Wie möcht es die Toten verstören

Rosalía de Castro 1837 – 1885

DIE GLOCKEN

Und ich lieb sie, und ich hör sie,
und hör sie wie Windgestöber
und wie der Quellen Rauschen
oder der Lämmer Blöken.

Und dämmert über den Himmel
die erste Morgenröte,
begrüßen sie sie jubelnd
wie die erwachten Vögel.

Aus ihren Klängen, die hallend
um Tal und Hügel tönen,
klingt eine ferne Einfalt,
klingt Frieden und Versöhnen.

Wenn sie für immer schwiegen —
wie weinten Himmel und Höhen!
Wie wären die Kirchen stille!
Wie möcht es die Toten verstören!

Deutsch von Rudolf Großmann aus: Gedichte der Spanier. Zweisprachig. Hrsg. Rudolf Großmann. Leipzig: Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, 1948. Bd.2: Vom Klassizismus bis zum Modernismus. S. 267

Der 17. Mai ist ihr zu Ehren in Galicien der „Día das Letras Galegas“.

LAS CAMPANAS

Yo las amo, yo las oigo
cual oigo el rumor del viento,
el murmurar de la fuente
o el balido del cordero.

Como los pájaros, ellas,
tan pronto asoma en los cielos
el primer rayo del alba,
le saludan con sus ecos.

Y en sus notas, que van repitiéndose
por los llanos y los cerros,
hay algo de candoroso,
de apacible y de halagüeño.

Si por siempre enmudecieran,
¡qué tristeza en el aire y el cielo!,
¡qué silencio en las iglesias!,
¡qué extrañeza entre los muertos!

3 Comments on “Wie möcht es die Toten verstören

  1. Rosalía de Castro hat Gedichte in spanischer, vor allem aber auch in galegischer Sprache geschrieben!

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  2. ja, die pionierin der galegischen oder galicischen literatur, weshalb der 17. mai (an dem im jahr 1863 ihre erste sammlung galicischer gedichte erschien) heute in galicien als „tag der galicischen literatur“ gefeiert wird. leider habe ich keins ihrer galicischen auf deutsch gefunden

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  3. Hier eines der bekanntesten der auf Galicisch geschriebenen Gedichte von Rosalía de Castro (1837–1885). Es erschien in der Sammlung Cantares gallegos von 1863, die als Geburtsstunde des Rexurdimento galego [Wiederaufleben des Galicischen] gilt. Das Galicische (auch Galegische) wird im Nordwesten der iberischen Halbinsel gesprochen und ist dem Portugiesischen nah verwandt; im Mittelalter bildeten sie noch eine sprachliche Einheit (galaicoportugués).

    Adios, ríos; adios, fontes;
    adios, regatos pequenos;
    adios, vista dos meus ollos:
    non sei cando nos veremos.

    Miña terra, miña terra,
    terra donde me eu criei,
    hortiña que quero tanto,
    figueiriñas que prantei,

    prados, ríos, arboredas,
    pinares que move o vento,
    paxariños piadores,
    casiña do meu contento,

    muíño dos castañares,
    noites craras de luar,
    campaniñas trimbadoras
    da igrexiña do lugar,

    amoriñas das silveiras
    que eu lle daba ó meu amor,
    camiñiños antre o millo,
    ¡adios, para sempre adios!

    ¡Adios groria! ¡Adios contento!
    ¡Deixo a casa onde nacín,
    deixo a aldea que conozo
    por un mundo que non vin!

    Deixo amigos por estraños,
    deixo a veiga polo mar,
    deixo, en fin, canto ben quero…
    ¡Quen pudera non deixar!…

    Mais son probe e, ¡mal pecado!,
    a miña terra n’é miña,
    que hastra lle dan de prestado
    a beira por que camiña
    ó que naceu desdichado.

    Téñovos, pois, que deixar,
    hortiña que tanto amei,
    fogueiriña do meu lar,
    arboriños que prantei,
    fontiña do cabañar.

    Adios, adios, que me vou,
    herbiñas do camposanto,
    donde meu pai se enterrou,
    herbiñas que biquei tanto,
    terriña que nos criou.

    Adios Virxe da Asunción,
    branca como un serafín;
    lévovos no corazón:
    Pedídelle a Dios por min,
    miña Virxe da Asunción.

    Xa se oien lonxe, moi lonxe,
    as campanas do Pomar;
    para min, ¡ai!, coitadiño,
    nunca máis han de tocar.

    Xa se oien lonxe, máis lonxe
    Cada balada é un dolor;
    voume soio, sin arrimo…
    Miña terra, ¡adios!, ¡adios!

    ¡Adios tamén, queridiña!…
    ¡Adios por sempre quizais!…
    Dígoche este adios chorando
    desde a beiriña do mar.

    Non me olvides, queridiña,
    si morro de soidás…
    tantas légoas mar adentro…
    ¡Miña casiña!, ¡meu lar!

    Lebt wohl Flüsse, lebt wohl Quellen,
    lebet wohl, ihr kleinen Bäche,
    leb wohl, Aussicht meiner Augen,
    weiß nicht, wann wir uns wohl sehen.

    Du mein Land, du mein Land,
    Land, in dem ich aufgewachsen,
    Gärtlein, das ich so sehr liebe,
    Feigenbäumlein, einst gepflanzt,

    Wiesen, Flüsse, Waldungen,
    windbewegte Pinienhaine,
    Vögelein, immer am Singen,
    Häuslein meiner guten Zeit,

    Mühle am Kastaniengrund,
    helle Nächte vollen Mondes,
    Glöcklein mit dem trauten Klang
    aus dem Kirchlein hier im Dorf,

    Brombeerlein von diesen Sträuchen,
    die ich meiner Liebsten gab,
    Wegelein durch Hiresefelder
    Lebet wohl auf immerdar!

    Lebt wohl Herrlichkeit und Wonne!
    Mein Geburtshaus lass ich nun,
    lass den Ort, den ich gut kenne,
    für die Welt, die ich nie sah!

    Lasse Freunde nun für Fremde,
    lass die Auen für das Meer,
    lasse alles, was ich liebe …
    Glücklich, wer nichts lassen muss!

    Arm bin ich und, schlimme Sünde!,
    dies mein Land ist gar nicht meins,
    selbst das Ufer, drauf man geht,
    wurde einem nur geliehen,
    wenn man ohne Glück geboren.

    Also muss ich euch wohl lassen,
    Gärtlein, das ich so geliebt,
    Feuerchen auf meinem Herd,
    Bäumlein, die ich pflanzte einst,
    Brünnlein dort am Weideweg.

    Lebet wohl, lebt wohl, ich gehe,
    Gräslein auf dem Gottesacker,
    wo mein Vater liegt begraben,
    Gräslein, die ich oft geküsst,
    Ländlein, das uns großgezogen.

    Lebt wohl, Himmelfahrt-Madonna,
    weiß als wie ein Seraphim,
    ich trag Euch in meinem Herzen:
    Bittet Gott den Herrn für mich.,
    meine Himmelfahrt-Madonna.

    Schon hört man sie fern, sehr ferne
    unsre Glocken von Pomar,
    und für mich, weh mir, ich Armer,
    läuten sie wohl nimmermehr.

    Schon hört man sie fern, noch ferner.
    Jeder Schlag zugleich ein Schmerz;
    zieh allein fort, ohne Beistand …
    Ach, mein Land, leb wohl! Leb wohl!

    Leb auch du wohl, meine Liebste! …
    Ein Lebwohl vielleicht für immer! …
    Weinend sag ich dir Lebwohl,
    von dem Uferlein des Meeres.

    Schätzlein, ach, vergiss mich nicht,
    wenn vor Einsamkeit ich sterbe …
    So viel Meilen meereinwärts …
    Ach mein Häuslein! Ach mein Heim!

    [Übertragung: à.s.]

    Auffällig ist die gehäufte Verwendung der Diminutiv-Form. Sie unterstreicht das Volksliedhafte im Sinne der Romantik, aus deren Gedankengut ja auch das im 19. Jahrhundert neu erwachte Interesse an den marginalisierten Sprachen hervorging. Darüber hinaus verstärkt der Gebrauch der Verkleinerungsformen die kindlich-naive Verbundenhei des lyrischen Ichs mit der Heimat, die es nun verlassen muss. Die obstinate Wiederholung der Suffixe »-iña/-iño« [sprich: -inja/-injo] gibt dem Text einen äußerst weichen, fließend-singenden Klang, zu welchem die Possessiva »miña/miño« beitragen. Da »-iña/-iño« innerhalb der romanischen Sprachen das spezifisch galicisch-portugiesische Diminutiv-Signal darstellt, setzt das Gedicht auch auf morphematischer Ebene ein Zeichen der regionalen (und damit vom zentralistischen Sprachgebrauch sich absetzenden) Identifikation.

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