Lyrikzeitung & Poetry News

20. Dezember 2011

80. Schleuder-Bursche

Einsortiert unter: Balearen, Katalanisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 08:53

Zur Meldung über den mallorquinischen “Inseldichter” Guillem d’Efak hat Àxel Sanjosé für uns eins seiner Gedichte übersetzt (ich hols aus dem Kommentar).

Guillem d’Efak

AL∙LOT DE FONA

Som fill de foners i maneig la fona;
no hi ha rei com jo si no du corona
Surran de clapers a mi me suraren,
clapers de gegant que els avis alçaren.
Despenj un ocell amb una pedrada,
faig botir un ull a més de cent passes.
Mat, amb un sol tret, les bèsties salvatges.
Bassetja a la mà tenc mals arrambatges.
Me peixà mu mare amb llet i formatge,
amb mel i brossat i amb conill de caça.
Amb so primer bel me donà la fona.
No hi ha rei com jo si no du corona.
Si me veis venir voleiant la bassetja
arraconau-vos a esquerra o a dreta
o amb un cop de roc us faré sa clenxa.
Quan jo prenc el dret no vaig de punyetes
que el meu caminar sol fer retxa dreta
davant de cavalls, davant de sagetes.
La tropa romana o cartaginesa
o lloguen o tasten la meva destresa.
Qui em cerca me troba en molt poca estona
i se’n pot anar a penedir Roma.
Som fill de foners i maneig la fona,
no hi ha rei com jo si no du corona.

Schleuder-Bursche

Ich bin Sohn von Schleudrern und werf mit der Schleuder,
keinen König gibt’s wie mich, trägt er keine Krone.
Bei den Steinhaufen am Feldrand wurd ich großgezogen
bei den Riesensteinen dort, die die Ahnen türmten.
Hol mit einem Steinwurf einen Vogel runter,
lass ein Auge springen aus hundert Schritt Entfernung.
Mit nur einem Schuss töte ich wilde Tiere.
Mit der Schleuder in der Hand ist mit mir kein Spaßen.
Meine Mutter fütterte mich mit Milch und Käse,
mit Honig und Quark und wilden Kaninchen.
Mit dem ersten Schrei gab sie mir die Schleuder.
Keinen König gibt’s wie mich, trägt er keine Krone.
Seht ihr mich schon kommen mit schwingender Schleuder,
dann geht schnell nach links oder rechts in Deckung,
zieh euch sonst den Scheitel mit ‘nem Felsenbrocken.
Nehm ich mir das Recht, fackle ich nicht lange,
wohin ich auch geh, ist die Spur gerade
ganz gleich ob vor Pferden oder ob vor Pfeilen.
Die römischen Truppen und die aus Karthago,
die heuern mein Können oder müssen’s spüren.
Wer mich sucht, der findet mich nach kurzer Weile
und kann dann bis Rom es bereuen gehen.
Ich bin Sohn von Schleudrern und werf mit der Schleuder,
keinen König gibt’s wie mich, trägt er keine Krone.

Aus: El regne enmig del mar [Das Königreich mitten im Meer], 1980

[hab versucht, ein wenig vom originalmetrum (regelmäßige elfsilber, paarreim teils rein, teils assonant, durchgehend weibl. kadenz) durch freie handhabung herüberklingen zu lassen, ohne es – hoffentlich – allzusehr in die form zu zwängen]

8. Dezember 2011

33. Inseldichter Guillem d’Efak

Einsortiert unter: Balearen, Katalanisch — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 08:18

In Äquatorial-Guinea geboren, in Manacor (Mallorca) zu Hause: der Dichter und Sänger Guillem d’Efak (1929–1995)

Vielleicht wird jetzt, 16 Jahre nach seinem Tod, der mallorquinische Literat und Sänger Guillem d’Efak auf der Insel endlich in Ehren gehalten. Bislang waren seine Lieder und Gedichte, seine Langspielplatten und Lesungen nur einem Zirkel von Eingeweihten zugänglich. Dazu gehörten besonders jene, die den 1995 an Krebs verstorbenen Künstler noch persönlich gekannt oder seinen Nachlass irgendwie verarbeitet haben, wie der Musiker Joan Martorell oder der Maler Miquel Barceló. …

Der Mann mit dem komischen Namen und der dunklen Haut war ein Freigeist und er war, trotz seiner gemischten Herkunft, so etwas wie der inoffizielle Inseldichter. „Seine Sprache war sehr mallorquinisch, er benutzte Wörter, die heute nicht mehr verbreitet sind”, sagt der Komponist Joan Martorell, der vor ein paar Jahren 13 Gedichte von Guillem d’Efak vertont und eingespielt hat. „Und seine Themen behandelte er mit erschütternder Tiefe.” Die Arbeit mit den Gedichten beschreibt der 35-Jährige als „Therapie und technische Herausforderung, seine Gedichte haben einen absolut freien Rhythmus und gehen an die Nieren”. / Mallorca-Zeitung 8.12.

23. Juni 2011

118. Deutsch-Katalanisch (Mallorquinisch)

Einsortiert unter: Balearen, Deutsch, Deutschland, Katalanisch — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 10:46

Viele Texte ihres letzten Gedichtbandes „Dschinn” (2007) entstanden auf und handeln von Mallorca. Doch mit Betrachten gab sich Sabine Schiffner, die heute zwischen Köln und Palma lebt, nicht zufrieden: Sie wollte „in diese Welt rein” und studierte Katalanisch.

In einem Gespräch mit der Mallorcazeitung sagt sie:

Poesie zu übersetzen, gilt als extrem schwierig.
Es ging erstaunlich gut. Ich glaube, das lag weniger an den Gedichten als am Mallorquinischen. Die Sprache eignet sich ideal für Poesie. Wir haben fast immer treffende Ausdrücke gefunden.

„Dschinn”. Deutsch-katalanische Lesung mit Sabine Schiffner und Rosa Planas, Dienstag (28.6.), 20 Uhr, Kulturzentrum Can Alcover, C/. Sant Alonso, 24, Palma. Eintritt frei.

Am Dienstag (28.6.) findet im Kulturzentrum Can Alcover in Palma eine deutsch-katalanische Lesung ihrer Arbeiten statt 

11. Juni 2010

60. Inseln

Heute im Programm des poesiefestivals berlin:

Gefilde der Unseligen – die Insel als poetische Möglichkeit
Mit Nora Nadjarian und Adrian Grima; Moderation: Ron Winkler

Nora Nadjarian und Adrian Grima, zeitgenössische Lyriker aus Malta und Zypern, loten im Gespräch mit Ron Winkler die poetischen Räume aus, die eine Insel bieten kann als Sehnsuchtsziel vieler Reisender – als Ort der Jungfräulichkeit, aber auch als Insel begrabener Hoffnungen.
17:00 Uhr, Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Clubraum; Eintritt € 5/3

illa – կղզի- gżira – νησί – ada: Wort-Inseln
Mit George Christodoulides, Zypern; Adrian Grima, Malta; Nora Nadjarian, Zypern; Carles Rebassa, Mallorca; Neşe Yaşin in Zypern; Moderation: Brigitte Oleschinski, Berlin

Fünf Dichter entfalten ein lyrisches Panorama zwischen Katalanisch, der semitischen Sprache Maltesisch, Türkisch, Griechisch, Armenisch und Englisch. Sie verorten ihre Heimat zwischen Massentourismus und Isolationsängsten, zwischen der Insel als Kreuzungspunkt der Kulturen und Religionen und der Insel als Reibungspunkt der Geschichte. Der Abend wird durch das Werk „En plo/Auf See“ des zyprischen Komponisten Marios Ioannou Elia eröffnet.

20:00 Uhr,  Akademie der Künste, Hanseatenweg, Kleines Parkett; Eintritt € 6/4

Theme: Silver is the New Black. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 242 other followers