A Truer Reality

A TRUER REALITY – Documents Pertaining to the Murder of Robert Risberg in Uddevalla 13/05/96

7 Nov 2015 – 21:00

A cross-genre presentation of the book:

REALITY IS TRANSCRIBED, PUT INTO WORDS, BECOMES DISTORTED AND PART OF A NEW TRANSFORMED REALITY – Documents Pertaining to the Murder of Robert Risberg in Uddevalla 13/05/96

by Ragnar Persson (artwork) & Pär Thörn (text)

reading – Pär Thörn
exhibition – Ragnar Persson
concert – Vinyl Horror: „Dark Matters“ (premiere)

+ talk & discussion with the artists – moderated by Peter Henning
doors 21:00 | start 21:30 | 7 EUR
+ party afterwards with Fog Puma on the decks

reading, talk & discussion in English
exhibition opening already in the late afternoon at 17:30h
http://ausland-berlin.de/ragnar-persson-exhibition-opening

exhibition open again on Sunday, Nov 8th, from 15:00
http://ausland-berlin.de/ragnar-persson-2nd-day-exhibition

In their book „REALITY IS TRANSCRIBED…“, Thörn and Persson provide us with both a textual and visual report tracing back to a murder case in the Swedish Black Metal-scene of the 1990s. On May 13th 1996, Stefan Persson, member in the band „Asmodeus SA“, had – using a dagger – killed Robert Risberg of the band „Satanic Red Storm“ in Uddevalla.
Fragmentary documents & artefacts pertaining to this murder from the time back then which Ragnar Persson and Pär Thörn have researched and compiled such as song lyrics, merchandise items, interrogation & interception protocols, concert promotion posters, newspaper articles, fanzine drawings, album reviews or private correspondences (…) make us delve into the world of the two hostile Black Metal-bands who are nowadays, unjustly, rather unknown, if not forgotten. Nevertheless culminating in a sad, harrowing murder, both Satanic Red Storm and Asmodeus SA have with their music and notions made important contributions to the history and strength and authenticity of Black Metal. These contributions and the exact circumstances of the crime are to be revealed tonight.

Pär Thörn presents the texts he’d compiled in a reading in English. For A TRUER REALITY, translations had specifically been drawed from the (Swedish original) documents in the book. Ragnar Persson’s documentary exhibition is (on)going throughout the night and also open again tomorrow, Sunday Nov 8th, from 15:00.
Because only few original music recordings from „Asmodeus SA“ and „Satanic Red Storm“ can be disintered, Greta Christensen aka „Vinyl Horror“ did some research in the spheres & aesthetical contexts of the bands and will play one of her rare solo concerts using original Black Metal-vinyls in the specific turntable-setup she’d developed.
After the concert, we’ll find Greta, Pär and Ragnar in a talk & discussion with moderator Peter Henning and the audience about the background, implications and perspectives of their musical, visual and literary works presented tonight. Party afterwards with FOG PUMA on the decks!

http://www.swedishbookreview.com/show-review.php?i=391

The Swedish original was published at Orosdi-Back, Stockholm, 2012
http://www.orosdi-back.com/VerklighetenNedtecknas.html

http://ausland.berlin/truer-reality

feldkircher lyrikpreis festival 2015

5. bis 7. Nov. 2015

Mit Emily Dickinson Vortrag, Poetry-Experimental Music-Performance, Visuelle Poesie Ausstellung, Lobreden auf Dinge…

Aus dem Programm:

Gunhild Kübler, Vortrag: Emily Dickinson & ÜÜ-Poetry-Experimental-Music-Performance von Alfred Vogel und Norbert Mayer

Literatur – 5. November 2015 – 19:30 Theater am Saumarkt

Ihre  Lyrik ist mutig, frei und radikal im Nachdenken über die Grundfragen unserer Existenz und voller Ketzerei, Komik und Spottlust. Emily Dickinson (1830 – 1886) – die Dichterin der Ekstase, brillante Denkerin und Sprachmusikerin  – ist eine der erstaunlichsten Gestalten der Literaturgeschichte. Ihren Zeitgenossen blieb ihr Werk unbekannt, aber heute wird es weltweit als moderne Lyrik gelesen und geliebt. Im deutschen Sprachraum galt sie lange als Geheimtip. Jetzt aber liegen ihre rund 1 800 Gedichte erstmals in einer englisch-deutschen Gesamtausgabe vor.

„Ein Triumph für Dickinson. An diesem Band wird man für lange Zeit nicht mehr vorbeikommen.“ ( Jürgen Brôcan, Neue Zürcher Zeitung )

„Es ist ein Buch, das auszulesen und auszudeuten ein Menschenleben nicht reicht, ein Buch für Menschen, die noch nichts oder schon alles von der Welt gesehen haben.“ ( Denis Scheck, ARD Druckfrisch )

„Sie ist die Grösste unter den amerikanischen Dichterin“ ( Donna Leon )

„Kraft, Überschwang, dann wieder tiefste Verlorenheit sprechen aus den Gedichten von Emily Dickinson, denen Gunhild Kübler die Qualität von Zaubersprüchen und von alter Mystik bescheinigt.“ Eva Pfister, Westdeutsche Zeitung

Gunhild Kübler, geboren 1944, studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg, Berlin und Zürich. Sie promovierte bei Peter von Matt. Anschließend arbeitete sie als Literaturkritikerin für das Schweizer Radio und die Neue Zürcher Zeitung. Sie war Redakteurin der Weltwoche und schreibt heute für die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag.
Von 1990 bis 2006 war Gunhild Kübler zudem Mitglied des Kritiker-Teams der Sendung „Literaturclub“ vom Schweizer Fernsehen. Sie lebt in Zürich.

O Amor Natural – Ein Lyrik-Dokumentarfilm von Heddy Honigmann, Niederlande 1996, 79 Min.

Literatur, Film – 6. November 2015 – 18:00 Theater am Saumarkt

Heddy Honigmann zieht durch die Straßen von Rio de Janeiro und lässt Passanten, auch junge, aber vor allem alte Männer und Frauen aus dem Erotik-Gedichtband „O Amor Natural“ des in Brasilien ebenso berühmten wie populären Lyrikers Carlos Drummond de Andrade (1902–1985) vorlesen. Das animiert die Sprecher an eigene, vergessen geglaubte Erfahrungen und Wünsche zu denken. Greise sprechen über Jugendeskapaden und Seitensprünge, eine Schwimmerin fühlt sich bei einem Gedicht über Sex unter der Dusche in ihrem Element.

„Dieser groß- und einzigartige Lyrik-Dokumentar-Film ist ein Glücksfall für das Kino.“  Dietrich Kuhlbrodt

Lyrik Gala: Preisverleihung Feldkircher Lyrikpreis 2015

Literatur – 6. November 2015 – 20:15 Theater am Saumarkt

Intro: „Transit“: Poesiefilm von Julietta Fix, Text – ein Zyklus nach Bildern von Neo Rauch, D 2014, 9 Min.
Übersetzung: Paul-Henri Campbell, Sprecher: Helmfried von Lüttichau und Julietta Fix, Musik: Lothar Manteuffel, Audio Mix: Milan Meyer-Kaya, Animation: Michael Zauner

An diesem Abend werden die PreisträgerInnen des 13. Feldkircher Lyrikpreis der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie lesen aus ihren ausgezeichneten Texten. Anschließend werden die Preise von Stadt Feldkirch, Land Vorarlberg und Literatur Vorarlberg überreicht. Die Jury begründet ihre Entscheidungen.
Erika Kronabitter präsentiert die diesjährige Anthologie zum Lyrikpreis 2015.
Moderation: Gerhard Ruiss
Musikalischer Beitrag: Klanglabor
, Liechtenstein

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LATINALE 2015

3.-6. November Osnabrück – Berlin

Neunte Ausgabe der Latinale: Vom 3. bis zum 6. November 2015 sind Dichterinnen und Dichter aus Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, Guatemala, Mexiko, Puerto Rico und Spanien zu Gast der Latinale in Berlin und Osnabrück. Mit dabei sind dieses Jahr: Gerardo Jorge, Érica Zíngano, Alan Mills, Luis Chaves, Judith Santopietro, Daniel Bencomo, Nadia Escalante, Elsye Suquilanda, Daiana Henderson, Malú Urriola, Johanna Raabe, Xavier Valcárcel, Cristian Forte, El Eki und andere.

Alle Veranstaltungen hier

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Novena edición de Latinale: del 3 al 6 de noviembre 2015 el festival de poesía latinoamericano recibirá poetas de Argentina, Alemania, Brasil, Chile, Costa Rica, Ecuador, Guatemala, México, Puerto Rico y Espana. Invitad*s de este año son: Gerardo Jorge, Érica Zíngano, Alan Mills, Luis Chaves, Judith Santopietro, Daniel Bencomo, Nadia Escalante, Elsye Suquilanda, Daiana Henderson, Malú Urriola, Johanna Raabe, Xavier Valcárcel, y otros.

Todas las actividades aquí

Ein Platz im Zug

Mahmud Darwisch (1942 – 2008) ist sechs Jahre jung, als ihn die Mutter eines Nachts aus dem Schlaf reist und die Familie in den Libanon fliehen muss. Unweit von Akka, in seinem palästinensischen Geburtsdorf al-Barwa, wird nach dem Krieg 1948 das Land dem Erdboden gleich gemacht und durch zwei jüdische Siedlungen ersetzt – Migranten aus Europa.
Zurück in Palästina fühlt sich Darwisch fremd im eigenen Land, dem Verlust des Heimatdorfes zum Trotz beschließt er das Beste aus seiner Situation zu machen. Er verschließt sich dem Hebräischen nicht, setzt die Sprache der Besatzer metaphernleicht in einen festen Rahmen, schreibt ihr die Funktion eines Fensters zu, durch welches seine ganze Generation auf zwei Seiten blickt.

Aus einem dieser Winkel erhebt sich die Thora „ein wichtiges Buch trotz allem“, ja sogar „ein Material, auf das kein Intellektueller verzichten kann“ erklärt er später. Und fügt außerdem hinzu: „Vielleicht überrascht dich das zu wissen, dass ich die griechischen Tragödien zum ersten Mal auf Hebräisch las. Ich kann nur sagen, dass ich in der Schuld des Hebräischen stehe für das Kennenlernen der ausländischen Literatur.“

(…)

In seinem Gedicht „Ein Platz im Zug“ beschreibt Darwisch eindrücklich die Gedanken und Gefühle der Menschen, die sich auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft – nicht selten in fremden Zügen – wiederfinden. Schonungslos ehrlich skizziert er jeden Bahnhof als einen weiteren Ort der Zuflucht und macht deutlich, dass jedes Bahnhofsschild ein weiteres Gefühl der Fremde vermittelt. Die Reise auf der Suche nach dem Nullpunkt, wie Darwisch das Wesen der Flucht treffend benennt, lässt dem Flüchtigen nur seine Jackentaschen, in denen die Heimat auf das Minimalste reduziert, nicht selten aus alten Hausschlüsseln und einem Familienfoto besteht.

„Alle im Zug kehren zu den Ihren zurück, wir aber kehren nirgendwohin zurück“, beklagt der Dichter den bitteren Geschmack des Heimatverlusts. / Melanie Christina Mohr, qantara.de

Maecenas-Ehrung

Am 9.11.2015 wird Ursula Haeusgen im Rahmen eines Festaktes in der Münchener Residenz mit der Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kultur-Institute e.V. – AsKI ausgezeichnet.
Die Laudatio hält Michael Krüger, der Präsident der Bayerischen Akademie
der Schönen Künste und frühere Leiter des Carl Hanser Verlags; Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Stadt München, spricht ein Grußwort. Das Begleitprogramm wird von dem Komponisten Moritz Eggert und dem Konzert- und Opernsänger Peter Schöne gestaltet.

Die Münchener Mäzenin Ursula Haeusgen erhält die Ehrung für ihre beispielgebende Förderung deutscher und internationaler Lyrik und das großartige Engagement für ihre „Stiftung Lyrik Kabinett“. Das Kabinett verfügt mittlerweile über die zweitgrößte öffentliche Poesie-Sammlung Europas. Die ausschließlich aus privaten Mitteln finanzierte Stiftung beherbergt mit über 50.000 Bänden zu deutscher und internationaler Lyrik die größte auf Lyrik spezialisierte Freihand-Bibliothek in Deutschland. Mit einem ambitionierten Veranstaltungsprogramm gelingt es, diese Literaturgattung einem breiteren Publikum zu vermitteln.
Die unabhängige Jury betont, dass Ursula Haeusgen mit ihrem langjährigen Engagement und ihrer Liebe zur Poesie der Lyrik eine Heimat gegeben hat. Das „Lyrik Kabinett“ ist zu einem Ort internationaler Strahlkraft geworden, wo sich Autoren und Wissenschaftler zum Dialog mit jungen wie auch gestandenen Lyrik-Liebhabern begegnen.

Der AsKI e.V. verleiht seit 1989 die undotierte Maecenas-Ehrung an Persönlichkeiten für ihr herausragendes Engagement für Kunst und Kultur. Er will auf diese Weise der privaten Kulturförderung Rechnung tragen, der ein Großteil seiner Mitgliedsinstitute ihre Entstehung verdankt. Bekannte Preisträger sind u.a. Wilhelm Winterstein, Anette und Udo Brandhorst, Sylvia und Friedrich von Metzler, Anne-Sophie Mutter und Henri Nannen.

Der AsKI e.V. ist ein Verbund von 36 national und international angesehenen, selbständigen Kultur- und Forschungsinstituten, die in besonderem Maße die Qualität und Vielfalt des kulturellen Deutschland repräsentieren. Der AsKI e.V. ist Träger der Casa di Goethe in Rom.

Festakt am Montag, 9. November 2015 um 18.00 Uhr, Max-Joseph-Saal der Münchener Residenz

Poets Translating Poets

Reading / Presentation / Discussion
05.11.2015, 19:00
Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Library
German, Hindi, Kashmiri, English

During the closing event of “Poets Translating Poets” German, Hindi and Kashmiri poets will read from their works and present the recreated versions of poetry by their fellow poets. The specific challenges of poetry translation will be discussed on a panel.

“Poets Translating Poets” is a project about translating poetry by poetry. Poets work together in pairs transferring the poems of each other into their own language. This direct exchange allows a “smuggling“ of stylistic contexts and poetic traditions. The poems are read aloud and subsequently dismantled word by word and image by image. Questions about cultural connotations facilitate to enliven the essence, the structural principle, the word-plays and the sound of the poems in the target language. Through this experiment across cultures, the poets find a platform to share their works, the literary traditions of their home countries and their languages.

From 1 to 5 November poets from Germany meet poets from India in New Delhi and in paired collaboration they recreate their poems in the other language, in German, Hindi and Kashmiri. With this transfer and exchange the poets’ perspectives even on their own work is transformed and they discover an entirely new side to their oeuvre. They are supported by interlinear translators who play a fundamental role in the development of the texts and their interpretations.

The following six poets will present their poems in the original language and the results of the encounter in New Delhi:

Mangalesh Dabral, Gerhard Falkner, Ulrike Almut Sandig, Naseem Shafaei, Shafi Shauq, Savita Singh

Großer Kunstpreis des Landes Salzburg für Ilse Aichinger

Der mit 15.000 Euro dotierte Große Kunstpreis des Landes Salzburg 2015 geht an die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger. Der Anerkennungspreis für das literarische Gesamtwerk eines Autors mit besonderem Salzburg-Bezug wird im Drei-Jahres-Rhythmus abwechselnd für bildende Kunst, Musik und Literatur vergeben, und zwar heuer am 9. Dezember, teilte das Land Salzburg am Freitag mit.

Ilse Aichinger, die von 1963 bis 1984 in Großgmain bei Salzburg gelebt hat, ist nach Gerhard Amanshauser, Walter Kappacher, Karl-Markus Gauß und Peter Handke die fünfte ausgezeichnete Literatin. Den Preis wird Ilse Aichingers Tochter, Mirjam Eich, stellvertretend für ihre Mutter entgegennehmen, da dies der 94-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen selber nicht möglich ist.

Die unabhängige Jury – Petra-Maria Dallinger (Direktorin Adalbert-Stifter-Institut), Tomas Friedmann (Leiter Literaturhaus Salzburg) und Günther Stocker (Institut für Germanistik, Universität Wien) – begründete ihre Wahl folgendermaßen: „Die Bedeutung von Ilse Aichinger ist in der deutschsprachigen Literatur unbestritten. Ihr zeitloses, von allen literarischen Moden unbeeindrucktes Gesamtwerk mag schmal sein – und doch ist es gewaltig. (…) Für ihr präzis-poetisches Schreiben, ihr radikal-zeitloses stilbildendes Gesamtwerk und für ihre kritisch-humane Haltung soll die Dichterin Ilse Aichinger mit dem Großen Kunstpreis des Landes Salzburg 2015 ausgezeichnet werden.“ / Der Standard

Dieter Wellershoff wird 90

Ich lebe inzwischen ein bisschen an mir vorbei, um die körperlichen Defizite nicht dauernd wahrnehmen zu müssen“, sagt er, auf seinen schwarzen Stock gestützt, und zieht die hohe Stirn kurz kraus. Ja, so kann man das Erdulden-Müssen der eigenen Gebrechlichkeit auch praktizieren: Als eine Art Selbstüberlistungsmanöver‚ als gewitztes Daran-vorbei-Leben. Trotzdem will er nicht unterschlagen: „Wenn man sich so über das Eigene reden hört, hat man das Gefühl, dass das Scheitern nie zu Ende ist.“

(…) Am Dienstag wird er neunzig. / Peter Henning, FAS 1.11.

Poetopie

auf der Party umzingelt von Rednern – sprechen kostet ja nichts, natürliche Notdurft

Hansjürgen Bulkowski

Ulrich Ziegers letztes Gedicht

In der Frankfurter Anthologie das letzte Gedicht des Dichters Ulrich Zieger: „Gesöff“, entstanden am 17. Juli, wenige Tage vor seinem Tod am 23. Juli. Uwe Kolbe kommentiert es in einem etwas zerquälten Text, Zieger in Sie-Form anredend. Das Gedicht scheint vom Autor signiert mit „Ulrich Zieger *1961 in Dublin/Sachsen. Lebt noch.“ 

(Dem offensichtlich gewollten „Fehler“ Dublin (für Döbeln) fügt diese Zeitung einen peinlichen hinzu, indem sie ihn zwar im Text richtig benennt, in der Überschrift und Webadresse aber „Ziegler“.)

Das Gedicht selber

„Der Dichter ordnet die Sprache in kurzen Sätzen.
Was über ist, ist das Gedicht selber.“

Ernst Herbeck

Ernst Herbeck, dem „stillen Poeten“ unter den „wilden“ Gugginger Künstlern, widmet das Gugginger Museum 24 Jahre nach seinem Tod die erste große biografische Schau. Bericht von Michaela Fleck, Niederösterreichische Nachrichten

Ingolds Einzeiler

Bleibt als Erlösung ein einziger Fehler. Nämlich der! der ein Tier ist unter soviel Göttern.

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr

Indonesische Lyrikszene

Beate Tröger: Wie ausgeprägt ist die indonesische Lyrikszene?

Martin Jankowski: Auch wenn kaum jemand Bücher kauft (die im tropischen Klima selten lange halten): Lyrik ist populär. Tageszeitungen und Internetforen sind voll davon, Rezitationswettbewerbe und Lyrikvertonungen gehören zum Kulturprogramm an Festtagen, fast jeder Indonesier kann viele Verse auswendig. Hunderte Lyrikfestivals und -gruppen bleiben allerdings in lokalen Kulturen verankert und werden national selten wahrgenommen. Wir Zaungäste bekommen eher die Szene von 200 bis 300 akademischen Lyrikern aus den Großstädten zu Gesicht, die hoch angesehen, sind aber nur von einer Minderheit gelesen werden.

Wir haben neulich das Gedicht eines Bauernsohns gehört, das von seinem Autor Agus R. Sarjono quasi singend vorgetragen wurde. Ist diese Rezitation typisch für indonesische Gedichtlesungen?

Typisch ist ein Hang zum dramatischen Vortrag: Den Text nüchtern vorzulesen, wie wir es bevorzugen, gilt als armselig und langweilig – ein guter Poet ist auch ein guter Rezitator. Ob man dabei singt, tanzt oder noch anderes tut, bleibt den Poeten überlassen; es geht darum, einen persönlichen Vortragsstil zu entwickeln. Indonesische Lyriker sind oft auch Performance-Künstler, eine Eigenart, die sie bei westlichem Publikum oft verbergen.

Welchen Lyriker oder welche Lyrikerin würden Sie zur Einstimmung in die indonesische Poesie besonders empfehlen?

Und warum?

Weil sich Indonesiens Literatur, wie ich schon angesprochen habe, durch eine Vielfalt der Stimmen und Stile auszeichnet, lässt sich kaum Typisches empfehlen. Zwei Namen sollte man aber kennen, wenn man sich mit Indonesiens Poesie beschäftigt: Chairil Anwar (1922–1949) war der erste bedeutende moderne Dichter Indonesiens, ein eindringlicher und lakonischer Poet. Der einflussreichste Gegenwartsdichter war W. S. Rendra (1935–2009), ein Dichter, Dramatiker und Theatermann, unter dessen Einfluss die gesamte heute tätige Lyrikszene Indonesiens steht. Und denjenigen, die sich einen ersten Überblick über die indonesische Gegenwartslyrik verschaffen möchten, empfehle ich diedeutschsprachige Sonderausgabe von Indonesiens führendem Lyrikmagazin Jurnal Sajak. / Freitag 42

sasakananas: INDONESIEN MATERIAL. gedichte und notate Martin Jankowski
Leipziger Literaturverlag 2015, 120 S., 14,95 €

 

Lange nicht gelüftet

[Durs Grünbein] ist mit dem Flieger aus Rom gekommen, wo er lebt. Was bekommt er aus Deutschland mit? „Ich verfolge das wie ein Länderspiel“, sagt er. Also: Welche Fanbewegungen gibt es, wo kommen die alle her, die ausgerechnet in Dresden den Schulterschluss derer bilden, die sich für das Volk halten? Und die die schöne Kulisse für ihren nationalistischen Kokolores nutzen. „Wenn ich Stadtoberer wäre“, sagt Grünbein, „würde ich die Marke schützen und dafür sorgen, dass die nicht hier an den touristischen Hotspots aufmarschieren.“

Denn wie absurd ist das? Eine Stadt, die einmal zu den großen des durch Königshöfe und feudale Kulturexporte vernetzten Abendlandes gehörte, als Austragsort für Leute, die in ihrem Größenwahn alles kleiner haben wollen? Dabei wirbt die Stadt mit dem größten aller Liebhaber, der sich seinerzeit in Dresden, wie Grünbein sagte, die Geschlechtskrankheit holte. Und sind die Dresdner Marketing-Leute nicht zu küssen für den Slogan, der für die Benutzung der Straßenbahn mit diesem Satz wirbt: „Nur Casanova kam hier öfter?“

Auch diese elegante Reverenz ist ja eine Form des Bürgerstolzes. „Wenn man Lokalpatriotismus messen könnte, hätte Dresden den größten Ausschlag“, sagt Grünbein. Der Stolz auf den Mythos Dresden, das 1945 von Fliegerbomben pulverisiert wurde, er hängt natürlich auch mit dieser Zerstörungsarie zusammen. „Das war nicht einfach der Untergang einer Stadt, das war Pompeji und Ninive – etwas ganz Großes.“ Für unverwundbar hätten sie sich lange gehalten, die Dresdner. Obwohl am Stadtrand die Rüstungsindustrie angesiedelt war, die Feinmechanik für die Kriegsmaschine. Am Ende standen sie aber eben doch auf der Bombardierungsliste. Aber Dresden wurde wieder aufgebaut, und es ist beinahe so schön, wie es mal war. Nach der Wende fühlte sich die halbe Republik zuständig für das Schätzchen an der Elbe, und es waren nicht nur Ostdeutsche, die ihre Frauenkirche wieder stehen sehen wollten. Also bitte noch einmal: Warum ist das plötzlich der Ort der Degradierten und Unzufriedenen geworden – was hat euch denn so bitter gemacht?

Durs Grünbein fragt das als jemand, der die Grundierung dieser Stadt kennt; er ist hier 1962 geboren, wuchs im Vorort Hellerau auf – eine Kindheit zwischen Künstlerdorf und Großstadt, er beschreibt sie in seinem neuen Buch „Die Jahre im Zoo“, das demnächst bei Suhrkamp erscheint. Grünbein erlebte hier die letzten Jahre der DDR, er sah, wie die Proteste in Dresden 1989 besonders brutal eingedampft wurden. Aber es gab eben auch den „Zorn der Eingeschlossenen“, wie Grünbein die Entladungen nennt, die letzten Endes die Stadt befreit hatten. Und jetzt sagt Grünbein den Satz, der einen umgehend durch die noble Drehtür des Kempinski ins Freie fegt: „Diese Stadt ist seit 1989 nicht mehr richtig gelüftet worden.“ / Hilmar Klute, Süddeutsche Zeitung

Gegenkritik

Darf ein kritisierter Autor sich gegen eine Kritik wehren? Bertram Reinecke schreibt:

Eine Gegenwehr gilt anders als in der Aufklärung z.B. als eine Verletzung der Regel und so hätte ich geschwiegen, obwohl die Mängel Ihrer Rezension mir in bestimmten Punkten exemplarisch vorkommen.

Zur Erinnerung:

Am 20.8. veröffentlichte Bettina Hartz bei Fixpoetry eine harsche Kritik an dem von Bertram Reinecke herausgegebenen Band „Mara Genschel Material“ unter dem harschen Titel „RAUS!“, Untertitel:

Zu Mara Genschel gibt es jetzt Material – das man lieber links liegen lassen sollte. Um stattdessen mit ihren Lyrikproduktionsverfahren die Stadt als Referenzfläche zu erobern

In der Lyrikzeitung hatte ich die Kritik am 30.8. kommentiert. Jetzt meldet sich der Verleger und Herausgeber wiederum bei Fixpoetry mit einer ausführlichen und meinem Urteil nach wohlbegründeten Antwort, sein Titel: „RAUS! Raus-lesen? Erst einmal: Lesen!“. Ein Auszug:

Ob man das Buch links liegen lassen sollte, muss der Leser beurteilen. Aber es geht an Mara Genschels Werk vollkommen vorbei, mit ihren Verfahren die Straße erobern zu wollen. Mara experimentiert ja gerade damit, Weisen der Wandgestaltung im öffentlichen Raum (Streetart ist ein hohes Wort, “Schmierereien” sind  mitgemeint) in das System Tinte (and more) auf Papier zu übertragen. Was verändert sich, wenn diese symbolischen Strategien das Medium wechseln? Wie interagieren sie mit anderen Zeichenbeeinflussungs- bzw. Rezeptionsgewohnheiten? Es kann schon sein, dass Ihnen diese Fragen egal sind 7 und dass Sie Streetart irgendwie cooler finden als z.B. Gedichte. Aber was hat das mit Literaturkritik zu tun?

Dieser Lapsus wäre Ihnen übrigens nicht unterlaufen, wenn Sie das Gespräch Schüttler – Boege – Genschel genauer gelesen hätten, dort diskutiert man solche Fragen. Unter den Dingen, die Sie als unwichtig, einfach stehengeblieben usw. abkanzeln, haben Sie also Dinge übersehen, die Ihrer Kritik unentbehrlich gewesen wären. Ich muss Ihnen im Grunde wohl nicht erklären, wie inadäquat ihr Vorschlag ist. Ihnen dürfte bereits aufgefallen sein, dass es abstrakte Streetart zwar gibt, Abstraktion dort aber viel seltener ist als in anderen Künsten. Das hat seinen Grund: Will Streetart mit einem Vorübergehenden in Kommunikation treten, muss sie schnell sein, unmittelbar, subkutan wirken. 8Genau dieses unmittelbare Einverständnis hat Mara Genschel für sich als problematisch erkannt. Im Dialog mit Schüttler und Boege entwickelt sie ihre Intuitionen, sieht in zeitgenössischen Komponisten, die den Mut haben, ihr Publikum zu nerven, ihr Vorbild, und versucht in ihren Auftritten, wie in den Referenzflächen, wo das komplizierter ist, solche Verfahren in andere Ausdrucksformen hinüber zu retten. Sie spielt in dieser Liga mit, sie ist eine ausgebildete Musikerin, die einschmeichelnde Stile von Zigeunermusik bis zu klassischen Violinkonzerten beherrscht und über Kompositionserfahrung von Pop bis zeitgenösscher Musik verfügt. Literarisch ist ihre Auseinandersetzung mit Ausdrucks- und Verweigerungsstrategien von Futurismus- Lettrismus bis hin zu Thomas Bernhard und Kling aktenkundig.9 Die Lektüre der Publikationsliste am Ende des Buches hätte Ihnen nützliche Winke geben können. Sie “diffamieren” Mara Genschel lieber als “ungebildet”.10  Sehr daneben – es sei denn, Sie meinten mit “Bildung” die Anpassung an einen gepflegt kulturvoll zurückhaltenden Habitus. Wenn Mara Genschel keine leichtrezipierbare, leichtkritisierbare Kunst auf dem Silbertablett reicht, muss Ihnen das nicht liegen. Aber tun Sie doch bitte nicht so, als hätte Mara Genschel ein spezifisches Problem, als wäre explizit Mara Genschel an etwas künstlerisch gescheitert. Es gibt Menschen, die finden Auftritte von Mara Genschel sogar unterhaltsam.