre russische Band Pussy Riot führen neben den ukrainischen Femen die radikalste feministische Revolte Europas an. Beide Frauenpunkbewegungen konzentrierten sich bisher auf ihre Aktionskünstlerschaft und beschränken sich auf schlanke Forderungen: Verjagt Putin, die Ukraine ist kein Bordell, weg mit der Prostitution. / Iris Radisch schreibt in der Zeit über den Briefwechsel zwischen Nadeschda Tolokonnikowa und Slawoj Žižek.
Dante Alighieri und André Rieu tummeln sich in den Höllenkreisen aus der Göttlichen Komödie; das Prinzenbad könnte auch der Hades sein; und die Hölle, das sind nicht die Anderen, sondern die Fußgängerzone der Stadt Kassel. Ob die mythische Medusa oder Madonna in einer gelben Speedo-Badehose auf einem Ein-Meter-Brett: auf überbordende, vor Sprachspiellust und Anspielungswut fast berstende Weise malt der Autor ein illustres Weltuntergangsszenario zwischen Schaudern und Satire. Hier ist der Armageddon ein fett gemästetes Showprogramm, mit einemlangverweste Dante als kompetenter Reisebegleitung.
Lässig wäre wohl das passende Wort um die Haltung des lyrischen Ichs auf dieser Reise zu beschreiben. Durch die Apokalypse glitt ich körperbetont. Ein Flip-Flop-Flaneur, der mit distanziertem und sarkastischem Blick den wüstesten Szenen beiwohnt. Denn der Weltuntergang findet in Form von H&M und Hartz IV schon seit Längerem und gleich um die Ecke statt, z.B. am Kottbusser Tor.
Aber an den Obstständen vorm Kotti (schau an)
noch lebendige Tote mit jodgefüllten Lebern
stehen Leichen labbrig ledern im lauen Wind
im Wiegeschritt taumeln wir den Apokalypso mit
Dieser Apokalypso, der Totentanz als mittelalterliche Allegorie auf die Gewalt des Todes über das Menschenleben ist das zentrale Thema des Bandes. Die alte Frage, was kann der Mensch tun, im Angesicht der ständigen Bedrohung durch den Tod und der Vergänglichkeit von Welt und Leben. Wie auch die Maler im Zeitalter des Barock scheint Voß dem horror vacui eine Überfülle an Ornamente entgegensetzen zu wollen. Man hat mitunter den Eindruck, als wolle er den Tod totlabern, begraben unter einem Wall von großartigen Alliterationen, Assonanzen und geglückten Wortspielen (Zerebraler Zerberus, Sternen-Staub-Sauger, Barock-Brocken), die vor dem letzten und absoluten Schweigen feien sollen. / Mónika Koncz, Fixpoetry
Florian Voß
In Flip-Flops nach Armageddon
Verlagshaus J. Frank
2013 · 100 Seiten · 13,90 Euro
ISBN: 978-3-940249-78-4

This poem translated from the Nigerian language group by Roger Wescott propounds a simple truth: it is a good thing to have children. Twins in particular have a religious significance. One of the cults of the Yoruba in Nigeria and Dahomey in West Africa is that of the ibeji (twins). The Yoruba differ from most West African tribes in welcoming the birth of twins and not considering them a moral calamity. Whenever one or both of the twins die, small twin figures such as the ones pictured here are carved in order to avert further visitations of death on the family. The figures are kept in family shrines and are ceremonially fed and anointed with oils on certain days to insure that the spirits of the dead twin or twins may remain with the tribe. /

Ich brauch jetzt mal ein unverständliches Gedicht, was für den kleinen elitären Zirkel. Die anderen können in der Zwischenzeit was andres machen.
Ursonorous Disruptions-Wu Tang
Kurt Schwitters‘ Ursonate played back using phonetic fragments from multiple Ursonate performances mixed with various songs by Wu Tang clan. By Dan Richert and Mathew Timmons.
das geschäftig durch die Stadtstraßen hastende Volk macht mich nur traurig
Hansjürgen Bulkowski
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