Lyrikpapst

Er dichtet, postet, bloggt. Anton G. Leitner brennt für die Lyrik und bekommt jetzt den bayerischen Kulturpreis

(…) Anton G. Leitner ist durch und durch Idealist – und ein Besessener in Sachen Lyrik. Seit fast vier Jahrzehnten hat er sich dieser Leidenschaft verschrieben. Im deutschsprachigen Raum gilt er mit seiner Zeitschrift „Das Gedicht“ als der Lyrikpapst schlechthin. An diesem Mittwoch (28. Oktober) erhält er für seine Verdienste um die Poesieden „Bayerischen Poetenaler“ der Literatenvereinigung Münchner Turmschreiber.

/ dpa/Bayerische Staatszeitung (Alle Informationen, Meinungen und Fehler gehören der Quelle. Nebenan kann man die politischen Meinungen der Leser / Klicker der Bayerischen Staatszeitung studieren.)

Lee Harwood (1939-2015)

Poet and climber, Lee Harwood is a pivotal figure in what’s still termed the British Poetry Revival. He published widely since 1963, gaining awards and readers here and in America. His name evokes pioneering publishers of the last half-century. His translations of poet Tristan Tzara were published in diverse editions. Harwood enjoyed a wide acquaintance among the poets of California, New York and England. His poetry was hailed by writers as diverse as Peter Ackroyd, Anne Stevenson, Edward Dorn and Paul Auster.

Lee Harwood was born months before World War II in Leicester. An only child to parents Wilfred and Grace, he lived in Chertsey. He survived a German air raid, his bedroom window blown in across his bed one night as he slept. His grandmother Pansy helped raise him from the next street while his young maths teacher father served in the war and on to 1947 in Africa. She and Grace’s father inspired in Lee a passion for stories.

Delicate, gentle, candid and attentive – Lee called his poetry stories. Iain Sinclair described him as ‚full-lipped, fine-featured : clear (blue) eyes set on a horizon we can’t bring into focus. Harwood’s work, from whatever era, is youthful and optimistic: open.‘

(…)

His eye for Surrealism led him, aged 24, to seek the Dada poet Tristan Tzara in Paris in 1963. He gained Tzara’s blessing for his translations. The American poet John Ashbery had already enjoyed ten years in Paris before he met Harwood in 1965. Their relationship triggered a lifelong bond. Elements of a very changed life, of European and American friendships flowered in The Man With The Blue Eyes.

Lee Harwood’s title illegible was published in London by sound poet Bob Cobbing’s Writers Forum in 1965. Then New York poets Lewis Warsh and Anne Waldman at Angel Hair issued The Man With The Blue Eyes. This carried a preface by John Ashbery: ‘Lee Harwood’s poetry lies open to the reader, like a meadow. It moves slowly toward an unknown goal, like a river. It is carelessly wise, that is, wise without knowing or caring what wisdom is.’ 

/ Tom Raworth

In München

Juror Andreas Heidtmann schreibt im Poetenladen über seine Eindrücke vom Finale des Lyrikpreises München. Auszug:

Viel­leicht war es der zwanzig­jährige Jonas Gawinski, der die spannends­te Lesung des Abends bot. Einige Schwächen in der Durch­arbei­tung seiner Gedichte waren zwar offen­kundig – womit noch einmal auf den unein­heit­lichen Status der Ein­reichungen ver­wiesen sei –, aber sein Ton, die Inten­sität, auch einige origi­näre Bilder fanden Beifall. Man dürfe auf gar keinen Fall – so Àxel San­josé – solche Texte einfach schleifen oder glätten, um sie dann als fehler­freie Gebilde dem all­gemeinen Lyrik­fundus zu überant­worten. Alle beschei­nigten dem sympathi­schen Autor Potenzial, auch wenn er an diesem Abend noch stark die „Klaviatur der Mut­willig­keiten“ (Andreas Heidtmann) bediente. Die Ein­dring­lichkeit, mit der er man­che gran­dios gedachte Fügung las, ließ sogar kurz den Verdacht aufkommen, hier werde den Anwe­senden eine Parodie auf die Lyrik geboten. Doch dafür wiederum, so eine andere Jurystimme, seien die Gedichte eben „doch nicht kitschig genug“, mit anderen Worten: zu gut.

Der in München lebende Autor SAID gehört zu den namhaften Lyrikern, die zahlreiche Publi­kationen vorweisen können und sich als Schrift­steller seit langem einen Namen gemacht haben. Der Juror Wolfram Malte Fues zeigte sich be­eindruckt von den Gedichten, die mit be­wusster Spar­samkeit lyrische Räume öff­neten und sich formal in eine große Tradition einreihten. Dass in diesen fast herme­tischen Gebilden plötzlich der Komponist Sergei Wassil­jewitsch Rach­maninow auftauchte – und zwar mit Vor- und Nachnamen! –, empfand der Juror als kleinen Makel, während andere Juroren die Herein­nahme solch surreal an­mutender Elemente als ein Auf­brechen der starken Geschlossen­heit sahen.

Mit schönem Under­statement trug Dominik Dombrowski seine Gedichte vor. Ein­hellig bescheinigte ihm die Jury, dass sein Gedicht Serenade äußerst geglückt sei, womit es zu einer Art „Gedicht des Abends“ avancierte. Hier findet ein lakonischer Ton mit der Chrono­logie eines gemein­samen Alterns auf selbst­verständl­iche Weise zu­sammen. Vom Kennen­lernen beim Swing „In the Mood“ bis hin zu Krankheit und De­menz zeichnet dieses lebens­abendliche Stück eine alternde Liebe nach – ob der musika­lische Begriff der Serenade die Tonlage des Gedichts trifft, mag dahin­gestellt sein, man hätte auch an eine Ballade denken können. Insgesamt gefiel der leise melan­cholische Sound in den Gedichten Dominik Dombrowskis, wobei andere Gedichte in ihrer Detailarbeit nach Meinung der Jury nicht an die Serenade heran­reichten. Doch dieses Gedicht allein war sicher schon ein guter Grund, Dominik Dombrowski mit dem 2. Preis aus­zu­zeichnen.

(…) Dass viele Zeilen von Ron Winkler nach Ron Winkler klangen – kein Einwand. Stärker wog das Ar­gument, dass bei der unge­bremsten Lust an kühner Bild- und Wort­findung manche Über­dreht­heit drohte – bis hin zum (bewussten) Kalauer – und gelegent­lich eine Ver­lieb­theit ins eigene Können durch­schien. Die Wendung „nimm den nächsten Papst zum Mars“ wurde moniert. Auf der anderen Seite An­erkennung für den inneren Zu­sam­men­halt dieser Gedichte, die auf einmalige, intuitive und intel­ligente Weise Sprache formieren, montieren, neu­erfinden, die mit viel Ele­ganz, mit gestreu­ten Alli­tera­tion, Asso­nanzen, ja, ver­schie­dentlichen Ana­gram­mie­run­gen spielen, auch Gesell­schafts­kritik ein­beziehen, ob nun sarkas­tisch oder nicht, wie in jenen Zeilen über die Stadt, „die even­tuell nur ein Gewerbe­gebiet ist / mit sehr viel Wohnraum“. Oder auch: „Die Analyse zeigt, dass wir uns lieben.“ Frappie­rende Wirk­lich­keiten, die wie Absur­ditäten klingen. Oder umgekehrt. Ron Winkler erhielt den 1. Preis.

Lyrikpreis München vergeben

Das Finale des Lyrikpreises München 2015 fand am 24. Oktober um 19 Uhr im Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig statt.

Es lasen (Reihenfolge ausgelost):

Özlem Özgül Dündar, Leipzig
Dominik Dombrowski, Bonn
Ron Winkler, Berlin
Karla Reimert, Berlin
SAID, München
Jonas Gawinski, Braunschweig

Die Preise gingen an

  1. Preis: Ron Winkler
  2. Preis: Dominik Dombrowski

Die Jury bestand aus:

Wolfram Malte Fues (Germanist, Lyriker, Zürich),
Andreas Heidtmann (Verleger Poetenladen, Leipzig),
Hendrik Jackson (Lyriker, Hg. lyrikkritik, Berlin)
Àxel Sanjosé (Lyriker, Texter, Lehrauftrag an der LMU, München)
Daniela Seel (Lyrikerin, Verlegerin kookbooks, Berlin)

Poetopie

die Wörter fliegen auf – schwirren in riesigen Schwärmen umher, machen Jagd auf empfängliche Augen und Ohren

Hansjürgen Bulkowski

Dichterin Charlotte Grasnick

Vielleicht ist die Dichterin Charlotte Grasnick in Peru bekannter als in Thüringen, wo sie aufwuchs und 2009 als Nachfahrin Friedrich Fröbels auf dem historischen Friedhof in Keilhau bei Rudolstadt beigesetzt wurde. Vielleicht ist sie in Berlin, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Dichter Ulrich Grasnick seit 1975 die Lesebühne der Kulturen Adlershofund das „Köpenicker Lyrikseminar“ leitete, bekannter. Das Paar hat über seine Freundschaft zum peruanischen Dichter Quevedo in Lateinamerika viel veröffentlicht. / Thüringische Landeszeitung

Scharlachnatter, Sehnsuchtshighway

«Brustlandschaften», Sehnsuchtshintersassen» und «Hoffnungskerzen» – des Wieners Robert Schindels Liebe zu Komposita aller Art dokumentiert den Reichtum der deutschen Sprache. «Versintern», das heisst im Rahmen der Dichtung, ist in seinem neuen Lyrikband «Scharlachnatter» alles möglich: Verschwindende Tote werden in Sprache verwahrt, auf dem «Sehnsuchtshighway» reifen Geliebte zur Vollkommenheit, alte Freunde tauchen als Gespenster auf. Was längst verloren geglaubt ist, kann in der «Besilbung» wiedergefunden werden. Nicht das Reale ist Massstab der Wahrnehmung, sondern einzig das aus der «Seelenfalte» entsprungene «Wortding». / Björn Hayer, Neue Zürcher Zeitung

Robert Schindel: Scharlachnatter. Gedichte. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2015. 100 S., Fr. 29.90. D: 20,95 €
A: 21,50 €

Dichtung als „mögliche Welt“

In seinem 1951 veröffentlichten Essay über „Probleme der Lyrik“ qualifiziert Gottfried Benn die Sprachkunst der Moderne als ein strenges Handwerk, das sich zwar hauptsächlich an formale Kriterien halte, dabei aber, bei all seiner Willkür, stets auf den Grundimpuls eines „dumpfen schöpferischen Keims“ angewiesen bleibe. Worte, so heisst es bei Benn, gehören zum Rüstzeug des Autors, sie müssen von ihm vollkommen beherrscht und „artistisch“ eingesetzt werden. Dennoch sind sie mehr als nur sprachliches Roh- und Baumaterial ‒ „sie sind einerseits Geist, aber haben andererseits das Wesenhafte und Zweideutige der Dinge der Natur“. Das ist eine eher vage Funktionsbestimmung, ist eher Behauptung denn Erklärung, doch wie wäre das „Dumpfe“, das „Schöpferische“ definitorisch zu fassen, ohne es in seiner unentwegt „keimenden“ Lebendigkeit und Wirkungskraft einzuschränken?
In der künstlerischen Literatur kommt auktoriale Willkür ganz offenkundig zum Tragen, Willkür – zum Beispiel ‒ bei der Durchsetzung von zeiträumlichen Fakten, Verhältnissen und Abläufen, die in der erfahrbaren Realität „unmöglich“, in der Möglichkeitswelt jedoch durchaus „real“ sind. Der literarische Autor, ob Grosschriftsteller, hermetischer Lyriker oder unbedarfter Schreiberling, kann zum Beispiel, wie Alexandre Kojève einst in Bezug auf „das Buch“ generell ausgeführt hat, „jenen Hund unter diesen Tisch setzen, selbst wenn beide in diesem Augenblick durch eine Entfernung von tausend Kilometern voneinander getrennt sind. Nun ist aber diese dem [sprachlich verfassten] Denken eigene Macht, die Dinge zu scheiden und wieder zu verbinden, tatsächlich ‚absolut‘, denn keine wirkliche verbindende oder abstossende Kraft ist mächtig genug, um sich ihr zu widersetzen.“
Auf solche Art, meint Kojève, schaffe und gestalte der Autor als schöpferischer Mensch innerhalb der real gegebenen („natürlichen“) Welt eine mögliche („kulturelle“) Welt, die ebenso singulär und konsistent sei wie jene. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich künstlerische Autorschaft durchaus als eigenmächtiges Schöpfertum begreifen, dessen Hervorbringungen, möglich und real zugleich, einen spezifischen, zutiefst paradoxalen Wirklichkeitsstatus haben. Mit dem Sozialphilosophen Albert O. Hirschman könnte man in diesem Zusammenhang von einer besondern Spielart des „Possibilismus“ reden, der die Erforschung der Wirklichkeit konsequent mit der Befragung der in ihr angelegten Möglichkeiten verbindet.
Doch schon bei Robert Musil findet sich (in „Der Mann ohne Eigenschaften“) die Forderung, den empirischen Wirklichkeitssinn durch den „Möglichkeitssinn“ dezidiert zu erweitern, das heisst eine sinnliche Fähigkeit zu entwickeln, „alles, was ebensogut [wie die Wirklichkeit] sein könnte, zu denken, und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist“. Am höchsten sieht Musil diese gemeinhin unterschätzte Fähigkeit bei Kindern und Träumern entwickelt; am ehesten müssten aber Künstler und Literaten dafür disponiert sein, sich auf Möglichkeitswelten nicht nur einzulassen, vielmehr solche auch zu schaffen.

aus: Felix Philipp Ingold, „Autorschaft und Weltenschöpfung: Von der Wirklichkeit möglicher Welten in der Literatur“ (VOLLTEXT, 3/2015).

In Saudi-Arabien

Weltweites Aufsehen erregt (…) der Fall des Bloggers Raif Badawi, dem trotz aller Proteste weitere Auspeitschungen drohen. Ein im Ausland dagegen kaum bekanntes Opfer der Zensurpolitik ist der weit ältere und im Land sehr geschätzte Publizist Zuhair al Kutbi, der seit Juli in Haft sitzt – ohne Angabe von Gründen.

Trotz aller Zensur ist die saudische Medienlandschaft heute so lebendig wie noch nie. In Saudi-Arabien gibt es derzeit rund zweitausend elektronische Zeitungen, von denen nur etwa ein Drittel gültige Genehmigungen besitzt. So zumindest die Version des Kultur- und Informationsministeriums, das unlängst mit der Ankündigung für Aufsehen sorgte, viele dieser Internetportale schließen zu wollen. Ein Großteil davon, so die Begründung, werde wegen Fixierung auf lokale und Stammesangelegenheiten den nationalen Interessen des Landes nicht gerecht. Und häufig seien ihre Betreiber journalistisch nicht ausreichend qualifiziert.

(…)

Anfang August hat das Blatt [„Al Riyadh“] angesichts der steigenden Popularität des Frauentheaters, das aber nach wie vor nur Geschlechtsgenossinnen besuchen dürfen, für „Theateraufführungen für die ganze Familie“ plädiert – ein mögliches Signal dafür, dass bald auch in Saudi-Arabien gemeinsame Theaterbesuche von Männern und Frauen erlaubt werden sollen. Die kulturelle Wende, für die das saudische Theater nur ein Beispiel ist, war im August auch auf dem jährlich stattfindenden Okaz-Festival in Taif bei Mekka nicht zu übersehen. Im Rahmen dieser Veranstaltung, die an die dortige mittelalterliche Tradition arabischer Dichterversammlungen anknüpft, wurde ein einstündiges Theaterstück aufgeführt, in dem zu Beginn der legendäre vorislamische arabische Dichter Labid als noch junger Mann auftrat und eines seiner Werke vortrug (zum Islam ist Labid der Überlieferung nach erst später übergetreten, was hier wohlgemerkt nicht thematisiert wird). Anschließend stürmten zu Swingmusik westlich gekleidete Tänzer auf die Bühne, die den Auftritt der eigentlichen Protagonisten des Stücks ankündigen: Es waren der libanesisch-amerikanische Schriftsteller Amin al Rihani (1876 bis 1940), sein arabischer Kollege Nofal und die berühmten französischen Orientforscher Charles Huber und Antoine-Isaac Silvestre de Sacy, die auf der Bühne al Rihani bezüglich eines Gedichtfragments von Labid um Rat angingen. Der Autor des Bühnenwerks, der Saudi Saleh Zamanan, schickte dann alle vier auf eine Zeitreise. Dabei begegneten sie dem älteren Labid, der, über die Dichtkunst philosophierend, das Fragment seines Gedichts aus jungen Jahren fortschrieb.

Die dargestellten westlichen Orientalisten, bei arabischen Konservativen eher verhasste Figuren, beeindrucken in dem Stück durch ihre Gelehrtheit: Der ihnen auf diese Weise in Taif entgegengebrachte Respekt gilt wohl dem Westen insgesamt, dem sich Saudi-Arabien mit wachsendem Eifer kulturell anzunähern versucht. / Joseph Croitoru, FAZ

Fantastic year for poetry

TS Eliot poetry prize shortlist

“This is a fantastic year for poetry, with the highest amount of entries submitted in the history of the prize, and an exceptional number of outstanding collections,” said Petit, who was joined on the panel of judges by fellow poets Kei Miller and Ahren Warner. “This made our task of choosing the shortlist tricky – many that didn’t make it are books we love. But we were unanimous about our final list, the books my distinguished fellow judges and I picked all awed and excited us with their ambition, verve and technical mastery.”

The winner of the award will be announced on 11 January, and will receive a cheque for £20,000, donated by the TS Eliot Estate.

The shortlist in full

Mark Doty – Deep Lane (Cape Poetry)
Tracey Herd – Not in this World (Bloodaxe)
Selima Hill – Jutland (Bloodaxe)
Sarah Howe – Loop of Jade (Chatto & Windus)
Tim Liardet – The World Before Snow (Carcanet)
Les Murray – Waiting for the Past (Carcanet)
Sean O’Brien – The Beautiful Librarians (Picador)
Don Paterson – 40 Sonnets (Faber)
Rebecca Perry – Beauty/Beauty (Bloodaxe)
Claudia Rankine – Citizen: An American Lyric (Penguin)

/ Guardian

Iran: Zwei Dichter verurteilt

Veröffentlicht am 22.10.2015 von 

Der internationale PEN protestiert gegen die harte Strafe, die gegen die Dichter und Lyriker Fatemeh Ekhtesari und Mehdi Moosavi verhängt wurde. Ekhtesari und Moosavi wurden am 12. Oktober 2015 zu elfeinhalb und neun Jahren Gefängnis verurteilt. Ihnen wird die “Beleidigung der Heiligkeiten” vorgeworfen. Sie wurden darüber hinaus wegen “unerlaubter Beziehungen” zu jeweils 99 Peitschenhieben verurteilt.

Die Dichter haben das Recht, Berufung einzulegen, und sind momentan frei. Der internationale PEN ruft die iranischen Behörden dazu auf, die Verurteilungen umgehend aufzuheben.

Unternehmen Sie etwas! Teilen Sie den Artikel auf facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken.

Schreiben Sie Protestbriefe:

  • Protestieren Sie gegen die Verurteilung und die harte Strafe gegen die Dichter und Lyriker Fatemeh Ekhtesari and Mehdi Moosavi;
  • Rufen Sie die iranischen Behörden dazu auf, die Verurteilung der beiden aufzuheben;
  • Rufen Sie außerdem dazu auf, dass alle Schriftsteller und Journalisten, die derzeit im Iran wegen der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit inhaftiert sind, umgehend und bedingungslos freigelassen werden. Berufen Sie sich dabei auf Artikel 19 des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, zu dessen Unterzeichnern der Iran gehört.

Schreiben Sie an:

S. E. den Botschafter der Islamischen Republik Iran
Herrn Ali Reza Sheikh Attar
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Podbielskiallee 67
14195 Berlin
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Hintergrund (bereitgestellt vom internationalen PEN)

According to PEN’s information, on 6 December 2013, poets and activists Fatemeh Ekhtesari and Mehdi Moosavi were due to travel to Turkey for a literary workshop. At the airport they were both informed that they had been placed under travel bans and were summoned for interrogation. They chose not to appear at the interrogation. Later that day Mehdi Moosavi wrote in his Facebook page:

“I and Fatemeh Ekthesari were prevented from leaving the country this morning and our passports were confiscated. We do not know the reason… Why have I been facing problems for years to hold a literary workshop and even classes to teach rhyme and meter? Why are our books banned despite taking care to select the poems and passing the censorship of the poet, editor and publisher? Why should the oppositionist swear at me for writing war poetry and the pro-regime activist swear at me for have read a rumour about me?… I have been often in the same conditions as the artist who killed themselves after years of failing to obtain permission. Do you know how many times I have thought about death? What is the body of an artist worth when their soul is tortured and killed?…”

Within a few hours they had disappeared. There was no further news of them until 24 December 2014, when it was confirmed that they were being held in Section 2A of Evin prison, which is under the administration of the Intelligence Division of the Islamic Revolution Guards Corps and where torture and other ill-treatment of detainees is common. Some reports suggested that they were being held because of their lyrics, which have been performed by the Iranian singer in exile, Shahin Najafi. The two had previously made statements critical of the government and in support of pro-democracy movements, and had both been under escalating pressure in Iran.

On 14 January 2014, Ekhtesari and Moosavi were released on bail. They had been held in Evin Prison since their detention. According to an interview with their lawyer with Radio Farda, both Ekhtesari and Moosavi were convicted of ‘insulting the holy sanctities’, for which they received seven and six year-prison terms respectively. Moosavi was also sentenced to three years in prison for ‘storing tear gas’ and Ekhtesari was sentenced to 18 months for ‘spreading propaganda against the system’, and to three years for allegedly publishing indecent images on the internet. Both were sentenced to 99 lashes for ‘illicit relations’. They are currently free.

Mehdi Moosavi, born in 1976, is a prolific poet, and has written five collections of poetry, including The Angels Have Committed Suicide (2002), I Only Publish These for You (2005), and The Little Bird Was Neither a Bird nor Little (2010). Two collections of poems entitled Suddenly and Beeping for the Sheep were deemed unpublishable by the authorities. Many more of his poems were published online. Mehdi Moosavi is known as the leading figure of the ‘Postmodern Ghazal’the most radical poetic movement in contemporary Iran, known for its rejection of conformist religious and ideological dogma. Most of the works by this movement faced severe censorship by the Iranian officials, and almost all of these works were banned in Iran and have been distributed underground. For some samples of his poetry click here

Fatemeh Ekhtesari is a poet and student of Mehdi Moosavi. She edited the post-modern magazine, Hamin farad bud (It was the very tomorrow). Her most recent poetry collectionFeminist discussions before cooking potatoes was withdrawn from bookshops and the Tehran Book Fair. The following information is provided from a Facebook page set up by Swedish poets who have worked with Fatemeh Ekhtesari:

During 2013, Fatemeh Ekhtesari, born 1986, has been part of the literary exchange, Resistance At My Writing Desk, through which six poets from Iran and six poets from Sweden together translated the Persian poets’ work to Swedish. The collaboration culminated in a special issue of the journal Kritiker devoted to contemporary Persian poetry, as well as appearances by the Persian poets at the poetry festivals in Stockholm and Göteborg this past September. Upon returning to Iran, Fatemeh was arrested and interrogated for hours. Her Facebook account was hacked and her blog was shut down.

/ PEN Deutschland

In L&Poe

„Seelenschau To Go“

Liebe, Lust, Karriere, Zukunft: Was immer den Menschen auf der Seele liegt, Lynn Gentry schreibt ein Gedicht dazu. Der New Yorker Spontandichter sitzt in einer U-Bahn-Station vor einer alten Schreibmaschine und textet aus dem Stegreif. „Pick a subject and a price, get a poem“ (Such’ dir ein Thema und einen Preis aus, bekomme ein Gedicht.) steht auf einem Pappschild am Klapptisch des 28-Jährigen. Es gab schon Passanten, die sich ein Gedicht über Drohnen des US-Militärs oder Sex mit Transvestiten wünschten.

„Seelenschau To Go“ – die Leute stehen Schlange beim U-Bahn-Poeten. Offensichtlich gibt es ein großes Bedürfnis, den eigenen Gemütszustand in ein Gedicht verpacken zu lassen. „Lyrik ist auch immer ein Seismograph des Geisteszustands einer Gesellschaft“, schreibt Heike Kunert in der Zeit. Wir lesen also Gedichte, um etwas über uns selbst zu erfahren, einen neuen Blick auf die Realität zu bekommen, neue Perspektiven zu eröffnen. Was Dichter dichten, wird zum Spiegel für die Gesellschaft und die Zeit, in der wir leben.

Wir brauchen es schnell, intim und individuell – das zeigt der Erfolg der New Yorker Fast-Food-Gedichte. Doch was sagt uns die deutschsprachige Lyrik, die in Gedichtbänden gedruckt oder auf Literaturbühnen vorgetragen wird? In ihrem Spiegel sehen wir die Sehnsucht nach der Natur und Tieren, viel Beschäftigung mit dem eigenen Ich und Befindlichkeiten. Politisches findet sich in der aktuellen Lyrik kaum. Der Blick geht nach innen, nicht nach außen. Aber schauen wir einmal genauer hin. / Jana Wolf, Mittelbayerische

Hingeschaut wird auf: Jan Wagner, Ulrike Draesner, Caroline Callies, Nora Gomringer, Kenneth Goldsmith, Eric Jarosinski.

SWR Kunscht

Interview mit José Oliver | SWR Kunscht!
Veröffentlicht am 26.02.2015

José Oliver leitete eine Werkstatt zum Thema Poesie mit Menschen aus deutschen FLüchlingsunterbringungen. Im Interview mit Kunscht! erzählt José Oliver über die Schwierigkeiten und Erfolge.

Kunscht! – Kultur im Südwesten – Donnerstags, 22.45 Uhr im SWR Fernsehen

Förderpreis der GWK für Sonja vom Brocke

2015 vergibt die GWK (Gesellschaft zur Förderung Westfälischer Kulturarbeit e.V.) insgesamt vier Förderpreise für bildende Kunst, Musik und Literatur im Wert von rund 30.000 €. Die Preisträger werden zudem in ein mehrjähriges Förderprogramm der GWK aufgenommen.

Mit den GWK-Förderpreisen werden junge Künstler und Künstlerinnen aus Westfalen-Lippe ausgezeichnet, die in ihrer Sparte überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben und Herausragendes auch für die Zukunft erwarten lassen. Über die Vergabe der Preise entscheiden drei unabhängige Fachjuries.

Preisträger Literatur 2015: Sonja vom Brocke

PREISVERLEIHUNG
15. NOVEMBER 2015 11.30 UHR, DORTMUND

Sonja vom Brocke (*1980 Hagen) Lyrikerin
studierte Philosophie, Anglistik und Germanistik in Köln, Hamburg
und Paris. Sie veröffentlichte die Gedichtbände „Venice singt“ (Kookbooks 2015) und „Ohne Tiere“ (H+K 2010). Sie lebt in Berlin.

JURY LITERATUR

  • André Hille | Textmanufaktur, Fischerhude
  • Birgit Peter | Literaturhaus Leipzig, Kuratorium Haus des Buches e. V. Leipzig
  • Dr. Christoph Wenzel | GWK-Förderpreis 2012, Aachen

 

Die GWK ist ein gemeinnütziger Verein in Public-Private-Partnership, der hervorragende junge Künstlerinnen und Künstler aus Westfalen-Lippe fördert. Darüber hinaus entwickelt die GWK Kulturprojekte in und mit der Region.

Die GWK wird von sechs Förderpartnern und zahlreichen Mitgliedern getragen. Wer exzellente junge Kunst in Westfalen-Lippe unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, Mitglied zu werden.

Ingolds Einzeiler

Wer trägt nicht den kleinen roten Punkt am Hals. An der Ferse. Am Lid. Der Einstich ist genau und unsichtbar.

Jeden Donnerstag punkt 11 Uhr veröffentlicht L&Poe ein ungedrucktes Monostichon des Schweizer Dichters Felix Philipp Ingold. Mehr