Kategorie: Europa

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Fragmenttext von Angelika Janz

Die Dichter wohnen in den Jahrhunderten

Elke Erb Die Dichter wohnen in den Jahrhunderten, Dieser in jenem, jener in diesem, einer lappt über, Der andere mittendrin wie der andere, der auch mittendrin wohnt. Schön und gut. Endler erstreckt sich von 30 bis 90 in seinem. Sonst wohnen auch die Dichter… Continue Reading „Die Dichter wohnen in den Jahrhunderten“

Adolf Endler

„Ficken“; gegen den stacheligsten inneren Widerstand dieser DDR-nostalgischen Notiz vorausgeschickt, gehört diese Vokabel neben einigen anderen („vögeln“, „bumsen“ et cetera) zu den vom Autor bis heute strikt gemiedenen; man wird, so lange man auch sucht, dieses Wort schwerlich in meinen bisherigen Texten finden –… Continue Reading „Adolf Endler“

Weil unsre Augen sie nicht sehn

Das Gedicht des Tages heute als Bildergeschichte. Gestern nachmittag waren wir am Strand bei Gahlkow. Es war klare Sicht rüber nach Rügen. Mit bloßen Augen sah man die Berge von Zicker an der Südostspitze der Insel. Der Südperd vor Thiessow eine markante Nase, aus… Continue Reading „Weil unsre Augen sie nicht sehn“

Puschkin Zeitgenosse

Prosaübersetzungen gelten als Notbehelf. Aber in diesem Gedicht fehlt nichts. Der prägnante Parallelismus und die zweimal dreifache Anapher ergeben ein dichtes Gebilde, jeder Versuch, Reim und Jambus hineinzuzwingen, könnte es nur abdrängen. Die Mitte eines kurzen Gedichts, deutsch von Kay Borowsky. Puschkin war etwa… Continue Reading „Puschkin Zeitgenosse“

Kaspar Hauser

Am 26. Mai 1828 tauchte der 16-jährige Kaspar Hauser in Nürnberg auf und sprach den Schuhmachermeister Weickmann an. Sein Fall wurde vielfach literarisch gestaltet. Hier einige Beispiele. Richard Dehmel Lied Kaspar Hausers Nach Verlaine Ich kam so fromm, ein Waisenkind, das nichts als seine… Continue Reading „Kaspar Hauser“

Wuchert die Torheit

Friedrich Bodenstedt (1819-1892) Völkerhaß Durch Zäune trennt man Herden auf der Weide, Nach Grenzen, die durch Herrschermacht sich ändern, Nach Ursprung, Sitten, Sprachen und Gewändern Zieht man der Menschheit bunte Völkerscheide. Doch Gott will nicht, daß Volk und Volk sich meide: Das Meer bis… Continue Reading „Wuchert die Torheit“

„Lebt man denn, wenn andre leben?“

Johann Wolfgang Goethe Keinen Reimer wird man finden, Der sich nicht den besten hielte, Keinen Fiedler, der nicht lieber Eigne Melodien spielte. Und ich konnte sie nicht tadeln; Wenn wir andern Ehre geben, Müssen wir uns selbst entadeln; Lebt man denn, wenn andre leben?… Continue Reading „„Lebt man denn, wenn andre leben?““

Felix Philipp Ingold

 

Aber dem war nicht so

Er kannte sich und wußte, daß ihm die Poesie abhandengekommen war. – Er kannte seine Genossen und wußte, daß sie ihn dafür loben würden. Einmal noch, nach Chrustschows halbverstecktem Tauwetter, erwachte ein poetischer Funken. Aber nach Niederschlagung der ungarischen Revolution war damit Schluß. Er… Continue Reading „Aber dem war nicht so“

Àxel Sanjosé

So falsch und gewollt die Formeln der Metaphysik, so leicht zu verwechseln mit Schnörkeln, mit Zufall, Glaube, Nemesis, wirrer Kunde aus Zeiten: so unscharf zerfiel, zerlief das Mederreich, verwischt auch die Blüte, und niemand, nein niemand befolgte je Netschajews Katechismus. Viel Gotik und immer… Continue Reading „Àxel Sanjosé“

Jetzige Generation

Von Friedrich Schiller War es stets so wie jetzt? Ich kann das Geschlecht nicht begreifen,    Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt! Geschrieben im Januar 1796, Erstveröffentlichung im Musenalmanach für das Jahr 1797

Jürgen Landt

verschollen, doch als jammergestalt noch sichtbar, von ärzten anschreibar, zu verhöhnen, zu bedrohen, zu nötigen und zu demütigen alle die mal gelebt haben sind tot. und ich ersticke am vorhandensein. schlafe nicht in erlösung ein. alle einmal gelebten sind nicht mehr da. aber viele… Continue Reading „Jürgen Landt“

Wie möcht es die Toten verstören

Rosalía de Castro 1837 – 1885 DIE GLOCKEN Und ich lieb sie, und ich hör sie, und hör sie wie Windgestöber und wie der Quellen Rauschen oder der Lämmer Blöken. Und dämmert über den Himmel die erste Morgenröte, begrüßen sie sie jubelnd wie die… Continue Reading „Wie möcht es die Toten verstören“

Horst Samson

NACHDENKEN ÜBER TRAKL Auf dem Rand der Vernunft, Sitze ich über dem Hanauer Ring, Denke an Trakl und Bossert, Lasse im dritten Stockwerk Die Füße baumeln. Verschicke Im offenen Fenster Rauchzeichen. Hinter mir das Zimmer, vor mir die dunkle Stirn, unter mir Asphalt, über… Continue Reading „Horst Samson“