John Wilkes is an unlikely candidate. He was a radical MP, journalist and later Lord Mayor of London who wrote pornographic poetry. And he was described as the ugliest man in England. But his charm was extraordinary: „With the start of a quarter of an hour,“ he said, „I can get the better of any man, however good-looking, in the graces of any lady.“ (He later amended this to half an hour modestly.) In an exchange with the Earl of Sandwich, who declared „Sir, I do not know whether you will die on the gallows or of the pox,“ Wilkes replied: „That, sir, depends on whether I embrace your principles or your mistress.“ His technique? Unfettered charm. / Mark Wilson, Independent 14.9. 2008
Zum Glück für die deutschsprachige Literatur der Nachkriegszeit gab es nicht nur die ‚Gruppe 47‘ mit ihren Großwesiren. ‚Graz, Stadtpark 1‘ hieß seit dem Ausgang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts und für lange Zeit die erste Adresse der jüngeren deutschsprachigen Literatur, bekannt auch als deren ‚Genie-Ecke‘. In dieser Grenzregion, wo eine Peripherie an die andere stößt, mit Reibungszonen, die selbst jeden Vers konkreter Poesie zum umkämpften Politikum machten, hier wollte man Avantgarde sein, hier war man einer experimentellen Literatursprache verpflichtet, und anders als in Berlin, München oder Wanne-Eickel wäre hier auch niemand auf die Idee gekommen, so zu schreiben wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Das alles begann mit der ‚Revolution im Stadtpark‘ und Alfred Kolleritsch, der heute achtzig Jahre alt oder besser – wovon seine wasserklaren, klugen und neugierigen Augen zeugen – jung wird, war ihr Prophet. / VOLKER BREIDECKER, Süddeutsche Zeitung 16.2.
‚Das schönste Fremde ist bei dir.‘ (Alfred Kolleritsch zum 80. Geburtstag, hrsg. von Andrea Stift und Andreas Unterweger, Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2011, 192 Seiten, 25 Euro.)
Der mit 5.000 Euro dotierte Gustav-Regler-Preis der Kreisstadt Merzig geht in diesem Jahr an Hans Arnfrid Astel, den mit 2.500 Euro dotierten Gustav-Regler-Förderpreis des Saarländischen Rundfunks erhält Cordula Simon. Beide Preise werden alle drei Jahre verliehen.
Die preiswürdige Leistung von Hans Arnfrid Astel sieht die Jury an erster Stelle in seiner Lyrik: Er hat bisher über dreitausend Epigramme publiziert, in denen er mit Referenz auf konkrete Gegenstände bundesdeutsche Verhältnisse kritisch und pointiert aufgreift („Strafzettel für den Rechtsstaat“) und andererseits biologische Mythen bei der Sprachwurzel packt und in die Gegenwart verfolgt. / SR
Der 57-jährige Autor Erwin Einzinger, der in Micheldorf lebt, hat am Mittwoch den H.C.-Artmann-Preis 2010 erhalten. Die Auszeichnung für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik ist mit 10.000 Euro dotiert.
Vergeben wird der Preis diesmal an einen Autor ohne Wohnort in Wien oder Wien-Bezug, weil er statutengemäß eine nachweisliche Beziehung mit dem Werk H.C. Artmanns aufweist. Nach Peter Waterhouse (2004), Ferdinand Schmatz (2006) und Oswald Egger (2008) ist Erwin Einzinger der vierte Preisträger. / ORF
Donnerstag, 24. Februar · 20:00 – 23:00
Literaturwerkstatt Berlin
In Lesung und Gespräch: Marion Poschmann (Autorin, Berlin) Moderation: Nico Bleutge (Autor und Literaturkritiker, Berlin)
Poesiegespräche bieten die Möglichkeit eines tiefen Einblicks in Schreibstätten und Konzepte von Dichtern, zumal wenn es um deren neuestes Buch geht. Nico Bleutge, selbst Dichter, wird als kritisch begleitender Gesprächspartner auch die Februar-Veranstaltung in dieser Reihe moderieren.
Marion Poschmann zählt zu den wichtigsten Stimmen der Gegenwartslyrik. Nun hat sie einen neuen Gedichtband vorgelegt, über den sie mit Nico Bleutge spricht und aus dem sie lesen wird: »Geistersehen« (Suhrkamp Verlag 2010).
Marion Poschmann sieht gewiss keine Geister oder gar Gespenster, aber Ungewisses schon. Zum Beispiel »das Nachbild der Glühbirne / auf der schwarzen Wand«. Es sind »Testbilder«, »Störbilder«, »Trugbilder« und »Nachbilder«, die sie dem Leser anbietet, es sind »Spiegelungen« – nur fixe Bilder sind es nicht. Weil die Welt verschwimmt, wenn man sie fest in den Blick nimmt. Die Ausgangspunkte können ganz alltäglich sein: »ich hatte versehentlich Teflon / zerkratzt, mit Metallbesteck«. Wenn die Autorin genau schaut, werden die Kratzer zu »Umrißlinien prähistorischer Tiere«, die letztendlich im Geschirrtuch verschwinden.
»Marion Poschmann hat der zeitgenössischen Dichtung die Erfahrungsnaivität ausgetrieben. Die artifiziellen Spiegelungen und Vexierbilder ihrer Gedichte entwickeln eine Wahrnehmungskunst, die neue Maßstäbe setzt in der Dichtung des 21. Jahrhunderts.« (Michael Braun, Neue Zürcher Zeitung).
Marion Poschmann (*1969 Essen) studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik in Bonn und in Berlin, wo sie heute als freie Autorin lebt. Sie hat drei Prosabände (»Baden bei Gewitter« 2002, »Schwarzweißroman« 2005, »Hundenovelle« 2008) und drei Gedichtbände (»Verschlossene Kammern« 2002, »Grund zu Schafen« 2004 und »Geistersehen« 2010) veröffentlich. Marion Poschmanns Werk wurde vielfach ausgezeichnet. u. a. mit dem Wolfgang Weyrauch Förderpreis beim Literarischen März 2003 und einem Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2004.
(Text von Literaturwerkstatt Berlin / Facebook)
(Wer es nicht bis Berlin schafft: zur gleichen Zeit, Donnerstag 20 Uhr, stelle ich im Falladahaus in Greifswald „Geistersehen“ und andere neue Gedichtbände vor, mit Büchertisch, Verlosung von 3 Gedichtbänden und Gelegenheit zum Selberdichten)
Schreibheft Zeitschrift Für Literatur
lädt ein : „Der Fall Oskar Pastior“ – Urs Allemann und Ernest Wichner in Lesung und Gespräch, moderiert von Norbert Wehr. 4. März 2011, 20:00 Uhr, Museum Folkwang Essen.
LYRIK KABINETT München
Lider-Togbuch
Ein Zyklus mit Gedichten von Abraham Sutzkever (1913-2010) in der Vertonung und Darbietung von Gilead Mishory
Einführung: Elgin Heuerding
Dienstag, den 01. März 2011, um 20 Uhr
Amalienstr. 83 a (U 3 / U 6: Universität)
Eintritt: € 10 / € 7
Mitglieder Lyrik Kabinett: ermäßigter Eintritt
Abraham Sutzkever (geb. 1913 bei Wilna) war einer der größten jiddischen Dichter des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit 21 Jahren schloss er sich der avantgardistischen Gruppe „Junges Wilna“ an. 1937 erschien sein erster Gedichtband: Lider. Ab 1941 in das Wilnaer Ghetto interniert, erlebte er dort die Ermordung seiner Mutter und seine Sohnes und schloss sich einer jüdischen Widerstandsbewegung an. 1943 gelang ihm und seiner Frau die Flucht aus dem Ghetto – zunächst zu sowjetischen Partisanen. 1947 emigrierte Sutzkever nach Israel (Tel Aviv). 1985 erhielt er den israelischen Nationalpreis. Er starb im Januar 2010. Sein reiches Werk umfasst Gedichte sehr verschiedener Formen, erzählende und nicht-fiktionale Prosa.
Der Zyklus Lider-Togbuch nach 13 Gedichten Sutzkevers von Gilead Mishory entstand 1998 als Auftragswerk der Stadt München. Mishory selbst schreibt über die Texte: „Jedes Gedicht ist eine eigene Welt aus Rhythmus, Duktus, Metrum, Melodie. In diesem Sinne ist es nicht schwer, zu diesen Gedichten Musik zu schreiben. Man muss nur zuhören. Und schreiben.“
Gilead Mishory, Pianist und Komponist, geb. 1960 in Jerusalem, seit 1984 in Deutschland, seit 2000 Professor für Klavier an der Musikhochschule Freiburg. Außer Sutzkever vertonte Mishory u.a. Texte von Lasker-Schüler, Celan, Chagall und König David.
Elgin Heuerding studierte Germanistik und Musikwissenschaft. Sie ist freiberufliche Moderatorin und Journalistin, überwiegend bei BR-Klassik (Bayerischer Rundfunk).
Von allen Wörtern bin ich nur auf eines neidisch:
das Wort jehí, es werde. Schenkte mir der Schöpfer
einen Funken dieses Worts, ein kleinstes Zeichen seiner Kraft,
jehí spräch ich, es werde Lied, und es ward.
Es werde Lied ein sterbendes Ende des Regenbogens,
eine einzelne Ameise, verirrt in der Wüste,
mondhelles Elfenbein, geboren im Dschungel,
ein Menschen-Schädel, lachend über sich selbst – im Spiegel.
[…]
Auf Einladung der Stadtbibliothek Germering, des Vereins Eltern-International und des Integrationsbeauftragten der Stadt Germering wird am Freitag, 4. März, ab 19.30 Uhr unter dem Titel „Die wehenden Winde entlang – Esen rüzgârlar boyu“ in der Stadtbibliothek Germering (Landsberger Str. 41) eine „literarische Wanderung durch die moderne türkische Lyrik“ stattfinden. / Wochenanzeiger München
Die Münsteraner sind reif für Erotik, lese ich in der Zeitung. Gut, daß die das jetzt auch geschafft haben. Sonst gibt es dort auch Kultur, hohe und niedere bzw. alte und hippe (Foto und Programm anbei):
Die selbsternannten „sechs schönsten Dichter der Welt“ kommen am 1. April nach Münster, um die Damen mit erlesener Lyrik zu betören. [Es sind] F.W. Bernstein, Thomas Gsella und Reinhard Umbach … Georg Raabe, Klaus Pawlowski und Christian Maintz. …
[Das gehört zu „Poetry“, einer] Art langer Vorspann vor dem traditionsreichen münsterschen Lyrikertreffen im April. Während dort die Dichter Hochkultur mit schwindelerregendem Anspruch pflegen, will Münsters Kulturamtsleiterin Frauke Schnell mit „Poetry“ beweisen, dass Gedichte auch jung, cool und hip sein können. / Münstersche Zeitung
In einer Ausstellung sind auch Ben Lerner und „große und kontroverse Namen wie Oskar Pastior“ dabei
Die Wiener Ärztekammer vergibt den diesjährigen Paul Watzlawick-Ehrenring an den Architekturtheoretiker und Schriftsteller Friedrich Achleitner. Eine Fachjury hat Achleitner dazu einstimmig nominiert, teilte die Ärztekammer am Montag in einer Aussendung mit. Die Auszeichnung wird dem 80-Jährigen am 14. März in Wien überreicht. / Die Presse
In der Guardian-Reihe „ten of the best“ diesmal 10 der besten erfundenen Dichter, von Jeffrey Aspern über Yuri Zhivago bis John Shade.
Zum Semesterstart des Frühjahr- und Sommerprogramms der Volkshochschule (VHS) Germering erwartet alle Kunstinteressierten von 26. Februar bis 6. März die Ausstellung mit dem Titel „Einen Schmetterling hab ich hier nicht gesehn“, ein Zitat aus dem Gedicht von Pavel Friedmann, einem jüdischen tschechoslowakischen Dichter, der in Auschwitz ermordet wurde. / Wochenanzeiger München
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I love poems that celebrate families, and here’s a fine one by Joyce Sutphen of Minnesota, a poet who has written dozens of poems I’d like to publish in this column if there only were weeks enough for all of them.
The Aunts
I like it when they get together
and talk in voices that sound
like apple trees and grape vines,
and some of them wear hats
and go to Arizona in the winter,
and they all like to play cards.
They will always be the ones
who say “It is time to go now,”
even as we linger at the door,
or stand by the waiting cars, they
remember someone—an uncle we
never knew—and sigh, all
of them together, like wind
in the oak trees behind the farm
where they grew up—a place
I remember—especially
the hen house and the soft
clucking that filled the sunlit yard.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Joyce Sutphen from her most recent book of poetry, First Words, Red Dragonfly Press, 2010. Poem reprinted by permission of Joyce Sutphen and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
1984 schickte ich einen Brief an die Junge Welt. Dort gab es die Poetensprechstunde. Ich stellte mich mit einigen Arbeiten vor. Sie müssen wohl Interesse geweckt haben. Über die Poetensprechstunde kam ich zum Zirkel Schreibender Arbeiter der Wismut. Ich lernte dort den DDR-Schriftsteller Martin Viertel kennen. Er war in seiner Jugend Bergmann wie ich, bei der Wismut. Wir verstanden uns. Er hat mich beraten, begleitet. Viele dieser Gespräche sind mir bis heute wertvoll.
Dabei war mir ja klar: Ich passte genau in das ideologische Raster. Greif zur Feder, Kumpel, hatte es schon in den 60er Jahren geheißen. Noch immer war man als schreibender, gar dichtender Bergmann einer, den man gerne vorzeigte. Die Parteiführung suchte händeringend Leute, die die Arbeit in der Literatur verewigten, mit allem Schweiß und allen Schwielen.
Ich hatte dabei durchaus genügend Selbstvertrauen in mein Talent und habe mich 1985 am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig um ein Studium beworben. Und wurde prompt abgelehnt. Trotzdem ich ein schreibender Bergmann war.
Weil dort in Leipzig nur alle drei Jahre 30 Studenten immatrikuliert wurden, hatte ich erst 1988 meine nächste Chance. Da war ich schon 33. Diesmal wurde ich angenommen. Die Wismut verabschiedete sich von mir mit einem Vorvertrag. Nach dem Studium sollte ich die Leitung des Arbeitertheaters und des Zirkels Schreibender Arbeiter übernehmen. / Jürgen Frühauf, Thüringer Allgemeine
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