165. Kaum übersetzt

Ein schon etwas älterer Artikel zum Thema, in dem auch der vorige Cervantespreisträger vorkommt:

In Lateinamerika wurde und wird exzellente Lyrik geschrieben. Übersetzungen ins Deutsche gibt es heute allerdings kaum noch. Die grossen Literaturverlage und ihre Qualitätsreihen – etwa die Bibliothek Suhrkamp oder die Edition Lyrik-Kabinett bei Hanser – üben Verzicht. Mit der Edition Delta (Stuttgart) und dem Teamart-Verlag (Zürich) sind es zwei Kleinstverlage, die regelmässig Übersetzungen herausbringen, pro Jahr etwa ein bis zwei Bände. Andere wie der Rimbaud-Verlag oder Luxbooks bieten immerhin sporadisch etwas. Alles mit grossem Elan und oft in ansprechender Qualität, aber mit marginaler Resonanz in den Medien und Buchgeschäften, sodass es bei niedrigen Auflagen bleibt.

Das war nicht immer so. Bis vor wenigen Jahren noch gehörte es hierzulande wie selbstverständlich dazu, Gedichte des Chilenen Pablo Neruda (1904–1973) oder des Nicaraguaners Ernesto Cardenal (geboren 1925) zu lesen. Auch Gabriela Mistral und Octavio Paz konnten einmal als bekannt gelten. Schon etwas weniger Licht fiel auf Nicolás Guillén, César Vallejo oder Alejandra Pizarnik, auf Jorge Luis Borges und Roque Dalton. Aber immerhin, das war schon etwas.

Dennoch wurden viele wichtige Autor­Innen bestenfalls in Anthologien aufgenommen oder gar nicht übersetzt. Ramón López Velarde, Leopoldo Lugones, Rosario Castellanos, Efraín Huerta oder Gilberto Owen gehören dazu, alles grosse Namen des 20. Jahrhunderts – ganz zu schweigen von zeitgenössischen LyrikerInnen. Als Nicanor Parra, Nerudas Gegenpol in der chilenischen Lyrik, im April 2012 den Premio Cervantes erhielt, die höchste literarische Auszeichnung der spanischsprachigen Welt, war sein Werk auf Deutsch nicht erhältlich.

Der Artikel von Valentin Schönherr, WOZ 19/ 2012, geht ausführlich und mit Beispielen von Mauricio Rosencof (Uruguay), Tamara Kamenszain und Alfonsina Storni (Argentinien), auf Übersetzungsprinzipien und den Unterschied spanischer und deutscher Dichtung ein.

 

 

2 Comments on “165. Kaum übersetzt

  1. Ich denke Pablo Neruda ist der bekannteste hier zu Lande? Von ihm habe ich auch ein Gedichtband im Bücherregal. Die anderen kenne ich nicht, finde es aber sehr interessant davon zu lesen. Danke!

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  2. Pingback: Lateinamerikanische Lyrik | muetzenfalterin

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