Puschkin Zeitgenosse

Prosaübersetzungen gelten als Notbehelf. Aber in diesem Gedicht fehlt nichts. Der prägnante Parallelismus und die zweimal dreifache Anapher ergeben ein dichtes Gebilde, jeder Versuch, Reim und Jambus hineinzuzwingen, könnte es nur abdrängen. Die Mitte eines kurzen Gedichts, deutsch von Kay Borowsky. Puschkin war etwa 25, als er es schrieb, es ist 1824. Er hat gerade drei Jahre Verbannung wegen revolutionärer Umtriebe hinter sich. Er ist Romantiker, die Romantiker sind nicht romantisch, sie sind die ersten modernen Menschen, ein Labor der Moderne.

Nicht für die kalten Nachahmer,
nicht für die hungernden Übersetzer,
nicht für die schüchternen Reimschmiede
bereite ich meine Verderben bringenden Epigramme!
Friede euch, ihr glücklosen Poeten,
Friede euch, ihr Konsorten von der Journaille,
Friede euch, ihr demütigen Dummköpfe!
Ihr aber, ihr Schufte – hervor!
Euch ganzes Gesindel werde ich
quälen mit der Strafe der Schande!
Und sollte ich einen vergessen,
bitte, erinnern Sie mich dann, meine Herren!

Aus: Alexander Puschkin: Gedichte. Russisch/Deutsch. Übersetzt von Kay Borowsky und Rudolf Pollach. Stuttgart: Reclam, 1998, S. 49. Das überschriftlose Gedicht beginnt mit der Zeile „O Muse der flammenden Satire“.

(Abweichend vom Buch,das Prosa mit Trennstrichen verwendet, habe ich hier die Zeilengestalt wiederhergestellt.)

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